
Spectrobes
Was haben wuselige Monster, Fossilien, Mineralien, Raumschiffe und weit entfernte Planeten gemeinsam? – Nichts möchte man meinen, jedoch belehren die Disney Interactive Studios einen jeden DS Besitzer eines Besseren. Spectrobes, der neueste Streich der Entwicklerschmiede, vereint genau diese Elemente und lockt mit einem Mix aus Echtzeitkämpfen, RPG-Elementen und dem, durch Pokémon berühmten, Sammelpotenzial. Ob Spectrobes das Zeug hat, mit seinen Genrekollegen mitzuhalten, erfahrt Ihr in unserem Test.

Spectrobes
NDS
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Jupiter
- Publisher
- Disney Interactive
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
In der Welt von Märchen, Fabeln und Legenden sind Monster blutrünstige Widersacher, die ein Land in Angst und Schrecken versetzen, Einwohner fressen und zudem noch nicht sonderlich schön anzusehen sind. Meistens erscheint jedoch ein auserwählter Held, der die Monster besiegt, Ruhm erntet und das Land und dessen Bewohner dadurch erlöst. Ja – meistens! Denn spätestens seit 1996 die Pokémon auf die Videospielgemeinde losgelassen wurden, erfreuen sich „Sammelmonster“ größter Beliebtheit und haben das Monsterimage deutlich aufgebessert und auch nach mehr als 10 Jahren nimmt die Hysterie kein Ende. Klar, dass nicht nur Nintendo monstermäßige Ideen hat und so ist es nicht verwunderlich, dass hier und da ein ähnliches Sammel-Rollenspiel erscheint um am Genrethron zu rütteln. Diesmal geht dieser Versuch von Disney Interactive Studios aus und nennt sich Spectrobes.
Unendliche Weiten voller Fossilien, Mineralien und Krawl
Durch die Weiten der Nanairo-Galaxie düst ein Raumschiff auf einen kleinen Planeten zu. An Bord zwei Besatzungsmitglieder namens Rallen und Jeena, deren Mission es ist, ein unbekanntes Flugobjekt, dass auf die Oberfläche eines Planeten gestürzt ist ausfindig zu machen und zu identifizieren. Dass dies der Anfang einer Rettungsaktion der gesamten Galaxie ist, sollte sich erst im Nachhinein herausstellen. Was hier wie eine Romaneinleitung scheint, umschreibt die Anfangssequenz des Spiels, welches in einem fernen und futuristischen Sonnensystem angesiedelt ist. Im Verlauf der Handlung durchstreift ihr als Rallen, dem Helden, rund 7 Planeten, erfüllt Aufgaben, besiegt die Krawl und versucht so das Nanairo-System zu retten. Jetzt wird sich ein Jeder fragen: Krawl? Was ist das denn? – und genau diese Reaktion überkam mich beim ersten anspielen von Spectrobes auch. Krawl sind allesverschlingende Kreaturen, die vor nichts und niemandem zurückschrecken und auf ihrem Beutezug durchs All ganze Galaxien verspeisen und auslöschen. Dieses Schicksal soll dem Nanairo-System natürlich nicht widerfahren und darum scheint Rallen die einzige Hoffnung für die Bewohner des Sonnensystems zu sein, denn bei einer Rettungsmission erhält er die Gabe durch den sogenannten Prizmod, eine Art Minicomputer an Rallens Arm, Spectrobes zu befehligen und diese im Kampf gegen die fiesen Krawl einzusetzen. Damit unser Held bei der ersten Begegnung mit den dunklen Widersachern nicht aufgeschmissen ist, erhält er zu Beginn zwei Spectrobes - den Rest der 100 Wesen gilt es jedoch selbst zu finden.
Wer suchet, der findet
Das besagt eine uralte Weisheit, die auch im Falle von Spectrobes zutrifft und ein wichtiges Spielelement umschreibt: Die Fossiliensuche. Um neue Spectrobes zu wecken oder um bereits geweckte Monster weiterzuentwickeln, bedarf es der fleißigen Suche nach Fossilien auf den Planeten des Nanairo-Systems. Mit einem Such-Spectrobe als Begleiter kann Rallen den Boden eines jeden Himmelskörpers nach vergrabenen Kostbarkeiten durchsuchen. Hierzu trägt das Such-Spectrobe bei, denn durch Berührung mit dem Stylus zeigt es die Lage von verschiedenen Fossilien im Umkreis des Helden an. Seid ihr auf etwas gestoßen, geht auch schon die Ausgrabung los. Mit verschiedenen Bohrern und einem Gebläse ausgerüstet, klickt sich der Spieler zuerst durch einige Gesteinsschichten, bis die Schicht, die ein Fossil in sich trägt, sichtbar wird. Nun heißt es Vorsicht an den Tag legen, denn bohrt man zu oft in das Fossil hinein, zerbricht dieses und die Ausgrabung war ein Schuss in den Ofen. Damit dies nicht passiert, setzt ihr mit Rallen die unterschiedlichen Bohrer ein, scannt den Boden nach der genauen Lage des begehrten Gesteins ab und zeichnet so behutsam die Umrisse des Fossils nach. Mit dem Gebläse lassen sich winzige Steinsplitter vom Fossil entfernen und wie könnte es anders sein, kommt hier das Mikrofon des DS zum Einsatz. Wer nicht ewig pusten möchte, kann das Gebläse aber auch mit dem Stylus anwählen und über den Touchscreen führen. Klingt alles toll und macht auch am Anfang sehr viel Spaß, jedoch wäre hier ein kleines bisschen Feinschliff durchaus angebracht gewesen, da im Verlauf des Spiels unzählige Bodenschätze geborgen werden müssen, denn durch schnelles reiben mit einem der Bohrer, lassen sich 95% der Fossilien ohne Beschädigungen bergen, sodass der eigentliche Geschicklichkeitsfaktor verloren geht. Hierbei machen auch die verschiedenen Fossilienarten keinen Unterschied. Sowohl die Spectrobes-Fossilien, als auch die Mineralien und Kuben gleichen sich in der Art wie sie geborgen werden und unterscheiden sich lediglich in ihrer Form und Farbe. Nach einigen erfolgreichen Ausgrabungen tritt man also den Rückweg zum Raumschiff an, um die gefundenen Bodenschätze sinnvoll einzusetzen. Natürlich widmet man sich zuerst den Spectrobes um die neu gefundenen Wesen zu wecken. Hier kommt das Raumschifflabor zum Einsatz. Zuerst wird der Steinklotz per Stylus in eine Maschine geschubst, dann quasselt man solange ins Mikrofon bis ein Countdown erscheint und schon bricht der Stein auf und ein Spectrobe erblickt erneut das Licht der Welt. Frisch „geschlüpfte“ Monster können jedoch noch nicht kämpfen, sondern eigenen sich nur als Such-Spectrobes. Erst in höheren Entwicklungsstufen wächst ihre Kraft um sie in Kämpfen gegen die Krawl einzusetzen. Damit sie so groß und stark werden und sich entwickeln, bedarf es vieler Mineralien, mit denen sie gefüttert werden und die ihre Statuswerte in die Höhe treiben. Hierzu steckt man die bunten Wesen in die Inkubator-Kammern und päppelt sie dort mit den Mineralien auf. Natürlich will man möglichst viele starke Recken an seiner Seite haben und darum streift man immer und immer wieder durch die Landschaften der Planeten um Mineralien aufzuspüren. Damit die Ernte nicht einseitig ausfällt, sollte ab und an das Such-Spectrobe ausgetauscht werden, denn unterschiedliche Monster finden auch verschiedene Fossilien. Ab und an funkeln regenbogenfarbene Fossilien am Boden, die sogenannten Kuben. Diese mysteriösen Bodenschätze enthalten Spielhinweise oder schalten neue Funktionen frei.
Niedlich und doch kampferprobt
Während man durch die Gegend rennt, Fossilien sucht oder Aufgaben erfüllt, trifft man häufig auf die Krawl, die als violette Wirbelstürme über den Boden fegen und zielstrebig auf Rallen zusteuern. Bei Berührung entbrennt ein verbitterter Kampf, der in Echtzeit abläuft und sich nicht auf ein Rundensystem versteift. Der Schlagabtausch findet immer in einer 3 vs. 3 Variante statt, d.h. drei Krawl gegen Rallen und zwei seiner Spectrobes. Richtig gehört, Rallen hält sich nicht aus dem Geschehen heraus, sondern greift mit Blaster und Schwert bewaffnet selbst ein um dem Treiben der finsteren Wesen ein Ende zu setzen. Was sich interessant anhört ist jedoch nicht gang glücklich umgesetzt, denn die Spectrobes orientieren sich stets am Standpunkt des Helden, den ihr mit den Richtungstasten über das Schlachtfeld navigieren könnt. Dies führt zu einem wuseligen Treiben und sorgt für unübersichtliche Momente, wenn alle beteiligten Charaktere sich auf einem Fleck tummeln. Zwar lassen sich die Angriffe der Spectrobes durch die Schultertasten des DS timen, jedoch geht ein Kampf meist nie ohne erheblichen Lebenspunkte-Verlust von statten, sodass man schnell dazu über geht, die Spezialangriffe der Spectrobes immer und immer wieder einzusetzen. Diese Attacken plätten die Widersacher nach ein oder zwei Treffern und die Energieleiste dieser Combos füllt sich dermaßen schnell, dass die Kämpfe zu einer Aneinanderreihung von Spezialangriffen mutieren. So geht man kaum einem Aufeinandertreffen aus dem Weg und kann seine Spectrobes relativ schnell aufleveln. Anfangs kann der Schlagabtausch auch Animationstechnisch noch überzeugen, denn hier sollte erwähnt werden, dass die Polygonmonster und ihre Angriffe wirklich fantastisch in Szene gesetzt wurden und an Effekten nicht gespart wurde. Doch irgendwann kommt der Punkt an dem man alle möglichen Varianten ein Duzend mal gesehen hat und somit kann auch die optische Gestaltung das hecktische und unausgereifte Kampfsystem nicht retten.
“Würdet ihr das für mich tun?“
Diesen Satz sollten Rollenspielfans zu Genüge kennen, denn oftmals resultieren Quests aus Botengängen oder Aufträgen in denen man jemanden rettet oder ein Monster aus einem Dungeon verjagen muss. So war es bisher fast immer und auch Spectrobes bedient sich dieser Elemente. Abseits der Rettung der Galaxie sucht man so z.B. Dungeons nach Items ab, holt Erkundungen ein oder besiegt einen Obermotz in einem tempelähnlichen Kerker. Aufgelockert wird das ganze durch die vielen Minispiele, die sich vom einfachen wecken der Spectrobes, über das aufziehen und entwickeln der kleinen Monster bis hin zum navigieren zwischen den verschiedenen Planeten erstrecken. Ach richtig, die Planeten: Durch den Wechsel zwischen den vielen Himmelkörpern, konnten die Entwickler des Titels oftmals die Optik drastisch ändern, sodass sich die Gegenden stark unterscheiden und durch die Weitsicht, die auf dem oberen Display dargestellt wird, in feiner 3-D Grafik dargestellt werden. Nichtsdestotrotz wirken einige Passagen auch hier sehr monoton, da es etliche Längen im Spiel gibt, wie z.B. unendliche Sandbänke, Grasflächen und Gebirgszüge, die sich optisch doch sehr karg geben, jedoch viele Fossilien enthalten. Ebenso unspektakulär erweist sich auch die Hintergrundgeschichte, die gepaart mit den eher flachen Dialogen nicht wirklich überzeugen kann. Genauso verhält es sich auch mit der akustischen Untermalung, die eher dahinplätschert als Akzente zu setzen. Schaut man jedoch über den Tellerrand zum Genrekollegen von Nintendo, erkennt man auch hier keine wirklich prickelnde Story oder einen Oscar-reifen Sountrack. Es dreht sich eben um den Sammel-, Tausch- und Suchteffekt.
Wer Würmer hat ist nicht allein – Wer Spectrobes erweckt auch nicht!
Dieser Sammelsuchteffekt wird natürlich viel intensiver, wenn man seine Schützlinge mit Freunden austauschen kann oder gegen die Spectrobes des Freundes in den Kampf schickt. Wenn dies dann auch noch online mit Spielern aus der ganzen Welt möglich ist, leuchten die Augen eines jeden Sammlers sicher heller als jeder Baustrahler. Spectrobes verbindet diese Elemente gekonnt, lässt euch Ad-hoc Tuniere austragen oder Spectrobes und Objekte mit anderen Spielern austauschen, jedoch nur lokal. Per Wi-Fi Connection lassen sich lediglich neue Elemente ins Spiel übertragen und Ranglisten hochladen. Möchte man sich diese Ranglisten dann auch noch ansehen, bedarf es jedoch eines PCs mit Internetanbindung. Unverständlich ist zudem, wieso die Wi-Fi & Wi-Fi Connection Features erst relativ spät im Spiel freigeschaltet werden, denn um Kontakt zu anderen DS aufnehmen zu können, muss erst die Wi-Fi Kontrollkonsole im Rauschiff von Rallen und Jeena aktiviert werden. Ein weiteres witziges Feature bildet die Möglichkeit, durch Sammelkarten (Power-Up-Karten) neue Items und Spectrobes freizuschalten. Wurde der Karteneingabemodus durch das Auffinden eines bestimmten Kubus‘ aktiviert, legt man die nett designten und mit Löchern versehenen Kunststoffkarten auf den Touchscreen des DS. Nun geht man numerisch vor, berührt die Löcher in den Karten der Reihe nach und schon befinden sich neue Fossilien in eurem Besitz. Mir persönlich hat dieses Feature sehr gefallen, jedoch verkommt es irgendwie zu Nebensache. Die ersten 4 Power-Up-Karten liegen dem Spiel bei, weitere sollen bei bestimmten Aktionen verteilt werden. Zusammenfassend bleibt wohl nur zu sagen, dass Spectrobes mit allen Mitteln versucht zu überzeugen und sich von Genrekollegen abzusetzen, jedoch gelingt dies immer nur stückchenweise, sodass man den Titel zum gehobenen Durchschnitt zählen, ihm jedoch nicht den Must-Have Stempel aufdrücken kann. Wer allerdings Abwechslung vom „Traineralltag“ sucht, die Zeit bis zum Erscheinen der neuen Pokémon-Editionen überbrücken möchte oder Interesse an den beschriebenen Features verspürt, für den ist Spectrobes eine willkommene Neuentwicklung aus dem Hause Disney. Sollten sich die Entwickler der kleinen Unstimmigkeiten annehmen und einen Nachfolger mit verbessertem Kampfsystem und anderen Überarbeitungen auf den Markt werfen, wäre ein deutlicher Schritt in Richtung Toptitel sicher getan, denn Spectrobes bietet bereits jetzt gute Voraussetzungen.
Fazit
Sepctrobes verbindet den Monster-Sammeleffekt mit neuen Spielelementen, einem Echtzeitkampfsystem und einer netten Nutzung der DS Features. Zudem enthält der Titel einen vorbildlichen Multiplayer und kann auch Grafisch in einigen Belangen durchaus auftrumpfen. Leider funktioniert das Gesamtkonzept nicht ohne Spielspaßeinbrüche und wirft den Titel zurück ins gute Mittelfeld, wo er jedoch seine Position behaupten kann.
- Grafische Gestaltung gefällt
- Gelungene Wi-Fi Features
- Viele neue Ideen
- Maue Story
- Unübersichtliche Kämpfe
- Leider kein Suchtfaktor
Vielen Dank an die Firma Disney Interactive für die Bereitstellung des Testmusters.


