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Orbitals

Orbitals

Philipp

Koop-Spiele, die uns auf eine emotionale Reise mitnehmen, sind spätestens seit It Takes Two extrem beliebt. Mit Orbitals schickt uns nun ein neues Abenteuer zu zweit in die unendlichen Weiten des Weltraums. Wir haben uns das Spiel auf der Nintendo Switch 2 genauer angesehen und verraten euch im Test, warum die Präsentation fast alles überstrahlt und wo das Spieldesign kleine Risse in der Hülle hat.

Orbitals

NSW2

Entwickler
Shapefarm
Konsole
NSW2
Modi
Lokaler Co-opOnline Co-op
Spieler
2 lokal
2 online
Freigabe
USK ab 12

Orbitals – Ein spielbarer Anime für Koop-Fans

In Orbitals schlüpft ihr in die Rollen der beiden unzertrennlichen Weltraum-Entdecker Maki und Omura. Die Dynamik der beiden könnte dabei nicht klassischer sein: Während Maki eher chaotisch und blind optimistisch an die Dinge herangeht, bildet Omura den überlegten, kalkulierten Gegenpart.

Die Heimat der beiden Hauptfiguren ist eine alte Raumstation und eben diese ist in einem mysteriösen, übernatürlichen kosmischen Sturm gefangen. Um die Kolonie vor dem sicheren Untergang zu bewahren, müssen die beiden Freunde allen Mut zusammennehmen, damit sie die Station vor der nahenden Sturmwand schützen können: Sie wagen sich mit ihrem Raumschiff über die Grenzen des gewaltigen Sturms hinaus in die unbekannten Weiten des Kosmos, um nach rettender Technologie und Hilfe zu suchen.

Eine Frage die man sich allerdings durchaus stellen könnte ist, wie der besonnene Anführer Togen auf die Idee kommt, ausgerechnet zwei Teenager die Bürde der Rettung aller Wesen auf der Heimatstation aufzuerlegen. Aber auch das gehört vielleicht zum Retro-Anime-Stil.

Coming-of-Age im Weltraum

Die Geschichte könnte man als Coming-of-Age-Reise bezeichnen, da Themen wie Freundschaft, Mut und Entdeckerdrang im Mittelpunkt stehen. Zwischendurch berührt das Spiel sogar leicht philosophische Töne, etwa wenn sich Omura nach unzähligen spielmechanischen "Reprints" die Frage stellt, ob er eigentlich noch er selbst ist und was es bedeutet, am Leben zu sein.

Aber was sind überhaupt diese Reprints? In der Welt von Orbital sind Körper und Seele voneinander getrennt. Die Seele, oder das Bewusstsein, wird dabei an einem sicheren Ort in tankähnlichen Behältern verwahrt. Erleidet der Körper Schaden, kann er einfach neu gedruckt werden und das Bewusstsein wird in den neuen Körper transferiert.

Auch wenn Omura sich zu den philosophischen Fragen über sein Dasein hinreißen lässt, ist der Umgang von ihm und Maki mit ihren Körpern doch von einer immensen Gleichgültigkeit geprägt. Düster wird es nur, wenn man bei der Erkundung anderer Raumstationen und Minen auf zerstörte Seelen-Behälter trifft. Dann werden die beiden sonst so humorreichen Charaktere für einen Moment ganz still und ehrfürchtig, denn ein zerstörter Seelen-Behälter bedeutet den endgültigen Tod.

Grundsätzlich ist einfach alles sehr liebevoll und detailreich gestaltet. Egal ob es die Bewohner der Raumstation sind, verrückte Lebewesen oder die Schauplätze selber. Alles lädt dazu ein die Umgebung zu erkunden.

Präsentiert wird dieses Abenteuer in einer fantastischen Optik, die eine tiefe Verneigung vor den 80er- und 90er-Jahre-Animes (wie Cowboy Bebop, Ranma 1 1/2 oder Sailor Moon) darstellt und erzählerisch stark an die Werke von Studio Ghibli erinnert. Die Zwischensequenzen wurden sogar von Studio Massket animiert, einem echten Anime-Studio aus Japan.

Das Multiplayer-Gameplay

Spielerisch ruht Orbitals komplett auf den Schultern der Zusammenarbeit. Das bedeutet zwangsläufig auch, dass es keine Möglichkeit gibt, dass Spiel alleine zu bestreiten. Wer das Spiel also kauft, sollte sich darauf einstellen, einen weitere Mitspieler zur Hand zu haben. Das geht natürlich lokal auf der Couch, aber auch online! Dank des enthaltenen, kostenlosen Friendspass, könnt ihr einen beliebigen Freund bzw. eine beliebige Freundin zu eurer Session einladen. Der Clou: Eure Spielpartner*innen müssen das Spiel nicht selber besitzen!

Das Spiel verzichtet darauf, den Charakteren individuelle Spezialfähigkeiten zu geben. Stattdessen werden eure Rollen durch Werkzeuge definiert, die zwar für jede Mission vom Spiel vorgegeben, aber zwischen den beiden Spielern frei wählbar sind. Dazu zählen z.B. eine Strahlenkanone, ein Wasserwerfer und ein Enterhaken.

Kommunikation ist jedenfalls der Schlüssel zum Erfolg in Orbitals! Die Rätsel und Puzzle-Elemente sind durchwegs fair gestaltet. Sie sind nicht extrem schwer, verlangen aber oft ein wenig Überlegung, sodass man sie nicht immer im Blindflug löst. Mal müsst ihr kleine Rhythmus-Aufgaben meistern und gemeinsam Melodien spielen, um Türen zu öffnen, mal werdet ihr räumlich voneinander getrennt. In diesen Passagen müsst ihr in ständiger Absprache die richtigen Aktionen ausführen, um neue Wege für euren Partner freizulegen. Auch im Cockpit eures Raumschiffs ist Teamwork gefragt, wenn einer das Steuer übernimmt, während der andere an die Geschütze muss.

Zwar sind die Level und Abschnitte sehr linear aufgebaut, dafür aber abwechslungsreich gestaltet. Es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig oder zäh. Ein spielerisches Highlight sind die cleveren Genre-Wechsel, wie man sie beispielsweise schon aus Split Fiction kennt: So springt das Spiel nahtlos von einer klassischen 3D-Third-Person-Perspektive in einen reinrassigen 2D-Side-Scroller.

In eurem Raumschiff, welches während er Missionen nicht nur als Vehikel dient, sondern auch als Hauptquartier, habt ihr nicht nur die Möglichkeit eure Werkzeuge auszuwählen, sondern könnt auch diversen Freizeitaktivitäten nachgehen, wie beispielsweise diverse Minispielen zu zocken. Auf euren Missionen könnt ihr auch Upgrades für das Raumschiff finden und somit neue Räume freischalten.

Audiovisuelle Brillanz & kleine Technik-Macken

Kommen wir zum treibenden Verkaufsargument von Orbitals: Die Präsentation macht gut 90 % des gesamten Erlebnisses aus. Die Grafik und die Soundkulisse sind schlichtweg atemberaubend und unglaublich immersiv. Ein grandioser Soundtrack untermalt die Weltraumreise perfekt. Hin und wieder hatten wir das Bedürfnis, den Startscreen einfach etwas länger laufen zu lassen um der Titelmelodie zu lauschen.

Ein riesiges Lob gebührt zudem der fantastischen deutschen Synchronisation. Hier haben die Entwickler einen echten All-Star-Cast versammelt, der durch die Bank weg fantastische Arbeit abgeliefert hat:

  • Franciska Friede (bekannt aus Babylon Berlin und als Stimme von Maya Hawke in Stranger Things) spricht die chaotische Maki.

  • Tim Knauer (Naruto, Charlie Cox in Daredevil, Hörbuchsprecher von Der Astronaut / Project Hail Mary) leiht dem ruhigen Omura seine Stimme.

  • Vincent Fallow (Pragmata, Stellar Blade, The Boys, My Hero Academia) vertont Togen.

  • Anja Topf (Wedding Peach, Kamikaze Kaito Jeanne) ist als Kinako zu hören.

  • Kai Henrik Möller (Megatron in Transformers, Captain Tsubasa, Mila Superstar) glänzt in der Rolle von Jaga.

Durch diese kinoreife Vertonung und den flüssigen Übergang zwischen den Zwischensequenzen und dem eigentlichen Gameplay hat man stets das Gefühl, mittendrin in einem interaktiven Anime-Film von Studio Ghibli zu stecken.

Wo viel Licht ist gibt es beim Spieldesign aber auch ein paar Schatten. Zum einen ist das Speichersystem etwas unglücklich gelöst: Savepoints gibt es fast immer nur am Beginn eines der 12 Kapitel. Solltet ihr das Spiel also mitten im Kapitel beenden, müsst ihr diesen Abschnitt beim nächsten Start komplett von vorne beginnen. Das ist zwar verkraftbar, in Anbetracht der relativ kurzen Kapitel, aber hätte auch schöner gelöst sein können. Während des aktiven Spiels verfügt man immerhin auch über besser verteilte Rücksetzpunkte. Zum anderen kam es in unserem Test hin und wieder vor, dass wir an bestimmten Orten in der Umgebung steckengeblieben sind und uns nicht mehr befreien konnten. Hier hätte eine simple Funktion zum "Zurücksetzen des Charakters" im Menü wahre Wunder gewirkt.

9.2Wertung
Highlight

Fazit

Orbitals ist ein intensives, audiovisuelles Meisterwerk, das euch in einen spielbaren Anime saugt. Die abwechslungsreichen Koop-Rätsel, die ständigen Perspektivwechsel, der herausragende deutsche Sprecher-Cast und die großartige Dynamik zwischen Maki und Omura machen den Titel zu einem echten Erlebnis für zwei Spieler.

Wer über die sehr kurze Spielzeit und hinwegsehen kann, bekommt hier ein atemberaubendes, kooperatives Weltraum-Abenteuer, das man so schnell nicht vergisst.

Barrierefreiheit

Orbitals bietet einige Optionen zur Barrierefreiheit. Allerdings nicht so umfangreich wie es andere Spiele bereits vorgemacht haben.

  • ZL und ZR miteinander vertauschbar

  • Y und X miteinander vertauschbar

  • A und B miteinander vertauschbar

  • Invertierung der Achsen

  • Einstellungen für die Kamera um Übelkeit zu verhindern

  • Untertitel für Gehörlose und Hörgeschädigte

  • Der Kontrast des Untertitels ist einstellbar.

P
Meinung vonPhilipp

Orbitals war und ist für mich das Must-Have des Jahres 2026! Selten hat mich ein Spiel in den letzten Jahren bereits im Vorfeld so angefixt und dementsprechend konnte ich den Release-Termin kaum erwarten. Für den Test stand mir mein Sohn zur Seite und wir hatten einige intensive Stunden Spaß mit Orbitals. Besonders Maki hat es uns mit ihrer liebreizend, chaotischen Art angetan. Und das es in dem Spiel an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt, macht einen besonderen Reiz aus.

Wer in der Vergangenheit mit It Takes Two oder Split Fiction seinen Spaß hatte, wird mit Orbitals defintiv nicht weniger Spaß haben. Abgesehen vlt. vom zeitlichen Umfang.

Design
10.0
Sound
8.5
Technik
8.5
Multiplayer
9.5
Spielspaß
9.5
  • Atemberaubende, extrem immersive Anime-Präsentation
  • Grandioser Soundtrack und herausragende deutsche Synchronisation
  • Nahtlose Übergänge zwischen Zwischensequenzen und Gameplay
  • Sehr abwechslungsreiches Leveldesign mit coolen Genre-Wechseln
  • Kreative und faire Koop-Mechaniken
  • Tolle, unterhaltsame Dynamik zwischen Maki und Omura
  • Mit ca. 5 Stunden recht geringe Spielzeit
  • Speichersystem (Savepoints oft nur am Kapitelanfang)
  • Man bleibt gelegentlich in der Geometrie stecken (Reset-Option fehlt)

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