Zum Inhalt springen
Maestro

Maestro

Marcel

Musikspiele hatten ihr Hoch vor einigen Jahren, in letzter Zeit gibt es wieder Ankündigungen, wie Stage Tour. Die Frage ist nur: Wohin mit den ganzen Extra-Controllern? Maestro stellt sich diese Frage gar nicht, sondern legt die Kontrolle einfach in eure Hände – in Form der Joy-Con 2. Denn ihr seid nicht nur ein Musiker, der ein Instrument spielt, sondern ihr seid der Dirigent, der damit alle Instrumente in seiner Hand hat. Oft hörte man die Frage, was ein Dirigent eigentlich tut, wenn die Musiker doch die Noten kennen oder lesen können. Ihr könnt es nun herausfinden. In Maestro nehmt ihr den Taktstock selbst in die Hand.

Maestro

NSW2

Entwickler
Double Jack
Konsole
NSW2NSW
Modi
Einzelspieler
Freigabe
USK ab 0

Wozu ist ein Dirigent da?

Ein kleines bisschen Story hat auch dieses Musikspiel. Ihr seid der neue Dirigent in einem renommierten Musikhaus. Ein Mann mit gepuderter Perücke, barockem Outfit und affektiertem Auftreten führt euch stilecht durch das Tutorial. Dabei wird schnell klar, dass die Konversationen eher humoristischer Natur sein werden. Als dann auch noch die Konzerthausleiterin auftaucht, wird euch mitgeteilt, dass der letzte Dirigent aufgrund schlechter Leistungen gefeuert wurde und euch dasselbe Schicksal ereilen wird, falls ihr versagt. So viel Story muss dann auch reichen, und ihr könnt mit dem Dirigieren frei loslegen.

Und tatsächlich erklärt das Spiel gut, welche Rolle ein Dirigent in einem Orchester innehat. Mit dem Taktstock gebt ihr den Einsatz, zeigt den Takt an und sorgt dafür, dass alle in der gleichen Geschwindigkeit spielen. Im Spiel funktioniert das, wie man es aus Rhythmusspielen kennt, über eine Leiste, auf der Symbole auf euch zukommen und im richtigen Moment eine Aktion erfordern. In diesem Fall sind es Pfeile, die euch anzeigen, in welche Richtung ihr den Taktstock bewegen müsst. Weiße Pfeile stehen für den Takt, gelbe Pfeile für die Akzentuierung, die auch mit der zweiten Hand unterstützt werden kann. Welche Hand den Taktstock hält und welche die freie Hand ist, könnt ihr auswählen.

Die freie Hand übernimmt aber auch noch andere Aufgaben: Enger werdende Kreise zeigen euch an, wann ihr auf eine Musikergruppe zeigen müsst, um ihren Einsatz koordiniert im richtigen Moment anzuzeigen. Wenn die Musik anschwellen soll, öffnet ihr die Hand und bewegt den darauf liegenden Joy-Con in einer entsprechenden Geste nach oben. Soll es etwas ruhiger werden, dreht ihr den Joy-Con nach unten und lasst ihn langsam absinken. Den Abschluss bildet, dass ihr beim Anschwellen zum Ende die Hand schließt (die Schultertaste drückt), um den gleichzeitigen Abschluss eines gehaltenen Tons zu koordinieren. Nun begreift auch der größte Kritiker: Der Dirigent bestimmt die Geschwindigkeit, die Intensität und das Timing in einem Orchester.

Klassische Musik, wie langweilig! Oder?

Natürlich dreht sich hier vieles um klassische Musik, aber auch Filmmusik und Jazz sind zu finden, ebenso wie Stücke aus Animes. Wem die Songauswahl nicht reicht, kann in Form von DLCs auf Songs aus Attack on Titan und mit dem Paket "All Aboard" auf Songs wie "He's a Pirate" (Fluch der Karibik) oder "Wellerman" zugreifen. Aber egal, ob man nun Fan dieser Art von Musik ist – der Funke springt schnell über, wenn man ein ganzes Orchester dirigiert. Am besten wirkt das Ganze, wenn man auch mit ausreichender Lautstärke und entsprechendem Sound arbeitet, ob nun mit passender Anlage oder Kopfhörern. Dann fühlt man sich als Dirigent von Stücken wie "Duel of the Fates" (Star Wars) schon sehr episch. Es ist überraschend, wie viel Spaß das Ganze machen kann.

Einziger Wermutstropfen: Leider wird bei fehlerhaften Eingaben nur ein schiefer Ton eingespielt, statt dass das gesamte Orchester darauf reagiert, zum Beispiel in Form von Tempounterschieden und falschen Einsätzen. Aber natürlich wäre dieser Anspruch nur schwer zu erfüllen, da dafür alle Stücke in komplexester Form vielfach neu von einem Orchester hätten eingespielt werden müssen, um diese Situationen abzudecken. Oder man hätte auf Computergenerierung zurückgreifen müssen, was der Atmosphäre nicht guttäte. Dennoch würde erst das die Erfahrung wirklich authentisch machen.

Ein Training für peripheres Sehen

Im Gegensatz zu den meisten Rhythmusspielen beschränkt sich Maestro nicht auf eine festplatzierte Timing-Schiene in der Mitte, sondern wechselt die Position je nach Bereich des Orchesters, dem ihr gerade besondere Aufmerksamkeit schenkt. So liegt die Anzeige für den Taktstock eventuell bei den Holzbläsern, während ein Reaktionskreis bei den Blechbläsern den Einsatz koordiniert und direkt danach eine Aufforderung beim Chor euch die Intensität des Gesangs steigern lässt. So bleibt keine Zeit, sich nur auf einen Punkt auf dem Bildschirm zu konzentrieren, sondern der gesamte Bildschirm muss im Blick behalten werden, um alle Aktionen rechtzeitig und präzise auszuführen.

Im leichten Schwierigkeitsgrad mag dies noch sehr einfach sein, aber schon ab dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden fängt es durchaus an, anspruchsvoll zu werden. Wer im Experten-Modus eine volle Bewertung von fünf Noten erlangen möchte, der muss wohl ein Weilchen üben – geschweige denn, dass man das Stück erst mal zu Ende dirigieren darf, ohne vorher unterbrochen und mit Tomaten beworfen zu werden. Aber auch eine 5-Noten-Bewertung im einfachen Modus lässt euch bereits neue Inhalte freischalten, darunter natürlich neue Musikstücke, aber auch Taktstöcke, Bühnenhintergründe, Handschuhe und Kostüme für euer Orchester, sodass ihr das Gesamtbild an das ein oder andere Stück anpassen könnt.

Die Inszenierung der Inszenierung

Eure Aufgabe ist es, die Musik zu inszenieren, während das Spiel das Szenario atmosphärisch darstellen soll. In Form des Theaters gelingt dies auch ausgezeichnet. Man hat direkt das Gefühl, in einem Pariser Opernhaus voller roten Samts zu sein. Etwas steifer kommen dabei das Publikum und das Orchester daher. Die Charaktermodelle sind eher zweckmäßig, ohne große Mimik und mit hölzernen Bewegungen – hier würde man sich deutlich mehr wünschen. Vielleicht ist dies dem geschuldet, dass Maestro ursprünglich 2024 als VR-Titel auf den Markt gekommen ist und die Rechenpower eventuell woanders benötigt wurde.

Gerettet wird die Atmosphäre aber dann wieder nach eurer Darbietung. Das Publikum reagiert auf eure Leistung mit entsprechendem Applaus und Jubel, wirft zum Beispiel mit Rosen, und Social-Media-Posts werden eingeblendet, die zeigen, wie sich über den Abend geäußert wurde. Danach seid ihr in eurer Garderobe, wo euer „Mentor" aus dem Tutorial jetzt wie ein affektierter Butler wirkt, der euch auf einem Silbertablett eure Erfolge präsentiert – in Form von neu freigeschalteten Features, Briefen aus dem Publikum oder Genussmitteln wie Champagner oder Macarons, die ihr tatsächlich zu euch nehmen könnt.

Dass ihr dies tatsächlich einzeln in die Hand nehmen (Freischaltbares in Form von kleinen, schön gestalteten Karten) und ausgiebig betrachten könnt, ist ein sehr schönes Feature. Dass der Herr mit der Perücke euer Tun und eure Auswahl stets mit Geräuschen, Mimik und Worten kommentiert, unterstreicht den Humor des Spiels.

8.0Wertung

Fazit

Es fühlt sich einfach episch an! Das Spiel verrät einem nicht nur, welche Rolle der Dirigent im Orchester hat – das Dirigieren macht einfach Spaß, und die Songauswahl setzt bewusst auf mitreißende Stücke, von denen man die meisten kennt, auch wenn man kein Klassikliebhaber oder Filmmusik-Enthusiast ist. Zwar bleibt es technisch hinter seinen Möglichkeiten, aber es macht einfach Spaß, das Dirigieren zu zelebrieren.

Barrierefreiheit

M
Meinung vonMarcel

Ich habe zuerst einfach ein spaßig-albernes Erlebnis erwartet. Am Ende hatte ich einfach große Freude, die verschiedenen Stücke zu dirigieren, und habe mich über viele freigeschaltete Musikstücke ernsthaft gefreut.

Design
8.0
Sound
9.5
Technik
6.5
  • Tolle Musikauswahl
  • Schöne Inszenierung und Humor
  • Anspruchsvolles Rhythmus-Gameplay
  • Technisch hinter seinen Möglichkeiten
  • Dirigentenfeeling könnte authentischer sein

Vielen Dank an die Firma Double Jack für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!