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Excite Truck

Excite Truck

OldMacMario

Wave Race, F-Zero und Mario Kart lassen sich mit ihren Wii-Debüts noch etwas Zeit, über einen unterhaltsamen, Nintendo-exklusiven Racer dürfen wir uns aber dennoch freuen:
Excite Truck ist pfeilschnell wie F-Zero, nützt aber ein eher Genre-untypisches Punktesystem und lässt die Wiimote zum Lenkrad werden - lest hier, ob das Konzept aufgeht.

Excite Truck

WII

Genre
Racer
Entwickler
Monster Games
Publisher
Nintendo
Konsole
WII
Spieler
1–2 lokal
Freigabe
USK ab 6

Wer die Begriffe “Nintendo” und “Rennspiel” miteinander verbindet, denkt vermutlich zunächst an einen bestimmten Titel - Mario Kart - aber auch Titel wie F-Zero, Wave Race oder Excite Bike dürften nicht unbekannt sein. Sucht man genauer nach “Rennspielen auf vier Rädern”, so fällt auf, dass die Nintendo-eigenen Racer ziemlich selten auf “normale” Autos setzen - die Klempnertruppe schwört auf Karts oder seltsame Seifenkisten, die Gleiter, Jetskis und Motorräder der eingangs erwähnten Titel verfügen über wenig bis gar keine Räder und anders als im SNES-Klassiker Stunt Race FX haben Autos in der Realität eher selten Augen. Konventionellere Kraftwagen sind im Nintendo-Bereich also eher selten; kommen dort allerdings doch auch vor, wie Excite Truck zeigt; denn auf den staubigen Strecken dieses Titels fahren - unschwer zu erraten - Trucks um die Wette. Das heißt allerdings keineswegs, dass es hier auch realistisch zur Sache geht!

NES-Steuerung?

Mit 2 beschleunigen, mit 1 bremsen, sonst braucht man an Tasten nur das Steuerkreuz - würde man die Bezeichnungen der erstgenannten Buttons in “A” und “B” umwandeln, so würde sich diese Konfiguration verdammt nach einem Rennspiel auf dem guten alten Nintendo Entertainment System anhören. Tatsächlich - auch die in diesem Fall quer gehaltene Wiimote weckt optisch wohlige Gefühle an den unverwüstlichen Controller des genialen grauen Kastens. Will man die namensgebenden Trucks allerdings lenken, so merkt man rasch, dass die tatsächliche Steuerung mit 8 Bit-Rennspielen so wenig zu tun hat wie Wario mit Anorexie - denn das Control Pad bewegt keineswegs die Wagen nach links oder rechts: Ihr selbst sitzt quasi am Steuer, indem ihr die Wiimote nach links oder rechts neigt; das Digipad dient lediglich zum Boosten. Und, tja - das war’s im Wesentlichen schon. Dass der +-Button dazu dient, das Spiel zu pausieren, darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden, interessiert darüber hinaus wohl auch niemanden und muss daher keineswegs hier explizit erwähnt werden (Hm…irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich das gerade nicht ganz so geschickt gelöst).

Brumm, brumm, quietsch!

Na, wenn das so einfach ist, dann verplempern wir doch keine Zeit mehr - auf ins Rennen! Rasch ein nettes Auto aus zunächst drei Kandidaten ausgesucht (Die üblichen Verdächtigen: Dicker Brocken mit toller Endgeschwindigkeit, aber mieser Beschleunigung und “leichtes” - sofern man dies von einem Truck sagen kann - Wägelchen mit eben umgekehrten Stärken et cetera. Jeder Kraftwagen glänzt unterschiedlich stark in den verschiedenen Parametern, die sich selbstverständlich nicht nur auf die beiden oben genannten beschränken), versehen es mit einer netten Lackierung (Von “nachtschwarz” bis “dämonenlila” - guahahahaha, BÖÖÖSE! - ist alles drin) und auf geht’s in den Grand Prix…ja, in den Grand Prix! Oh, die Regie teilt mir gerade mit, dass kein Grand Prix enthalten ist. Grmpf, und da werde ich nicht informiert? Naja, zumindest sind die Strecken in durchaus befriedigender Anzahl vorhanden - vier Cups á fünf (respektive vier im ersten Cup) Kurse ergeben 19 rasante Herausforderungen (wer den zweiten Schwierigkeitsgrad freispielt, darf diese Zahl noch erhöhen), die rund um den Globus verteilt sind - meine Hoffnung auf eine österreichische Alpen-Etappe wurde leider nicht erfüllt, aber zumindest können wir unter anderem durch Mexiko, Schottland und China düsen. Da mir der dezent dämliche Name “Greenhorn Kluft” gleich ins Auge sticht, wähle ich einfach mal diese erste Mexiko-Strecke und übergebe das Wort an die Rennleitung.

SPLITTER!

“Ja, vielen Dank; wir sind hier mitten im Geschehen: Die sechs Teilnehmer sind bereits an den Start gegangen. Allerdings war es bis noch gerade erst ungewiss, ob das Rennen überhaupt statt fand, da wüste Proteste der Zuschauer vor Ort eskalierten - angeblich aus Sicherheitsgründen wurde zwischen der Strecke und den Tribünen eine seltsame halbtransparente Wand angebracht, in der richtungweisende Pfeile herumschweben. Selbst wir verstehen diesen Schritt nicht wirklich, raubt er dem spannenden Rennen vor schöner Naturkulisse doch etwas an Atmosphäre.” “Genau, Rick. So etwas hat es hier noch nie gegeben, durch diese absurde Vorsichtsmaßnahme wirkt das Rennen doch irgendwie wie ein - ja, wie ein billiges Videospiel. Aber die Reaktion des Publikums war doch recht überzogen; dieser Wermutstropfen wird durch ein spannendes Rennen ja wohl wieder ausgeglichen.” “Na, das wollen wir doch alle hoffen, Jeff! Und lange darauf warten müssen wir auch nicht mehr - soeben wurde der Startschuss gegeben!” “Jetzt wollen wir mal nicht übertreiben, Rick - “Startschuss” ist wohl etwas zu viel gesagt; eigentlich handelt es sich nur um einen eingeblendeten Countdown. Aber wie auch immer - es geht los!”

Terraforming leicht gemacht

“Jetzt sind erst ein paar Sekunden vergangen und schon zeigen die Teilnehmer, dass sie eine Menge drauf haben - so schöne Drifts habe ich ja erst selten gesehen!” “Da geb’ ich dir Recht, Jeff! Besonders, wenn man bedenkt, dass die Trucks jetzt ohne Automatik fahren - früher mussten die Piloten dazu ja nur ganz normal lenken und dazu einen zusätzliche Taste betätigen. Jetzt aber liegt alles am Fingerspitzengefühl der Fahrer; nur, wenn sie das Lenkrad behutsam und geschickt - ohne Zuhilfenahme eines weiteren Knopfes - bewegen, dann gelingen diese sehenswerten Manöver. Hey, Jeff! Das war doch ein Traum-Drift, was? Der war der Jury ganze fünf Sterne wert! Ach ja, ab heute gilt ja dieses neue Regelsystem mit den Sternen. Was heißt das doch gleich genau, Jeff?” “Ganz einfach, Rick: Damit die Sache spannender wird, reicht es jetzt nicht mehr aus, einfach als Erster ins Ziel zu kommen. Nein, Sieger bist du nur, wenn du die meisten Sterne hast - und die bekommst du durch besonders spektakuläre Manöver!” “Hey, heißt das dann, dass auch jemand gewinnen kann, der nicht den ersten Platz ergattert?” “Ja, genau das heißt es; kommt aber doch eher selten vor: Schließlich bekommst du, wenn du als Erster ins Ziel rast, gleich einen ganzen Batzen Sterne - fünfzig Stück. Für den zweiten Platz etwa sind es nur noch die Hälfte - wenn du da noch gewinnen willst, musst du schon eine ganze Menge coole Stunts aufführen: Schöne Drifts, wie zuerst beispielsweise, oder möglichst weite Sprünge - am besten, wenn der Sprung auch noch durch die fliegenden Ringe führt. Das wissen ja nur die Wenigsten, aber Trucks sind eigentlich extrem aerodynamisch geformt - die fliegen besser als jeder Jet!” “Wow, Jeff! Aber sag mal - ist die Strecke nicht ein bisschen zu flach für weite Sprünge? Da fehlen doch Schanzen!” “Hehe, da wäre ich auch fast drauf reingefallen! Aber schau mal: Was passiert, wenn ein Wagen dieses Rufzeichen-Symbol einsammelt, hm?” “Wahnsinn! Da wächst ein Berg aus dem Boden, und Ringe erscheinen in der Luft! Und das geschieht so abrupt, dass die Trucks vom Berg in die Luft geschleudert werden!” “Ganz genau, Rick! Und dafür gibt’s auch noch Punkte! Und wenn ein Truck von einem Berg abspringt, dann sollte er möglichst weit fliegen - je weiter, desto mehr Sterne werden ergattert! Und das Tolle: Der Pilot muss einfach nur das Lenkrad nach vorne oder hinten neigen, um seinen Truck in der Luft zu neigen - so kann er bestimmen, wie weit er fliegen und auf welche Weise er landen will!” “Das ist ja wirklich toll, Jeff, aber sag’ mal - wie ist das eigentlich physikalisch möglich? Berge wachsen aus dem Boden, Brücken werden manipuliert, die ganze Umgebung ändert sich - nur, weil ein Truck durch ein Symbol fährt?” “Tja, wenn ich das nur wüsste, Rick - der Streckendesigner schweigt immer nur darüber. Beim Mario Kart Grand Prix - du weißt schon, da waren wir damals ja auch die Kommentatoren - geschieht ja auch eine Menge seltsames Zeug, aber dort ist zumindest klar, woher es kommt: Aus merkwürdigen Kisten, die auf der Strecke liegen. Und mit dem Inhalt dieser Kisten pfeffern die Fahrer dann herum - egal, ob Bomben, Blitze oder komische Viecher drin sind. Aber der Excite Truck-Rennzirkus ist da irgendwie nicht so recht durchgestylt - die Strecken sehen zuerst ja ganz normal aus, können dann aber blitzschnell verformt werden. Sicher, eine tolle Idee von der Rennleitung, die eine Menge Abkürzungen schafft und ja auch verrückt sein soll - aber irgendwie fehlt mir da ein wenig ein Zusammenhang.”

Auf der Zielgeraden

“Hey, Jeff! Was ist denn da los? Der rote “Boulder”-Truck war ja die ganze Zeit der Favorit, jetzt verliert er stark an Geschwindigkeit - und Rauch steigt aus der Motorhaube auf! Was soll das denn?” “Ach ja, das Wichtigste hätte ich fast vergessen! Der Kollege im roten Boulder hat wohl gedacht, der Turbo sei ein Allheilmittel! Da ist er aber auf dem Holzweg; er hat wohl die Hitze-Anzeige übersehen, die den Temperatur-Status des Wagens anzeigt. Ist der nämlich kritisch, dann überhitzt die Karre gnadenlos, und es ist Ende im Gelände - bis die nämlich wieder genug abgekühlt ist, fährt sie langsam wie Sau, und der ganze bisherige Vorsprung ist für die Katz!” “Ist ja schrecklich, Jeff! Heißt das, dass man den Turbo fast nie verwenden soll? Wäre ja schade, ist dann immer so schön schnell!” “Keine Angst, Rick; die Fahrer sollen ihn schon reichlich verwenden - aber nicht pausenlos! Bevor das Auto vollends überhitzt, einfach durch das Wasser - egal ob Lache, See oder Meer - fahren, und die Sache mit der Kühlung ist geritzt. Erinnerst du dich noch an den F-Zero Grand Prix, damals? Da war’s ähnlich; die Sache mit dem Energiebalken und den Aufladefeldern. Hier ist es aber weniger hart - erstens kühlt der Wagen mit der Zeit automatisch ab, wenn nicht geboostet wird, und zweitens fliegst du nicht gleich in die Luft, wenn’s kritisch wird.” “Hey, echt mal eine nette Idee, nicht wahr, Jeff? Da muss ich den Veranstaltern schon gratulieren. Aber hast du das gesehen? Der rote Boulder hat inzwischen doch wieder aufgeholt, und wir haben schon die zweite und letzte Runde! Und er ist auf der Zielgeraden…momentan an zweiter Stelle…” “Und JA, er überholt den Erstplatzierten und rast mit einem hauchdünnen Vorsprung ins Goal! Damit schon mal fünfzig Sterne für den roten Boulder - ich glaube, die Endabrechnung müssen wir kaum mehr abwarten, was, Rick?” “Absolut, Jeff! Aber da ist sie auch schon - keine Überraschung, er hat auch insgesamt gewonnen. Seine Stunts waren aber auch wirklich sensationell!” “Was für ein spannendes Rennen! Wir müssen uns jetzt leider von Ihnen verabschieden, meine Damen und Herren, aber die Berichterstattung ist natürlich noch keineswegs vorbei - unser Reporter vor Ort hat sich ganz sicher schon den Champion geschnappt. Und somit geben wir weiter - John, hörst du mich?”

Stick contra Wiimote

“Laut und deutlich, Jeff! Ich stehe hier direkt neben dem großen Sieger des heutigen Tages. Champion, was uns besonders interessieren würde - der Wechsel zum neuen Steuerungssystem war ja doch radikal. Wie sind sie mit der so genannten “Wiimote”-Steuerung im Vergleich zum klassischen “Analogstick” denn zurechtgekommen?” “Nun ja, das war schon eine Riesenumstellung; wie ich das erste Mal nach links lenken wollte, klebte ich gleich an der Felswand. Aber ich muss schon sagen, dass ich mich mit der Zeit echt daran gewöhnt habe - jetzt tut mein Truck doch fast immer genau das, was ich tun will; sonst hätte jetzt wohl kaum gewonnen, hehe. Besonders die neue Art des Driftens - ganz ohne die Zuhilfenahme irgendwelcher Shoulderbuttons - gefällt mir außerordentlich gut. Nur der so genannte “Drehsprung” geht mal gar nicht - manchmal klappt es einigermaßen, wenn ich wie vorgegeben das Lenkrad rasch hin und her reiße, manchmal resultiert das gleiche Manöver aber nur in gar nichts - hakelige Sache, das Ganze. Die anderen Stunts gelingen aber immer wunderbar, also eigentlich schon eine sehr coole Sache, diese neue Steuerung. Aber -” “Aber?” “Aber um ganz ehrlich zu sein: So gut die Idee ist, so intuitiv sie umgesetzt wurde - irgendwie habe ich doch das Gefühl, dass die guten alten Kontrollen vom “Analogstick”-Typ doch einen Tick präziser waren. Nicht dass die Steuerung schwammig wäre, oder dass es eine spürbare Verzögerung zwischen Eingabe und Reaktion gäbe - aber ehrlich gesagt, die Strecken der F-Zero Liga würde ich mit dem neuen System nicht fahren wollen. Bei dem alten Typ wusste ich einfach immer zu hundert Prozent, wohin ich fahre, wenn ich in irgendeine Richtung lenke - diese absolute Gewissheit fehlt mir im “Wiimote”-Zeitalter irgendwie ein wenig.” “Hm, verstehe. Aber wenn wir bedenken, wie neu diese Technologie ist, können wir gewiss zuversichtlich sein, dass sie in Zukunft noch perfektioniert werden wird. Eine weitere Frage noch, Champion: Wie fühlen Sie sich nach diesem triumphalen Sieg, was wollen Sie uns an dieser Stelle noch mitteilen?” “Sehen Sie - genau das verdirbt mir meine Freude! Sie haben mich schon wieder nur "Champion" genannt - und warum? Weil Sie nicht einmal meinen Namen kennen! Aber wie sollten Sie auch? Die Rennleitung hält es ja offenbar nicht für möglich, uns Piloten auch nur irgendwie der Öffentlichkeit zu präsentieren - überall nur Trucks, Trucks, Trucks. Nie werden wir namentlich genannt, nicht mal zu Siegerehrungen dürfen wir aussteigen - ja, selbst die Scheiben der Wagen sind nicht transparent (da fällt mir ein - wie kann ich so überhaupt die Strecke erkennen?)! Eine Ayumi Stewart, einen Captain Falcon, sogar diesen feisten Mario kennt die Öffentlichkeit - aber uns? Keine Chance! Als würde man vorgeben wollen, die Trucks würden von alleine fahren!” “Vielen Dank, ähm, Champion! Man sieht, auch der Sieger gibt positive wie negative Stellungnahmen ab - wir wollen uns nun eine weitere kritische Stimme anhören. Nämlich im Studio, wo wir nun einen ganz besonderen Gast begrüßen dürfen!”

Street Fighter?

“Ja, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie im Excite Truck-Studio. Hier darf ich einen Gast willkommen heißen, der sicherlich für einige Kontroversen sorgen wird - einen Herrn von der in der Szene wohlbekannten BPJR, der Bundesprüfstelle für jugendgefährdenden Rennsport. Wie lautet Ihre Meinung zu der Exite Truck-Liga?” “Was soll ich sagen - nur ein Wort: Ein Killersport. Schon das Grundprinzip ist absolut pervers: Anstatt wie normal einfach vom Start ins Ziel zu fahren, wird hier der Fahrer nur durch Einsatz vollkommen irrsinniger, extrem gefährlicher Manöver zum Sieger gekürt - wissen Sie, was für einen Einfluss dies auf Jugendliche haben kann, die sich gerade auf den Führerschein vorbereiten? Sie werden denken, wenn sie einen Unfall bauen, einfach nur eine Taste triggern zu müssen und schon sind alle Schäden unverzüglich repariert und verschwunden - geradezu eine Motivation dazu, sich und andere in Gefahr zu bringen. Aber noch schlimmer: Auch wenn der Pilot seinen Truck an ein massives Hindernis fährt und letzterer auf brutalste Art und Weise zerfetzt wird - selbst fliegende Gliedmaßen, sprich Räder, sind nur allzu oft zu sehen - dann wird an ihn auch noch einer der zum Sieg notwendigen Sterne vergeben, quasi als “Trostpreis”! Auch mit unserer wertvollen Umwelt wird Schindluder getrieben: Wer die wehrlosen Bäume besonders bedroht, indem er möglichst dicht an ihnen vorbei fährt, wird ebenfalls mit einem Bonus und der zweifelhaften Ehre, einen perversen “Baumfrevel” begangen zu haben, bedacht. Und wenn Sie das noch nicht bedenklich genug finden, meine Damen und Herren, es geht noch weiter: Wenn ein Pilot die Trucks seiner Mitmenschen hinterlistig rammt oder gar grausam durch die Luft schleudert, erlangt er durch seine Taten noch mehr dieser Sterne! Aber wirklich nur noch als “krank” zu bezeichnen ist definitiv das “POW”-Symbol: Einmal aufgenommen, verwandelt es einen Kraftwagen in eine reuelose Killermaschine: Ohne Pause, ohne Bremsung rast er durch die Landschaft, reißt Bäume vollkommen aus und verwandelt seine Konkurrenten in auf grausamste Art und Weise entstellte Wracks. Aber, meine Damen und Herren - einen erschreckenden Aspekt dieser Liga darf ich Ihnen noch schildern: Abseits der geschilderten Rennen existieren noch die so genannten “Challenges”. Die “Tor”- und “Ring”-”Herausforderungen” fallen hier noch verhältnismäßig zahm aus: Durch möglichst viele Tore fahren, durch möglichst viele Ringe fliegen. Aber die “Jagd-Challenge” ist nichts für zarte Gemüter und keinesfalls für Kinder geeignet: Das Prinzip eines konventionellen Rennens wird vollkommen aufgelöst und der einzige Weg zum Sieg ist hier, in einem großen Areal die feindlichen Trucks durch wüste Rammattacken zu vernichten, ohne selbst zu fallen - fressen oder gefressen werden, ein Rückfall in die Steinzeit. Wenn ich also ein kurzes Resümee geben darf: Die Excite Truck-Liga ist in höchstem Maße sozialethisch desorientierend und sollte keinesfalls für Kinder und Jugendliche zugängig gemacht werden.” “Vielen Dank. Harte Worte, die zweifellos die schon lange bestehende “Killersport”-Diskussion anheizen wird. Bevor wir für heute zu einem Ende kommen, meine Damen und Herren, darf ich noch unseren zweiten Gast begrüßen: Den Chefredakteur eines renommierten Motorsport-Magazins, der uns eine kurze Analyse der Excite Truck-Liga geben wird.”

Technik-Analyse

“Vielen Dank; ich versuche, mich kurz zu fassen und primär auf die heute noch nicht besprochenen Aspekte der Excite Truck-Liga einzugehen. Zunächst will ich kurz auf die Präsentation der Rennen Bezug nehmen: Optisch haben die Streckendesigner durchaus gute Arbeit geleistet und die Wasserflächen sind überwiegend wirklich hübsch anzusehen (auch wenn der Übergang “seichtes Wasser - tiefes Wasser” ziemlich zusammengeschustert wirkt - letzteres ist lediglich viel dunkler gezeichnet). Auch läuft alles hübsch schnell. Nur: Ich muss ehrlich sagen, nicht behaupten zu können, dass mich die visuelle Komponente hier spürbar mehr beeindruckt als jene der F-Zero GX-Liga - welche bereits vor über drei Jahren startete. Dort düsten auch satte 30 Gefährte umher anstatt lediglich sechs wie hier, und zwar mindestens genauso schnell - nicht zu vergessen, dass GX auf deutlich älterer Technik basiert als Excite Truck. Und dass die Rennleitung bei der Wahl der Musikuntermalung sehr weit danebengegriffen hat, ist wohl ein offenes Geheimnis - ich will nicht bösartig sein, muss aber sagen, dass ich nur selten uninspirierteres und atmosphäreloseres Geschrammel gehört habe als diesen Low Budget-Rock - null stilistische Variation, egal ob man nun in Schottland oder auf den Fidschi-Inseln fährt. Was sich am besten anhört, sind definitiv die Fahrgeräusche (im Gegensatz zu diesem Artikel sind die Stadionsprecher übrigens auf Urlaub respektive freigesetzt - zumindest hört man nichts von ihnen) - glücklicherweise ist es jedem Piloten freigestellt, mittels SD-Karte seine eigene Lieblingsmusik in das Renngeschehen mit einzubinden.”

Options-Armut

“Was definitiv bemängelt werden muss: Heutzutage sollten Grand Prix-, Time Trial- und Vierspieler-Modi eigentlich Bestandteile jedweder Rennliga sein, aber in diesem Fall kommend die drei genannten überhaupt nicht vor - das “Excite Race” ist einem Großen Preis freilich schon ähnlich, aber de facto bestreitet man dort lediglich eine Aneinanderreihung von Einzelrennen - man muss eben dort jedes Mal den ersten Platz erlangen, aber es ist nicht der Fall, dass etwa fünf Rennen bestritten und die gewonnen Punkte dann zusammengezählt werden. Eine Möglichkeit, die Strecken alleine zu befahren und Zeiten zu perfektionieren, fehlt wie erwähnt komplett - stattdessen existiert lediglich ein Modus, in welchen man sich auf bestimmten Strecken an den bereits vom Kollegen von der BPJR genannten “Challenges” versuchen kann - ganz nett, aber nichts langfristig Motivierendes. Besonders enttäuschend ist hingegen die Tatsache, dass zwei Spieler simultan das absolute Maximum sind - und selbst das geht nur in einem einzigen Modus, originell als “Versus” betitelt: Keine Computergegner, nur zwei Trucks - und die vorgegebene und nicht änderbare vertikale Bildschirmteilung wirkt in der Tat ziemlich dilettantisch. Für das gesamte Exite Truck-Konzept hingegen spricht, dass auch dieser eher spartanischer Multiplayer einiges an Spaß macht - immerhin auf sämtliche freigespielte Strecken und Autos kann hier zugegriffen werden. Ach ja, bezüglich Freispielen: Motivation bietet das Konzept durchaus, denn aus den mageren drei Trucks anfangs werden nach einigen Erfolgen immer mehr und mehr; sogar zusätzliche Lackierungen für jeden Wagen werden mit der Zeit verfügbar. Und es ist durchaus schon mal eine schöne und bisweilen knackige Aufgabe, alle Strecken mit “S”-Rang abzuschließen und somit den “Super-Exite”-Schwierigkeitsgrad zu erhalten - mit dem es dann natürlich erst recht weitergeht!”

Schlussresümee

“So, dies waren nun die Punkte, welche noch kaum bis nicht genannt wurden und mir ein besonderes Anliegen waren. Nun noch ganz kurz zu den anderen Aspekten: Die neue “Wiimote”-Steuerungsmethode macht ihre Sache wirklich gut, ist aber noch nicht ganz so ausgereift, um dem traditionellen “Analogstick”-Typ den Rang abzulaufen. Die Rennstrecken sind durchaus gut gelungen, man kann aber sagen, dass ihnen in gewisser Weise der letzte Kick fehlt - sie gefallen, ebenso das Terraforming-Feature, aber bleiben nicht dermaßen im Gedächtnis wie gewisse Kurse aus anderen Ligen wie Mario Kart, F-Zero oder Wave Race. Auch ähneln sie sich zum Teil untereinander optisch sehr, da sie nur in relativ wenig verschiedenen Ländern angesiedelt sind. Und die Atmosphäre ist insgesamt nicht ganz so “rund” respektive "aus einem Guss", wie es etwa bei den genannten anderen Ligen der Fall ist - für einen Funracer hätten die Streckendesigner durchaus noch ein paar abgefahrene Ideen mehr auspacken können; und in der derzeitigen Form wirken die Kurse in der Regel zunächst nicht besonders ausgefallen - wenn plötzlich Berge aus dem Boden wachsen, ist es cool, aber irgendwie stört es doch, dass dies über das Einsammeln von zweidimensionalen, schwebenden Symbolen geregelt wird (dass Computergegner diese nicht aufnehmen können, ist wohl auch gut so - andernfalls würde alles zu konfus). Aber wie auch immer - ich kann und will es keinesfalls bestreiten, dass die Excite Truck-Liga trotz all ihrer Mängel für eine ganze Menge Spaß sorgt und auch für die Zukunft noch viel Potential hat.” “Vielen Dank, Herr Chefredakteur. Nun muss ich mich für heute von Ihnen verabschieden, meine Damen und Herren; zuletzt übergebe ich noch an OldMacMario - außerhalb dieses albernen, fiktiven Rennsportstudios - für einen abschließenden Kommentar."

7.5Wertung

Fazit

Ein rasantes, sehr spaßiges und vollkommen unrealistisches Rennspiel, das Genrefreunden und -Fremden mit einem tollen, aber noch nicht komplett perfekten Steuerungssystem gleichermaßen gefallen dürfte. Diverse Mängel verhindern zwar den Platz im Award-Bereich, was euch aber keinesfalls davon abbringen soll, den Titel in eure Spielesammlung aufzunehmen - nur eine Revolution dürft ihr nicht erwarten.

Design
7.5
Sound
5.0
Online Multiplayer
7.0
  • spaßiges, rasantes und teils forderndes Spielprinzip
  • lustiges und sinnvolles Terraforming-Feature (Abkürzungen im “Eigenbau”!)
  • SD-Card-Feature (Musik)
  • gelungene Wiimote-Steuerung…
  • …Analogsticks sind dennoch etwas präziser
  • sehr, sehr schwacher Sound
  • kein Grand Prix- und Time Trial-Modus
  • spartanischer Multiplayer

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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