
The Walking Dead : Streets of Survial im Test
Spätestens seit die TV-Serie 2010 anlief, ist The Walking Dead fester Bestandteil der Medienlandschaft. Dabei reichen die Wurzeln dieser fiktiven dystopischen Welt zurück bis ins Jahr 2003. Damals erschien im Oktober die erste Ausgabe der zugrunde liegenden Comic-Serie nach der Idee von Robert Kirkman. Der massive Erfolg der TV-Serie machte die Geschichte rund um Rick Grimes, einem Kleinstadtpolizisten in den USA, der versucht, in einer von Zombies heimgesuchten Welt zu überleben, einem breiten Publikum zugänglich. Es folgten zahlreiche Spin-offs und natürlich auch diverse Videospieladaptionen. Auch nach über 20 Jahren bietet das Szenario und die darin vorkommenden Figuren weiterhin genügend Material, um Zuschauer und Spieler gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen. Die bisherigen Videospiele gingen meist eher in die erzählerische Richtung und wurden als Adventures umgesetzt. Kein Wunder, schließlich lebt auch die Serie von ihrer Erzähltiefe und den Entwicklungen, welche verschiedene Charaktere im Laufe der Geschehnisse durchleben. Die Entwickler von Trailmark Games verfolgen allerdings einen komplett anderen Ansatz. Hier geht es um pure Action und den Überlebenskampf. The Walking Dead: Streets of Survival lässt euch in die Rollen von Rick, Daryl oder Michonne schlüpfen, die sich durch verschiedene, aus der Serie bekannte Areale kämpfen müssen. Stilistisch wurde hierbei auf einen Pixel-Retro-Look zurückgegriffen, während das Gameplay stark an Arcade-Klassiker wie Streets of Rage angelehnt ist. Ob das Konzept aufgeht und wie sich das Spiel auf der Nintendo Switch 2 schlägt, erfahrt ihr in unserer Review.

The Walking Dead: Streets of Survival
NSW2
- Publisher
- Trailmark Games
- Modi
- Einzelspieler
- Freigabe
USK ab 16
The Walking Dead: Streets of Survival – Retro-Prügelei mit den Beißern auf der Switch 2
Streets of Survival ist zeitlich im Geschehen rund um den Kampf der Gruppe um Rick mit den Saviours angesiedelt. Allerdings spinnt das Spiel seine eigene Geschichte und bedient sich lediglich bekannter Charaktere und Widersacher aus diesem Zeitstrahl. So erkundet ihr vertraute Schauplätze aus der Serie wie Hilltop, Alexandria oder den Schrottplatz.
Je nach Mission könnt ihr aus den bekannten Charakteren auswählen, mit denen ihr in den Kampf ziehen wollt. Jeder hat hierbei seine eigenen Fähigkeiten und Movesets, um sich durch die Horde von Untoten und die Schergen der Saviours zu kämpfen. Dies geschieht natürlich stilecht mit den jeweils ikonischen Waffen der Charaktere, die Fans kennen und lieben. Rick bedient sich einer kleinen Handaxt und seinem Revolver. Daryl weiß vortrefflich mit seinen Messern umzugehen und nutzt auf Distanz seine Armbrust. Michonne nutzt ihr Katana, um im wahrsten Sinne des Wortes alles in Stücke zu hacken, was sich ihr in den Weg stellt. Aber auch mit gefundenen Schusswaffen kann sie mehr als gekonnt umgehen.

Die Spielmechanik
Wie eingangs erwähnt, lehnt sich Streets of Survival nicht nur optisch, sondern auch bei der Spielmechanik an frühe Arcade-Side-Brawler an. Und so kämpft ihr euch genretypisch durch die verschiedenen Abschnitte. Neben eurer Bewaffnung könnt ihr stets Medikits mit euch führen, um erlittenen Schaden zu heilen. Aber Vorsicht: Die Kits heilen nicht direkt. Vielmehr müsst ihr den Aktionsknopf gedrückt halten, sodass sich euer Charakter verarztet. Werdet ihr dabei unterbrochen, verliert ihr den Rest der potenziellen Heilung. Der Einsatz muss also gut getimt sein.
Im Gegensatz zu den Ursprüngen des Genres lassen euch die Entwickler zum Glück nicht in jedem Level stumpf von links nach rechts laufen. Vielmehr sind einige Abschnitte verschachtelt, und ihr könnt euch frei darin bewegen, um verschiedene Aufgaben zu erledigen. Gerade Spieler, die Wert darauflegen, ein Spiel wirklich komplett zu beenden, kommen hier auf ihre Kosten, da es neben Gebrauchsgegenständen in jedem Level auch Sammlerobjekte wie zum Beispiel Briefe, Bilder oder Comics zu finden gibt.
Wie es sich für das Genre gehört, erwartet euch in vielen Abschnitten am Ende ein Bosskampf. Ob nun Oberschurken der Saviours oder besondere Beißer – Fans werden hier sicherlich auf ihre Kosten kommen. Leider gestalten sich gerade die Bosskämpfe ziemlich wechselhaft. Während manche sehr leicht und repetitiv sind, können andere wiederum etwas frustrierend sein.
Waffen und Fähigkeiten
Neben den Hauptwaffen, die ihr immer bei euch tragt, findet ihr in den Leveln weitere Waffen, die ihr einsetzen könnt. Sobald die Munition der gefundenen Schusswaffen aufgebraucht ist, verliert ihr diese. Bei Nahkampfwaffen gibt es eine Haltbarkeit. Nach einigen Schlägen könnt ihr diese nicht mehr einsetzen.
Für jeden eurer Charaktere lassen sich weitere Eigenschaften und Fähigkeiten freischalten. Hierzu sind Wissenspunkte und bestimmte Materialien erforderlich. Beides findet ihr zufällig verstreut in den Leveln, etwa in Truhen oder Schränken. Es lohnt sich also immer, alle Räume anzusehen. Aber keine Angst: Ihr müsst nicht alles durchwühlen, denn das Spiel zeigt direkt beim Betreten an, ob es etwas zu looten gibt. Außerdem müsst ihr euren Killcount erhöhen, um die nächste Stufe der möglichen Fähigkeiten freizuschalten. Wie aus vielen anderen Spielen bekannt, bauen die Fähigkeiten hier teilweise aufeinander auf, und man kann zumindest in geringem Maße verschiedene Builds ausführen. So könnt ihr euch dafür entscheiden, die eigene Heilung zu verbessern, die Ausweichfähigkeiten und Geschwindigkeit zu erhöhen, die Schussfrequenz und Reichweite von Fernkampfwaffen zu steigern oder aber den Schaden und die Haltbarkeit von aufgesammelten Nahkampfwaffen zu verbessern. Die erste Fähigkeit, die bei allen Protagonisten gleichermaßen als Erstes freigeschaltet werden muss, ist Adrenalin. Hiermit könnt ihr durch Drücken der linken Schultertaste einen mächtigen Angriff entfesseln. Danach seid ihr frei, eure Charaktere individuell zu leveln. Insgesamt stehen euch dann bis zu zwölf weitere Verbesserungen zur Verfügung.

Technik
Streets of Survival schafft es optisch hervorragend, die Welt der Zombies im Side-Brawler-Retro-Look erstrahlen zu lassen. Manchmal wäre etwas mehr Abwechslung bei den Gegnern wünschenswert gewesen. Dies fällt aber kaum ins Gewicht zumal wir doch einige der ikonischen Beißer der Serie serviert bekommen. Die musikalische Untermalung ist unauffällig und passt thematisch zum Spiel.
Die Steuerung an sich funktioniert gut, aber gepaart mit der Spielmechanik offenbaren sich hier die größten Schwachstellen des Spiels. Leider kann man nicht eigenständig springen. Lediglich an festgelegten Punkten könnt ihr über per Knopfdruck Hindernisse überwinden. Dies nimmt dem Titel einiges an Dynamik. Schwerer hingegen wiegt die mangelhafte Fehlerabfrage bzw. die Abfrage der Hitboxen. Diese ist teilweise mehr als fragwürdig, was gerade bei vielen Gegnern oder versetzt stehenden Widersachern sehr frustrierend ist. Auch die Fähigkeit, wie in anderen Spielen dieses Genres, Gegenstände aufzuheben und auf Gegner zu werfen, vermissen wir ebenso wie die Möglichkeit, Feinde, die bereits am Boden liegen, weiter zu bearbeiten.
Und obwohl das Spiel mit einem stimmigen Ambiente punkten kann, verhindern diese Schwächen in der grundlegenden Spielmechanik, dass Streets of Survival sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Somit sorgen diese spielerischen Defizite dafür, dass der Titel letztlich hinter dem Anspruch eines echten Top-Titels zurückbleibt.
Umfang
Mit circa fünf Stunden Spielzeit bietet das Spiel einen soliden Umfang. Da man nicht in allen Leveln zurücklaufen kann, werden Komplettisten wohl einige Zeit mehr aufbringen, um verpasste Sammlerobjekte einzusammeln. Oder aber ihr spielt den Titel mit dem vierten Charakter durch, der nach dem ersten Durchgang freigeschaltet wird. Hier wartet eine alte Bekannte auf euch ;). Einen Zweispielermodus, den Titel dieses Genres oftmals haben, suchen wir hier leider vergeblich.
Fazit
Obwohl der Titel vieles richtig macht, lässt The Walking Dead: Streets of Survival einiges an Potenzial liegen. Ein Spiel dieses Genres steht und fällt mit einem sauberen Kampfsystem. Die ungenaue Fehlerabfrage führt zu unnötigem Frust und wird sicher einige vom Weiterspielen und sicher die meisten von einem zweiten Durchgang abhalten. Zudem wäre ein spürbarer Unterschied zwischen den einzelnen Charakteren wünschenswert gewesen. Dabei bietet das Spiel eine tolle Optik und Atmosphäre die euch in die Welt von TWD versetzt. Trotz eher geringer Gegnervielfalt sieht man in den meisten Leveln die Liebe zum Detail und viele Anspielungen zur Serie. Unterm Strich bleibt Streets of Survival ein solider Beat-Em-Up-Titel mit minimalen Rollenspielelementen, der vor allem Fans des The Walking Dead-Universums ansprechen dürfte.
Barrierefreiheit
- Hervorragender Pixel-Retro-Look, der die Serien-Atmosphäre toll einfängt
- Motivierendes, leichtes RPG-System mit freischaltbaren Fähigkeiten
- Verschachtelte Level laden zur Suche nach Sammelobjekten ein
- Ein geheimer, vierter Charakter als Belohnung nach dem Durchspielen
- Trefferabfrage (Hitboxen) im Kampf oft sehr ungenau und frustrierend
- Charaktere spielen sich trotz ikonischer Waffen zu ähnlich
- Fehlende Genre-Standards (kein freies Springen, keine Angriffe auf liegende Feinde)
- Bosskämpfe schwanken zwischen repetitiv und unfair
- Kein lokaler Zweispieler-Modus vorhanden
Vielen Dank an Trailmark Games für die Bereitstellung des Testmusters.





