
Tales of Eternia Remastered im Test
Mit Tales of Eternia kehrt einer der wichtigsten Vertreter der frühen Tales-Reihe zurück. Ein Rollenspiel, das im Jahr 2000 auf der PlayStation eindrucksvoll bewies, dass japanische RPGs auch ohne rundenbasierte Kämpfe funktionieren können. Über 25 Jahre später darf der Klassiker auf aktuellen Konsolen erneut zeigen, weshalb er unter Serienkennern bis heute einen besonderen Ruf genießt. Doch wie viel von seinem damaligen Charme ist erhalten geblieben?
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Tales of Eternia Remastered
NSW2
- Genre
- ActionRollenspiel
- Publisher
- Bandai Namco Entertainment
- Modi
- Einzelspieler
- Freigabe
USK ab 0
Ein Stück jRPG-Geschichte
Der jRPG-Markt war Ende der 90er und 00er Jahre hart umkämpft und es war nicht einfach mit einem neuen Game zwischen all den anderen Genre-Vertretern herauszustechen. Während Squaresoft mit Final Fantasy VII, VIII und IX die Möglichkeiten der Konsole mächtig ausreizte und zunehmend auf dreidimensionale Charaktermodelle und spektakuläre Rendersequenzen setzte, ging Namco mit seiner Tales-Reihe einen anderen Weg.
Tales of Eternia, der dritte Hauptteil der Serie, blieb seinen zweidimensionalen Wurzeln treu und kombinierte wunderschöne, handgezeichnete Hintergründe mit klassischen Pixel-Sprites. Ein Grafikstil, der damals auf alten Röhrenfernseher einiges hermachte und sich wohltuend von der Konkurrenz unterschied.
Seine eigentliche Stärke lag jedoch unter der Haube. Schon Tales of Phantasia und Tales of Destiny hatten gezeigt, dass Echtzeitkämpfe und klassische Rollenspielmechaniken durchaus zusammenpassen. Eternia hob dieses Konzept auf eine neue Ebene. Schnellere Kämpfe, spektakulärere Spezialattacken und ein deutlich dynamischeres Spielgefühl machten aus dem einst ungewöhnlichen Kampfsystem eines der wichtigsten Markenzeichen der gesamten Reihe. In Europa erschien das Spiel erst 2006 für die PlayStation Portable. Wer damals keine PSP besaß, dürfte den Titel trotz seiner Bedeutung für die Serie schlicht verpasst haben. Umso erfreulicher, dass Bandai Namco ausgerechnet diesen Klassiker wieder ausgräbt.

Zwischen Zwei Welten
Die Geschichte beginnt denkbar unspektakulär, aber jRPG-Typisch. Reid Hershel führt ein beschauliches Leben im Dorf Rasheans, bis eines Tages ein mysteriöses Flugobjekt abstürzt. An Bord befindet sich Meredy, ein Mädchen, dessen Sprache niemand versteht und das offenbar aus einer anderen Welt stammt.
Gemeinsam mit seiner temperamentvollen Kindheitsfreundin Farah und dem wissbegierigen Keele versucht Reid, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Was als kleines Abenteuer beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Reise zwischen den beiden Welten Inferia und Celestia. Diese drohen bei einer Katastrophe namens Grand Fall miteinander zu kollidieren und natürlich liegt es einmal mehr an einer kleinen Gruppe junger Helden, die drohende Apokalypse abzuwenden. Wer mit JRPGs der Neunziger aufgewachsen ist, dürfte sich hier sofort zu Hause fühlen. Eine Weltkarte, kleine Dörfer, geheimnisvolle Ruinen, Elementargeister und eine Heldengruppe, die im Laufe der Reise immer enger zusammenwächst. Viel klassischer kann ein japanisches Rollenspiel kaum ausfallen.
Die Handlung gewinnt – vor allem heute im Jahr 2026 – sicherlich keinen Innovationspreis und gerade zu Beginn braucht das Spiel auch noch etwas Zeit, bis die Geschichte richtig Fahrt aufnimmt. Dafür überzeugt die Gruppe mit sympathischen Charakteren und dieser typischen Dynamik, für die die Tales-Reihe bis heute bekannt ist.

State of the Art, aber nicht mehr heute
Das Herzstück von Tales of Eternia ist zweifellos sein Kampfsystem. Während die meisten japanischen Rollenspiele der damaligen Zeit ihre Helden noch brav in Menüs auf Befehle warten ließen, ging es bei Namco schon damals deutlich handfester zur Sache. Die Kämpfe finden auf einem zweidimensionalen Schlachtfeld statt, auf dem sich die Charaktere frei nach links und rechts bewegen. Früher wurde dieses Kampfsystem als eine Mischung aus Rollenspiel und Street Fighter bezeichnet. Heute lässt sich dieser Vergleich nicht mehr ziehen, fühlen sich die Eingaben doch gerade im Vergleich zum aktuellen Ableger Tales of Arise sehr ungenau und repetitiv an. Damals jedoch war es eine Wohltat statt einen Angriff aus dem rundenbasierten Menü auszuwählen. Daraufhin werden Gegner direkt mit Schwerthieben, Spezialattacken und Zaubersprüchen bearbeitet. Gerade im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern war Eternia ein gewaltiger Schritt nach vorne. Angriffe ließen sich flüssiger miteinander kombinieren, das Tempo stets hoch und die zahlreichen Artes bewundernswert animiert. Auch heute noch kann einem, besonders wenn mächtige Zauber und Beschwörungen über den Bildschirm fegen, deutlich werden, was Namco damals aus der betagten PlayStation herausgeholt hat.
Heutzutage fällt einem die künstliche Intelligenz der Mitstreiter leider zunehmend negativ auf. Selbst wenn ihr im Menü einstellt, wie sie sich grundlegend verhalten sollen, verballern sie die Magiepunkte entweder völlig kopflos oder halten sich derart zurück, dass ihr beinahe allein kämpft. Könnt ihr die Nostalgiebrille aber erfolgreich aufsetzen und die alten Eigenheiten ausblenden, macht das Kampfsystem trotzdem Spaß. Es sei aber gesagt, dass das Spiel nach wie vor ganz schön einfach ist und da freut es den geneigten Spieler von heute, dass es einige Schwierigkeitsmodi gibt – speziell auch welche, die die Kämpfe noch härter machen, aber dazu später mehr.

Wenn der Röhrenfernseher fehlt
Tales of Eternia war auf der PlayStation ein ausgesprochen hübsches Spiel. Besonders die aufwendig gezeichneten Hintergründe mit ihren zahlreichen Details verliehen der Spielwelt eine Atmosphäre, die vielen frühen 3D-Rollenspielen fehlte. Man hatte das Gefühl in einem Gemälde zu wandern. Spielt ihr das Spiel aber mit den Retro-Grafik Einstellungen heute auf einem großen Flachbildfernseher, beginnen einem nach kurzer Zeit die Augen zu tränen, ob der flimmernden Ecken und Kanten. Wieder einmal denkt man sich „das sah doch früher nicht so aus“ und das stimmt auch. Gerade Spiele wie Tales of Eternia spielten mit den Scanlines der CRT-TVs, verließen sich auf diese und erzeugten damit optische Täuschungen. Aus Ecken, Kanten und Pixeln wurden weiche Übergänge und das Strahlen der Röhren tat den Rest. Schnell auf neue Grafik im Menü umgestellt, denkt man zunächst der Unterschied sei gar nicht so groß, aber in Wahrheit sieht das Spiel dadurch fast genauso aus wie früher! Habt ihr also nicht mehr die Original Hard- und Software zur Hand, ist das Remaster die beste verfügbare Variante!
Allerdings hat sich Bandai Namco dabei für einen etwas merkwürdigen Mittelweg entschieden. Während die Hintergründe sichtbar aufpoliert wurden, bleiben die eigentlichen Spielfiguren weitgehend unangetastet. Reid und seine Begleiter bestehen weiterhin aus ziemlich groben Pixeln, die sich nun vor den wesentlich weicheren Kulissen bewegen. Dadurch hat das Auge permanent das Gefühl falsch zu fokussieren. Hier hätte eine weitere Politur der Charaktere sicherlich geholfen.

Quality of Life zu Ende gedacht!
Abseits der grafischen Überarbeitung hat Bandai Namco eine wahre Flut an Anpassungsmöglichkeiten in das Remaster integriert. So lässt sich beispielsweise die Häufigkeit der Zufallskämpfe reduzieren oder vollständig deaktivieren. Wer keine Lust hat, zum hundertsten Mal gegen dieselben Gegner anzutreten, kann sich damit viel Zeit sparen. Zumal die Spieler auch die gewonnene Erfahrung verdoppeln oder gar vervierfachen können. Gleiches gilt für den Zuwachs an Geldeinheiten. Kämpfe lassen sich schwieriger und einfacher gestalten, da auch der ausgeteilte Damage modifiziert werden kann. Das Kochgeschick können ungeduldige Spieler ebenfalls hoch skalieren, genauso wie die Häufigkeit von Objektfunden und schlussendlich können auch die Magiekosten für Fertigkeiten gesenkt werden. Ihr seht also, Bandai Namco hat den Begriff Quality of Life Feature noch einmal richtig zu Ende gedacht und so könnt ihr das Game in epischer Breite oder auch in aller Kürze genießen. So möchten wir ehrlich gesagt jedes jRPG Remaster ausgestattet wissen, denn kaum jemand hat heute noch Lust auf lästiges Grinding oder auf Enemy-Encounter alle 10 Sekunden!
Die neuen Zielmarkierungen sind praktisch, aber fast schon zu viel! Nun ist es kein Geheimnis, dass alte jRPGs und so auch Tales of Eternia, nicht immer ganz klar mit Hinweisen umgehen, wo es als Nächstes aufzuschlagen gilt, aber ob man jedes Ziel sogar mit Entfernungsmesser permanent im Bild sehen muss, ist dagegen die andere Frage. Ihr könnt das Zielsymbol zwar ausschalten, zwischen ganz oder gar nicht hätte es aber bestimmt noch einen Mittelweg gegeben.

Auf die Ohren!
Beim Soundtrack merken wir Tales of Eternia sein Alter deutlich weniger an als beim Gameplay. Kein Wunder, schließlich waren mit Motoi Sakuraba und Shinji Tamura zwei Komponisten am Werk, die schon den Vorgängern ihren musikalischen Stempel aufgedrückt hatten. Gerade die flotten Kampfthemen gehen sofort ins Ohr, während die ruhigeren Stücke in Städten und Dungeons für jene wohlige JRPG-Atmosphäre sorgen, die man von Spielen dieser Generation kennt.
Auch bei der Sprachausgabe hat Bandai Namco ordentlich nachgelegt. Die neue englische Synchronisation klingt wesentlich natürlicher als die teilweise unfreiwillig komische Vertonung des Originals.
Ein Klassiker ohne große Ansprüche
Technisch stellt Tales of Eternia Remastered aktuelle Konsolen naturgemäß vor keine großen Herausforderungen. Schließlich handelt es sich im Kern weiterhin um ein PlayStation-Spiel aus dem Jahr 2000. Aufwendige Echtzeitbeleuchtung, komplexe 3D-Welten oder andere moderne Grafikspielereien sucht ihr hier vergeblich. Die überarbeitete Darstellung und die kurzen Ladezeiten sorgen dafür, dass sich das Abenteuer wesentlich angenehmer spielt als auf der ursprünglichen Hardware und natürlich ist auch der durchgängige Vollbildmodus ein Genuss.
Gerade auf Nintendo Switch und Switch 2 passt ein solches Rollenspiel hervorragend zum Handheld-Konzept. Die Möglichkeit, unterwegs einige Zufallskämpfe zu absolvieren oder einen kurzen Dungeon zu erkunden, kommt dem klassischen Spielaufbau entgegen.
Allerdings sollte niemand ein technisches Feuerwerk erwarten – ganz im Gegenteil: neuen Gamern, die vielleicht mit dem aktuellen Ableger, Arise, in die Tales of Reihe eingestiegen sind, wird das Spiel sehr altbacken vorkommen. Die Verbesserungen betreffen hauptsächlich die Darstellung und Bedienbarkeit, während Animationen, Charaktermodelle und der grundlegende Aufbau unverändert aus einer anderen Konsolengeneration stammen.
Fazit
Tales of Eternia Remastered begeistert Fans des Originals, wird es bei Neueinsteigern aber schwer haben! Positiv fallen die vielen, sehr detaillierten, Quality of Life Features auf, die das Spiel wesentlich zugänglicher machen. Andererseits ist das damals bahnbrechende Gameplay heute ganz schön in die Jahre gekommen und schon vielfach verbessert worden. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält ein herzerwärmendes jRPG mit tollen Figuren, Anime-Präsentation und actiongeladenen Kämpfen. Eternia ist und bleibt ein wichtiges Stück Videospielgeschichte!
Barrierefreiheit
Was für eine nostalgische Erinnerungsreise zurück zu Tales of Eternia!
- Umfangreiche Komfortfunktionen gegen lästiges Grinding
- Sympathische Figuren und über 250 vertonte Skit
- Stimmiger Soundtrack und verbesserte Synchronisation
- Liebevoll gezeichnete, aufpolierte Hintergründe
- Ungenaue, repetitive Kämpfe und schwache Begleiter-KI
- Grobe Pixelsprites und karge Oberwelt
- Vorhersehbare Geschichte mit schleppendem Einstieg
- Teils umständliche Wegführung und uninspirierte Dungeons
Vielen Dank an Bandai Namco Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.