
Lies of P - Complete Edition
Was passiert, wenn man die Grunderzählung einer Kindergeschichte nimmt, sie mit einer düsteren Welt verbindet und ein gefährliches Spielsystem etabliert, das sich über Stunden hinweg entfaltet? Richtig: Man erhält eine dunkle Version von Pinocchio in einem Soulslike voller Puppen, mechanischer Kreaturen und einem Schwierigkeitsgrad, vor dem selbst Meister Gepetto den Hut zieht. Wir haben ordentlich Zeit im frischen Nintendo Switch 2 Port verbracht und verraten euch mehr als ein dunkles Detail zur Lies of P - Complete Edition.
Dienste von YouTube (Google) wurden nicht zugelassen.
Datenschutzerklärung von YouTube (Google) aufrufen.


Es war einmal die Belle Époque
Ihr beginnt euer Abenteuer in Krat - einer fiktiven Stadt, die bessere Tage gesehen hat. Nämlich jene, in der das Lebensgefühl von Freiheit und Aufbruch in der Luft lag, Kunst und Architektur aufstrebten und das Miteinander von Kaffees, Kabaretts und Varietés geprägt war. Eine Zeit, in der auch das kreative Handwerk zum Zuge kam! Denn Theater brauchen auch Puppen und so schuf Meister Gepetto die Puppen in Krat, wie auch P.
Was anfangs Begeisterung glich, schließlich brachten die mechanischen Puppen wirtschaftlichen Erfolg, schlug schnell ins bittere Chaos um. Der Puppenwahnsinn setzte ein, bei dem die Bewohner Krats von rebellierenden Puppen gejagt und letztlich abgeschlachtet wurden. Wer ihnen nicht zum Opfer fiel, konnte sich verstecken, etwa im Hotel Krat oder ist der Petrifikations-Seuche erlegen, die Menschen versteinert und zu zombieähnlichen Monstern macht.
Warum das nun aber alles passiert ist und ob es ein entkommen gibt, ist eure Aufgabe, als hochentwickelte mechanische Puppe P herauszufinden.

Puppen lügen nicht
Ihr erwacht am Bahnhof von Krat und müsst euch erstmal in dieser düsteren Welt zurechtfinden. Es warten versteinerte, zombieartige Bahnhofswärter auf euch, die euch direkt nach dem Leben trachten und euch klar machen: Ist eure Klinge zu langsam, so tickt die Zeit gegen euch.
Diese ersten Momente reichen bereits euch klar zu machen, von welchem Schlag Lies of P: Complete Edition ist. Es handelt sich nämlich um ein knallhartes Soulslike Abenteuer, bei dem jedes Ableben zum letzen Speicherpunkt zurückführt, der schon einmal ein paar umständliche Wege zurückliegen kann. Die Krux dabei ist aber, dass eure gesammelten Ergo-Punkte, mit denen ihr später eure Vital- und Angriffswerte, Technik- und Fortschrittparameter aufwertet, verliert. Sterbt ihr ein zweites Mal, bevor ihr den Ort des Todes erreicht und die Ressourcen eingesammelt habt, ist sie verloren.
Doch soweit wollt ihr es gar nicht erst kommen lassen. Daher macht ihr euch am besten schon früh im Spiel mit den durchaus komplexen Mechaniken Ps vertraut. Ihr könnt mit der Z Taste einen Angriff ausführen, während ZR einen aufgeladenen und stärkeren Angriff bietet. Wollt ihr Parieren, dann drückt ihr im richtigen Moment L. Mit der Zeit wird euer Repertoire immer reicher. Denn P verfügt unter anderem über einen mechanischen Legion-Arm. Dieser lässt sich mit voranschreitendem Spielerfolg auch modifzieren und durch unterschiedliche Angriffseffekte ausstatten, sobald ihr benötige Ressourcen von gelegten Bossen dabei habt. Doch eines nach dem anderen.
Noch ehe ihr in den Hub-Bereich des Spiels gelangt werdet ihr auf die Probe gestellt: Denn Puppen können nach dem allgemeinen Kenntnisstand in Krat nicht lügen, wodurch zur Sicherheitsüberprüfung von Menschen einen Frage gestellt wird, deren richtige Beantwortung nur Menschen unterstellt wird. Doch Gepettos P ist die erste und einzige Puppe, die Lügen kann. So wird euer moralischer Kompass über das Spiel hinweg in mehreren Situationen gefordert. Eure Antworten entscheiden darüber, ob Kämpfe ausgelöst oder Begegnungen in Ruhe von statten gehen. In jedem Falle bedeuten Entscheidungen Veränderungen und dies werdet ihr über den Spielverlauf merken. Im Ergebnis gibt es in Lies of P dadurch mehrere Enden, die erlebt werden können, sodass die Wiederspielmotivation von vorn herein herausgearbeitet wird.

Welche Gameplay-Fäden sind zu ziehen?
In Lies of P: Complete Edition bekommt ihr mehrere Gameplay-Mechaniken vorgestellt, die einiges an Zeit benötigen, um wirklich beherrscht zu werden. So wird das Soulslike-Kampfsystem, für sich schon eine Hausnummer, durch die Möglichkeit angereichert, dass ihr Waffen miteinander verbinden und so von unterschiedlichen Effekten profitieren könnt. Die sogenannte Waffen-Montage erlaubt euch beliebige Klingen und Knäufe zu verbinden oder auch Elementar-Effekte, etwa auf Feuerklingen, einzubeziehen. Auf diese Weise könnt ihr stärkere Schadenseffekte wirken, die neben eurem aktiv ausgeteilten Waffen- oder Effektschaden passiv wirken und den Gegner schwächen.

Zusätzlich dürft ihr für die gefundenen Ergo-Punkte bei jedem Checkpoint, den sogenannten Stargazern, eure Parameter aufwerten, solltet ihr die jeweiligen Level-Caps erfüllen. So reichen anfangs ein paar Hundert Ergo, während im Spielverlauf Tausende benötigt werden, um eure Schadensresistenzen (z.B. gegen Verderbnis oder Schock) zu steigern.
Neben den Ergo Punkten sammelt ihr auch Güter, die ihr in Ergo-Punkte umwandeln oder sie verkaufen könnt. Am Ende muss das Ressourcen-Management so effektiv wie möglich gestaltet werden, damit euer nächster Boss-Besuch möglichst nur für den Gegner schmerzhaft wird.
Damit dies gelingt, solltet ihr aber auch die Spielmechaniken für sich perfektionieren. Neben dem richtigen Blocken, das Schaden vermeidet, könnt ihr den Gegner mürbe machen und ihn im Zustand des Benommen-Seins einen aufgeladenen (ZR) Schlag verpassen, der zum Todesstoß führen kann.
Aber auch hier will das Spiel eure Aufmerksamkeit: Denn Klingen nutzen sich mit der Zeit ab. Wer den mechanischen Schleifstein nicht nutzt, verzichtet auf wichtigen Angriffsschaden, den ihr selbst auf dem niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade brauchen werdet, um einigermaßen Heil durch Krat zu kommen.
Sichere Steuerung durch Krat
Nachdem wir euch schon einige der Systeme vorstellen konnten wird auch klar, dass ihr ein gutes Setup braucht, um P zu steuern. Ihr könnt nicht nur auf mehrere Konfigurationen an Waffen und Ausrüstung zugreifen, sondern natürlich auch über Pro Controller eure Eingabeperformance verbessern. Wir möchten euch an dieser Stelle dringend empfehlen, mit dem Nintendo Switch 2 Pro Controller oder einem vergleichbaren Gamepad mit Grip und guter Ergonomie zu spielen. P und euer Angriffsverhalten werden es euch danken, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn man wegen eines Handkrampfes zu spät ausweicht oder pariert und die kostbare Ergo-Währung verliert.

Upgrades mit Herz und Arm
Den erwähnten Legion-Arm könnt ihr im Spielverlauf jederzeit ändern, sofern ihr eine Alternative freigespielt habt. Mit der Zeit legt ihr so viele Hauptbosse, dass ihr im Hub eine ganze Zahl an Freischaltungen via dem seltenen Material Legion-Kaliber erreichen könnt, die euch offensiv oder defensiv unterstützen. Ihr beginnt mit einer Seilwinde, später mit einem Schock-Angriff, den ihr bei Interesse auf einen Flammenwerfer oder Schild anpassen könnt. Doch auch hier verbraucht ihr im Angriff Ausdauer und Energie und müsst haushalten, damit euch nicht im falschen Moment die Puste ausgeht.
Neben dem Arm gibt es auch den spieleigenen Talentbaum, P-Organ genannt. Hier beeinflusst ihr wortwörtlich das Herzstück von Ps Fähigkeiten und könnt über 5 Phasen hinweg festlegen, wie ihr die seltenen Quarz-Punkte investiert. In Phase 1 könnt ihr 4 Verbesserungen aktivieren, die jeweils zwei Quarz-Einheiten benötigen und wiederum pro Verbesserung zwei Parameter stimulieren. So dürft ihr beispielsweise eure Menge an Pulszellen (Heiltränken) um eins heraufsetzen, während ihr gleichzeitig die Schadensresistenzen verbessert. Die Synergien, die dadurch entstehen, können euch als permanente Verbesserungen so manches Mal die Fäden ziehen lassen!
Sollte euch das noch nicht reichen, könnt ihr im Spielverlauf auch mit verschiedenen Mondsteinen eure Klingenstufe erhöhen. Je seltener der Mondstein, desto wirksamer die Aufwertung.

Technik und Performance
Wie wir es euch bereits in unserer Preview verraten haben, verfügt Lies of P: Complete Edition über drei verschiedene Performance-Modi, wenn ihr im Docked-Modus spielt. Hier dürft ihr euch zwischen dem Performance-Fokus (flüssiges Spielerlebnis), dem Qualitäts-Fokus (hohe Auflösung, Schärfe, Details) und dem ausgewogenen Modus (Kompromiss aus beidem) entscheiden. Dies funktioniert gut und wirksam. In unserem Spielsessions war uns jedoch zumeist das flüssige Gameplay wichtiger, als gestochen scharfe Bildmomente, zumal das Spieltempo in der Regel hoch ist und nur selten, aufgrund der konstanten Bedrohungen in Krat, der richtige Moment zum Verweilen und Stauen besteht.
Im Handheld-Modus könnt ihr zwischen Performance- und Qualität wechseln. Hier wird nach dem Release noch per Patch nachgebessert, wobei Publisher NEOWIZ stabile 60 Bilder pro Sekunde im Performance-Modus anstrebt.
Was unabhängig von Auflösung und Bildrate festzustellen ist, sind die Ladezeiten zwischen Gebietswechseln oder beim Respawn nach einem teils unerwarteten Tod. Für gewönlich könnt ihr beim Neustart aber schon nach 10-15 Sekunden wieder draufhauen, während Gebietswechsel und allgemeine Spielstarts ein paar Sekündchen mehr benötigen. Insgesamt liegt dies aber im vertretbaren Bereich, wir haben schon wesentlich ausgedehntere Ladesituationen auf der Nintendo Switch 2 beobachten müssen.

Ästhetik in der Dunkelheit
Wenn wir nur das Erlebnis für die Augen beschreiben müssten, dann ist Lies of P: Complete Edition definitiv als ansehnliches Spiel zu beschreiben. Ihr bekommt die architekturelle Ästhetik der Belle Époche zu Gesicht, darunter festliche Herrenhäuser und prunkvolle Gemäuer, aber auch groteske Industrien und düstere Gassen. Allgemein schafft es NEOWIZ bemerkenswert, Stimmung durch das Leveldesign aufzubauen, was aber auch durch kleine Jump-Scare Momente der Puppen-Monster und die größeren Gegner und Bosse getragen wird.
Die Kämpfe verlaufen zumeist in kleinen Arenen und sind fantastisch animiert. Verschiedene Angriffsmuster, nicht ausweichbare Rage-Angriffe, aber auch benommene Cool-Downs gehören dazu und sind stimmig inszeniert. Allgemein hatten wir viel Freude am Gegner- und Bossdesign, das nicht nur eindrucksvoll und schmerzhaft ist, sondern sich eben auch abwechslungsreich zeigt!
Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. So haben wir im Großteil des Spiels den Farbraum als etwas zu niedrig empfunden. Krat zeichnet sich durch eine vorwiegend düstere Farbstimmung aus, sodass ihr unter Umständen mehr als einmal die In-Game oder System-Helligkeit anpassen werdet. Wer in der Bahn, im Auto oder draußen das Abenteuer von P verfolgen möchte, wird sich vermutlich schnell in einen schwach-belichteten Raum verziehen, denn dieses Werk ist nicht für das Tageslicht gemacht!

Arrangiertes Soundgerüst
Bei der Akustik bekommt ihr verschiedene Kost geliefert. Die Kämpfe drehen stets merklich mit spannungsgeladenen Soundeffekten auf, während die regulären Erkundungen Ps eher durch ein dezentes, orchestriertes Sound-Ensemble begleitet werden. Über die Zeit hört ihr verschiedene Musikstücke, mal Chanson, mal klassisch, mal einen Hauch von Jazz, doch allesamt stilvoll und charmant. Diese Musikstücke könnt ihr über die Zeit auch als Schallplatten im Hotel sammeln und euch nach Lust zu Gemüte führen. Hier und da hätten wir uns dennoch etwas mehr tonale Präsenz gewünscht.
Daneben bekommt ihr komplett vertone Dialoge mit den wesentlichen NPCs in eurem Hub oder den Charakteren, die einen Story-Beitrag leisten. Da wären Puppenmacher Gepetto und der etwas durchgedrehte Erfinder Venigi, die fleißige Waffenmeisterin Eugénie, die Hotelbesitzerin Antonia oder eure treuen Begleiter wie die mystische Frau Sophia (Erzählerin) und Gemini - die mechanische Grille, die euch Licht und Informationen zur Story spendet. Leider werden die Dialoge nur in Englisch angeboten, dafür aber mit deutschen Untertiteln.

Der Overture-DLC
Dass Lies of P grundsätzlich schon ein Abenteuer von stattlichem Umfang ist, ist euch vermutlich schon bis hierhin bewusst geworden. Die mehr als 15 Bosse und über sieben Lore- und fortschrittsrelevanten NPCs werden in über 30 Spielstunden gut eingeflochten, um P zu begleiten. Möchtet ihr nun noch alle Ausrüstungsteile finden, um P schick zu kleiden und effektives Gear anzulegen, werdet ihr das ein oder andere Extra-Stündchen investieren können. Entgegen kommt euch an dieser Stelle aber die Teleport-Funktion, die über alle Stargazer-Checkpoints verfügbar ist. Bekannte Gebiete können über die Stargazer wieder besucht werden, wenngleich die Nutzung des Checkpoins auch alle Gegner respawnen lässt.
Hinzugekommen ist in der Complete Edition nun auch die inhaltliche Erweiterung Overture, die im Sommer 2025, knapp 2 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Lies of P, erschienen ist und die Story anreichern und abrunden will. Ihr bekommt darin mehrere Antworten geliefert, die für ein rundes Gesamtbild bei der Hauptgeschichte fehlen.
Ihr reist mit P in die Vergangenheit und erlebt somit ein Prequel zur eigentlichen Hauptgeschichte. Darin lernt ihr die Charakterin Lea kennen, die ebenfalls als Stalkerin versucht, die Petrifikations-Krankheit zurückzudrängen, während sie an der Seite Ps kämpft und u.a. ihren Schützling Romeo zu bewahren versucht. Viele der Erlebnisse fügen sich nahtlos in die erlebte Hauptgeschichte ein und liefern spannende Hintergründe und Schicksale zu Charakterentwicklungen, dem Stadtbild Krats und dem ein oder anderen Puppen-Boss.
Fazit
Lies of P : Complete Edition ist ungelogen erbarmungslos gut! Als P erlebt ihr die Geschichte Pinocchios einmal komplett anders. Dabei wartet ein stimmiges Soulslike auf euch, das bei konsequenter Taktik-Arbeit eine hervorragende Spieltiefe entwickelt. Ihr taucht nicht nur in die Welt von Krat ein, sondern macht Bekanntschaft mit zahlreichen NPCs und noch mehr Puppenwesen und (Mini-) Bossen, von denen einer furchterregender inszeniert ist als der andere. Mit der Zeit wertet ihr nicht nur Ps Fähigkeiten auf, ihr dürft sogar Waffen montieren und mit eurem mechanischen Arm zeigen, dass ihr die beeindruckendste Puppe in Krat seid. Auch mit drei Grafik Modi und nur kleinen Performance-Schwächen liefert das Spiel voll ab. Besonders aber beim Umfang, der euch samt Overture-DLC locker jenseits der 35h beschäftigen wird und massig Areale, Bosse, Geheimnisse und Charakteranpassungen bietet. Doch Obacht: Wer in Dialogen nicht genau zuhört, der verliert sich in Krat und stirbt nicht nur einen grausamen Tod!
Barrierefreiheit
Mit P in den Kampf gegen gigantische Puppen zu ziehen ist aufregend, erbarmungslos und doch vor allem eines: fantastisch inszeniert!
- sensationelle Bossdesigns
- spannende Geschichte im düsteren Krat
- tiefgreifende Upgrades-System von P
- überzeugendes Waffen-Montage-System
- Das Lügen-System mit Story-Folgen
- vereinzelte Pop-Ups in der Umgebung
- gelegentlich Licht-, Schatten- und Texturfehler
- Hauptcharakter & NPCs häufig verwaschen
- Farb-Stimmung eine Nuance zu dunkel
- Quest-Handling nur über Gespräche verfolgbar
- wer Soulslikes nicht verträgt, scheitert!
Vielen Dank an die Firma NEOWIZ für die Bereitstellung des Testmusters.

