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Mario Strikers Charged Football

Mario Strikers Charged Football

Mana Drache

Mario Strikers Charged Football

WII

Publisher
Nintendo
Konsole
WII
Spieler
1–4 lokal
Freigabe
USK ab 6

Philipp Lahm steht wieder Pate für ein Fußballspiel, was eigentlich fast allen Regeln des modernen Rasenschachs trotzt. Hier wird hemmungslos gefoult, mit Gegenständen nach den Kontrahenten geworfen oder Blitze schlagen in die aufgeheizte Fußballarena ein. Ein Glück, dass der zierliche Philipp vor der Flimmerkiste sitzt – und Mario und seinen Nintendo-Kollegen die Drecksarbeit überlässt. Mario Strikers Charged Football ist der Nachfolger von Mario Smash Football, was seinerzeit auf dem GameCube gerade in Deutschland mit über 100.000 abgesetzten Einheiten für erstaunliche Verkaufzahlen sorgte. Die Entwickler von Next Level Games können auf ein gutes Gameplay-Fundament zurückgreifen (unseren Test zu Mario Smash Football findet ihr hier), die Frage ist, welche Neuerungen gerade in Bezug auf die einzigartigen Steuerungsmöglichkeiten von Wiimote und Nunchuk vorgenommen wurden. Dafür haben wir die Tastenbelegung genauer unter die Lupe genommen.

Gleicht setzt´s was mit der Wiimote!

All denjenigen, die über Wii Sports oder Wii Play ihren Zugang zu Videospielen gefunden haben, sei gesagt, dass sie sich in puncto Setuerung auf einiges gefasst machen müssen. Mario Striker Charged Football ist nämlich kein leicht zugängliches Spiel für die so genannten Casual Gamer, sondern wirklich anspruchsvoll, da nahezu alle Tasten sowohl auf der Wiimote als auch auf dem Nunchuk genutzt werden. Die Bewegungssensoren kommen neben der Menüführung auch innerhalb des eigentlichen Spiels zum Einsatz. Um eine Blutgrätsche auszuführen, wedelt ihr kurz mit der Wiimote, den Nunchuk schüttelt ihr, wenn ihr euren Gegner bei einem gefürchteten Megaschuss behindern oder einen Gegenstand wechseln wollt, und mit der Pointerfunktion der Wii-Fernbedienung pariert ihr gegnerische Schusssalven. Richtig: Bei Mario Strikers Charged Football fliegen euch im Gegensatz zum Vorgänger gelegentlich mehrere Bälle auf einmal um die Ohren. Solche aufgemotzten Megaschüsse können aber immer nur von den charismatischen Kapitänen einer Mannschaft ausgeführt werden. Wenn ihr die B-Taste lange genug haltet (und nicht zwischenzeitlich von einem herannahenden Abwehrspieler angegangen werdet), erscheint ein zu einem Halbkreis gebogener Balken über Bowser und Co., auf dem sich zwei Trefferzonen befinden. Ein Strich bewegt sich in diesem Balken, den ihr möglichst genau mit dem B-Knopf in diesen Zonen stoppen müsst. Der linke Bereich gibt dabei die Anzahl, der rechte die Geschwindigkeit der Bälle an. Seid ihr nun „Opfer“ eines solchen prächtig animierten Megaschusses, schlüpft ihr in die Rolle des Torwarts und zielt nun in Windeseile mit der Wiimote auf die heranrauschenden Bälle auf dem Bildschirm und wehrt sie mit der A-Taste ab. Neu hinzugekommen ist die Eigenschaft des Balles, sich durch das Zutun jedes Spielers auf dem Feld aufzuladen (daher das „Charged“ im Titel). Durch viel Hin- und Herpassen, Blocken, Vorlegen und nicht zuletzt durch stärkere Schüsse verändert sich die Farbe des Balles von einem dunklen Violett hin zu einem strahlenden Weiß. Genau dann vervielfacht sich auch die Schusskraft und Präzision, sodass aufgeladene Bälle viel schneller im Tor unterzubringen sind. Gerade im späteren Spielverlauf wird diese Schussvariante immer wichtiger, da euch kaum noch Zeit für einen Megaschuss gelassen wird. Waren eure Teamkollegen im Vorgänger noch recht blass und unterschieden sich von ihren Fähigkeiten her kaum voneinander, haben sie in Marios zweitem Fußballspiel eindeutig an Eigenständigkeit gewonnen. Ihr könnt jedes Teammitglied vor Anpfiff einzeln wählen. Dazu zählen Birdos, Hammerbrüder, Buu-Huus und andere Nebendarsteller aus Marios Abenteuern. Jede „Gattung“ verfügt über besondere Stärken und Schwächen: Die Hammerbrüder sind zwar ungemein träge, dafür schießen sie fest und präzise. Auf der anderen Seite sind Toads echte Sprinter, ihre Pässe sind sehr genau, aber ihre Schusskraft lässt zu wünschen übrig. Einige eignen sich durch ihre kompromisslosen Grätschen eher als Abwehrspieler, andere sind eher im Sturm vorzuziehen – Unentschlossene und Ungeduldige können aber auf eine voreingestellte Standard-Mannschaft für jeden Kapitän zurückgreifen. Jeder der Teamkollegen ist zudem – und das ist auch neu – mit einem eigenen Superschuss gesegnet, die wie die Megaschüsse der Kapitäne mit gehaltener B-Taste aufgeladen werden. Birdos feuern beispielsweise Bälle ab, die sie in ein überdimensionales Ei verpacken und in Richtung Torhüter jagen. Stellt sich kein gegnerischer (oder ein Spieler der eigenen Mannschaft) in den Weg, fällt immer ein Tor, denn der Keeper wird von der berstenden Eierschale kurzerhand umgeworfen. Die Knochentrocken laden den Ball elektrisch auf und setzen den Torwart unter Strom. Daraufhin prallt in der Regel der Ball von diesem ab und im Nachschuss kann die Skelettschildkröte die Kugel am paralysierten Keeper vorbei ins Tor befördern. Die letzte Neuerung, die hier vorgestellt werden soll, sind die Tricks, die mit dem digitalen Steuerkreuz auf der Wiimote inszeniert werden. Mit ihnen könnt ihr nicht nur hereingrätschende Gegenspieler abwimmeln oder ins Leere laufen lassen, sondern auch den Torwart verladen. Führt ihr einen aufgeladenen Ball vor euch, gelingen die Kunststückchen besonders gut. Bei gutem Timing vollführt Toad einen Sprung über den Torwart, Waluigi oder Daisy teleportieren sich einfach an ihm vorbei und tragen den Ball geradezu ins Tor. Eine besondere Rolle spielen auch wieder die Items wie etwa Bananenschalen oder diverse Schildkrötenpanzer, die ihr defensiv und offensiv einsetzt, um zum Beispiel die anrückenden Abwehrspieler von euch fernzuhalten, wenn ihr zu einem Megaschuss ansetzt. Die Items erhaltet ihr, wenn ihr mit einem aufgeladenen Schuss zum Abschluss kommt oder wenn euch euer Kontrahent foult, ohne dass ihr in Ballbesitz seid. Diesmal gibt es auch ganz spezielle Items für eure Führungsspieler: Mario verwandelt sich zu Super Mario und stampft in Riesengestalt das gegnerische Team in den Boden. Wario hingegen quält seine Kontrahenten mit giftig-grünen Stinkbomben-Blähungen und läuft fröhlich furzend über das Spielfeld. Im Grunde genommen geht es bei diesen Super-Items darum, sich genügend Platz und Raum zu verschaffen, um einen Megaschuss anzusetzen oder einen gegnerischen Angriff im letzten Moment zum Scheitern zu bringen.

Gleich und doch ganz anders?!

Das Gameplay wurde zwar nur an einigen Stellen verändert, dies sorgt aber dafür, dass sich der Spielverlauf stark vom Vorgänger unterscheidet. Blindlings gespielte Flanken vor das Tor sind kaum noch effektiv – dafür verlagert sich das Gameplay auf das Ausführen und Verhindern von Superschüssen und dem Aufladen der Kugel. Wer den ersten Teil schon hektisch fand, der wird hier öfters Mühe und Not haben, in dem ganzen Gewusel und Effektgewitter herauszufinden, wer eigentlich in Ballbesitz ist. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit stellt sich rasch ein Gefühl der Kontrolle ein, das man in dem Maß vom Vorgänger nicht kannte. Dort drängte sich häufig der Eindruck auf, dass viele Tore zufällig fallen und man sich oft nicht wirklich im Klaren darüber war, warum jetzt dieser Schuss zum Torerfolg führte und der davor kläglich scheiterte. Mario Strikers Charged Football fühlt sich viel ausgereifter an als der Vorgänger, die gestiegene Komplexität macht das wilde Gekicke interessanter.

Auf dem Weg zum Strikerpokal, das Ziel nicht mehr vor Augen...

Im Trainingsmodus habt ihr genügend Zeit, die Steuerung zu verinnerlichen. Für Solo-Spieler gibt es allerdings einen Challenge-Modus, bei dem euch besondere Aufgaben für jeden Kapitän auferlegt werden. Meist geht es darum, einen Rückstand binnen eines knapp bemessenen Zeitraums aufzuholen. Die späteren Herausforderungen sind teuflich schwer, und auch der Turniermodus namens „Der Weg zum Strikerpokal“ hat es ab der zweiten Runde, dem Kristallpokal, wirklich in sich. Vor welche Aufgaben ihr dann aber im finalen Strikerpokal gestellt werdet, ist für ein Nintendo-Spiel sehr anspruchsvoll ausgefallen. Dann läuft es nur noch mit absoluter Konzentration, blitzschnellen Reaktionen, gutem Timing beim Grätschen (um eure gegnerische Mannschaft nicht mit Items zu überschütten) und strategischem Einsatz der hilfreichen Gegenstände. Trotzdem – Frustration ist später euer ständiger Begleiter, zumal das Speichermanagement diese Frustration noch fördert. Habt ihr euch durch die zehn Spiele umfassende Vorrunde eines Pokals gekämpft und scheitert in der ersten Partie gegen den bisherigen Champion, könnt ihr den gesamten Cup – inklusive Vorrunde – noch einmal von vorne beginnen. Und so eine Vorrunde dauert etwa eine knappe Stunde. Zwar ist es dann ein besonders spannendes Finale (weil nun einmal alles auf dem Spiel steht) und ein besonders befriedigendes Gefühl, wenn man den Titelverteidiger geschlagen hat, aber hier hätte man durch fairere Speichermöglichkeiten etwas Druck vom Spieler nehmen müssen. Die ganze Mühe lohnt sich im Endeffekt aber doch: Ihr könnt nicht nur drei versteckte Charaktere freischalten, die das Spieleraufgebot auf insgesamt zehn erhöhen, sondern auch neue Spielfelder für den Versus-Modus erspielen. Das Repertoire der Arenen setzt sich zusammen aus den klassischen Feldern des Vorgängers und vielen neuen Stadien, die allesamt über interaktive Elemente verfügen. Auf der Gewitterinsel werden Kühe und Traktoren über das Spielfeld geweht, welche die Kicker im schlimmsten Falle vom Feld reißen. Und in einem Vulkan geht es heiß her: Urplötzlich tauchen Lavaseen auf, bei denen sich eure Kollegen die Hintern verbrennen. Abkühlung verschafft das Schlammloch: Allerdings bleibt die Kugel und auch eure Fußballer häufiger im Morast stecken. Die gesamte optische Aufmachung des Spiels kann als gelungen bezeichnet werden, sie liegt aber nur marginal über dem Niveau des GameCube-Vorgängers. Die Animationen sind absolut flüssig, die Stadien wirken durch die tolle Zuschauerrepräsentation und die interaktiven Elemente lebendig. Auch der Sound setzt den positiven Eindruck fort: Jeder Kapitän betritt die Arena mit einem eigenen Jingle (genial: Luigi und Bowser Jr.). Der tendenziell aggressive Stil in Grafik und Sound passt sich dem Treiben auf dem Feld an – ein stimmiges Gesamtkonzept!

Virtuelle Blütgrätschen unter Freunden

Einen besonderen Reiz macht immer der Mehrspielermodus aus, der sich bei Mario Strikers Charged Football geradezu anbietet. Mit bis zu vier Spielern lässt sich prima Aggression abbauen – und der Schlag mit der Wiimote zum Foulen passt wie die Faust aufs Auge. Natürlich sorgen die witzigen Animationen und Schreie der Spielfiguren für die nötige Lockerheit. Schon das „Prequel“ war ja eine Spielspaßgranate, das ruppige, schnelle und lustige Gameplay ist einfach wie gemacht für einen Party-Spieleabend. Das Teamplay ist zwar durch die effektiven Superschüsse nicht mehr ganz so gefragt wie im Vorgänger, dafür kann euch euer menschlicher Kollege die lästigen Abwehrspieler vom Hals halten, während ihr einen Megaschuss aufladet. Das funktioniert übrigens auch ganz gut in den Pokalen. Dort dürft ihr nämlich auch zu zweit gegen die computergesteuerten Mannschaften antreten. Das Spiel ist aber nicht so leicht erlernbar wie etwa Wii Sports – also gebt euren unbedarften Freunden eine Chance – habt Geduld mit ihnen… Der Spielspaß zu mehreren kann aber auch online fortgeführt werden. Bei uns in Europa ist nicht etwa Pokémon Battle Revolution das erste Spiel, bei dem ihr online über die Nintendo Wi-Fi Connection gegen andere Möchtegern-Ronaldinhos antretet, sondern Marios Rüpel-Gebolze. Ihr meldet euch über einen Mii an und kickt alleine oder mit einem Gast gegen andere europäische Sofa-Fußballer. Die Einschränkung auf den alten Kontinent begründet Nintendo damit, die Online-Verbindungen stabil zu halten. Via zwölfstelligem Freundschaftscode steht es euch aber frei, auch Freunde aus anderen Erdteilen herauszufordern. Wer zwei von drei Spielen gewinnt, darf sich als Sieger feiern lassen. Entscheidet ihr euch für ein Punktespiel, wetteifert ihr um einen möglichst hohen Rang auf der täglichen Bestenliste. Derjenige Spieler mit der höchsten Punktzahl wird sogar im Eingangsbildschirm mit Namen und Mii angezeigt. Um sich diesen Ruhm zu verdienen, genügt es aber derzeit nicht, einfach ein paar gute Spiele abzuliefern und dadurch viele Zähler einzuheimsen – ihr müsst den ganzen Tag lang online sein, um die momentanen Spitzenreiter mit mehr als 1300 Punkten hinter euch zu lassen. Bei euren Online-Auftritten regnet es zehn Punkte für einen Sieg zuzüglich weiterer Punkte für eure geschossenen Tore. Verlierer gehen aber nicht leer aus: Ein Ehrenpunkt und noch ein paar Zähler für die Tore trösten euch über die Niederlage hinweg. Mario Strikers Charged Football ist ein würdiger Einstand für das Online-Spielen auf der Wii. Sicherlich hätte man das nervige Eingeben der Freundescodes umgehen und eine Chat-Funktion integrieren können, aber spätestens beim Anstoß sind diese Wehrmutstropfen vergessen. Die meisten Partien laufen absolut ruckelfrei, nur ab und an kommt es zu Ausnahmen. Das Punktesystem ist hoch motivierend. Aber natürlich ist die famose Spielbarkeit das Fundament für eine durch und durch gelungene Online-Gaming-Premiere der Wii!

8.5Wertung

Fazit

Mario Strikers Charged Football bietet in allen Belangen mehr Spieltiefe als der Vorgänger auf dem GameCube. Der Mehrspielermodus ist ein Garant für viele rüpelhafte Fußballrunden im Freundeskreis. Mit dem Online-Modus feiert die Wii zudem eine tolle Online-Premiere in Europa!

Design
7.0
Sound
7.0
Online Multiplayer
9.0
  • mehr Spieltiefe
  • toller Mehrspieler- und Online-Modus
  • technisch rund
  • manchmal zu hektisch
  • teils frustrierend schwer
  • Speichermanagement

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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