Mit Diablo IV erreicht eines der großen Action-RPGs der vergangenen Jahre endlich eine Nintendo-Konsole. Die Age of Hatred Collection bündelt dabei nicht nur das Grundspiel, sondern auch die beiden Erweiterungen Vessel of Hatred und Lord of Hatred. Damit bekommt ihr auf der Nintendo Switch 2 das bislang umfangreichste Diablo-IV-Paket und könnt die komplette Geschichte rund um Lilith, Mephisto und die Zukunft von Sanktuario erleben. Blizzard selbst bezeichnet die Sammlung als Einstieg in die aktuelle Ära von Diablo IV, die inzwischen deutlich über den ursprünglichen Veröffentlichungsumfang hinausgewachsen ist.
Für Nintendo-Fans ist dabei vor allem eine Frage interessant: Wie gut funktioniert das düstere Action-RPG auf der Hybridkonsole? Nach unserem Test können wir bereits festhalten, dass Diablo IV auf der Switch 2 einige technische Kompromisse eingeht, dafür aber einen ganz entscheidenden Vorteil bietet: Ihr könnt eure komplette Diablo-IV-Erfahrung erstmals auch auf einer Nintendo-Plattform mitnehmen.
Eine komplette Höllenreise
Die Age of Hatred Collection ist inhaltlich äußerst umfangreich. Neben dem Grundspiel sind Vessel of Hatred und Lord of Hatred enthalten. Damit bekommt ihr nicht nur die ursprüngliche Kampagne, sondern könnt anschließend auch nach Nahantu und später auf die Inseln von Skovos aufbrechen. Die Handlung führt euch durch die Auseinandersetzung mit Liliths Anhängern und schließlich immer stärker in den Konflikt mit Mephisto, dem Großen Übel des Hasses.
Gerade Neueinsteiger profitieren davon, dass sämtliche bisherigen Inhalte und Weiterentwicklungen des Spiels in einem Paket zusammenkommen. Diablo IV präsentiert sich inzwischen deutlich umfangreicher als zum ursprünglichen Start. Die Kampagne bildet dabei nur den Einstieg. Nach und neben der Geschichte warten zahlreiche Aktivitäten, Dungeons, saisonale Inhalte und Herausforderungen darauf, euch über viele Stunden zu beschäftigen.
Mit insgesamt acht spielbaren Klassen ist auch die spielerische Auswahl entsprechend groß. Neben bekannten Archetypen stehen unter anderem der Geistgeborene aus Vessel of Hatred sowie der neu hinzugekommene Paladin und der Hexenmeister zur Verfügung. Dadurch reicht das Spektrum von klassischem Nah- und Fernkampf über Magie und Beschwörungen bis hin zu Verwandlungen und unterschiedlichen Effektkombinationen.
Beute ohne Ende
Das Grundprinzip von Diablo IV bleibt unverändert motivierend: Ihr zieht durch die düsteren Gebiete Sanktuarios, erledigt Dämonen und andere Gegner, sammelt immer bessere Ausrüstung und entwickelt euren Charakter kontinuierlich weiter. Besonders der permanente Wechsel zwischen Kämpfen, Beute und Charakteroptimierung funktioniert hervorragend.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet mit dem Paragon-System eine weitere Ebene der Charakterentwicklung. Nach dem Erreichen der entsprechenden Stufe könnt ihr zusätzliche Punkte verteilen und euren Charakter gezielt auf bestimmte Spielweisen ausrichten. Offensive und defensive Werte sowie weitere Eigenschaften lassen sich dadurch immer stärker auf den eigenen Build abstimmen.
Hinzu kommen Systeme wie das Härten von Gegenständen, die Horadrim-Würfel sowie zahlreiche Endgame-Aktivitäten. Albtraum-Dungeons, besonders mächtige Gegner und Uber-Bosse sorgen dafür, dass auch nach dem Abschluss der Kampagnen noch reichlich zu tun bleibt. Gerade für Diablo-Veteranen ist das interessant, denn vorhandene Charaktere und bereits freigeschaltete Inhalte lassen sich dank der plattformübergreifenden Progression weiterverwenden.
Für Einsteiger und Veteranen
Besonders angenehm ist, dass Diablo IV auf der Switch 2 nicht versucht, euch auf einen bestimmten Spielstil festzulegen. Ihr könnt euch langsam in die verschiedenen Systeme einarbeiten oder mit einem bereits erfahrenen Charakter direkt in anspruchsvollere Inhalte einsteigen.
Die Sammlung startet mit 14 Charakterplätzen und sieben Beutetruhenfächern. Durch die enthaltenen Erweiterungen und zusätzliche Freischaltungen steht damit eine große Grundlage für unterschiedliche Charaktere und Builds bereit.
Wer bereits auf PC, PlayStation oder Xbox gespielt hat, kann seinen Fortschritt ebenfalls mitnehmen. Voraussetzung ist die Verknüpfung mit dem entsprechenden Battle.net-Konto. Danach stehen euch eure vorhandenen Charaktere und freigeschalteten Inhalte auch auf der Switch 2 zur Verfügung. Genau hier spielt Diablo IV seine besondere Stärke auf Nintendos Konsole aus.
Zwischen TV und Handheld
Technisch musste Blizzard natürlich einige Kompromisse eingehen. Diablo IV bietet auf der Switch 2 zwei Darstellungsmodi, die unterschiedliche Prioritäten setzen.
Im Grafikmodus erreicht das Spiel im angedockten Zustand bis zu 1440p bei 30 Bildern pro Sekunde. Wer sich für den Performance-Modus entscheidet, erhält im Dock eine höhere Bildrate von bis zu 40 fps. Im Handheld-Modus arbeitet Diablo IV mit bis zu 1080p und 30 fps.
Im direkten Vergleich zu leistungsstärkeren Plattformen sind die visuellen Abstriche erwartbar. Texturen, Details und die allgemeine Bildqualität erreichen nicht das Niveau von PC oder den großen Heimkonsolen. Trotzdem bleibt der typische Diablo-Look erhalten. Die dunklen Landschaften, Dungeons, Effekte und zahlreichen Gegner funktionieren auch auf dem kleineren Bildschirm erstaunlich gut.
Gerade im Handheld-Modus zeigt sich deshalb der eigentliche Reiz der Umsetzung. Ihr müsst nicht mehr vor dem Fernseher sitzen, um Diablo IV zu spielen. Ihr könnt euren Charakter auf dem großen Bildschirm beginnen, später ins Handheld wechseln und dort genau an derselben Stelle weiterspielen.
Hölle unterwegs
Der Wechsel zwischen den Spielmodi funktioniert dabei besonders gut mit der Switch-2-Hardware. Gerade ein Spiel wie Diablo IV eignet sich hervorragend für kürzere Sessions zwischendurch, während die umfangreichen Endgame-Systeme gleichzeitig genügend Motivation für lange Spielabende bieten.
Allerdings gibt es eine entscheidende Einschränkung: Diablo IV ist ein reines Online-Spiel. Eine permanente Internetverbindung ist notwendig. Das gilt somit auch unterwegs. Wer im Zug, Flugzeug oder an einem anderen Ort ohne zuverlässiges WLAN spielen möchte, benötigt beispielsweise einen mobilen Hotspot.
Das ist angesichts des hybriden Charakters der Switch 2 durchaus schade. Die Möglichkeit, Diablo IV überall mitzunehmen, wird dadurch unmittelbar an eine funktionierende Netzwerkverbindung gekoppelt. Fällt die Verbindung aus oder sind die Server nicht erreichbar, bleibt auch der Zugang zum Spiel verwehrt.
Gemeinsam gegen die Hölle
Diablo IV unterstützt sowohl lokales als auch Online-Koop. An einer Konsole können bis zu zwei Spieler gemeinsam losziehen, online sind bis zu vier Spieler möglich.
Gerade im Zusammenspiel mit unterschiedlichen Klassen entstehen interessante Kombinationen. Während ein Charakter Gegner aus der Distanz unter Beschuss nimmt, kann ein anderer mitten ins Getümmel stürmen oder mit Magie und Beschwörungen für zusätzliche Unterstützung sorgen.
Auch die vollständig plattformübergreifende Ausrichtung ist für die Switch-2-Version ein wichtiger Pluspunkt. Ihr seid nicht darauf beschränkt, ausschließlich mit anderen Nintendo-Spielern zusammenzuspielen. Zusammen mit der Cross-Progression entsteht dadurch ein Diablo-Erlebnis, das sich deutlich weniger an die jeweilige Plattform gebunden anfühlt.
Ein Download-Code
Weniger erfreulich ist dagegen die physische Veröffentlichung. Die Age of Hatred Collection wird auf der Switch 2 nicht als klassische Cartridge-Version angeboten. Stattdessen steckt in der Retail-Verpackung lediglich ein Download-Code.
Wer eine physische Sammlung aufbauen möchte, erhält somit zwar eine Box mit Cover, aber keinen Datenträger beziehungsweise keine Game-Key-Card. Gerade bei einer umfangreichen Sammlung wie Diablo IV ist das für Sammler ein nachvollziehbarer Kritikpunkt.
Nach dem Download fällt dieser Unterschied im Alltag natürlich nicht mehr ins Gewicht. Für Fans physischer Spiele ist er dennoch relevant.
Shop und Seasons
Diablo IV ist zudem stark als dauerhaft unterstütztes Spiel ausgelegt. Neben den eigentlichen Spielinhalten gibt es saisonale Inhalte, Cosmetics und weitere Möglichkeiten zur Individualisierung.
Zum Testzeitpunkt konnten wir direkt in Season 15 einsteigen und damit auch entsprechende saisonale Belohnungen und kosmetische Inhalte nutzen. Zusätzlich steht der Ingame-Shop zur Verfügung, über den weitere kosmetische Gegenstände angeboten werden. Diese funktionieren als optionale Mikrotransaktionen und sind nicht notwendig, um die eigentlichen Spielinhalte zu erleben.
Damit bleibt Diablo IV seinem langfristig angelegten Konzept treu: Die Kampagne liefert die erzählerische Grundlage, während Seasons und Endgame dafür sorgen sollen, dass ihr immer wieder nach Sanktuario zurückkehrt.
Technik mit Kompromissen
Die technische Umsetzung ist insgesamt überzeugend, wenn man die Möglichkeiten der Switch 2 berücksichtigt. Natürlich müsst ihr gegenüber PC und den leistungsstärkeren Konsolen Abstriche bei Auflösung und grafischer Detaildarstellung hinnehmen.
Gleichzeitig fällt aber gerade die Performance im praktischen Einsatz positiv auf. Die unterschiedlichen Modi geben euch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob euch eine höhere Bildqualität oder eine höhere Bildrate wichtiger ist. Im Handheld-Modus bleibt die Darstellung bei 30 fps, während ihr im Dock zwischen einer höheren Auflösung und dem Performance-Modus wählen könnt.
Damit erreicht Diablo IV nicht die technische Qualität seiner großen Plattformen, aber das muss die Switch-2-Version auch nicht. Entscheidend ist, dass das eigentliche Spielgefühl erhalten bleibt. Und genau das gelingt.
Darüber hinaus bietet Diablo IV: Age of Hatred Collection auch auf der Nintendo Switch 2 alle Möglichkeiten der Barrierefreiheitseinstellungen der bisherigen Versionen. Das umfasst Farbanpassungen, Audioeinstellungen, Vorlesefunktionen und mehr. Auch eine Touchscreen Unterstüzung hat es ins Spiel geschafft, der Maus-Modus wird allerdings bislang nicht unterstützt.
Preis und Umfang
Mit einem Preis von rund 70 Euro bekommt ihr hier eine außergewöhnlich umfangreiche Zusammenstellung. Grundspiel, Vessel of Hatred und Lord of Hatred bilden gemeinsam die komplette bisherige Kampagne und werden durch das mittlerweile deutlich weiterentwickelte Grundgerüst von Diablo IV ergänzt. Blizzard führt die Age of Hatred Collection offiziell als Paket aus Grundspiel und beiden Erweiterungen.
Für Neueinsteiger ist das deshalb ein sehr komfortabler Einstieg, weil nicht erst einzelne Erweiterungen nachgekauft werden müssen. Gleichzeitig können langjährige Spieler dank Cross-Progression ihre bestehenden Charaktere und Fortschritte auf die Switch 2 mitnehmen.
Die größten Einschränkungen liegen weniger beim Umfang als bei der Plattform selbst: permanente Onlinepflicht, technische Abstriche und die fehlende Cartridge beziehungsweise Game-Key-Card.
9.0Wertung
Highlight
Fazit
Diablo IV: Age of Hatred Collection bringt ein inzwischen enorm umfangreiches Action-RPG auf die Nintendo Switch 2 und macht dabei genau das richtig, was man sich von dieser Version wünschen darf: Ihr bekommt das komplette bisherige Diablo-IV-Erlebnis und könnt es erstmals auf einer Nintendo-Konsole flexibel zwischen Fernseher und Handheld spielen. Die technischen Abstriche gegenüber PC und anderen Heimkonsolen sind vorhanden, beeinträchtigen das eigentliche Spielgefühl aber nur begrenzt. Deutlich schwerer wiegt die permanente Onlinepflicht, die gerade unterwegs zur Einschränkung werden kann, während die reine Download-Code-Retail-Version für Sammler enttäuschend ausfällt. Wer Diablo IV bisher noch nicht gespielt hat, erhält mit der Age of Hatred Collection ein sehr umfangreiches Gesamtpaket; erfahrene Spieler profitieren dagegen von Cross-Progression und können ihre bestehenden Charaktere mitnehmen. Unterm Strich ist die Switch-2-Version damit eine gelungene hybride Umsetzung eines Action-RPGs, das auch nach zahlreichen Updates und Erweiterungen noch reichlich Gründe liefert, immer wieder nach Sanktuario zurückzukehren.
Barrierefreiheit
Blizzard zeigt, wie jahrelanger Barrierefreiheitsoptimierung aussieht. Vorlesefunktion, Farbanpassungen, Schwierigkeitsgrade, Belegungsfunktionen, akustische Signale und vieles mehr ermöglichen einer breiten Spielerschaft das Spielerlebnis.
M
Meinung vonMaik
Starke Kampagne mit mächtigem Endgame. Für mich im hybrides Erlebnis ein fantastisches Gesamtpaket!
Design
8.5
Sound
9.0
Technik
8.0
Spielwelt
9.5
Multiplayer
9.0
Spielspaß
9.5
Umfang
9.5
Komplettes Diablo-IV-Paket mit Grundspiel und beiden Erweiterungen
Acht spielbare Klassen inklusive Paladin, Hexenmeister und Geistgeborenem
Umfangreiche Kampagne und großes Endgame
Zahlreiche Build- und Ausrüstungsmöglichkeiten
Paragon-System und weiterführende Charakterentwicklung