
Fire Emblem: Fortune's Weave
Nach dem guten, aber eher zwiespältig aufgenommenen Engage lag eine gewisse Last auf den Schultern von Intelligent Systems. Die Fangemeinde wartete auf ein Zeichen, dass die Serie an die goldenen Zeiten von Three Houses anknüpfen kann und mit Fire Emblem: Fortune's Weave liefert das Studio nun den ersten großen Hauptteil exklusiv für die Nintendo Switch 2. Schon die Ankündigung sorgte für Aufsehen, schließlich ließ sich im Trailer eine erwachsene Version von Sothis blicken, die Fans sofort Verbindungen zu Three Houses ziehen ließ. Werfen wir also das Schicksal in die Waagschale und schauen, ob sich der Griff nach den Heroenspiele gelohnt hat.
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Fire Emblem: Fortune's Weave
NSW2
- Genre
- Strategie
- Serie
- Fire Emblem
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NSW2
Publisher / Entwickler
ISIntelligent Systems
Ein Turnier, ein Wunsch, ein Weltuntergang
Die Prämisse klingt zunächst simpel: In der Hauptstadt Dagsion des Dagdanischen Kaiserreichs treffen sich die stärksten Kämpfer des Landes zu den Heroenspiele, deren Sieger einen Wunsch von den Göttern erfüllt bekommt. Vier von ihnen stehen im Zentrum der Geschichte, und jeder von ihnen hat gute Gründe, sein Glück zu versuchen. Cai will seinen inhaftierten Vater befreien, Dietrich überlebte einen Monsterangriff und sucht seither nach ebenbürtigen Gegnern, Theodora verlor bei einem von ihrem eigenen Bruder inszenierten Anschlag ihren Arm und kämpft nun um die Ehre ihrer Göttin und ihrer Krone, während Leda nach dem öffentlichen Tod ihres Vaters Rache an den Verantwortlichen sucht.
Fünf Jahre nach dem Turnier kippt die Geschichte jedoch gewaltig: Der Dämonengott Balor kehrt zurück, das Reich steht vor dem Untergang, und ausgerechnet die vier Helden von einst sind spurlos verschwunden. Die Urgöttin Sothis schickt daraufhin eine Seele zurück in die Vergangenheit, die mithilfe der Göttin Fortuna in der Zeit zu den Heroenspiele zurückreisen und die vier Schicksale neu weben kann. Ein spannendes Gerüst, das Fortune's Weave deutlich mehr erzählerisches Gewicht verleiht, als man es von einem reinen Turnierplot erwarten würde.
Die Story weiß zwar zu überzeugen, aber man muss auch eingestehen das die großen Stärken der Erzählung in den 4 Storysträngen der genannten Charaktere liegt. Die übergeordnete Geschichte fällt merkbar ab.

Vier Wege nach Dagsion
Und genau hier liegt die eigentliche Stärke des Spiels: Fortune's Weave erzählt seine Geschichte nicht aus einer, sondern aus vier komplett eigenständigen Perspektiven. Der Fortschritt wird für jeden Helden separat gespeichert, sodass ihr jederzeit zwischen den Routen wechseln, frühere Ereignisse erneut aufsuchen und an anderer Stelle weitermachen könnt, ohne etwas zu verlieren. Dieselben großen Ereignisse wirken je nach gewähltem Blickwinkel überraschend unterschiedlich und auch abseits der Haupthandlung unterscheiden sich die Wege spürbar voneinander: Während Leda in den Tavernen Dagdas auftritt, um sich Ansehen zu verdienen, erledigt Cai lieber Botengänge für die Bürger der Stadt. Mann könnte geradezu von 4 Spielen in einem sprechen, ein Umfang, der beeindruckt, aber auch Zeit fordert. Wer alle vier Pfade auskosten will, muss mit einer Spielzeit von 120 bis 150 Stunden rechnen und auch einzelne Gefechte können sich über ein bis zwei Stunden ziehen.

Brandtechniken: Kraft, die brennt
Auf dem Schlachtfeld bleibt vieles beim Altbekannten: rundenbasierte Kämpfe auf einem Gitter, taktische Positionierung und ein Terrain, das über Sieg und Niederlage mitentscheidet. Neu und zugleich das Herzstück des Kampfsystems sind die Blaze Arts – mächtige Spezialfähigkeiten, die statt Waffenhaltbarkeit die eigenen Lebenspunkte kosten. Wer die Blaze-Leiste eines Charakters zur Hälfte füllt, aktiviert den Overblaze-Zustand mit spürbaren Boni, wagt bei voller Leiste jedoch einen Overburst, der die maximalen Lebenspunkte für den Rest des Kampfes halbiert. Dieses Risiko-Belohnung-Prinzip zieht sich auch durch die Salamander, eine wie eine Feuerwaffe aussehende Gauntlet-Waffe mit geladenen Energieschüssen, sowie durch verfluchte Waffen aus den Dungeons, die nach einem ähnlichen, aber noch riskanteren Prinzip funktionieren. Das klassische Waffendreieck wurde zugunsten eines logischeren Stärken- und Schwächen-Systems ersetzt, bei dem etwa gepanzerte Einheiten Waffen trotzen, Magie aber kaum etwas entgegenzusetzen haben.

Zwischen den Schlachten
Wie schon in Three Houses verbringt ihr zwischen den großen Kämpfen Zeit in einem Kalendersystem, das sich hier allerdings freiformiger anfühlt. Bevor eine Hauptmission ansteht, zeigt euch das Spiel genau an, wie viele Runden euch noch bleiben – Zeit, die ihr im Training verbringen, für Erkundungen, Rekrutierungen, Geschenke oder Tempeldienste nutzen könnt. Gerade Letzteres zahlt sich aus: Gepflegte Bindungen schalten nicht nur Support-Gespräche frei, sondern auch handfeste Kampfboni wie höhere Trefferquoten oder koordinierte Paarangriffe, wenn Verbündete im Kampf zueinander stehen. Wer hier sorgfältig plant, wird im Kampf klar belohnt – wer die Zeit verstreichen lässt, merkt es spätestens beim nächsten schweren Gefecht.
Darüber hinaus lässt sich auch die Weltkarte jenseits von Dagsion bereisen, was ebenfalls Zeit kostet. Hier warten Scharmützel und Dungeons auf euch, die Ausrüstungsmaterialien und Erfahrung abwerfen. Statt der gewohnten taktischen Gitterkämpfe kommt in diesen Dungeons ein eigenes, an Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia erinnerndes System namens „Clash“ zum Einsatz: vereinfachte, JRPG-typische Rundenkämpfe, in denen ihr vor allem auswählt, welche Einheit welchen Angriff ausführt. Schwache Gegner lassen sich dabei auf Wunsch automatisch abhandeln, was gerade beim wiederholten Durchqueren bereits bekannter Abschnitte spürbar Zeit spart.

Technik und Klang aus einer neuen Zeit
Optisch macht die Switch-2-Power den erwarteten Unterschied. Charaktermodelle wie das von Fortuna wirken deutlich detaillierter als noch in Three Houses, auch wenn Umgebungstexturen etwa bei Bäumen streckenweise noch etwas einfach geraten sind. Die gezeichneten Charakterporträts während der Dialoge profitieren von zusätzlichen Animationen, die den Gesprächen mehr Leben einhauchen. Klanglich überzeugt vor allem der Soundtrack, der in den dystopischeren Sequenzen auf synthetische Klänge setzt und insgesamt als eine der Stärken des Spiels gilt. Serienerstmals unterstützt Fortune's Weave zudem den Maus-Modus der Joy-Con 2, mit dem sich Einheiten bequem über das Schlachtfeld bewegen lassen, wer lieber klassisch spielt, wechselt jederzeit zurück zur gewohnten Tastensteuerung. Ein kleiner Wermutstropfen bleiben die teils repetitiven Dialoge der Bürger Dagsions, die sich nach einigen Stunden merklich wiederholen.
Fazit
Fire Emblem: Fortune's Weave ist das umltimative Fire Emblem. Denn es vereint so ziemlich alles aus den besten Teilen der Serie, gleichzeitig zwingt es einem keine der Mechaniken wirklich auf und es gibt fast immer einen Weg dies zu vereinfachen oder zu automatisieren. Das kann sowohl ein Lob als auch ein Kritikpunkt sein. Die Einzelnen Gameplay-Mechaniken gehen zwar oft nicht sehr tief aber durch die Menge kommt keine Langeweile auf und die Lange Spielzeit bleibt durchgehend unterhaltsam.
Barrierefreiheit
Fire Emblem: Fortune`s Weave Zieht einen schnell in seinen Bann, gute wenn man sich dann auch die große Menge an Zeit nehmen kann um auch das gesamte spiel auszukosten.
- • Vier eigenständige, unterschiedlich erzählte Heldenwege
- • Brandtechniken sorgen für spannendes Risiko-Belohnung-Gameplay
- • Deutlicher technischer und klanglicher Sprung zu den Vorgängern.
- • Enormer Umfang an Aktivitäten zwischen den Kämpfen Con:
- • Kann schnell zu einfach werden wenn man alle Vorteile zusammensammelt und nutzt.
- • Sehr hoher Zeitaufwand nötig, um alles zu sehen
- • Repetitive NPC-Dialoge im Hub-Bereich