Preview: Sonic Colours (Wii)

Preview: Sonic Colours (Wii)

Wer sich gerne übermäßig pathetisch ausdrückt, kann sagen, dass Sonic-Fans eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben. Ich würde das nicht gar so drastisch formulieren, denn schlechte Spiele waren seine Auftritte in den letzten Jahren sicher nicht – aber ein wahrer Kern ist sicherlich enthalten: Sonic Adventure 1 und 2 waren absolute Knaller, aber die Nachfolger fielen spürbar ab: In Sonic Heroes nahmen die ständig nötigen Charakterwechsel und die ungewohnt widerstandsfähigen Gegner das Tempo aus dem Spiel, Shadow the Hedgehog konnte zwar schnell laufen, aber wurde ständig durch ausladende, bewaffnete Kämpfe ausgebremst.

Sonic und die Geheimen Ringe leidete unter einer nicht üblen, aber klar hinter Stick-Kontrollen zurückbleibenden Kipp-Steuerung und ebenso wie der direkte Nachfolger Sonic und der schwarze Ritter unter einem ungünstigen Missionssystem, wegen welchem ständig die gleichen Levels mit geringfügig abgeänderten Zielen gespielt werden mussten, bevor endlich neue Stages erreicht werden konnten. Und Sonic Unleashed hingegen hatte wirklich tolle High Speed-Levels, aber viel mehr Zeit verbrachte man in zähen, langsamen und unpassenden Abschnitten mit einem Sonic-Werwolf – warum auch immer.

Auch wenn die Spiele allesamt nicht übel waren, gab es in der Regel immer einen oder mehrere zentrale Mängel, welche sie gameplaymäßig klar hinter den Dreamcast-Hits zurückbleiben ließen. Ebenfalls auffällig: Während Sonic Adventure 2 noch mit einer für Jump&Run-Verhältnisse geradezu großartige Storyline glänzte, wurden die Hintergrundgeschichten späterer Episoden stets einfacher, alberner und teils auch unpassender.

”Willkommen in meinem Park, Sonic! Amüsiere dich ein bisschen und dann vernichte ich dich. Deal?

Willkommen in Eggmanland!

Nun, nach dem, was ich gesehen habe, erreicht Sonic Colours nun einen neuen Rekord in Bezug auf seltsame Storys: Der böse Dr.Robotnik alias Eggman versklavt das harmlose Alien-Volk der bunten Wisps, um mit ihren Kräften einen interstellaren Vergnügungspark anzutreiben und damit...irgendwas...Böses...zu tun. Echt, keine Ahnung – wenn er ein Kampfschiff oder sowas gebaut hätte, wäre es ja verständlich, aber einen Vergnügungspark? Sollte diese Ausgangssituation nicht tatsächlich ein enorm raffiniertes Täuschungsmanöver sein und in Wahrheit eine geradezu epische Handlung verbergen (Wahrscheinlichkeit rund 1-2 Prozent), dann muss ich die Hoffnung auf eine komplexere Geschichte wohl leider zerstreuen.

Auf der anderen Seite freue ich mich aber sehr, euch mitteilen zu können, dass das Gameplay diesmal endlich wieder verdammt vielversprechend aussieht! Die drei Welten á zwei Stages der Messeversion (Bosse gab es noch keine zu sehen) waren äußerst abwechslungsreich – von aus Kuchen und Süßigkeiten zusammengesetzten Abschnitten über technoide Umgebungen bis hin zu idyllischen Weiden mit wogendem, hohen Gras ging die Bandbreite – und sahen noch dazu richtig gut aus: Bunt, plastisch und ohne Framerate-Einbrüche während Sonics wie immer wahnwitziger Geschwindigkeit. Und diesmal schwingt Sonic weder ein Schwert noch wird er per Motion Controls gesteuert – Puristen wird´s freuen.

Da bekommt man doch richtig Appetit, oder? Hätte gute Lust, mal abzubeißen – hoffentlich hat der Igel saubere Schuhe, während er den gewaltigen Donut als Looping zweckentfremdet.

Will-o'-Wisp

Eingangs erwähntes Alienvolk stellt dabei quasi das Äquivalent zu Marios Power-Gegenständen dar: Je nach Farbe versorgen sie Sonic mit einer speziellen Kraft, die aber, anders als beim Klempner, pro “eingesammelten” Alien nur ein einziges Mal eingesetzt werden kann: Da erhält er einen Bohrer und fräst sich durch Felsboden und Riesentorten gleichermaßen (*hust* Super Mario Galaxy 2 *hust*), verwandelt sich in eine Rakete und wird auf dem höchsten Punkt meilenweit durch die Lüfte geschleudert oder rollt sich zusammen und folgt exakt dem Pfad, den wir durch einen kurz justierbaren Laserstrahl skizzieren, während er dabei von allen Wänden abprallt. Kurz: Keine bahnbrechende Innovation – nichts anderes als spezielle Items – aber wirklich nett inszeniert und war in dieser Form noch in keiner Sonic-Episode enthalten; da rekrutierten sich die Gegenstände ja eher aus unspektakuläreren Gimmicks wie Schutzschilden.

Die Welten, während denen übrigens immer wieder gerne mal zwischen der vorherrschenden 3D-Sicht zu 2D-Passagen gewechselt wird, gestalten sich zwar serientypisch als recht lineare Rennstrecken vom Start zum Ziel, aber scheinen erfreulich viele Alternativrouten aufzuweisen: So führt etwa in einem Fall die Raketenverwandlung auf ein Schienennetz hoch in den Lüften, auf dem es sich vortrefflich grinden lässt, und das Ignorieren dieses Items in einen komplett anderen Levelteil.

Kurz, ein wirklich spaßiges Spiel – mich hat es echt überrascht, wie viel Sonic Adventure-Feeling die Colours-Episode in sich trägt, von der ich beim ersten Trailer noch einen dreisten Mario Galaxy-Klon erwartete. Skeptisch bin ich, wenn man die seltsame Story ausblendet, eigentlich nur bezüglich der Spielzeit, da der Igel ja doch sehr schnell durch die Levels rennt: Zusätzliche Charaktere und/oder eine geheimnisumwitterte Oberwelt wie damals würden dem Umfang gut tun, aber ob dergleichen enthalten ist, ist völlig unklar.

Aber mal sehen – ich freue mich jedenfalls auf den Release, welcher noch für dieses Jahr angesetzt ist. Für DS wird übrigens auch eine Version erscheinen, welche sich stark an Sonic Rush 1+2 zu orientieren scheint, was definitiv keine üble Sache ist – umfangreiche Eindrücke zu jener können wir momentan aber leider noch nicht geben, da sie nur auf Nintendos Stand im Business Center spielbar war und dort der 3DS den Großteil unserer Zeit in Beschlag nahm.

verfasst von „OldMacMario“

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Letzte Aktualisierung: 24.08.2010, 12:29 Uhr