
Medal of Honor: Vanguard
In Medal of Honor: Vanguard geht es einmal mehr auf den europäischen Schlachtfeldern des zweiten Weltkriegs zu. Neben einer aufgebohrten Grafik und der gewohnt starken Soundkulisse, erwarten die Spieler natürlich auch eine neuartige, intuitive Steuerung für den Shooter. Ob die schwächelnde Serie endlich auf der Wii wieder in Fahrt kommt, erfahrt ihr in unserem aktuellen Test.

Medal of Honor Vanguard
WII
- Genre
- Ego-Shooter
- Serie
- Medal of Honor
- Entwickler
- Electronic Arts
- Publisher
- Electronic Arts
- Konsole
- WII
- Freigabe
USK ab 18
Manche Dinge ändern sich selbst dann nicht, wenn eine neue Konsolengeneration gestartet ist. Neben den obligatorischen ersten Gurken für ein System, ist auch immer ein Publisher mit seinen Serien zu Stelle. Die Rede ist natürlich von Electronic Arts, die die hauseigenen Spiele auf nahezu alle verfügbaren Systeme portieren. Da die Wii offensichtlich nicht bei aktuellen Next-Gen-Grafiken mithalten kann, oder aber sämtliche Publisher inklusive Nintendo die Flinte bereits ins Korn geworfen haben und sich mit dem unterdurchschnittlichen Line-Up der letzten Monate zufrieden geben, entschied man bei EA, dass man für die PlayStation 2 (!) und die Wii ein exklusives MoH anbietet, das sich nur bedingt am „richtigen“ Nachfolger Airborne orientiert. Hat man diesen Umstand verdaut, darf man sich auf einen neuen Ausflug zurück auf die Schlachtfelder des zweiten Weltkriegs machen. Diesmal geht es um die Luftlandedivisionen der Amerikaner, die teilweise die Deutschen einschließen und somit mehrere Fronten öffnen sollten.
Das Spiel ist in vier Kampagnen unterteilt, die zusammen gerade einmal zehn Level aufbieten können. Dabei ist die Spielzeit erstaunlich niedrig, bis der Abspann läuft, vergehen bei einigermaßen geübten Zockern keine vier Stunden. Somit begleitet den Spieler permanent das Gefühl, EA wollte mit möglichst geringem Aufwand auch die Wii-Käufer bedienen. Die Steuerung geht erfreulich intuitiv von der Hand: Mit der Wii-FB zielt man auf die Gegner, bewegt man sich auf den Bildschirmrand zu, schwenkt die Kamera mit. Der Nunchuk dient neben dem Laufen auch zum Springen, Ducken und Kriechen. Alle diese Bewegungen können durch Bewegungen nach oben oder unten ausgelöst werden. Schneller und im Kampf effizienter sind aber der C- und Z-Knopf. Durch eine Bewegung nach links und rechts wird nachgeladen und der Soldat kann eine schnelle 180°-Drehung vollführen. Was praktisch klingt, gelingt leider in den entscheidenden Momenten viel zu selten. Normalerweise ist die Nunchuk-Steuerung unproblematisch, aber bei MoH Vanguard scheint sie nicht immer korrekt anzusprechen. Bei drei der vier Kampagnen kommt zusätzlich noch eine sehr intuitive Fallschirmsteuerung zum Tragen. Leider dauern diese Momente nur wenige Sekunden und ein tolles Feature verkümmert zu einem Minispiel. Ansonsten gibt es wenig Neues an der Front: Immer wieder tauchen Deutsche oder Italiener auf, die zurückgeschlagen werden müssen. Dabei sind die zu durchquerenden Areale relativ klein. Gescriptete Ereignisse kommen weit weniger vor, als in Call of Duty 3. Auch ist es unmöglich den Mitstreitern Befehle zu geben und so sind die KI-Kameraden oftmals im Weg und letztlich nur Statisten, da sie auch nicht wirklich in das Geschehen eingreifen. Kleine Highlights sind dann das Ausräuchern von Bunkern, die Zerstörung von Flaks oder das Bekämpfen von Panzern. Die Spielzeit wird durch einen Vierspielermodus im Splitscreen verlängert, eine Online-Funktion gibt es nicht, obwohl die Wii alle Möglichkeiten dazu hätte. Im Einspielermodus gibt es nach dem Beenden der letzten Kampagne noch Medaillen in den einzelnen Leveln freizuspielen. Auch diese Aufgabe gestaltet sich aber als leicht und offenbart keine Spieltiefe, da es z.B. keinerlei sekundäre Aufgaben abseits des Hauptwegs gibt, sondern z.B. nur alle Waffen eines Levels genutzt werden müssen, oder der Fallschirmabsprung in einer Zielzone belohnt wird.
Avantgardistisch ist anders
Die Grafik ist auf der Wii ein Thema, das von Monat zu Monat schmerzlicher wird. Das Interesse, der Konsole wenigstens besseres GameCube-Niveau zu spendieren, tendiert gegen null. Medal of Honor Vanguard macht es nicht besser: Die Häuser sind spärlich mit immer gleichen Gegenständen ausgestattet. Kriecht man durch das Gras, bekommt man aufgepixelte Texturen zu Gesicht, die selbst beim Nintendo 64 zu Kritik geführt hätten. Wandtexturen sind verwaschen und teilweise gar nicht vorhanden. Wenigstens die eigenen Soldaten und die Gegner sehen einen Tick besser aus in den letzten MoH-Teilen auf dem GameCube. Vor allem die Uniformen sind wesentlich sauberer texturiert. Ganz selten kann die Grafik sogar erfreuen, etwa wenn amerikanische Flugzeuge am Himmel vorüberziehen oder man einen Hang hinaufläuft und von der Sonne realistisch geblendet wird. Insgesamt ist die Grafik aber so nicht für ein neues System akzeptabel und wirkt uninspiriert, lieblos.
Musik und SFX: Die Rettung vor dem Absturz
Eine große Stärke der gesamten MoH-Reihe waren schon immer die realistischen Kampfgeräusche und vor allem die sehr stimmungsvolle Musik. Beides ist wieder in Vanguard enthalten. Die deutsche Sprachausgabe ist durchaus gelungen, auch wenn etwas mehr Kampflaute realistischer gewesen wären. Die Musik setzt viel zu selten ein, um spannende Momente zu unterstreichen. Ein voller Soundtrack ist zumindest nicht enthalten. Gewehre, Geschütze und Flugzeuge klingen sehr gut, genau wie man es auch aus Filmen kennt.
Fazit
Medal of Honor Vanguard ist offensichtlich ohne großen Enthusiasmus entwickelt worden, damit die Wii-Spieler, denen MoH Airborne vorenthalten wird, auch was zum Spielen haben. Das Gameplay geht in Ordnung, der Sound auch, aber was die Spielzeit angeht und vor allem grafisch wird viel zu wenig geboten. Eines ist wenigstens erfreulich: Bald glauben wir alle, dass ein Spiel mit einer 7 ein echter Knaller ist... zumindest auf der Wii!
- Realistische Soundkulisse
- Fallschirmabsprünge bieten Neues
- Indiskutable Grafik
- 3 Stunden bis zum Abspann
- 5 mit allen Medaillen
Vielen Dank an die Firma Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.


