Zum Inhalt springen
FINAL FANTASY RESONANCE im Test

FINAL FANTASY RESONANCE im Test

Mateusz

Mit Final Fantasy Resonance kehrt Square Enix zu den Wurzeln seiner legendären Rollenspielreihe zurück. Statt auf fotorealistische Grafik und brachiale Echtzeitkämpfe setzt das RPG auf wunderschöne HD-2D-Optik, klassische Rundenkämpfe und eine gehörige Portion Nostalgie. Das Ergebnis fühlt sich stellenweise an wie ein alternatives Final Fantasy VII, das den Sprung in die dritte Dimension nie komplett gewagt hat. Doch Resonance hat deutlich mehr zu bieten als nostalgische Erinnerungen.

FINAL FANTASY RESONANCE

NSW2

Entwickler
Square Enix
Publisher
Square Enix
Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Der jRPG-Pixel-König ist zurück

Es war schon eine große Freude, als bei der Nintendo Direct verkündet wurde, dass Final Fantasy seinen ersten eigenen HD-2D-Eintrag bekommt. War es doch in den Neunzigern normal, dass fast jährlich ein neuer Serienableger erschien, der die damaligen Grafiklimitationen bis an die Grenzen ausweitete. Mit dem Sprung in die dritte Dimension und zu weitestgehend frei bewegliche Polygonfiguren, drehte Squaresoft (heute SquareEnix) der Pixelgrafik den Rücken zu und konzentrierte sich zunehmend auf vorgerenderte Hintergründe und realistischere Animationen.

Bis heute! Mit Final Fantasy Resonance erscheint ein großes „Was-wäre-wenn?“ für unsere liebste Hybridkonsole. Was wäre wenn man die Figurengrafik zwar weiterentwickelt, aber pixelig hält? Was wäre wenn man drumherum wunderschöne, dreidimensionale Hintergründe bauen würde? Was wäre wenn die Zwischensequenzen räumliche State-of-the-Art-Animationen mit eben diesen Pixelhelden vermischen würde? Entsteht dabei vielleicht das perfekte neue Final Fantasy Abenteuer für Fans der alten Schule? Der Reihe nach.

Von Kristallen, Luftschiffen und einer Welt in Gefahr

Bereits die Ausgangssituation macht deutlich, an welche Zielgruppe sich Final Fantasy Resonance richtet. Im Mittelpunkt stehen die beiden Kindheitsfreunde Rain und Lasswell, die als Ritter dem Königreich Grandshelt dienen. Als die magische Barriere eines Kristallschreins zu schwinden beginnt, werden sie mit der Untersuchung beauftragt.

Dort treffen sie auf einen geheimnisvollen Krieger in schwarzer Rüstung, der ihnen nicht nur haushoch überlegen ist, sondern auch den Erdkristall zerstört. Bald darauf wird ihre Heimat angegriffen, und die beiden Helden brechen auf, um die verbliebenen Kristalle zu schützen. Begleitet werden sie unter anderem von Fina, einem mysteriösen Mädchen, das sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann. Ein jRPG-Klischee der aller klassischsten Sorte!

Kennern der Serie dürfte dieses Szenario ausgesprochen vertraut vorkommen. Kristalle, Luftschiffe, ein übermächtiger Antagonist und eine stetig wachsende Heldengruppe gehören schließlich seit Jahrzehnten zur DNA von Final Fantasy und vor allem in der HD-2D-Variante ist diese Einfachheit ein wahrer Segen.

Die Geschichte von Resonance basiert auf dem Universum des Mobile-Rollenspiels Final Fantasy Brave Exvius, wurde für das neue Abenteuer jedoch in ein klassisches Konsolen-RPG übertragen. Die Handlung setzt bewusst auf vertraute Motive und folgt zunächst bewährten jRPG-Mustern. Dennoch entfaltet die Reise durch ihre abwechslungsreichen Schauplätze, die zahlreichen Charaktere und die aufwendig inszenierten Zwischensequenzen einen ganz eigenen Charme. Dabei gelingt es Resonance, die Atmosphäre früher Serienteile einzufangen, ohne sich ausschließlich auf nostalgische Erinnerungen zu verlassen. Das Spiel erzählt eine eigenständige Geschichte, die auch ohne Vorkenntnisse funktioniert.

Klassische Rundenkämpfe - moderne Ideen

Auch spielerisch orientiert sich Final Fantasy Resonance deutlich stärker an den frühen Serienteilen, als an den actionlastigen jüngeren Ablegern. Statt Echtzeitkämpfen gibt es ein klassisches, rundenbasiertes Kampfsystem, das allerdings um einige interessante Mechaniken erweitert wurde. Besonders wichtig ist dabei die Aktionsleiste am oberen Bildschirmrand. Sie zeigt an, in welcher Reihenfolge die eigenen Charaktere und Gegner ihre Aktionen ausführen. Dadurch lassen sich Kämpfe strategisch planen, anstatt lediglich die stärksten verfügbaren Angriffe einzusetzen.

Hinzu kommt ein Stagger-System, das gewisse Parallelen zu Final Fantasy XIII und Final Fantasy VII Remake erkennen lässt. Jeder Gegner besitzt neben seiner Lebensenergie eine zusätzliche Leiste, die durch Angriffe reduziert wird. Besonders effektiv sind Attacken, die elementare Schwächen ausnutzen. Ist die Leiste vollständig geleert, wird der Gegner vorübergehend handlungsunfähig und anfälliger für weiteren Schaden. Gelingt es sogar, sämtliche Gegner innerhalb einer Runde in diesen Zustand zu versetzen, wird eine Bonusphase ausgelöst, in der die gesamte Gruppe zusätzliche Aktionen erhält. Gerade bei anspruchsvolleren Bosskämpfen entsteht dadurch eine überraschende taktische Tiefe. Die Kämpfe gehen schnell von der Hand und entwickeln durch die Kampfanimationen eine Wucht, die man dieser Pixelgrafik gar nicht zugetraut hätte. Gerade am Anfang levelt man schnell, lernt viel dazu und das Pacing erinnert dadurch an die Mobile-Game-Vorlage – was ein absoluter Pluspunkt ist!

Auch abseits der Kämpfe bleibt Resonance seinen klassischen Vorbildern treu. Eine begehbare Weltkarte, Chocobos, Luftschiffe, versteckte Dungeons, zahlreiche Nebenaufgaben und optionale Herausforderungen vermitteln das Gefühl eines traditionellen Final-Fantasy-Abenteuers. Vor allem gefällt beim Spielen, dass der Enteckerdrang endlich wieder belohnt wird! In Kisten findet man Gegenstände, die einen wirklich weiter bringen (nicht wie in FFXIII). Auf der Karte gibt es versteckte Höhlen und auch sonst gibt es einiges zu entdecken.

Moderne Komfortfunktionen wie Schnellreisen, anpassbare Schwierigkeitsgrade und eine beschleunigte Kampfgeschwindigkeit sorgen gleichzeitig dafür, dass sich die Rückkehr zu alten Tugenden nicht unnötig altbacken anfühlt. Leider begeister dabei nicht jeder Dungeon mit besonders originellem Aufbau, und manche Nebenquests fallen spielerisch schon arg schlicht aus. Das grundlegende Zusammenspiel aus Erkundung, Charakterentwicklung und taktischen Kämpfen funktioniert jedoch gut genug, um diese Mankos zu kaschieren. Einzig die heutzutage all zu sehr in Mode gekommenen Tutorials über Tutorials stören im Spielbeginn den Fluss. Man wäre wahrscheinlich selber darauf gekommen, wie man ein Menü öffnet und dass man unter Ausrüstung & Fähigkeit tatsächlich Ausrüstungen an- und ablegen kann. Die Erklärungen der Attacken und Items im Kampf, kann man zwar ausschalten, aber das müsst ihr immer wieder manuell machen. Man traut dem Spieler von heute wohl nicht mehr ganz so viel zu wie damals, wo man manchmal erst zum Ende des Spiels hin einen wichtigen Gameplay-Kniff gelernt hat, der schon längst zur Verfügung stand.

Bahnbrechende Visionen

Was uns beim Spielen auf die aller beste Art eiskalt erwischt hat, ist das Visionen-Konzept. Teilweise story-relevant, teilweise optional findet ihr beim Spielen Höhlen mit Kristallen, von denen ihr sogenannte Visionen erhaltet. Dabei verbindet ihr euch mit vorangegangenen Serienteilen und bekommt Mitstreiter an die Hand, wie den ersten Krieger aus Final Fantasy I oder Cloud Strife aus Final Fantasy VII. Für langjährige Fans ist das natürlich ein besonderer Reiz. Figuren, die über Jahrzehnte hinweg ganze Spielergenerationen begleitet haben, werden hier nicht einfach als belanglose Gastauftritte präsentiert, sondern sinnvoll in das Kampfsystem eingebunden.

Die Visionen verleihen den eigenen Charakteren zusätzliche Fähigkeiten und Zauber, die sich durch eine wachsende Bindung weiterentwickeln lassen. Wer sich intensiv mit dem System beschäftigt, kann verschiedene Fertigkeiten kombinieren und seine Gruppe zunehmend spezialisieren. Das erinnert in Teilen an die Freiheit klassischer Job-Systeme, etwa aus Final Fantasy V.

Besonders eindrucksvoll sind die Resonanzangriffe. Werden sämtliche Gegner gleichzeitig in den Stagger-Zustand versetzt, lässt sich eine besonders mächtige Spezialattacke einer ausgerüsteten Vision auslösen. Diese Angriffe erhalten eigene, aufwendig inszenierte Sequenzen und können neben gewaltigem Schaden auch nützliche Verstärkungen bewirken. Augenblicklich entsteht der alte Nervenkitzel wie damals, wo man das erste mal Shiva beschwor und die Animation einem wohlig die Gehirnwindungen durchblies. Resonance verneigt sich damit nicht bloß vor der Vergangenheit der Reihe, sondern macht sie zu einem wesentlichen Bestandteil seiner spielerischen Identität.

FINAL FANTASY VII Alternative

Die größte Besonderheit von Final Fantasy Resonance ist zweifellos seine Präsentation. Erstmals erhält ein eigenständiges Final-Fantasy-Abenteuer eine vollständige HD-2D-Umsetzung. Die Kombination aus detaillierten Pixelcharakteren, dreidimensionalen Umgebungen, modernen Lichteffekten und dynamischen Kameraperspektiven erinnert zunächst an stark Octopath Traveler. Doch Resonance geht in seiner Inszenierung einen ordentlichen Schritt weiter.

Während Final Fantasy VI 1994 die Möglichkeiten der klassischen Pixelgrafik eindrucksvoll ausreizte, wagte Square mit Final Fantasy VII drei Jahre später den radikalen Wechsel zu Polygonmodellen und vorgerenderten Hintergründen. Resonance vermittelt nun das faszinierende Gefühl, einen Blick in eine alternative Entwicklung der Serie zu werfen. Die dramatischen Kamerafahrten, die imposanten Schauplätze, die effektreichen Kämpfe und die filmisch inszenierten Dialoge erinnern an den großen erzählerischen Anspruch der PlayStation-Ära. Gleichzeitig bewahren die liebevoll animierten Pixelcharaktere jenen unverwechselbaren Charme, der die ersten sechs Final-Fantasy-Spiele geprägt hat.

Bemerkenswert ist, dass dadurch keineswegs ein altmodischer Eindruck entsteht. Vielmehr wirkt Resonance wie ein modernes Rollenspiel, das bewusst eine andere visuelle Richtung einschlägt. Wobei man schon sagen muss, dass die in Echtzeit gerenderten 3D Umgebungen natürlich nicht ganz so detailgetreu sind, wie die großen Vergleichsbilder aus VII, VIII und IX. Das muss nicht schlecht sein, fordert dem Auge vor allem im ersten Dungeon ein wenig Gewöhnung ab. Aber ehrlich, spätestens ab der Overworld ist der Nostalgieflash komplett.

Auf Nintendo Switch 2 überzeugend

Technisch profitiert Final Fantasy Resonance von seiner stilisierten HD-2D-Grafik. Statt immer aufwendigere realistische Welten darzustellen, setzt Square Enix auf einen eigenständigen visuellen Stil, dessen Stärken auch auf weniger leistungsfähiger Hardware hervorragend zur Geltung kommen. Während andere Werke in diesem Stil optisch doch sehr ähnlich und teilweise etwas beliebig daher kommen, setzt Resonance hier seinen ganz eigenen Stempel drauf. Im Figuren-, Zauber- und FMV-Design.

Performance-seitig ist die Switch-2-Version auf beinahe perfekt. Das Spiel erreicht auf bis zu 60 Bilder pro Sekunde und bietet sowohl auf dem Fernseher als auch im Handheld-Modus eine klasse Darstellung. Allerdings ist die Bildrate nicht durchgehend makellos. Vor allem in belebteren Gebieten und auf der Weltkarte können gelegentlich kleinere Einbrüche auftreten. Im vergleichsweise gemächlichen Spielablauf fallen diese jedoch weniger schwer ins Gewicht als bei anderen Games. Dieses Game im Handheld-Modus zu spielen bereitet besonders viel Freude, denn durch das tolle Pacing, könnt ihr immer wieder kurz ein- und ausschalten. Außerdem erinnert dieser Modus an die guten, alten Gameboy Advance und PSP Zeiten, wo die Pixel Fantasys eine zweite Blüteära hatten.

Ein weiterer Pluspunkt ist die audiovisuelle Präsentation. Die englische und japanische Sprachausgabe verleiht den Charakteren zusätzliche Persönlichkeit, während der Soundtrack mit neuen Kompositionen und vertrauten musikalischen Motiven aus der Seriengeschichte aufwartet. Gerade das Zusammenspiel aus orchestraler Musik, Pixelgrafik und dramatisch inszenierten Schlüsselmomenten trägt erheblich zur Atmosphäre bei.

Insgesamt zeigt Final Fantasy Resonance einmal mehr, wie gut sich die HD-2D-Optik für die Nintendo Switch 2 eignet. Kleinere technische Unsauberkeiten verhindern zwar einen vollständig makellosen Eindruck, grundsätzlich ist die Nintendo-Fassung aber eine attraktive Möglichkeit, dieses Rollenspiel zu erleben.

8.5Wertung

Fazit

FINAL FANTASY RESONANCE ist eine bemerkenswert konsequente Rückbesinnung auf die Stärken, mit denen sich Square einst einen festen Platz in der Videospielgeschichte erarbeitet hat. Die Geschichte mag nicht die erzählerische Raffinesse eines Final Fantasy VI oder VII erreichen und auch einige Nebenaufgaben sowie Dungeons bleiben hinter den Möglichkeiten des Genres zurück. Dafür überzeugt Resonance mit einem durchdachten Kampfsystem, einer wunderschönen HD-2D-Präsentation und einer Welt, die den klassischen Entdeckergeist der Reihe wieder aufleben lässt. Man fühlt sich wie damals vor dem Röhrenfernseher, als das neue Final Fantasy jedes mal das kulturelle Highlight des Jahres war. Auch ohne Nostalgie-Brille eine absolute Kaufempfehlung für alle Fans von jRPGs.

Barrierefreiheit

M
Meinung vonMateusz

Visuell meisterhaft hat mich die Nostalgie-Welle komplett erwischt!

Design
8.0
Sound
9.5
Technik
8.0
Nostalgie
9.5
Gameplay
9.0
Nebenaufgaben
7.0
  • Wunderschöne HD-2D-Grafik
  • Einfaches, aber taktisches Kampfsystem
  • Kombination mit alten FF-Figuren
  • Nostalgie hoch zehn!
  • Story schon arg klassisch
  • Dungeons könnten spannender sein
  • Nebenquests nicht immer kreativ
  • Vereinzelte Performance-Einbrüche

Vielen Dank an die Firma Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
⭐
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!