Spieletest: Collection of SaGa NSW

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Weitere Infos

Releasedate:
15. Dezember 2020

USK 12 Pro Controller unterstützt MyNintendo nicht kein amiibosupport

Mögliche Spielmodi: Handheld-,TV-,Tischmodus

Anzahl der Spieler: 1

Leser-Meinungen: Noch keine

Specials: keine

Plus / Minus

Positiv:
endlich in Europa erhältlich

großartiger Soundtrack

nichtlineare Open World
Negativ:
hoffnungslos veraltete Optik

Schwierigkeitsgrad sehr hoch

kein Tutorial

Final Fantasy oder SaGa?

Im Hause Square ging es früher mit den Irrungen und Wirrungen rund um den ikonischen Namen Final Fantasy hoch her. Kaum ein in Amerika oder gar Europa erschienener Titel stimmte mit seinem japanischen Original überein. Zu groß war die Angst, dass es sich im Westen ohne den großen Namen nicht verkauft. So war es auch bei den Anfängen der SaGa Reihe. Die ersten drei Teile erschienen in Japan für den Gameboy als Makai Toushi SaGa, SaGa 2: Hihou Densetsu und SaGa 3: Jikuu no Hasha. In den USA entschied man sich für den griffigeren und erfolgversprechenderen Titel Final Fantasy Legend 1-3. Die Europäer hat man als Interessenten gar nicht ins Visier genommen und so ging man hier zu Lande leer aus. Wer das Spiel aus der Fachzeitschrift seines Vertrauens kannte und bestellen wollte, musste eine stolze Importgebühr draufrechnen. Und auch heute sind die Module bei Ebay nicht gerade zum Schnäppchenpreis unterwegs. Umso besser also, dass Square Enix die drei Originalspiele in die Neuzeit portiert, um sie auf diese Weise zugänglich zu machen.

Originalgetreu

Vorneweg: dieser Titel ist nur etwas für Puristen. Es sind und bleiben Gameboy Spiele, die zwischen 1989 und 1993 erschienen und in dieser Collection nicht verändert worden sind. Auch die grafisch aufpolierten Remakes haben es nicht in die Collection geschafft. Die Grafik und die Story holen heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Ebenso wird sich der Verzicht auf eine deutsche Lokalisierung kaum verkaufsfördernd auswirken. Damals auf Gameboy Niveau aber hatte man es allerdings mit echten Schwergewichten zu tun. Final Fantasy Legend 1 war das erste RPG auf dem Gameboy und legte Grundsteine für Hits wie Link’s Awakening und Pokémon. Ob Final Fantasy Legend 2 oder 3 der beste Teil der Reihe ist, darüber streiten sich die Geister. Der dritte hat mit seiner Zeitreisethematik die interessantere Geschichte, während der zweite ein wirklich gutes Rundumpaket liefert. Alle drei Spiele haben ihre Genretypische Präsentation, einen bestialischen Schwierigkeitsgrad und den unglaublich stimmigen Soundtrack gemein. Das Monster- und Charakterdesign ist, wie man es vom Hersteller kennt, auf allerhöchstem Niveau und hat hohen Wiedererkennungswert. Darüber hinaus bietet die Collection of SaGa kaum Neues. Man kann die Spielgeschwindigkeit verdoppeln (ein wahrer Segen!), die Bildschirmgröße zwischen zwei Stufen verstellen und die Hintergründe verändern. Das interessanteste, wenn auch nicht das sinnvollste, Feature ist das Drehen des Bildschirms. Dafür nimmt man zunächst die Joycons ab (Sie müssen weiterhin verbunden bleiben und verbrauchen auf diese Weise Akku). Dann hält man die Switch hochkant und steuert das Spiel über die digitalen Tasten auf dem Bildschirm. Dadurch entsteht, mit einer ordentlichen Portion Fantasie und Nostalgie, das Gefühl, man würde auf dem alten Gameboy spielen. Diese Art der Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber eine wirklich gute Idee, die den ein oder anderen bestimmt begeistern kann.

Über Türme, Väter und Zeitreisen

Die Geschichten, welche erzählt werden sind hinlänglich bekannt und werden keinen Rollenspielveteranen überraschen können. Während der erste Teil noch sehr einfach gestrickt ist – finde und erklimme den Turm in der Mitte der Welt – wartet der zweite Teil mit einer emotionalen Geschichte über die Suche nach dem eigenen Vater und dem Schutz der Magi auf, während der dritte erzählerisch spannende Wirrungen durch Zeit und Raum wagt. Optisch unterscheiden sich die Spiele kaum und auch spielerisch wird meist mehr vom Gleichen geboten. Das hat es dafür aber in sich. Während bei tatsächlichen Final Fantasy Teilen alle Charaktere meist die gleichen Voraussetzungen haben und sich durch Equipment und Waffen verstärken und durch Erfahrung aufleveln lassen, hat man es bei der SaGa Reihe mit einem sehr eigenen System zu tun, dass viel Zeit und Geduld braucht. Denn jede Charakterklasse verbessert seine Fähigkeiten auf unterschiedliche Weise. Der eine benötigt viele Kämpfe, der andere muss mit möglichst vielen starken Waffen ausgerüstet werden und ein Dritter isst von Gegnern hinterlassenes Fleisch und zehrt von diesem. Die Krux dabei ist, dass man das nicht einfach so weiß. Jeder Charakter ist mit allem ausrüstbar, nur ob das was bringt, muss man auf eigene Faust erproben. Wenn dabei die finanziellen Ressourcen nur nicht so knapp bemessen wären. Nur im dritten Teil ist das Leveling-System etwas klassischer ausgefallen, was am Schwierigkeitsgrad kaum was ausmacht. Man hat den Spielern damals wirklich viel abverlangt und aus heutiger Sicht wirkt das kaum nachvollziehbar. Gerade in einer Zeit wo einen Tutorials kleinschrittig an die Hand nehmen, damit man bloß keinen Frust erlebt, sind solch bockschwere Klassiker manchmal eine echte Geduldsprobe. Wenn einem mitten im Dungeon die Waffen ausgehen muss man gucken wo man bleibt. Dafür überraschen die Titel auf der andere Seite mit einer Bewegungsfreiheit, die man dem grauen Taschenhelden gar nicht zugetraut hätte. Denn immer wieder bewegt man sich nichtlinear durch die Welt und entdeckt die Orte in eigener Reihenfolge. Spannend ist auch, dass man sein Team zu Beginn des Spiels zusammenstellt und über die einzelnen Charaktere fast nichts erfährt. Dafür begegnet man auf seinen Reisen immer wieder Figuren, die ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Kampfstil mitbringen. Dadurch kommt es immer wieder zu mehr spielerischer Tiefe.

Damals und Heute

Bei Collections, die solch alte Spiele wieder aufleben lassen, ist es immer schwer Bewertungsmaßstäbe anzulegen. Für den Nostalgiker sind die Spiele meist über jeden Zweifel erhaben, während jüngere Spieler eher abgeschreckt sein werden. Im Falle der Collection of SaGa fällt diese Kluft besonders groß aus, denn der Gameboy war schon zu seiner Zeit nicht die leistungsstärkste Konsole und überzeugte meist mit kreativen Ideen und Umsetzungen, statt mit harter Performance. Das Vorhaben, solch komplexe Spiele auf eine kleine Gameboy Kassette zu pressen, ist schon eine echte Mammutaufgabe und ist, wie man es von einem Akitoshi Kawazu (Final Fantasy) nicht anders erwartet sehr gut gelungen. Auch die Verkaufszahlen konnten sich sehen lassen. Es war das erste Square Game, das mehr als 1.000.000 Kopien absetzen konnte. Wer es damals gespielt hat und heute die fantastischen Klänge abspielt, wird definitiv in tollen Erinnerungen schwelgen können. Die Musik der ersten beiden Teile wurde sogar von Final Fantasy Komponist Nobuo Uematsu höchstpersönlich entworfen. Während diese drei Spiele historisch betrachtet definitiv wichtige Klassiker sind, gibt es mittlerweile bessere Ableger der SaGa Reihe, die, mit weitaus weniger wohlwollen betrachtet, immer noch gut sind. Als Klassenbester dürfte das vor kurzem wiederveröffentlichte Romancing SaGa 3 oder aber SaGa Frontier gelten. Mit 20€ wird der Geldbörse hier aber nicht allzu viel abverlangt und so ist es auch zu verschmerzen, dass die durchaus gelungenen Remakes dieser Games (Wonderswan, Nintendo DS) nicht mitenthalten sind. Die Collection of Saga kann aber dennoch nur absoluten Nostalgikern und Serien Veteranen ans Herz gelegt werden. Deshalb wird sich die Bewertung auch genau an diese Zielgruppe richten, während alle anderen einen großen Bogen um das Spiel machen dürfen.

Fazit

Für Nostalgiker und Serienveteranen ein historisch wertvolles und bockschweres Juwel der Gameboy-Geschichte und in jedem Fall günstiger als die Original-Module. Alle anderen werden trotz eines genialen 8-Bit Soundtracks eher abgeschreckt sein.

Grafik
6
Sound
8
Gesamt
7

verfasst von „MatEusZ“

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Vielen Dank an die Firma Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters.
Letzte Aktualisierung: 23.Dezember.2020 - 19:08 Uhr