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Duskfade

Duskfade

Maik

Duskfade ist ein Abenteuer, das Freunden der guten alten PS2-Zeit direkt ins Auge springen dürfte. Franchises wie Kingdom Hearts, Ratchet & Clank und Jak and Daxter sind unverkennbare Inspirationen des Action-Adventure Platformers, der wortwörtlich mit der Zeit spielt. Wie gut die spielerischen Konzepte in die Moderne getragen werden konnten, erfahrt ihr in diesem Nintendo Switch 2 Test.

Duskfade

NSW2

Konsole
NSW2
Modi
Einzelspieler
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 6

Das 2019 gegründete spanische Studio Weird Beluga will sich nach Clid the Snail mit Duskfade nicht nur einen eigenen Namen in der Spielebranche machen, sondern den großen Vorbildern seines Genres huldigen. Wer einst mit dem Schlüsselschwert unterwegs war, einen metallischen Side-Kick hatte oder Orbs in der Welt ausfindig machen durfte, der weiß genau, wovon wir an dieser Stelle sprechen.

Es ist ein Spiel mit der Nostalgie, wenn solche geistigen Vorbilder als Inspirationsquelle für ein eigenständig geschaffenes Werk dienen. Denn die Fallhöhe wird durch die Erinnerungen der Fans mit den Jahren nur größer, unabhängig, wie gut diese PS2-Werke tatsächlich in über 20 Jahren gealtert sind.

Ein ominöser Uhrenturm taucht auf!

Die Geschichte von Duskfade beginnt vermeintlich harmlos. Ihr betrachtet die fantasievoll-magische Szenerie im Dorf Ticktown, das besonders von der Uhrenmacherfamilie eures Protagonisten geprägt ist. Dieser ist Lehrling bei seinem Großvater, dem Uhrenmachermeister und seiner erfahrenen und sehr ehrgeizigen Schwester Allira. Doch ehe ihr euch verseht, geschieht ein großes Unglück, indem ein riesiger Uhrenturm auftaucht und die Spielwelt in düstere Nacht hüllt. Dabei wird Allira in den Uhrenturm von einer bis dahin noch unbekannten Kraft gesperrt, die ihr im Verlauf eures Abenteuers besser verstehen lernt. Es bleibt euch und Zirian also nichts übrig, als in die Welt zu ziehen, den Uhrenturm von vier magischen Ketten zu befreien und euch diversen Bossen zu stellen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen und vor allem eure Schwester zu retten.

Kuckuck, wer ist denn da?

Schon im Intro sorgen Weird Beluga dafür, dass ihr euer Abenteuer nicht allein bestreiten müsst. Ihr stoßt auf den mechanischen Begleiter Kuckuck, eine Eule, die euch von nun an auf Schritt und Tritt, auf Schlag und Sprung folgt und unterstützt. Gemeinsam geht es zuerst durch Wälder, später durch Himmels-, Lava-, Wüsten-, Küsten- und andere Areale. Denn jeder der vier Hauptabschnitte ist in mehrere Biome geteilt, sodass euch spielerisch und im Weltdesign ausreichend Abwechslung begegnen wird.

Neben Kuckuck ist Minutero euer treuester Begleiter. Es mutet einem Schlüsselschwert an, wie ihr es von Sora und Riku aus Kingdom Hearts kennt, ist hier allerdings eine vielfältig einsetzbare Uhrzeiger- bzw. Uhrwerksklinge, die sich im Laufe eures Abenteuers weiterentwickelt und für Fähigkeiten und verschiedene Manöver einsetzbar ist. Dies ist allerdings nur möglich, wenn ihr in der Welt entsprechende Zahnräder sammelt, um Aufwertungen in eurer Stadt vornehmen zu können.

Ein rasantes Bewegungs-Repertoire

In Duskfade versteht ihr schnell, warum es sich hier um ein Abenteuer mit Action, Platforming und RPG Bezügen handelt. Ihr seid permanent dabei, über Doppelsprünge von Plattform zu Plattform zu gelangen, nutzt Wandsprünge, um empor zu klettern, während ihr ebenfalls an Vorsprüngen Halt suchen müsst, um so manches waghalsige Manöver zu meistern. Auch das Ausweichen und Kombinieren von Fähigkeiten wird im Spielverlauf immer wichtiger, wenn euch diverse Gegner-Wellen, die meist magische und elementare Fähigkeiten haben und ein wenig an Herzlose aus Kingdom Hearts erinnern.

Es dauert auch nur ein paar Gebiete, bis ihr den Dreh so richtig raus habt und obendrein einen Enterhaken bekommt, mit dem ihr euch von nun an an noch rasanterem Traversal erfreuen dürft. Durch die Lüfte schwingend macht die Erkundung mit Zirian noch viel mehr Spaß, denn ihr erreicht dadurch manch unwegbare Ecken, an denen verschiedene Collectibles versteckt sein können.

Emotionen als Gegner?

Eine tragender Hintergrund beim Bossdesign von Duskfade ist der Umgang mit Verlust und Trauer, der persönliche Bezüge im Entwicklerstudio von Weird Beluga findet. Deshalb trefft ihr nicht einfach nur auf fantasiereich gestaltete Wesen im Uhrenturm, sondern konkret auf Widersacher, die wichtige Emotionen wie Zorn, Traurigkeit, Verzweiflung und mehr repräsentieren. Die tiefere Auseinandersetzung in der Lore bleibt allerdings aus, da die Story in Duskfade über einige Zwischensequenzen und NPC Begegnungen erzählt wird, grundsätzlich aber recht minimalistisch bleibt.

Die Bosskämpfe machen unabhängig davon großen Spaß. Ihr müsst nicht nur die Angriffsmuster erkennen und euer Antwortverhalten ableiten, sondern auch die hinzugewonnenen Fähigkeiten und Tools einsetzen. Den Enterhaken braucht ihr beispielsweise beim Guayota Boss, der euch mit Lavawellen zusetzt und ihr daher Abklingzeiten der Angriffe in der Luft mit dem Enterhaken überbrücken müsst. 

Bei den restlichen Gegnern im Spiel bekommt ihr indes deutlich weniger Variation zu sehen. Sie sind recht generisch gestaltet, ohne größeren Charme, was ebeso für ihre eintönigen Angriffsmuster gilt, die in der Regel per einfachem Ausweichen und Dash ausmanövriert sind.

Zirians Sammlung

Mit der Zeit baut ihr eine größere Itemsammlung auf, da ihr neben der Spielwährung Kristalle auch Spieluhren, Zahnräder, Farbtöpfe und einiges mehr finden könnt. Leider kommen sie nur mäßig zur Geltung, da das Menü recht übersichtlich gehalten ist. Ihr seht die Ausrüstungspfade für Minuterio, euer Gear, ebenso wie das von Sidekick Kuckuck.

Geht ihr in Ticktown zum Reisenden Händler, dürft ihr für gesammelte Zahnräder und unterschiedlich viele Kristalle eure Fähigkeiten upgraden und so mit der Zeit stärkere Angriffe einsetzen, um Zirian auf seiner Befreiungsmission seiner Schwester bestmöglich zu unterstützen.

Questsystem und Orientierung

Auf eurem Wege werdet ihr tatsächlich höchst geringfügig vom Spiel gesteuert. Hier und da gibt es eine kleine Notiz wie “entkommt dem Vulkangebiet” oder “folgt dem Weg der zweiten Kette”. Allerdings bleibt oftmals unklar, was erforderlich ist, um das Ziel zu erreichen. Auch gibt es keine Karte oder ein dynamisches Questlog, die sich aktualisieren, reduzieren oder kategorisieren würden. Stattdessen müsst ihr durch freies Erkunden die Regionen und Biome von Duskfade entdecken und euren Weg zum nächsten Ziel finden. Dies ist unter Umständen aber schon einmal erschwert, wenn die Bereiche zu ähnlich aussehen und ihr den Eindruck gewinnen könnt, euch im Kreis zu bewegen, dabei seid ihr tatsächlich gut unterwegs. 

Hierfür möchten wir euch ein paar Empfehlungen geben: Zum Einen könnt ihr euch daran orientieren, ob auf einem Weg noch Kristalle vorhanden und auffindbar sind. Ist das so, seid ihr goldrichtig. Zum Anderen findet ihr vereinzelt kleine Glocken am Wegesrand. Schlagt ihr sie mit Minuterio, erleuchtet teilweise ein kleiner Lichtschein, der euch die nächsten Wegpunkte zeigt. Wer allerdings auf permanente Wegmarkierungen, einen Kompass und Questmarker hofft, wird in Duskfade erst das eigene Spielgefühl entwickeln müssen.

Präsentation und Technik

Die Aufmachung von Duskfade ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen schafft es das Team von Weird Beluga, eine einzigartige Kulisse zu schaffen, die besonders von hochwertig animierten Cutscenes profitiert. Diese sind voll im Englischen vertont und erzeugen eine spürbare Atmosphäre. In den übrigen Spielszenen erlebt ihr eher wenige Wortfetzen von Kuckuck und Zirian, die keine größere Charaktertiefe erzeugen und sich stattdessen wiederholen. Stattdessen ist immer wieder Lesarbeit zu leisten, die sich zugegebenermaßen oftmals dennoch nicht lohnt. In eurer Hub-Stadt Ticktown trefft ihr zwar noch auf die größte  Dichte an NPCs, die wenigsten von ihnen ermöglichen euch aber tatsächlich einen Lerneffekt für die Lore oder eure aktuellen Ziele. Ebenso gibt es nur wenige Händler, bei denen ihr Gegenstände oder Fähigkeiten erwerben könnt.

Grafisch und technisch profitiert ihr erwartungsgemäß vom Docked-Modus der Nintendo Switch 2, bei dem Duskfade 60 fps avisiert bei einer Auflösung von 4K. Im Handheld-Betrieb liegt ihr zwischen und 30 und 40 Bildern pro Sekunde, bei bis zu 1080p Auflösung. Das Spielerlebnis ist dabei im Wesentlichen flüssig. Lediglich die mitunter schwammige Kamerasteuerung sorgt für Bildüberlagerungen, die eurem Überblick schaden können. Legt ihr mit Zirian so richtig los und schwingt durch die Luft oder grindet auf Schienen oder widmet euch den Bossen, dann ist schnelle Reaktion und Orientierung gefragt, die dadurch schwankt.

Hinsichtlich der Leveldesigns haben wir im Test ebenfalls schwankende Niveaus erleben können. Ihr findet Bereiche vor, die farblich übersättigt sind, etwa die Vulkan- und Lava-Areale oder solche, in denen es an Übersicht durch sehr ähnliche Assets mangelt.

Habt ihr mit der Zeit eure Schlüsselausrüstung zusammen, profitiert ihr enorm von einem reicheren Traversal und einem besseren Bewegungsradius Zirians. Auf diese Weise lohnt sich auch das Backtracking über die Teleportpunkte, die ihr im Spielverlauf aktiviert, denn manch ein Bereich verbirgt noch das ein oder andere Geheimnis, das es zu lüften gilt.

Der Showdown

Am Ende eures Weges meistert Zirian nicht nur die vier Ketten des Uhrenturmes, sondern steht dem finalen Boss entgegen, der sich ihm und der Rettung von Allira entgegen. Mit starken Upgrades und einem verfeinerten Gameplay könnt ihr zeigen, ob ihr den Emotionen in letzter Instanz standhaltet und in Ticktown wieder Ruhe einkehren lassen könnt.

7.4Wertung

Fazit

Duskfade huldigt ikonischen Mechaniken! Mit Uhrenzeiger-Schwert, viel Action-Adventure Platforming und einer Geschichte der Rettung und Entdeckung über verschiedene Regionen hinweg zeigt Entwickler Weird Beluga, wie reich das Genre schon vor 2 Dekaden war. Gleichzeitig bleibt die erzählerische Tiefe und die Ausbaustufe von Gameplay-Mechaniken auf einem eher flachen Niveau, was an einer teils mangelnden Welt-und Questübersicht und einer seichten Story liegt, die nur punktuell durch wunderschön anmutende Animationen angereichert wird.

Barrierefreiheit

M
Meinung vonMaik

Duskfades Look & Feel hat mich sofort berührt und an magische Stunden mit Kingdom Hearts, Ratchet & Clank & Jack and Daxter erinnert.

Design
8.0
Sound
7.0
Technik
7.5
Spielwelt
7.5
Spielführung
7.0
  • prominente geistige Vorbilder im Spieldesign
  • dynamisches Gameplay (springen, schwingen, gleiten)
  • diverse Geheimnisse und Collectibles
  • bunte und fantasievolle Biome
  • fehlende Map und Questlog
  • Biome mit variierender Asset-Qualität
  • Kameraschwenks erzeugen tlw. Überlagerung
  • Assets und tlw. Farbsättigung

Vielen Dank an Fireshine Games für die Bereitstellung des Testmusters.

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