
Digimon Story: Time Stranger
Seit dem Release von Digimon Story: Cyber Sleuth ist rund ein Jahrzehnt vergangen. Eine lange Zeit, in der Fans der digitalen Monster auf einen vollwertigen, klassischen JRPG-Nachfolger hoffen mussten. Nach dem initialen Release auf den großen Heimkonsolen und dem PC im vergangenen Jahr hat Bandai Namco nun am 10. Juli 2026 endlich die Versionen für die Nintendo Switch und die neue Nintendo Switch 2 nachgereicht. Entwickelt von Media.Vision, liefert der Titel ein extrem umfangreiches Abenteuer ab, das weit über die reine Digimon-Fanbase hinaus auch Liebhaber klassischer JRPG-Kost begeistern dürfte.
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Digimon Story Time Stranger
NSW2
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Bandai Namco Entertainment
- Publisher
- Bandai Namco Entertainment
- Konsole
- NSW2
Konsole
Nintendo Switch
NSW
Zäher Start in eine lebendige Welt
Das Spiel fordert zu Beginn eine ordentliche Portion Geduld. Der Einstieg gestaltet sich recht zäh und stellenweise regelrecht überwältigend, da die Entwickler dem Spieler beinahe sämtliche Spielmechaniken in extrem kurzer Abfolge vor die Füße wirft. Wer sich von dieser steilen Lernkurve nicht abschrecken lässt, wird jedoch reich belohnt. Das volle Potenzial der Geschichte und der Systeme entfaltet sich erst nach einigen Stunden Spielzeit.
Die erzählerische Prämisse schlägt unerwartet düstere Töne an: Als Agentin oder Agent des Anomaliesonderermittlungsbüros, kurz ADAMAS, ist es eure Aufgabe Anomalien zu untersuchen und die unbescholtenen Bürgerinnen der Stadt vor eben Diesen zu schützen. Eine dieser Anomalien sind sogenannten Phasenelektronen-Lebensformen, oder vereinfacht gesagt: Digimon. Die Untersuchung dieser Anomalien gestaltet sich als echte Herausforderung: Eine mysteriöse Explosion schmeißt euch acht Jahre in die Vergangenheit. Euer übergeordnetes Ziel ist dabei nun so simpel wie drängend: Seht zu, dass ihr das Inferno, dass euch in acht Jahren erwartet unbedingt verhindert!

Ein klassisches JRPG, das sich Zeit nimmt
Wer sich auf dieses Prämisse einlässt, muss allerdings eine Tugend zwingend mitbringen: Geduld. Time Stranger ist erzählerisch ein Schwergewicht, das sich gerade in den ersten Stunden spürbar Zeit nimmt, um seine Figuren in Stellung zu bringen. Die Welt, ihre Bedrohungen und die komplexen politischen Fraktionen werden nur sehr behutsam entblättert. Doch dieses anfängliche, langsame Pacing (Slow Burn) zahlt sich voll aus. Die Chancen stehen exzellent, dass jeder, der auf klassische, tiefschürfende JRPG-Storys steht, hier voll auf seine Kosten kommt, sobald die Geschichte endlich an Fahrt aufnimmt.
Lebendige Kontraste: Shinjuku und Iliad
Ein großer Pluspunkt der Erzählung ist das fantastische World-Building, das sich auf zwei völlig unterschiedliche, aber enorm lebendige Dimensionen stützt. Auf der einen Seite steht das pulsierende, urbane Shinjuku der Menschenwelt, dessen Straßen und NPCs den Eindruck einer echten, funktionierenden Gesellschaft vermitteln. Auf der anderen Seite wartet die neu eingeführte digitale Region Iliad. Diese Welt fungiert nicht einfach nur als hübsche Kulisse für Monsterkämpfe, sondern als detailreicher Knotenpunkt mit ganz eigener Kultur, Flora und Fauna. Der Kontrast zwischen der urbanen Realität und der fantastischen digitalen Ebene ist hervorragend inszeniert.

Tiefer Fan-Service statt billiger Cameos
Anstatt die Handlung nur auf den plakativen Kampf "Gut gegen Böse" zu reduzieren, werden die emotionalen Konflikte in den Fokus gerückt. Die Gruppendynamik zwischen den Hauptfiguren trägt die Story auch durch ruhigere Phasen.
Für langjährige Digimon-Fans hält das Spiel dabei ein ganz besonderes Geschenk bereit: Der Fan-Service besteht hier nicht aus bloßem Namedropping bekannter Monster. Vielmehr nimmt sich Time Stranger die Zeit, die zugrundeliegende Lore von Digimon umfassend und respektvoll zu bearbeiten. Tiefe mythologische Verflechtungen des Digimon-Universums werden organisch in die Hauptgeschichte eingewoben, was das Abenteuer nicht nur für Neulinge unterhaltsam macht, sondern Serien-Veteranen ein extrem befriedigendes und inhaltlich gehaltvolles Erlebnis liefert.
Tiefgang im Binärcode: Kampfsystem und Mechaniken im Detail
Der von vielen Spielern anfangs als zäh empfundene Einstieg resultiert aus der schieren Masse an Systemen, die in den ersten Spielstunden eingeführt werden. Habt ihr diese Hürde jedoch genommen, offenbart sich ein befriedigender und komplexer Gameplay-Loop, der taktische Gefechte gekonnt mit einem tiefgreifenden Monster-Management verwebt.
Das Schlachtfeld: Planung ist der halbe Sieg
Im Kern bleibt Time Stranger den klassischen, rundenbasierten JRPG-Tugenden treu. Spieler stellen einen aktiven Kader aus bis zu sechs Digimon zusammen. In den Kämpfen selbst stehen jedoch immer nur drei Begleiter gleichzeitig auf dem Feld. Anhand einer dynamischen Zeitleiste am Bildschirmrand lässt sich jederzeit ablesen, wer als Nächstes agiert. Das erlaubt es euch, Züge vorausschauend zu planen: Etwa indem ihr ein stark angeschlagenes Digimon rechtzeitig gegen ein frisches Monster von der Ersatzbank austauscht, bevor der Gegner zu einem verheerenden Flächenangriff ansetzen kann.

Schere, Stein, Datei: Attribute und Elemente
Pures Button-Mashing steht hier nicht auf dem Programm.. Stattdessen dominiert ein ausgeklügeltes Stärken- und Schwächen-System das Kampfgeschehen. Jedes der über 450 Digimon gehört primär zu einem von drei Hauptattributen, die nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip funktionieren:
Virus schlägt Data
Data schlägt Vaccine
Vaccine schlägt Virus
Nutzt ihr einen Typen-Vorteil, verdoppelt sich der angerichtete Schaden. Hinzu kommt eine zweite Ebene: die elementaren Zugehörigkeiten (wie Feuer, Wasser, Licht, Dunkelheit). Greift ein feuerbasiertes Vaccine-Digimon ein pflanzenbasiertes Virus-Digimon an, stapeln sich die Boni. Wer diese Synergien und die individuellen passiven Charaktermerkmale (Personality Traits) der Monster verinnerlicht, profitiert stark: Der Schwierigkeitsgrad des Spiels bleibt zwar insgesamt recht zahm, belohnt clevere Strategen aber mit extrem schnellen und effizienten Siegen.
Datenbeschaffung: Scannen statt Fangen
Das Erweitern des eigenen Teams bricht mit klassischen Monster-Sammel-Konventionen. Es gibt keine Pokébälle oder Items, die ihr werfen müsst. Stattdessen läuft bei jedem Feindkontakt im Hintergrund das „Summoning Program“ des Ingame-Digivice mit. Jedes Mal, wenn ihr einem bestimmten feindlichen Digimon im Kampf begegnet, wird es gescannt und ein Prozentwert steigt. Sobald diese Scan-Rate die 100-Prozent-Marke erreicht, kann das gesammelte Datenpaket jederzeit im Menü über den Befehl „Convert“ in ein neues, eigenes Digimon umgewandelt werden. Wer fleißig weiterkämpft und höhere Scan-Werte (z. B. 200 %) ansammelt, wird bei der Generierung sogar mit besseren Basiswerten belohnt.

Der Motivationsmotor: Digitation und De-Digitation
Das Herzstück der Mechaniken ist jedoch die Weiterentwicklung. Im Gegensatz zu vielen anderen Rollenspielen verläuft die Digitation hier nicht linear. Ein einziges Rookie-Digimon kann sich in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln, abhängig davon, ob bestimmte Statuswerte (wie Angriff, Initiative oder maximale Lebenspunkte) erreicht wurden.
Besonders clever: Das Spiel zwingt euch zur „De-Digitation“, also der gezielten Rückentwicklung in eine schwächere Form. Jedes Mal, wenn ein Digimon de-digitiert, sinkt es zwar im Level, erhält dafür aber ein höheres maximales Level-Cap und zusätzliche Potenzial-Punkte. Nur durch dieses stetige Vor- und Zurückentwickeln lassen sich am Ende die mächtigsten Mega-Formen freischalten.
Dass das Spiel euch dabei enormen Komfort bietet, ist ein Segen: Anstatt für jede kleine Entwicklung in ein weit entferntes Labor reisen zu müssen, lassen sich alle Digitationen fließend und direkt aus dem Menü heraus anstoßen. So artet das komplexe System nie in lästiges Mikromanagement oder unnötige Laufwege aus.
Grafische Speerspitze auf der Switch 2
Zweifelsohne haben wir es hier mit dem bis dato optisch besten Digimon-Spiel zu tun. Was auch bereits auf dem PC eindrucksvoll bewiesen wurde. Während die Original-Switch angesichts der lebendigen Welten technisch an ihre Grenzen stößt, spielt die Nintendo Switch 2 ihre Stärken voll aus. Ihr habt hier die Wahl zwischen zwei Modi:
Qualitätsmodus: Bietet eine knackscharfe 4K-Auflösung bei 30 FPS.
Performance-Modus: Liefert 1080p bei butterweichen 60 FPS.
In der Praxis ist der Performance-Modus die absolute Empfehlung. Das Spiel läuft hier spürbar flüssiger, fühlt sich hervorragend an und muss sich vor den Versionen für PC und PlayStation nicht verstecken. Ladezeiten sind minimal und das Geschehen bleibt selbst bei den grafisch opulenteren Digitationen stabil.
Fazit
Digimon Story: Time Stranger ist ein echtes JRPG-Schwergewicht. Wer den zähen, mechanisch überladenen Einstieg übersteht und die nötige Geduld für die ausführliche Handlung mitbringt, wird mit einer lebendigen Welt, taktischem Tiefgang und grandioser Lore belohnt. Wer als Digimon-Fan eine Switch 2 besitzt, kann hier völlig bedenkenlos zugreifen.
Barrierefreiheit
Ich bin bekanntlich kein großer Fan von JRPGs mit rundenbasierten Kämpfen, aber das Spiel hat es dennoch geschafft mich für viele Stunden zu unterhalten. Als Millenial der Mit Digimon aufgewachsen ist, hat mich die Mischung aus Fan-Service und motivierenden Kampf- und Levelsystem voll abgeholt!
- Ein visuell beeindruckendes Spiel mit lebendiger Spielwelt
- Ausführliche Aufarbeitung des Digimon-Universums, eingebettet in eine emotionale Story
- Der 60-FPS-Modus auf der Switch 2 liefert ein absolut flüssiges, erstklassiges Spielgefühl
- Die extrem geballte Einführung aller Mechaniken in den ersten Stunden wirkt schnell überfordernd
- Die tiefgreifende Story braucht spürbar Anlaufzeit, um ihr volles Potenzial zu entfalten
- Für Genre-Veteranen fällt der Schwierigkeitsgrad bei gut geplanter Team-Zusammenstellung etwas zu leicht aus.
Vielen Dank an die Firma Bandai Namco Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.
Reactions
2 Kommentare
Das habe ich gestern bei einer Freundin in der friendslist auf der Switch gesehen dass sie das spielt und das freut mich dass das Spiel gut geworden ist weil sie Digimon gerne mag und sich sicher freut dass das Spiel gut ist 😀Also gerade wenn das Spiel viel Fanservice bietet dann bin ich mir sicher dass sie da ihre Freude daran hat 😀
Und danke für den Test 😀
Es gibt auch eine DEMO zum Spiel, falls jemand mal ganz unverbindlich bei den Digimons reinschnuppern will. 👋