
Heave Ho 2
In der Entwicklung kindlicher Zeichenkünste spricht man von sogenannten Kopffüßlern. Doch was passiert, wenn daraus Kopfhändler werden? Genau diesem Thema widmete sich bereits 2019 Heave Ho. Das kleine, herrlich spaßige Spiel ließ euch, idealerweise gemeinsam mit Freunden, durch schräge Level hangeln. Der Multiplayer Geheimtipp erhält nun eine Fortsetzung. Größer, komplexer und noch chaotischer. Heave Ho 2 setzt dabei nicht mehr nur auf Kooperation, sondern auch auf Konfrontation.
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Heave Ho 2
NSW2
- Genre
- Spaß-Spiel
- Entwickler
- Le Cartel Studio
- Publisher
- Devolver Digital
- Konsole
- NSW2
- Modi
- Lokaler Co-opOnline Co-opOnline-MultiplayerLokaler Multiplayer
- Spieler
- 2–4 lokal2–4 online
- Freigabe
USK ab 6
Was ist ein Heave Ho?
Warum Heave Ho 2 so viel Spaß macht, ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Das Spiel gehört zur Kategorie der sogenannten Ragdoll Spiele. Charakteristisch für diese ist, dass sich die Figuren nicht klassisch steuern. Stattdessen hat man oft das Gefühl, nie die vollständige Kontrolle über den eigenen Körper zu besitzen, da einzelne Gliedmaßen über unterschiedliche Eingaben bewegt werden.
In Heave Ho 2 kommt ihr dabei grundsätzlich mit drei Eingaben aus: den beiden Schultertasten und dem linken Stick. Weil die Steuerung so simpel ist, werden die Eingaben sogar stets für einen einzelnen Joy Con angezeigt. Tatsächlich lässt sich das Spiel problemlos mit nur einem Joy Con spielen, auch wenn die Nutzung beider Joy Cons oder eines Pro Controllers deutlich komfortabler ausfällt.
Der Ragdoll Körper besteht hier lediglich aus einem Kopf mit Armen und Händen. Entsprechend steuert ihr auch nur diese. Beide Arme bewegen sich in die Richtung, die der Stick vorgibt, während ihr mit den Schultertasten jeweils die linke oder rechte Hand greifen lasst. Auf diese Weise zieht, drückt, hangelt, klettert, schwingt und schleudert ihr euch durch die Level.

Um das Ziel zu erreichen, müssen sich die Spieler gegenseitig helfen, denn nur wenn alle das Ende erreichen, gilt ein Level als abgeschlossen. Hier zeigt sich auch die erste große Neuerung. In Heave Ho 2 benötigt ihr immer mindestens einen Mitspieler. Im Vorgänger war es noch möglich, die Level auch alleine zu bewältigen.
Diese Änderung ist konsequent. Denn auch wenn die Solo Herausforderung ihren Reiz hatte, lag die wahre Stärke von Heave Ho schon immer im gemeinsamen Spielen. Besonders dann, wenn alle zusammen auf dem Sofa sitzen. Natürlich gibt es auch einen Online Modus sowie lokales Spielen über Gameshare, doch nichts schlägt das Chaos einer gemeinsamen Runde. Wenn vier Personen gleichzeitig Kommandos geben, versuchen ihre Hände zu koordinieren, lange Ketten zu bilden und dabei nicht den Überblick verlieren, welche Hand nun losgelassen werden muss, entstehen die besten Momente.
Stürzt am Ende die gesamte Gruppe in die Tiefe, weil jemand links und rechts verwechselt hat, und klatscht die Farbe der abgestürzten Protagonisten mit einem markanten Splotsch Geräusch auf den Boden des Levels, sind die Lacher garantiert.
Anders aber doch vertraut
Auf den ersten Blick sieht Heave Ho 2 seinem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich. Die skurrilen Köpfe wirken sofort vertraut und können erneut mit allerlei lustigen Outfits individualisiert werden. Neu ist die Einbindung des GameChats der Switch 2. Mit einer angeschlossenen Kamera lassen sich die Spielfiguren im Online Modus sogar durch die Gesichter der Spieler ersetzen.
Tatsächlich gibt es damit einen guten Grund, die Kamera aus der Schublade zu holen. Wenn man schon nicht gemeinsam auf der Couch sitzen kann, kommt eine Runde mit GameChat und Kamera diesem Gefühl immerhin recht nahe.
Auch Physik und Steuerung fühlen sich sofort vertraut an. Trotzdem bringt der Nachfolger zahlreiche Neuerungen mit. Die Level sind deutlich komplexer geworden und sprühen nur so vor Ideen. Immer wieder begegnet ihr Kreaturen, die sich durch die Spielwelt bewegen und dabei mal hilfreich, mal hinderlich sind. Einmal müsst ihr ein affenartiges Wesen dazu bringen, euch aus einer Gondel zu befreien, ein anderes Mal versucht euch ein Liftführer von einem Skilift zu schütteln. An anderer Stelle wird sogar scharf geschossen. Auf weitere Beispiele verzichten wir bewusst, denn gerade das Entdecken dieser verrückten Situationen gehört zu den größten Reizen des Spiels.
Überhaupt setzt das französische Entwicklerstudio Le Cartel nicht mehr ausschließlich auf das Prinzip „Finde den Weg“. Stattdessen erwarten euch Rätsel, Waffen, komplexe Mechaniken und sogar Fahrzeuge wie Raketen. Natürlich inklusive passender Themenwelten. Ob Schneelandschaften, Kunstwelten oder das Weltall – jeder Abschnitt besitzt seinen ganz eigenen schrägen Charme. Das grundlegende Spielprinzip bleibt dabei jedoch stets erhalten.
Genau hier liegt allerdings auch eine Schwäche des Spiels. Der Spielspaß steht und fällt mit den Mitspielern. Es reicht bereits, wenn einer der bis zu vier Spieler über gemeinsames Scheitern nicht lachen kann, damit die Stimmung kippt. Beim Vorgänger war in solchen Momenten häufig schnell Schluss.

Heave Ho 2 bietet hierfür nun eine Alternative. Neben dem kooperativen Modus könnt ihr auch gegeneinander antreten. In einer Reihe kurzer Herausforderungen messen sich die Spieler in kleinen Arenen. Wer erreicht zuerst das Ziel? Wer überlebt am längsten? Wer schaltet seine Gegner aus? Die Aufgaben wechseln in schneller Folge und sorgen für eine angenehme Abwechslung zum eigentlichen Hauptspiel.
Wie schon im ersten Teil gibt es außerdem optionale Herausforderungen. Während sich diese früher meist auf Münzen beschränkten, die bis ins Ziel transportiert werden mussten und dabei eine Hand belegten, erwarten euch nun zahlreiche unterschiedliche Gegenstände mit eigenen Eigenschaften. Zusätzlich gibt es weltbezogene Herausforderungen, die ein wenig an Achievements erinnern.
Ebenfalls wieder mit dabei sind optionale Hilfen für Gruppen, die an einem Level zu lange festhängen. Diese werden gewohnt humorvoll ins Spiel integriert. Neu ist dabei eine Rettungsdrohne. Bleibt ein Spieler zurück und schafft es alleine nicht mehr ins Ziel, könnt ihr von dort aus eine Drohne steuern und ihm unter die Arme greifen. Wie bei allem in Heave Ho 2 bleibt es euch allerdings selbst überlassen, ob ihr eurem Partner wirklich helft oder ihn aus purer Schadenfreude direkt in den Abgrund befördert.
Und natürlich kehren auch die aufladbaren Pupse aus dem ersten Teil zurück. Manchmal braucht es eben nicht mehr als das, um eine ohnehin schon chaotische Situation endgültig eskalieren zu lassen.
Das sieht verrückt aus? So klingt es auch!
Die Gestaltung ist genau wie das Gameplay: chaotisch, humorvoll und angenehm verrückt. Genau deshalb passt sie zu Heave Ho 2 wie die Faust aufs Auge. Trotz aller Albernheiten bleiben die Level jederzeit gut lesbar. Neue Elemente stechen sofort ins Auge. Wie sie genau funktionieren, erschließt sich zwar manchmal erst durch das Ausprobieren, doch das gehört ganz bewusst zum Spielkonzept.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch. Nach einem Ableben zeigt die Kamera nicht immer den letzten Checkpoint an. In seltenen Fällen muss dann die gesamte Gruppe scheitern, um wieder einen Überblick über die Situation zu bekommen. Da man jedoch direkt wieder ins Geschehen geworfen wird, fällt dieses Problem kaum ins Gewicht.
Auch akustisch bleibt sich Heave Ho 2 treu. Die Soundkulisse ist genauso schräg und chaotisch wie das Spiel selbst. Seltsame Geräusche, überzeichnete Effekte und eine bewusst verrückte musikalische Untermalung transportieren den Humor des Spiels hervorragend. Allerdings dürfte dieser Stil nicht jeden Geschmack treffen.
Das ist jedoch kein großes Problem, da sich Lautstärke und Abmischung individuell anpassen lassen. Selbst in den Standardeinstellungen drängen sich Musik und Soundeffekte nie unangenehm in den Vordergrund, sondern unterstützen das Geschehen auf passende Weise.
Fazit
Mit Heave Ho 2 liefern die französischen Entwickler von Le Cartel eine konsequente Fortsetzung ihres Multiplayer Geheimtipps ab. Die vertraute Ragdoll Steuerung sorgt erneut für unzählige chaotische Momente, während kreative Levelideen, neue Mechaniken und ein kompetitiver Modus für mehr Abwechslung als im Vorgänger sorgen. Zwar steht und fällt der Spielspaß weiterhin mit der richtigen Gruppe an Mitspielern, doch wenn alle bereit sind, über das gemeinsame Scheitern zu lachen, entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Dank gelungener Präsentation, hilfreicher Komfortfunktionen und einer gelungenen Einbindung der Switch 2 Features entwickelt sich Heave Ho 2 zu einem der unterhaltsamsten Koop Titel der letzten Jahre. Wer Freunde für einen gemeinsamen Spieleabend sucht, findet hier einen hervorragenden Grund dazu.
Barrierefreiheit
Auch bei der Barrierefreiheit haben sich die Entwickler aus Frankreich einige sinnvolle Gedanken gemacht. Bereits bei der Charakterauswahl lässt sich den Figuren, wie schon im Vorgänger, ein Paar Handschuhe verpassen. Diese markieren die linke Hand blau und die rechte Hand rot. Zusätzlich sind die Buchstaben L und R aufgedruckt. Gerade in hektischen Situationen sorgt das für deutlich mehr Übersicht und hilft dabei, Verwechslungen zu vermeiden.
Damit dieses System für möglichst viele Spieler funktioniert, bietet Heave Ho 2 zudem verschiedene Optionen für Farbfehlsichtigkeiten sowie unterschiedliche Farbfilter. Darüber hinaus lässt sich die Intensität der Vibration anpassen. Da das haptische Feedback die Orientierung und Steuerung unterstützt, ist diese Einstellung durchaus sinnvoll. Abgerundet wird das Angebot durch die Möglichkeit, den Sound auf Mono umzustellen.
Die vorhandenen Optionen sind durchdacht und unterstützen die Lesbarkeit sowie die Zugänglichkeit des Spiels spürbar.D
- Geniale Koop Momente
- Kreative und abwechslungsreiche Level
- Einfaches, aber tiefes Spielprinzip
- Witzige Präsentation mit viel Charme
- Alleine nicht spielbar
- Spielspaß abhängig von Mitspielern
- Seltene Kamera-Fehler
Danke für die Bereitstellung der Review-Copy durch Devolver Digital
Reactions
1 Kommentar
Schade das man das nicht alleine spielen kann 👀
Weil das hört sich eigentlich recht lustig an 😀
Aber was ich gut finde (gerade bei einem Multiplayer-Spiel, das an Barrierefreiheit gedacht wurde um möglichst vielen den Spass zu ermöglichen 🧡