
Wing Island
Man geht seit der Kindheit davon aus, dass Vögel Flügel haben um zu fliegen. Wozu brauchen sie also ein Flugzeug? Ganz einfach, sie gründen ein Luftfahrtunternehmen und scheffeln so ordentlich Kohle. Nein, ich habe nicht zu lange in der Sonne gesessen, sondern Hudsons Wing Island in der Wii rotieren lassen. Ob der Titel wirklich ein Überflieger ist oder doch eher eine Bruchlandung hinlegt lest Ihr in unserem Test.

Wing Island
WII
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Hudson Soft
- Publisher
- Hudson Soft
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1 lokal
Ein kleiner Junge sitzt mit glänzenden Augen in einem weiß ausgestatteten Wohnzimmer, hält eine Wii Fernbedienung in der Hand, die er wie einen Spielzeugflieger durch die Luft gleiten lässt und schaut auf einem Bildschirm zu, wie seine Flugkünste von einer roten Propellermaschine ausgeführt werden – soweit ein Trailer der E³ 2006, der viele Nintendofans in Vorfreude auf ein neues Pilotwings versetzte. Ein paar Wochen danach stellte sich dann Ernüchterung ein, denn der beworbene Titel war nicht der erhoffte dritte Teil des beliebten Nintendo-Franchises sondern eine Neuentwicklung von Hudson Soft mit dem Titel Wing Island. Doch Hudson hat schon oft bewiesen, dass sie von Spielspaß eine Menge Ahnung haben, denn die Mario Party Reihe geht mit der Wii in die achte Runde und beschert seit N64-Tagen jung und alt unzählige Stunden Partyspaß. Also wieso sollte das nicht auch mit Wing Island klappen?
Du hast doch n‘ Vogel!
Ja den hat man bei Wing Island wohl, denn die Hintergrundgeschichte des Titels dreht sich um den kleinen Familienbetrieb einer Vogelfamilie, das Fliegerunternehmen Wing Inc., die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf einer Inselgruppe verschiedenste Botendienste und sonstige „luftige“ Aufträge anzunehmen um damit ordentlich Geld zu verdienen. Da sich das alte Semester des Unternehmens jedoch aus dem Staub gemacht hat, liegt es nun am Nachwuchs die Leitung zu übernehmen um nicht in die roten Zahlen zu rutschen. Es liegt auf der Hand, dass dieser junge Amateurflieger euer Alterego darstellt und so schnappt man sich den Steuerknüppel bzw. die Wii Fernbedienung und schwingt sich schleunigst in die Lüfte. Um ein Gefühl für die Steuerung der Flieger zu erlangen geht dem ganzen natürlich ein sehr ausführliches Tutorial voran, in dem wirklich kein Steuerungselement ausgelassen wird. Ein bisschen nach hier und da gekippt und geneigt und schon sitzt die wirklich eingängige Grundsteuerung perfekt, dank der Bewegungs- und Neigungssensoren in den Wii-Controllern. Zu diesen Hauptschemen gesellen sich dann jedoch noch ein paar Feinheiten, die zuerst sehr intuitiv erscheinen, im Verlauf der Missionen jedoch schnell nervig werden und überladen wirken. Da wäre zum einen das harte Wendemanöver, dass es erlaubt eine scharfe Kehrtwende hinzulegen, der Boost, bei dem der Flieger durch schnelles Vorstrecken der Wii-Fernbedienung einen gehörigen Geschwindigkeitsschub verpasst bekommt und die abrupte Abbremsung, die durch schnelles Zurückziehen der Fernbedienung ausgelöst wird. Diese drei Befehle wirken in den ersten Missionen noch sehr gelungen, wenn man jedoch unter Zeitdruck steht und immer wieder und wieder den Arm nach vorne schießen lässt um schneller zu werden, bleibt eine Ermüdung und genervte Stimmung kaum aus. Auch möchte ab und an die Kehrtwende nicht so funktionieren wie man diese eingeplant hat, sodass ein Zusammentreffen mit einer wirklich massiven Felswand unumgänglich ist und wichtige Sekunden einfach verstreichen. Da einige Missionen verlangen mit einem Geschwader, bestehend aus fünf Fliegern, den Auftrag abzuschließen muss man gut überlegen, in welcher Formation das Ziel am ehesten zu erreichen ist und genau an diesem Punkt haben es die Jungs und Mädels von Hudson wirklich ein bisschen übertrieben. Da jede Formation ihre Vorteile bringt muss man des Öfteren zwischen den drei Varianten wechseln. Um dies zu bewerkstelligen und die Maschinen in die „X-Formation“, die „V-Formation“ oder die „Linienformation“ zu bringen ist es nötig den Knopfdruck mit unterschiedlichen Bewegungen zu kombinieren. Klingt zwar nicht sonderlich schwierig, jedoch stellt sich das Verfahren als nicht sonderlich intuitiv heraus, da man schon nach kurzen Pausen die Befehle nicht mehr wirklich auswendig weiß. Ob man diese Punkte jedoch allzu negativ sehen sollte, muss jeder selbst entscheiden, schließlich gehört Wing Island zu den ersten vorgestellten Titel für Nintendos Wii und da liegt es nahe, dass die anfängliche Euphorie über die neuen Steuerungsmöglichkeiten, die Effektivität einfach in den Hintergrund gestellt hat.
“Ah jetzt ja, eine Insel“
Zu Beginn eurer großen Fliegerkarriere steht nur eine Insel zur Verfügung, auf der es einige Missionen zu bewältigen gilt. So wird z.B. Fracht ausgeliefert, es werden brennende Tanker und Wälder gelöscht oder Fotos von bestimmten Zielen geschossen. Zusätzlich verlangen einige Aufgaben einen Soloflug, andere fordern euer Geschick bei der Führung des Geschwaders. Nichtsdestotrotz kommt ab und an das Gefühl eines Déjà Vus auf, denn es macht nun wirklich keinen Unterschied ob man Kisten mit medizinischen Inhalt, Brennholz oder Heuballen abwirft. Für jeden erfolgreich absolvierten Auftrag gibt es ordentlich Kohle, die ihr in neue Flugzeugtypen investieren könnt um so alle sieben verschiedenen Flieger freizuschalten oder diese mit besserer Technik zu tunen, ganz nach dem Motto „Pimp my plane“. Wirklich nützlich ist dies jedoch nur bedingt, denn gravierende Unterschiede im Handling lassen sich kaum feststellen. Doch nicht nur Flugzeuge lassen sich freispielen, auch neue Inseln mit mehr Missionen gehören zum Voranschreiten dazu. Insgesamt gilt es 27 verschiedene Aufgaben zu lösen, die jedoch nicht wirklich schwer fallen, sodass schnell der letzte Auftrag abgeschlossen ist und außer dem Zweispieler- und dem Freiflugmodus nichts motivierendes mehr auftaucht. Und dabei wären wir auch schon beim Multiplayerpart angelangt.
Zu zweit oder doch allein und frei wie ein Vogel!?
Wem das fliegen alleine zu langweilig wird, der kann sich mit einem Mitspieler hinter den Steuerknüppel begeben und im Splitscreen einige Wettkämpfe austragen. Wirklich überzeugen konnte dieser Modus jedoch weder mich noch ein paar Kollegen, sodass schnell wieder zu einer Runde Wii Sports gewechselt wurde. Schade eigentlich, denn Potential ist durchaus gegeben, denn schon allein die Tatsache, dass man für 2 Spieler nur eine Fernbedienung und einen Nunchuk benötigt ist sehr vielversprechend. Geteilter Meinung kann man sicher auch über den Freiflugmodus sein, der sich im Spielverlauf dem Spieler eröffnet. Es mag sehr entspannend sein, ohne Auftrag und Zeitlimit über die Inseln zu gleiten, allerdings hat man sehr schnell alle Winkel und Ecken der Küsten gesehen und bei der spartanischen grafischen Präsentation wird man diese kaum ein weiteres mal anfliegen um sich die Natur anzusehen. Wing Island ist nämlich aus grafischer Sichtweise nicht der Rede wert und bleibt auf durchschnittlichem GameCube-Optik Niveau. Genauso mittelmäßig kommt auch die Soundkulisse daher und wer nicht gerade total auf comichafte Vogelgeschichten steht, wird von der Rahmenhandlung und Präsentation auch schnell genug gesehen haben.
Fazit
Vielleicht waren die Vorahnungen gar nicht so verkehrt, als sich herausstellte, dass es sich bei Wing Island nicht um einen Teil der Pilotwings-Reihe handelt, denn sowohl der Umfang als auch die Präsentation können nicht von einem Toptitel zeugen und schieben den Fliegertitel ins Mittelfeld. Einzig die gelungene Steuerung, die zwar ein wenig überladen ist, jedoch grundlegend gut funktioniert und der Freiflugmodus könnten ein paar Hobbypiloten zu einem Flug mit der Wii Fernbedienung anspornen.
- Freiflugmodus
- gelungene Grundsteuerung ...
- ... die jedoch überladen wirkt
- miese Optik
- geringer Umfang
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


