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HORSE CLUB Ride West

HORSE CLUB Ride West

Marcel

Horse Club von Schleich ist der Traum im Kinderzimmer jedes pferdeliebenden Kindes und vielleicht auch manchen Eltern. Die detaillierten Figuren der Pferde, die vielen Accessoires, Reiter, Fahrzeuge, Anhänger, Kutschen und Gebäude – da kann der Platz im Kinderzimmer schon mal knapp werden. Kompakter ist da eine Version als Videospiel. Auch im Bereich der „Ponyhof-Spiele“, wie mancher „Core-Gamer“ diese Art von Spiel despektierlich und völlig zu Unrecht nennt, hat sich Horse Club bereits einen Namen gemacht. Mit HORSE CLUB Ride West kommt nun der neueste Eintrag der Serie auf die Nintendo Switch, mit überarbeitetem Reitsystem und neuem Wild-West-Setting.

Schauen wir mal, ob es ein Prachtexemplar oder ein lahmer Klepper ist.

HCR

HORSE CLUB Ride West

NSW

Entwickler
WildRiverGames
Konsole
NSW
Modi
Einzelspieler
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 0

Auf in den Westen

Zu Beginn eures Reiterurlaubs begebt ihr euch mit euren Freundinnen auf einen Wild-West-Reiterhof, um dort für das große Westernreitturnier zu trainieren. Dort wollt ihr euch am Ende die Krone sichern. Und damit ist die ganze Geschichte auch schon erzählt.

Aber wer jetzt denkt, dass es dann nur darum geht, auf einem Trainingsplatz umherzureiten, der irrt sich gewaltig. Eine große offene Spielwelt rund um die Pferdefarm erwartet euch, mit Nebenaufgaben und Herausforderungen.

Aber zuerst geht es in den Charaktereditor. Dort könnt ihr eure Protagonistin mit Kleidung, inklusive Hut oder Reithelm, und Frisuren ausstatten. Sonst lassen sich nur die Augen- und Hautfarbe anpassen. Einen männlichen Protagonisten sucht man hier vergeblich, was sehr schade für pferdeliebende Jungs ist. Wenn man bedenkt, wie oft in Spielen nur Männer als Protagonisten vorhanden sind, ist das wohl in gewisser Weise auch fair.

Schon im Editor wird klar, dass es im Verlauf des Spiels noch viele Kleidungsstücke freizuschalten gibt. Ein Kritikpunkt, gerade weil das Spiel sich an sehr junge Spieler wendet, ist, dass ein einzelner Druck auf die „A“-Taste den Editor jederzeit beendet und direkt den Vorspann des Spiels startet. Selbst wenn man noch gar nicht alle Optionen des Editors aufgerufen hatte, kann es so geschehen, dass man versehentlich mit einem „unfertigen“ Charakter ins Spiel startet.

Das ist aber zu verschmerzen, da man im Spiel jederzeit alles anpassen kann.

Die Weite der Prärie

Auf dem Pferdehof gibt es einiges zu tun. Wenn ihr nicht gerade auf dem Reitplatz trainiert, dann werdet ihr auch mit verschiedenen Aufgaben betraut. Mal müsst ihr Kräuter oder Gemüse für das Abendessen sammeln, mal ist ein Zaun kaputt und ihr müsst mit eurem Pferd die entlaufenen Schafe einsammeln.

Es gibt aber auch kleine Minispiele wie Bogenschießen, Bilder malen oder Gitarre spielen. Gerade Letzteres weiß durchaus zu begeistern, denn neben dem eigentlichen Spiel, bei dem ihr im Rhythmus zur richtigen Zeit eine bestimmte Taste drücken müsst, gibt es die Möglichkeit, frei vorgefertigte Akkorde zu spielen, sogar mit unterschiedlichen Anschlagtechniken, sodass man mit etwas Übung wirklich Musik machen kann.

Wenn ihr damit fertig seid, bleiben noch Springreiten und Rennen oder die Westernreitdisziplinen Tonnen- und Stangenrennen. An Beschäftigung gibt es also genau das richtige Maß mit dem entsprechenden Anspruch, sodass es ideal für ein junges Publikum ausbalanciert ist.

Das Highlight ist aber die offene Prärie, in der ihr durch karge Wüsten, grüne Flussufer, Canyons, leere Landstraßen sowie an Wasserfällen und Minen vorbeireiten könnt. Zwar wird hier etwas die Klischee-Keule geschwungen, aber wenn man dem wunderschönen Sonnenuntergang entgegenreitet, dann möchte man das eigentlich auch gar nicht anders. Außerdem findet man in der großen offenen Welt weitere Versionen der genannten Minispiele und Reitaufgaben. Schließt Ihr diese a sammelt Ihr Erfahrung, steigt im Level auf und schaltet neue Kleidungsstücke oder Frisuren für die Pferde frei.

Im Gegensatz zu euren Freunden hab Ihr nämlich nicht euren eigene Pferd dabei, sondern greift auf die verschiedenen Pferde auf dem Hof zurück.

Diese sind unterschiedlich anspruchsvoll und haben Ihren eigenen Charakter und Statuswerte. Mit steigendem Level bekommt Ihr zugriff auf bis zu 6 Pferde.

Beim Reiten ist Technik wichtig

Das neu überarbeitete Reitsystem bringt mehr Dynamik in den Horse Club. So könnt ihr für besonders enge Kurven sogar eine Art Drift auslösen. Ansonsten könnt ihr ganz einfach über den Analog-Stick in die verschiedenen Gangarten der Pferde wechseln und auf Knopfdruck einen extra Sprint auslösen oder springen. Wie lange so ein Sprint ist oder wie leicht ein Sprung beim Springreiten fällt, hängt vom jeweiligen Wert eures Pferdes ab. Wenn ihr ein Pferd diese Tätigkeit aber oft genug ausführen lasst, steigt der entsprechende Wert, sodass ihr jedes Pferd zur Höchstleistung bringen könnt.

Aber nicht nur Reittechniken sind wichtig, sondern auch die Technik des Spiels an sich.

So präsentiert sich die Welt zwar technisch pragmatisch, aber schön gestaltet mit Modellen der auch als Spielzeug zu kaufenden Häuser, Ställe, Fahrzeuge und Anhänger. So wird eine schöne Atmosphäre mit Wiedererkennungswert geschaffen. Technische Schwächen wie die häufigen Pop-ins sind zwar unschön, werden aber vermutlich der jungen Zielgruppe nicht so auffallen.

In unserem Test kam es einmal vor, dass wir mit unserem Reittier in einem Fluss gelandet sind, der normalerweise durch eine unsichtbare Wand abgesichert gewesen ist. So konnten wir uns zwar weiter in dem Fluss bewegen, diesen aber wieder zu verlassen, war eine Herausforderung. Kinder könnten in so einem Moment auf Hilfe angewiesen sein, wenn sie das Spiel nicht neustarten wollen. Die durchaus spürbaren Ladezeiten würden so einen Neustart besonders ärgerlich machen.

Diese technischen Mängel mindern den Spielspaß aber nur in geringem Maße.

Wir sprechen dieselbe Sprache

Gerade bei Spielen, die sich an Kinder wenden, ist es besonders wichtig, dass die Spiele zugänglich und gut verständlich gestaltet sind. In diesem Bereich macht HORSE CLUB Rider West einen tadellosen Job. Alle Dialoge sind vertont, während animierte Avatare der Charaktere nachvollziehbar die Emotionen darstellen. Wenn weitere Details notwendig sind, kümmert sich der Erzähler darum, dies dem Spieler mitzuteilen.

Die Sprecher sind dabei professionell und passend gewählt, sodass das Zuhören eine Freude ist. Dies gilt auch für die dezente Musikuntermalung, die das Western-Thema zwar klischeehaft, aber eben auch passend untermalt.

Aktionen, die im Spiel ausgeführt werden können, werden ebenfalls gut erkennbar mit Piktogrammen und der passenden Taste angezeigt. So bleibt alles gut erlernbar und die größte Hürde stellen vereinzelte Dialogoptionen dar, die gelesen werden müssen.

So wünscht man sich die Gestaltung eines Spiels, das sich an Kinder wendet.

Schade ist nur das Häuser nicht einfach betreten und erkundet werden können. Lediglich der Stall ist von Innen sichtbar, um sich für eines der Pferde zu entscheiden.

Die Pferde haben natürlich auch einen ganz eigenen Charakter, der in Zwischensequenzen auch zutage tritt, aber spielerisch kaum einen Unterschied macht. Da wäre spielerisch sicher mehr drin gewesen aber genau dies könnte für die Junge Zielgruppe einen ticken zu anspruchsvoll sein, so dass man dies auch als passende Designentscheidung werten kann.

7.8Wertung

Fazit

HORSE CLUB Ride West ist eine reine Freude für Pferdefreunde. Wer sich für die majestätischen Tiere begeistert, findet hier die Möglichkeit, dieser Leidenschaft nachzugehen. Zwar finden sich einige Klischees und auch ein paar technische Mängel in dem Spiel, aber die Atmosphäre und das gut funktionierende Gameplay gleichen dies weitgehend aus.

Wer ein „pferdeverrücktes“ Kind daheim hat, kann mit diesem Spiel sicher ein Leuchten in die Augen zaubern.

Barrierefreiheit

M
Meinung vonMarcel

Ich habe dieses Spiel unterschätzt. Natürlich ist der Grad der Herausforderung passend für Kinder gewählt, aber das Spiel hat mich gut unterhalten und die Atmosphäre hat mich als Papa von Kindern mit Reitunterricht eingefangen.

Design
8.0
Sound
8.5
Technik
6.5
Spielwelt
8.0
  • Dynamisches Reitsystem
  • Alle Dialoge vertont
  • Schöne Atmosphäre
  • Motivierendes Level-System
  • Viele Pop-ins
  • Lange Ladezeiten
  • Viele Klischees

Vielen Dank an die Firma WildRiverGames für die Bereitstellung des Testmusters.

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