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Tom Clancy`s Splinter Cell: Double Agent

Tom Clancy`s Splinter Cell: Double Agent

Shiek Katzenwald

Sam Fisher schleicht seit kurzem auch auf der Wii. Wir haben den vierten Teil der Serie für euch unter die Lupe genommen. Leider wurden unsere Erwartungen nicht erfüllt. Warum wir so enttäuscht sind, lest ihr direkt im Review.

Wir sind auch auf eure Meinungen zu dem Spiel gespannt, die ihr über die Leser-Kommentar-Funktion abgeben könnt.

Mit Splinter Cell: Double Agent ist kürzlich der vierte Teil einer der erfolgreichsten Serien der vergangenen Jahre für Nintendos neue Konsole erschienen. Natürlich auch mit einer revolutionären Steuerung, die das Spielgefühl in neue Sphären trägt – zumindest hat man sich das bei Ubisoft in Frankreich so vorgestellt.

Die Erwartung an Double Agent war nach dem extrem starken dritten Teil sehr hoch. Dabei ging es weniger um grafische Verbesserungen, sondern um das Gameplay, welches bislang immer weiter verfeinert wurde und natürlich auch im neusten Spiel der Serie fast perfekt sein sollte. Leider wird bereits nach wenigen Spielminuten die anfängliche Vorfreude so arg gedrosselt, dass der Gedanke aufkommt, das Spiel sofort aus der Wii zu verbannen.

Die bescheuertste Kamerasteuerung seit es Mario 64 gibt

Eigentlich ein Witz, aber die Steuerung ist Schuld: Sam wird wie gehabt mit dem 3D-Stick des Nunchuk gesteuert, soweit funktioniert alles auch problemlos. Die Kamera wird nun aber mit der Wii-Fernbedienung bewegt, wodurch aus dem ursprünglich ruhigen Schleich-Spiel ein hektischer Titel entsteht, der sich nicht zwischen Shooting und Sneaking entscheiden kann. Selbst nach Spielende fühlt sich die Steuerung von Sam Fisher um Welten schlechter an, als mit einem ganz normalen Gamepad. Wenigstens lassen sich die punktgenauen Savegames schnell auf dem internen Speicher der Wii ablegen und abrufen, so dass die Spieler sich angewöhnen dürften nach ein paar Gegnern sofort zu speichern, um dem schnellen Tod so vorzubeugen. Bei den Teilen vorher lag der Reiz auch durchaus darin eine gewisse Strecke ohne zu speichern zurückzulegen, bei Double Agent führt es nur zu Frust. Bereits in der zweiten Mission bekommt man große Probleme, da Wachen sowohl ober- als auch unterhalb von Sam patroullieren, während die Bewegung der Kamera nicht in Fleisch und Blut übergehen will und man deshalb mehrere Missionsabbrüche erlebt. Nach dem wirklich zähen Anfang hat man die Steuerung halbwegs erlernt, und die interessante Geschichte schafft genügend Neugierde, um den Spieler durch die neun Missionen zu führen. Der fade Beigeschmack bleibt jedoch bis zuletzt. Ein weiterer Grund dafür ist die fehlende Dunkelheit aus den Vorgängerspielen: Sam ist wesentlich aggressiver und sucht seltener schützende Schatten. Selbst wenn die Anzeige sagt, Sam sei unsichtbar, steht er in recht hellen Bereichen der Level. Die verschiedenen visuellen Aufsätze für Nacht, Hitze oder elektrische Geräte werden fast überflüssig – eigentlich der ursprüngliche Kern der Serie. Die lieblose Portierung wird noch durch einige heftige Abstürze der Wii, sowie viele Rechtschreibfehler untermauert.

Sam oder nicht Sam – das ist hier die Frage

Neben all dieser Kritik gibt es aber auch eine positive Neuerung, die sich aus dem Titel „Double Agent“ ableiten lässt: Sam infiltriert die Terrorgruppe JBA, deren Vertrauen er gewinnen und dann halten muss. Allerdings sitzen ihm auch seine Vorgesetzten der NSA im Nacken. So ergeben sich immer Missionsziele, die einer der beiden Gruppen nützen. Neben den Primärzielen gibt es regelmäßig konträre Ziele, wie etwa das Töten einer Kontaktperson, während die NSA diese lebend für ein Verhör benötigt. Sobald sich Sam entschieden hat, wird das nicht erfüllte Ziel annulliert, und die Partei, die enttäuscht wurde, reagiert mit Skepsis. Bei zu viel Misstrauen auf einer Seite müssen Sonderaufgaben erfüllt werden, die allerdings recht einfallslos sind. Zum Beispiel muss Sam sich in einem Zeitlimit an einem bestimmten Ort einfinden und schon ist alles wieder in Ordnung. An einigen wenigen Stellen im Spiel verändert Sams Handeln aber die Story erheblich, etwa wenn er den Tod von 2000 Zivilisten mitverantwortet oder sich die Frage stellt, ob er seinen Chef Lambert opfert oder dessen Tarnung deckt. Zu den jeweiligen Entscheidungen gibt es verschiedene Videosequenzen; für Perfektionisten, die alles gesehen haben wollen, geht kein Weg am erneuten Durchspielen vorbei. Bei einer Spieldauer von etwa 12 Stunden sollte dies aber kein Problem darstellen.

Bei der Grafik sehe ich schwarz

Technisch bietet sich ebenfalls ein eher schlechtes Bild, was insbesondere die Grafik betrifft. Selbst der dritte Teil auf dem GameCube schien vom Leveldesign her wesentlich anspruchsvoller zu sein, als die Wii-Version des Nachfolgers. Grafisch irgendwo zwischen PlayStation 2 und GameCube, ist es eigentlich dreist so etwas auf einer Next-Gen-Konsole zu veröffentlichen. Die Gegner fallen mehr durch immer gleiche Visagen, als einen hohen Polygonwert auf. Es lassen sich auch nur sehr wenig hoch aufgelöste Texturen finden, am ehesten noch bei der (Schleich-)Werbung für Nokia, Nivea und Co., aber die Firmen haben ja auch dafür gezahlt, dass man sie sieht. Sams Schattenwurf ist nur selten richtig präsent und wenn er mal korrekt simuliert wird, dann ist keine Lichtquelle vorhanden, die ihn rechtfertigt. Von den üblichen Clippingfehlern, wenn man einen Gegner etwa auf einer Treppe oder an einer Wand ablegt, ganz zu schweigen. Bei den Videosequenzen merkt man wenigstens die hohe Speicherkapazität der Wii-Discs (die GameCube-Version benötigt zwei DVDs). Die deutsche Sprachausgabe und die dynamisch angepasste Musik sind der einzige Punkt, der wirklich voll mit den Vorgängerspielen mithalten kann, hier wird gewohnt hohes Niveau geboten. Auch die Soundeffekte kommen sehr realistisch aus den Boxen.

Ubisoft, einmal zurück in die Vergangenheit, bitte!

Es tut wirklich weh, wenn man die Wii-Version von Splinter Cell: Double Agent spielen muss und die älteren Teile bereits kennt. Was wurde da an Potential mit diesem starken Namen verschleudert: Der GameCube-Fassung fehlen teilweise die Texturen, die Wii-Version entspricht inhaltlich der PlayStation 2-Version, enthält aber noch nicht einmal deren zwei Bonusmissionen. Jeder Nintendo-Spieler dürfte sich zur Zeit von Ubisoft ziemlich auf den Arm genommen fühlen. Aus dem vollmundigen Support für die Wii sind zwei gute Spiele entstanden: Rayman und Red Steel, der Rest ist teilweise wirklich indiskutabel. Nachdem aus dem neuen Prince of Persia auch nur ein Remake wird, denke ich lieber an die Zeiten von Beyond Good and Evil, Splinter Cell 1-3 und der Prince of Persia-Trilogie zurück, als die Franzosen ein Highlight nach dem anderen veröffentlichten.

6.0Wertung

Fazit

Splinter Cell: Double Agent ist angesichts des Namens und der hohen Qualität der drei Vorgänger eine bittere Enttäuschung: Die Steuerung ist schwierig zu erlernen und distanziert den Spieler von dem Erlebnis, statt ihn mitzureißen. Auch die Grafik bleibt weit hinter den Möglichkeiten der neuen Konsole zurück. Bonus-Missionen fehlen komplett, Konsolen-Abstürze und eine schlampige Rechtschreibung tragen zusätzlich zur schlechten Wertung bei.

Design
6.5
Sound
8.0
Online Multiplayer
5.5
  • Interessante Storyverzweigungen
  • Gewohnt gute deutsche Sprachausgabe
  • Miese Steuerung
  • Grafisch ein Rückschritt
  • Lieblos portiert

Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.

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