Zum Inhalt springen
Moonlight Peaks - Nintendo Switch 2 Edition

Moonlight Peaks - Nintendo Switch 2 Edition

Maik

In Moonlight Peaks verschlägt es euch als jungen Nachkommenden der Familie Dracula zum gleichnamigen Ort, schließlich soll dem Familienoberhaupt gezeigt werden, dass ein beschauliches Leben auch abseits der heimischen Gruft möglich ist. Gleichzeitig startet ihr in eine Farming Simulation mit düsterem Gothik-Touch. Ob die Grusel-Ernte ein Erfolg ist, erfahrt ihr in diesem blutarmen Nintendo Switch 2 Test.

Willkommen in Moonlight Peaks

Nach einem familiären Zerwürfnis geht es per Zug in das kuriose Moonlight Peaks. Es ist die ehemalige Heimat eurer Mutter und so müsst ihr als junger Vampir-Charakter selbst euren Weg machen, um euren Frieden als Vampir in einem magischen Dorf voller Werwölfe, Hexen, Meerjungfrauen und anderen Kreaturen zu finden.

Dabei startet ihr in der Familiengruft, die sicherlich schon bessere Tage gesehen hat. Doch ein Sarg steht am besten im dunklen und spinnenbehangenen Gemäuer - nicht wahr? Um dieses auch in gewünschter Stimmung zu verschönern, müsst ihr euch mit der Umwelt und den Charakteren von Moonlight Peaks vertraut machen.

Von Werwölfen und Hexen

Relativ unvermittelt macht ihr Bekanntschaft mit einem Vampir namens Orlock im Dorf, der vor eurem Haus eingeschlafen ist und nur mit einer Gießkanne abrupt geweckt werden kann. Schnell bekommt ihr die ersten Aufträge und damit auch die Chance, das Dorfleben kennenzulernen.

Vampire, Werwölfe und Hexen sind die ersten Wesen, die ihr aufsuchen müsst. Manche von ihnen bewohnen ein eigenes Haus, andere verfügen über einen Shop wie ein Kleidungsgeschäft (Seher & Seidenfäden), einen Lebensmittelladen (Tote Torten) oder eine Tischlerei (Heulender Hammer). Unschwer zu verstehen ist damit, dass ihr euch für das nötige Kleingeld umgestalten, anders kleiden und vor allem besser ausrüsten dürft. Ehe es aber soweit ist, werdet ihr mit diversen Charakteren erste Gespräche führen. Darunter Luna, Sabrina, Evan, Ridge und einigen mehr.

Stumpfe Axt und rostige Gießkanne

Was wäre eine Farming-Simulation, wenn ihr euch nicht auch durch gewisse Arbeit eure komfortable Lebenssituation entwickeln müsstet? Hier schlägt Moonlight Peaks in keine andere Kerbe, als es Animal Crossing, Stardew Valley, Fae Farm, oder Pokémon Pokopia tun. Ihr müsst erstmal mit einem - zugegebenermaßen bereits stattlichen - ersten Inventar-Set zurechtkommen. Eine Einfache Blechschaufel, eine einfache Spitzhacke für Steine und Erze, eine Gießkanne für eure Felder und wenig später auch die erste Holzangel helfen euch, im Dorf Fuß zu fassen.

Schnell nehmt ihr erste Quests an, müsst Streit von Charakteren schlichten, Trinkschulden begleichen oder Hexen zusammentrommeln, um eine verzauberte Brücke von einem Schleier zu befreien, nur um zur Nebelküste - einem Friedhofsareal - zu gelangen.

Mit der Zeit vertiefen sich nicht nur eure Kenntnisse von Moonlight Peaks, sondern auch die Mechaniken, die euer Farmingerlebnis ausmachen. Ihr versteht die Tageszyklen, die von 18:00 Uhr aufstehen bis 06:00 Uhr ins Bett fliegen (wortwörtlich als Fledermausschwarm) gehen.

Manche der Shops sind nur zu gewissen Zeiten geöffnet und wenn ihr NPCs für eure Quests als Unterstützer benötigt, müsst ihr euch ebenfalls ranhalten, sie in einem guten Moment zu erwischen.

Dass es ohne einen gewissen Grind nicht auskommt, merkt ihr bereits in den frühen Spielstunden deutlich, denn eine weniger klapprige Axt braucht es für eure Aufträge sehr dringend. Ihr haut mehrmals auf einen Baumstumpf, ehe er zerspringt und Einheiten Holz abwirft. Da ihr jedoch 50 Einheiten für eine frühe Quest benötigt, zieht sich diese direkt über mehrere Tage, wenn ihr nicht gerade den Weg des Hardcore-Grinds gehen wollt. Letztlich kommt ihr an diesem aber nicht vorbei, denn das benötigte Geld für Käufe und Upgrades eurer Werkzeuge, Dekorationen und Co funktioniert nur auf diese Weise.

Eigensinnig bis verliebt

In Moonlight Peaks ist zwar einiges anders, als wir es aus klassischen Simulationen kennen, etwa das Spielen in der Nacht, die düsteren Charaktere und Kreaturen und der Umgang mit Magie. Doch genau darin liegt der Charme. Denn wenn sich ein Vampir und eine Hexe verlieben, weil sie miteinander eine Beziehung aufgebaut, Quests gemeistert und Geschenke ausgetauscht haben, dann bekommt so ein Gothic-Setting noch einmal eine ganz andere Dynamik.

Liebenswert ist es auch deshalb, weil die Charaktere in den Dialogen zwar über eine schöne Comic-Abbildung verfügen, in der Spielansicht aber eher als niedliche Chibi-Charaktere dargestellt werden. Durch diese und weiteren Welt-bezogene Designentscheidungen schafft es der Publisher Marvelous Entertainment letztlich ein Spiel zu kreieren, dass sich sehr gut an jüngere Spieler richtet und alles andere als einen kalten Schauer verursacht.

Darüber hinaus schafft es Moonlight Peaks aber auch, dem Genre seinen eigenen Stempel zu verleihen. Ihr könnt nämlich auch Zaubersprüche lernen, mit denen ihr beispielsweise Erntehelfer bekommt, ganze Bäume verrücken dürft oder beeinflusst, ob es am nächsten Tag - ähm in der Nacht - regnet und ihr euren Gewächsen damit eine himmlische Tränkung verschafft.

Technik der Nacht

Trotz des Umstandes, dass das Spiel von Nacht zu Nacht im definierten Rhythmus läuft, haben wir in etlichen Spielmomenten das ansprechende Farbkonzept und die dynamisch-bewegliche Umgebung wahrnehmen können, die das Setting hervorragend unterstützen. Auch die Regionen wie der Mondscheinwald, der heulende Sumpf oder die Gruften und Höhlen sind stimmungsvoll und detailreich arrangiert, sodass sie zum Verweilen und Auskundschaften einladen. Wer also die Umgebung von Animal Crossing zu steril fand, wird sich hier in mehreren schaurigen Biomen, in denen überall liebevolle Interaktionen warten, sehr wohlfühlen. Beispielsweise dürft ihr auf dem Friedhof die Grabsteine begutachten und lernt, wie es zum tragischen Tod kam oder kleine Geistersilhouetten schwirren über den Boden. Selbst das Fischen weckt nostalgische Gefühle und ist durch viele kreative Kreaturen und eine solide Mechanik ein netter Zeitvertreib und Goldlieferant für zwischendurch.

Gleichzeitig konnten wir unsere dunkelrot leuchtenden Augen aber auch nicht davor verschließen, dass Moonlight Peaks auch auf der Nintendo Switch 2 unter kleinen Mikrorucklern leidet, wenn ihr Spielbereiche zügig verlasst oder längere Ladezeiten erzwingt, wenn Gebäude betreten oder verlassen werden oder ihr euch in einen neuen Bereich des Dorfes begebt. Hier hätten wir eine stärkere Performance mit nahezu keinen Ladezeiten erwartet, was über die Zeit störend wirkt.

Hinsichtlich der Steuerung als technische Implementierung beurteilt, ist auffällig, dass das D-Pad ohne spielerisches Gewicht verbleibt. Die Steuerung eures Charakters findet ausschließlich über den linken Analog-Stick statt, zudem ist keine Touch-Screen-Unterstützung in der Nintendo Switch 2 Edition gegeben und auch der Maus-Modus findet bislang keine Unterstützung, obwohl das Wechseln in die Vogelperspektive zum Dekorieren ein charmanter Vorteil gewesen wäre.

Zudem verzichtet Moonlight Peaks auf eine Detaillierung von Barrierefreiheitsmöglichkeiten und Zugänglichkeitseinstellungen. Gerade diejenigen, die Farbakzente bei Spielcharakteren benötigen oder sich eine stärkere Orientierung zu den nächsten Spielzielen wünschen, schauen hier ins dunkle Gemäuer. Die Grafik und visuelle Einstellung hat Marvelous hingegen sehr gut hinbekommen. Ohne nennenswerte Einbrüche dürft ihr euren Vampir durch das Abenteuer begleiten, während ihr im TV-Modus der Nintendo Switch 2 noch einmal von einer Bildstabilisierung und Auflösungsschärfe profitiert.

Zwischen Melodie und Modus

Tonal liefert Moonlight Peaks eine solide, wenn auch nicht erinnerungswürdige Leistung ab. Ihr dürft euch über durchaus stimmungsvolle Soundgeräusche freuen, die jedoch primär als Hintergrund-Geräuschkulisse fungieren. Das Zirpen von Heuschrecken, das Plätschern von Wasser. Immer wieder gibt es auch einen dezenten Soundtrack, der magisch-melodisch aber auch nur bedingt eingängig ist. Darüber hinaus lassen die Charaktere eine Synchronisation vermissen. Wer sich hier eine Vertonung der vielen Gespräche gewünscht und auf mystische Persönlichkeiten gefreut hat, wird an dieser Stelle womöglich enttäuscht.

Was Moonlight Peaks so besonders macht

Wenn ihr euch nun fragen solltet, warum Moonlight Peaks trotz kleinerer Unzulänglichkeiten bei der Technik trotzdem ein fantastisches Spiel ist, wollen wir euch mit einem konkreten Lösungsversuch weiterhelfen: Moonlight Peaks ist erfrischend anders. Ihr spielt nicht den jungen Bauern oder die erfahrene Agrarwirtin, die bei strahlendem Sonnenschein Bohnen einpflanzt, sondern ihr seid in einem düsteren Setting, das allerdings mit spannenden Charakteren, entwickelbaren Beziehungen, humoristischen Anekdoten und vor allem einer spielerischen Tiefe mit Innovationsaspekten punktet. Darüber hinaus sorgt das unverbrauchte Spielprinzip dadurch, dass ihr eine große Freude erleben könnt, wenn ihr eine fleischfressende Pflanze züchtet oder euren eigenen Trank im Hexenkessel braut. Wer am Ende dem Lied der Meerjungfrau erliegt, der hat sich voll und ganz auf Moonlight Peaks eingelassen, was wir dem Spiel trotz seiner kleinen Grind-Momente aus schwarzem Herzen gönnen!

8.4Wertung

Fazit

Moonlight Peaks ist eine Farming Simulation mit Biss! Ihr startet als Vampir in einem übernatürlichen Dorf und macht nicht nur allerhand ausbaubarer Bekanntschaften, sondern werdet in die hohe Kunst des Trank Brauens, der Verwandlung und des Dokorierens eingeführt. Spielerisch ist Moonlight Peaks originell und designbezogen gleichzeitig absolut charmant. Dennoch fehlt es dem Spiel gelegentlich an einem geeigneten Spieltempo und entsprechendem Quest-Bezug. Auch den Maus-Modus hätten wir uns für unsere Bluttraubenfarm gewünscht, die hier und da unter zu langen Ladezeiten leidet.

Barrierefreiheit

M
Meinung vonMaik

Moonlight Peaks ist der beste Beweis, wie stimmungs- und liebevoll ein Vampir-Farming-Abenteuer bei farbenfroher Nacht sein kann.

Design
9.0
Sound
7.5
Technik
8.0
Spielwelt
9.0
  • erfrischendes Vampir-Setting als Simulations
  • Tolle Aktivitäten und Events
  • Gelungene mechanische Umsetzung
  • Wundervoll mystische Atmosphäre
  • Nintendo Switch 2 Edition Upgrade möglich
  • Bislang keine Koop-Integration
  • Ladezeiten zwischen Arealen recht lang
  • Pacing des Spiels ist mitunter etwas zu langsam
  • Steuerung verzichtet auf Touchscreen & Maus-Modus

Vielen Dank an die Firma Marvelous für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

3 Kommentare

happy nickivor 6 Stunden

Das Spiel beobachte ich schon länger und das ist immer schwierig bei mir. Weil manchmal spiele ich solche Spiele und nach 3 Stunden denke ich mir dann "ach, spiel doch wieder Stardew". Und das liegt oft am Pacing oder ewig langen Dialogen.
Also das ist auch wieder so ein Spiel wo ich mir defintiv Videos dazu angucken werde weil der Test macht schon Lust, aber ich bin mir trotzdem unsicher ob das was für mich ist 😀
In jedem Fall danke für den Test und das Spiel werde ich mir mal angucken 😀

pixelherovor 5 Stunden

Und noch in Farming-Spiel, aber scheinbar ein spielenswerter Vertreter seiner Zunft. Zur Zeit fehlt mir ein bisschen die Motivation, aber ich beobachte es mal weiter. In den kühleren Monaten könnte ich mich zum Kauf entscheiden. 😎

happy nickivor 4 Stunden

Ja in dem Genre (allgemein Cozy Games) gibt es leider auch ganz viele generische Spiele und deshalb gucke ich immer vorher ob es etwas für mich ist. Und dann bleiben nur wenige übrig hihi :D