
Audeze Maxwell 2 ANC planar-magnetisches Headset
Mit dem Maxwell 2 ANC bringt Audeze ein Gaming-Headset auf den Markt, das sich bewusst nicht über RGB-Beleuchtung, möglichst viele Funktionen oder besonders geringes Gewicht definiert. Stattdessen steht die Audioqualität im Mittelpunkt. Dafür setzt der Hersteller auf 90-mm-Planar-Magnetic-Treiber, eine aufwendige Magnet- und Membrankonstruktion, hochwertige Verstärkertechnik und erstmals bei der Maxwell-Reihe auf Active Noise Cancelling. Wie gut dieses Ensemble funktioniert, erfahrt ihr in dieser Audio-Review.
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Premium-Verarbeitung mit Eleganz
Schon beim Unboxing vermittelt der Maxwell 2 ANC, dass Audeze hier nicht am Material gespart hat. Verarbeitung und Materialqualität sind hervorragend, die Konstruktion wirkt stabil und langlebig. Auch die Bedienelemente hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Die Tasten besitzen klar definierte Druckpunkte und sind während der Nutzung gut erreichbar.
Ebenfalls gelungen ist der physische Schieberegler zum Stummschalten des Mikrofons. Statt lediglich über eine Softwareanzeige oder LED zu signalisieren, ob ihr gerade auf „Mute“ steht, könnt ihr den Zustand unmittelbar ertasten. Gerade beim Gaming, Streaming oder in Videokonferenzen ist das ausgesprochen praktisch.
Auch die übrigen Funktionen sind schnell erreichbar. Mit einem Doppelklick auf den Power-Button lässt sich beispielsweise das Bluetooth-Pairing aktivieren. Eine weitere Taste auf der linken Seite wechselt zwischen ANC, deaktivierter Geräuschunterdrückung und Geräusch-Durchlässigkeit beziehungsweise Ambient Mode.
Optisch bleibt Audeze dabei angenehm zurückhaltend. Das Headset wirkt hochwertig und professionell, ohne sich optisch ausschließlich an eine klassische Gaming-Zielgruppe zu richten. Über die magnetischen Seitenplatten lässt sich das Erscheinungsbild zudem mit Audezes ReSkin-System verändern.

560 Gramm sind nicht zu unterschätzen
Die Kehrseite der hochwertigen Konstruktion ist das Gewicht. Mit 560 Gramm ist der Maxwell 2 ANC ein echtes Schwergewicht unter den Gaming- und Bluetooth-Headsets.
Das bedeutet nicht automatisch, dass er unbequem ist. Der Anpressdruck fällt angenehm ausgewogen aus und die Ohrpolster sitzen komfortabel. Auch das breite, belüftete Kopfband trägt dazu bei, dass sich das Gewicht gut verteilt. Für Brillenträger ist insbesondere der moderate Anpressdruck angenehm, da die Bügel nicht übermäßig stark gegen den Kopf gedrückt werden.
In unserem Praxistest konnten wir unter anderem ein rund zweistündiges Meeting mit dem Maxwell 2 ANC absolvieren, ohne dass sich durch Kopfbewegungen ein störendes Tragegefühl entwickelt hätte.
Trotzdem muss man sich an das Gewicht gewöhnen. Wer bislang leichte Bluetooth-Kopfhörer oder In-Ears verwendet, wird den Unterschied unmittelbar bemerken. Auch bei längeren Sessions können die geschlossenen Ohrmuscheln warm werden und etwas Schweiß entwickeln. Das ist bei geschlossenen Over-Ear-Modellen zwar keine Besonderheit, fällt bei einem 560-Gramm-Headset aber stärker ins Gewicht.
Der Maxwell 2 ANC ist damit kein Kopfhörer, den man aufgrund seines geringen Gewichts für unterwegs kauft.

Planar-magnetisch: Der eigentliche Kern des Maxwell 2
Die technische Besonderheit des Maxwell 2 ANC steckt in seinen 90-mm-Planar-Magnetic-Treibern. Während klassische dynamische Kopfhörer eine Schwingspule verwenden, um eine Membran anzutreiben, arbeitet ein planar-magnetischer Treiber mit einer sehr dünnen Membran, auf der Leiterbahnen verlaufen. Diese wird über ein Magnetfeld großflächig bewegt.
Der Vorteil liegt vor allem in der sehr kontrollierten und präzisen Bewegung der Membran. Das ermöglicht eine schnelle Transientenwiedergabe, hohe Detailauflösung und geringe Verzerrungen.
Audeze kombiniert diese Konstruktion mit mehreren eigenen Technologien. Fluxor optimiert den magnetischen Antrieb, Uniforce den möglichst gleichmäßigen Membranantrieb, Fazor die Phasen- und Schallführung und SLAM die akustische Konstruktion mit besonderem Fokus auf einen kontrollierten und dynamischen Tieftonbereich. Der verwendete Magnet ist ein Neodym-N50-System.
Dass Audeze diese Technik nicht nur als Marketingbegriff verwendet, zeigt sich im Klangbild durchaus.

Präzision trifft auf überraschend kräftigen Bass
Der Maxwell 2 ANC liefert einen ausgesprochen sauberen und detaillierten Klang. Gerade in Spielen werden feine Geräusche sehr klar herausgearbeitet. Schritte, Nachladen, entfernte Umgebungsgeräusche oder kleine akustische Details lassen sich sauber voneinander unterscheiden.
Dabei klingt der Maxwell 2 keineswegs analytisch oder steril. Der Bass besitzt durchaus Gewicht und Druck. Explosionen, Schüsse und tiefe Soundeffekte wirken körperlich, ohne dass der Tiefton dabei das restliche Klangbild überlagert.
Genau diese Kombination macht den Maxwell 2 ANC interessant: präzise Wiedergabe und audiophile Detailauflösung werden nicht gegen einen kräftigen Gaming-Bass ausgespielt.
Die technischen Daten unterstreichen diesen Anspruch. Audeze gibt einen Frequenzbereich von 10 Hz bis 50 kHz und einen Klirrfaktor von unter 0,1 Prozent bei 100 dB an. Der maximale Schalldruck liegt bei über 115 dB. Für die Verstärkung kommen zwei dedizierte 1,4-W-Verstärker im Balanced-Betrieb zum Einsatz.
Der Klirrfaktor von unter 0,1 Prozent bedeutet dabei, dass nur sehr geringe zusätzliche harmonische Verzerrungen entstehen. Das ist vor allem ein technischer Qualitätsindikator und nicht automatisch ein Garant für einen „besseren“ Klang. Entscheidend ist, dass sich die Werte im praktischen Hörerlebnis mit einer sehr sauberen und kontrollierten Wiedergabe verbinden.
Allerdings gilt auch: Nicht jeder Nutzer wird den Unterschied zwischen einem guten dynamischen Gaming-Headset und einem hochwertigen Planar-Magnetic-Modell sofort heraushören. Gerade bei gewöhnlicher Popmusik ist der Abstand für ein weniger geschultes Gehör nicht zwangsläufig dramatisch. Wer dagegen Wert auf Auflösung, saubere Transienten, kontrollierten Bass und eine möglichst differenzierte Wiedergabe legt, wird die Stärken des Maxwell 2 wesentlich eher zu schätzen wissen.

ANC ohne Klangkompromiss
Das Active Noise Cancelling ist die große Neuerung des Maxwell 2 ANC. Audeze spricht von einer Geräuschreduzierung um bis zu 35 dB und bezeichnet die Technologie als Aviation-Grade ANC. Die tatsächliche Wirkung hängt dabei, wie bei jedem ANC-System, von Sitz, Umgebung und Art des Störgeräuschs ab.
Im Praxistest gefällt uns vor allem, wie unaufdringlich das ANC arbeitet. Es entsteht kein starkes Druckgefühl und der Klang verändert sich beim Wechsel zwischen ANC On und Off nur sehr gering.
Das ist tatsächlich eine der großen Stärken des Maxwell 2 ANC. Bei manchen Konkurrenzprodukten führt die aktive Geräuschunterdrückung zu einer wahrnehmbaren Veränderung der Klangcharakteristik und oder zu einem Druck- bzw. Rauschempfinden. Audeze hat den Maxwell 2 ANC dagegen explizit darauf ausgelegt, die akkurate Audiowiedergabe mit aktiviertem und deaktiviertem ANC möglichst konstant zu halten.
Der Transparency Mode funktioniert ebenfalls. Umgebungsgeräusche werden deutlich durchgelassen, während über das interne Mikrofon auch die eigene Stimme aufgenommen wird. Dadurch könnt ihr euch beispielsweise während eines Meetings oder im Büro unterhalten, ohne das Headset abnehmen zu müssen.
Was uns weniger überzeugt, ist die fehlende Abstufung des ANC. Während einige Konkurrenzmodelle unterschiedliche Modi für Flugzeug, Bahn, Büro oder andere Umgebungen anbieten, bleibt der Maxwell 2 hier vergleichsweise schlicht. Gerade bei einem Headset in dieser Preisklasse wäre eine weitergehende Individualisierung wünschenswert.
Mikrofon: abnehmbar und flexibel
Das mitgelieferte Boom-Mikrofon ist abnehmbar und als Hypercardioid-Mikrofon ausgeführt. Zusätzlich verfügt das Headset über Beamforming und physische sowie KI-basierte Geräuschunterdrückung. Audezes FILTER AI Noise Removal soll störende Hintergrundgeräusche bei Sprachübertragungen entfernen. Ein internes Mikrofon ermöglicht zudem die Kommunikation ohne angeschlossenes Boom-Mikrofon.
Das Mikrofon lässt sich inklusive Pop-Filter unkompliziert an- und abstecken. Dadurch könnt ihr den Maxwell 2 ANC je nach Situation als vollwertiges Gaming- und Kommunikations-Headset oder schlicht als hochwertigen Kopfhörer einsetzen.
Gerade diese Flexibilität gefällt uns. Wer beispielsweise abends spielt, steckt das Mikrofon an. Wer anschließend Musik hört oder den Kopfhörer unterwegs verwendet, nimmt es einfach ab.

Flexibilität bei der Verbindung
Auch bei der Konnektivität zeigt der Maxwell 2 ANC, warum Audeze ihn nicht als reines Gaming-Headset positioniert.
Der mitgelieferte USB-C-Dongle ermöglicht eine Ultra-Low-Latency-Funkverbindung mit hochauflösendem Audio bis zu 24 Bit/96 kHz. Alternativ steht Bluetooth 5.3 mit Auracast, LE Audio, LC3, LC3plus, LDAC, AAC, SBC und Multipoint zur Verfügung. Über USB-C kann das Headset ebenfalls digital mit bis zu 24 Bit/96 kHz betrieben werden. Hinzu kommt eine analoge 3,5-mm-TRRS-Verbindung.
Das macht den Maxwell 2 ausgesprochen vielseitig. PC und Mac werden ebenso unterstützt wie PlayStation, Xbox, Nintendo Switch sowie iOS und Android. Je nach Plattform unterscheiden sich einzelne Funktionen. Auf PC wird beispielsweise Game-/Chat-Mix über USB-C unterstützt, während PlayStation Tempest 3D Audio unterstützt.
In unserem Test funktionierten die Verbindungen grundsätzlich schnell und zuverlässig. Eine Bluetooth-Unterbrechung fiel allerdings auf: Diese kündigte sich durch ein kurzes Knacken an und machte anschließend eine erneute Verbindung notwendig.
Gerade in Umgebungen mit sehr vielen Bluetooth-Geräten – beispielsweise in einem voll besetzten Zug – lohnt es sich deshalb, auf die kabelgebundene Verbindung auszuweichen. Über USB-C oder 3,5-mm-Klinke seid ihr nicht auf die Stabilität der Funkverbindung angewiesen.
Räumlicher Klang mit Head Tracking
Audeze integriert ein selbstkalibrierendes Head Tracking, das in unterstützten Anwendungen für eine realistischere räumliche Audiowiedergabe sorgt. Unterstützt werden unter anderem Dolby Atmos und Tempest 3D Audio.
Gerade für Gaming kann das zusätzliche räumliche Informationen liefern und die Positionierung von Geräuschen verbessern. Gleichzeitig ist die Funktion stärker vom jeweiligen Spiel, der Plattform und der verwendeten Spatial-Audio-Lösung abhängig als der klassische Stereoklang.
Die Grundlage bleibt aber der Treiber selbst und genau hier spielt der Maxwell 2 seine größte Stärke aus.

Audeze-App: gut, aber nicht sehr flexibel
Die Audeze-App steht für Windows, Mac, iOS und Android zur Verfügung. Sie bietet Zugriff auf verschiedene Einstellungen und ermöglicht insbesondere eine umfangreiche Anpassung des Klangbilds.
Ihr könnt das Klangprofil an eure eigenen Vorlieben anpassen und beispielsweise Bass und Höhen verändern. Wer möchte, kann wesentlich detaillierter in die einzelnen Parameter eingreifen und sich damit ein sehr individuelles, db-genaues Klangbild erstellen.
Das funktioniert in der Praxis gut und macht sich tatsächlich hörbar bemerkbar.
Gleichzeitig bleibt die App im Vergleich zu manchen Konkurrenzprodukten überschaubar. Vor allem beim ANC würden wir uns mehr Profile und eine stärkere Anpassung an unterschiedliche Umgebungssituationen wünschen. Für ein Headset im Premium-Segment ist hier softwareseitig definitiv Luft nach oben.
Akku für lange Sessions
Mit einem 1.800-mAh-Lithium-Polymer-Akku erreicht der Maxwell 2 ANC laut Audeze bis zu 40 Stunden Laufzeit bei deaktiviertem ANC beziehungsweise bis zu 35 Stunden mit aktiviertem ANC. Die Werte beziehen sich auf kontinuierliche Bluetooth-Wiedergabe bei 80 dBA und können je nach Nutzung entsprechend variieren.
Auch beim Laden zeigt sich das Headset alltagstauglich: 20 Minuten Ladezeit sollen für rund 25 Prozent Akkukapazität ausreichen, eine vollständige Ladung dauert etwa zwei Stunden.
Damit müsst ihr selbst bei längeren Gaming- und Musik-Sessions nicht ständig nach einer Steckdose suchen.

Für wen lohnt sich das Maxwell 2 ANC Headset?
Der Maxwell 2 ANC richtet sich klar an Nutzer, die mehr wollen als ein gewöhnliches Gaming-Headset.
Für kompetitive Spieler ist die präzise Darstellung von Geräuschen interessant. Für Musikliebhaber liefert der Planar-Magnetic-Treiber eine sehr saubere und detaillierte Wiedergabe. Streamer profitieren zusätzlich vom flexiblen Mikrofon und der FILTER-Geräuschunterdrückung. Wer zudem regelmäßig im Homeoffice arbeitet, bekommt mit ANC, Transparency Mode, Multipoint und der umfangreichen Anschlussausstattung ein ausgesprochen vielseitiges Arbeitsgerät.
Weniger geeignet ist der Maxwell 2 für Nutzer, die vor allem ein möglichst leichtes Headset suchen. Auch der hohe Preis von über 400 Euro macht deutlich, dass hier eine andere Zielgruppe angesprochen wird als beim klassischen main-stream Gaming-Headset.
Der Aufpreis für die Planar-Magnetic-Technik ist technisch nachvollziehbar, aber nicht für jeden Nutzer gleichermaßen relevant. Wer lediglich gelegentlich spielt und Musik nebenbei hört, wird mit einem deutlich günstigeren dynamischen Headset vermutlich glücklicher. Wer dagegen ein feines Gehör besitzt und Wert auf hohe Auflösung, geringe Verzerrung und eine sehr kontrollierte Wiedergabe legt, bekommt hier einen klaren Mehrwert.
Fazit
Der Audeze Maxwell 2 ANC ist ein technisch ambitioniertes Premium-Headset, das seine größte Stärke klar im Audiobereich ausspielt. Die 90-mm-Planar-Magnetic-Treiber liefern einen außergewöhnlich sauberen, detaillierten und zugleich druckvollen Klang, während Audeze-Technologien den präzisen Antrieb, die Schallführung und die kontrollierte Basswiedergabe unterstützen. Hochwertige Materialien, haptische Bedienelemente, das abnehmbare Hypercardioid-Mikrofon, AI Noise Removal sowie USB-C-Wireless, Bluetooth 5.3, USB-C und 3,5-mm-Klinke machen ihn zudem zu einem ausgesprochen vielseitigen Begleiter für Gaming, Musik, Streaming und Homeoffice.
Seine Schwächen liegen vor allem in der Physis und beim Komfort der Software. Auch der hohe Preis von über 400 Euro richtet sich klar an Nutzer mit entsprechendem Audioanspruch – für Gelegenheitsspieler ist der Mehrwert gegenüber einem guten dynamischen Headset nicht zwingend groß genug. Wer jedoch bereit ist, Gewicht und Preis in Kauf zu nehmen, erhält mit dem Maxwell 2 ANC ein hervorragend verarbeitetes, klanglich überzeugendes und technisch vielseitiges Headset, das Gaming- und audiophile Ansprüche ungewöhnlich überzeugend miteinander verbindet.
Barrierefreiheit
Als tendenziell audiophile Person hat mich der Maxwell 2 ANC Kopfhörer aus technischer Sicht sehr begeistern können. Gleichzeitig ist es für mich ein klarer Trade-Off, ob Audioqualität Preis und Gewicht aufwiegen.
- Hervorragende 90-mm-Planar-Magnetic-Treiber
- Sehr präziser, detailreicher und gleichzeitig kräftiger Klang
- <0,1 % THD bei 100 dB
- ANC mit bis zu 35 dB Geräuschreduzierung
- Kaum klangliche Veränderung zwischen ANC On und Off
- Hochwertige Verarbeitung und sehr gute Haptik
- Praktischer physischer Mikrofon-Mute-Schalter
- Mit 560 Gramm sehr schwer
- App-Customizing im Premium-Segment noch ausbaufähig
- Keine differenzierten ANC-Profile für unterschiedliche Umgebungen
- Preissegment nicht für Casual-User
- Planar-Magnetic-Vorteile nicht für jedes Gehör gleichermaßen deutlich
- Ton-Technik in-App nicht prominent herausgearbeitet
Vielen Dank an Audeze für die Bereitstellung des Testmusters.

