
Mina the Hollower - Nintendo Switch 2 Edition
Es gibt etliche Spiele, die punktuell nostalgische Erinnerungen wecken. Und dann gibt es Spiele, die sich anfühlen, als hätte man ein verloren geglaubtes Meisterwerk aus den 90ern ausgegraben. Eines, das damals technisch wohl kaum auf diese Weise möglich gewesen wäre. Genau dieses Kunststück gelingt Yacht Club Games mit Mina the Hollower. Wir haben das Spiel in der Nintendo Switch 2 Edition ausgiebig getestet und verraten euch, warum das Spiel eine absolute Empfehlung ist!
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Mina the Hollower - Nintendo Switch 2 Edition
NSW2
- Entwickler
- Yacht Club Games
- Publisher
- Yacht Club Games
- Konsole
- NSW2
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Goldene Gameboy-Ära trifft auf modernes Gamedesign
Nach dem weltweiten Erfolg der Shovel-Knight-Reihe beweist das prämierte Indie-Studio erneut sein außergewöhnliches Gespür für klassisches Retro-Gamedesign. Das Ergebnis ist ein düsteres, viktorianisch angehauchtes Action-Adventure, das seine Inspirationen aus den großen Zelda-Klassikern, Game-Boy-Abenteuern und Metroidvania-Elementen zieht und daraus etwas Eigenständiges erschafft.
Als Mina, eine berühmte Forscherin und Höhlerin, verschlägt es euch auf eine verfluchte Insel, die von Dunkelheit, Wahnsinn und monströsen Kreaturen heimgesucht wird. All dies geschieht, weil Mina vor Jahren gemeinsam mit Baron Lionel mit der Spark-Energie für eine technologische Revolution auf der abgelegenen Tenebrous Isle gesorgt hat, nun jedoch das Unheil seinen Lauf nimmt. Nach jahrelangem Aufschwung der Insel sind die gewaltigen Generatoren plötzlich ausfallen und die Region wird von Monstern, Chaos und Verzweiflung heimgesucht, denn sogar Bewohner sind mutiert.
Nach einem Schiffbruch erreicht ihr – natürlich nach Kampf mit einem Riesenkraken - die Insel und macht euch daran, die Ursache der Katastrophe aufzudecken. Dabei reist ihr durch Sümpfe, Krypten, Feuerareale, Küstengebiete und andere gefährliche Regionen und Dungeons müsst mit Mina die zerstörten Generatoren wieder instand setzen. Dabei begegnet ihr zahlreichen skurrilen Verbündeten, aber auch etlichen Kreaturen und mächtigen Bossen, die es in sich haben und euch nicht selten kalt erwischen werden!
Eine Insel voller Entdeckungen
Von Anfang an beeindruckt die Spielwelt durch ihre Atmosphäre. Die verschiedenen Inselregionen unterscheiden sich deutlich voneinander und bieten stetig neue visuelle sowie spielerische Reize, vor allem aber viel Raum zum Entdecken. Verfallene Dörfer, unheimliche Sümpfe, verwinkelte Ruinen oder geheimnisvolle Bereiche sorgen dafür, dass die Entdeckungsreise niemals eintönig wird.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Freiheit, die Yacht Club Games seinen Spielern gewährt. Mina the Hollower vertraut darauf, dass man selbst aufmerksam spielt. Das Karten- und Hinweissystem fällt nämlich bewusst reduziert aus und lässt sich erst im Spielverlauf aktivieren. Wer lediglich Wegmarkierungen folgen möchte, wird hier nicht gut vorankommen. Wer allerdings gerne selbst Rätsel löst, Hinweise kombiniert und versteckte Wege entdeckt, erlebt hier eine wahre Offenbarung.

Trotzdem ist Mina the Hollower alles andere als ein leichtes Spiel. Gerade zu Beginn sind wir bereits in den ersten Dungeons hängen geblieben, etliche Male in erbarmungslose Abgründe gestürzt oder haben uns von Fledermaus-Monstern eins auswischen lassen. Doch mit der Spielzeit entwickelt sich nicht nur euer Verständnis für willkommene Belohnungen und geeignete Ausrüstungsteile, sondern eben auch für erforderliches Risiko.
Das Backtracking gehört dabei bewusst zum Spielkonzept. Immer wieder führen neue Fähigkeiten oder Erkenntnisse zurück in bereits bekannte Gebiete. Anders als bei vielen modernen Titeln fühlt sich dieses Zurückkehren jedoch selten wie künstliche Spielzeitverlängerung an. Stattdessen warten oftmals Geheimgänge, Schatztruhen, neue NPCs oder wertvolle Ausrüstungsgegenstände, sogenannte Schmuckstücke, auf aufmerksame Entdecker. Beispielsweise dürft ihr mit dem explosiven Upgrade eurer Morgenstern-Waffe einzelne Blöcke zerstören, um Wege und Höhlen freizulegen. Da nicht selten Geheimnisse mit Verstand und spielerischem Geschick gefunden und aufgedeckt werden müssen, fühlen sich die meisten Entdeckungen bedeutungsvoll und befriedigend an. Die Welt steckt voller sinnvoll platzierter Belohnungen und verzichtet erfreulicherweise nahezu vollständig auf belanglose Sammelaufgaben oder künstliche Beschäftigungstherapie.
Anspruchsvolle Kämpfe und enorme Build-Vielfalt
Ein wesentliches Herzstück des Spiels bleibt das Gameplay. Mina verfügt über ein erstaunlich vielseitiges Bewegungsrepertoire. Neben klassischen Angriffen kann sie springen, ausweichen und sich durch den Boden graben, um Gegner zu umgehen, zu bekämpfen oder neue Wege zu erschließen.
Ihre ikonische Peitsche Nachtstern bildet dabei nur den Anfang. Im Verlauf des Abenteuers aktiviert ihr weitere Haupt- und Nebenwaffen, die sich nicht lediglich durch Schadenswerte unterscheiden, sondern komplett eigene Spielweisen und das Experimentieren mit dem Gameplay ermöglichen, da sie insbesondere Angriff und Verteidigung sowie Nah- und Fernkampf unterschiedlich berücksichtigen.
Zusätzlich sorgen eure Schmuckstücke für eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Diese funktionieren im Grunde wie mächtige Perks und verändern zahlreiche Aspekte eures Builds. Wer die Systeme geschickt kombiniert, kann seinen persönlichen Spielstil sehr präzise formen. Wir hatten in unserem Spieldurchlauf nach 10 Stunden erst 36 von 60 Schmuckstücken gefunden, obwohl wir den Eindruck hatten, bereits mindestens jeden 2. Stein umgedreht zu haben. Diese Art von Kreativität und Originalität, die Yacht Club Games hier an den Tag legen, ist folglich etwas Besonderes und sorgt nicht zuletzt dafür, dass ihr locker jenseits der 20 Stunden in dieses Spiel investieren könnt.
Stellt ihr fest, dass ihr euren Build verändern wollt, wechselt ihr die Waffe oder auch die Schmuckstücke in eurem Unterschlupf, dem Unterlabor. Für uns hat Build-seitig beispielsweise Folgendes gut funktioniert: Mit dem Spitzenhandschuh-Schmuckstück haben wir unser Angriffs-Level um 1 erhöht, mit dem Kettenkondensator sind Schadens-Combos und entsprechende Boosts möglich. Das Uran-Armband wiederum ermöglicht mehr Schaden zuzufügen, aber auch auszuhalten. Der Protonfunken-Perk erlaubt uns ein weiteres Leben und so gibt es etliche weitere spannende Möglichkeiten. Über Handler und Shops dürft ihr mit der Zeit die Anzahl der gleichzeitigen Schmuckstücke auf bis zu 5 erhöhen und könnt diese jederzeit wechseln.
Um Ausrüstungsgegenstände und Upgrades kaufen zu können, benötigt ihr die Spielwährung Knochen. Knochen sammelt ihr überall in der Welt, auf Wegen, unter Tage und in der Luft, vor allem aber durch das Besiegen von Gegnern. Allein dadurch müsst ihr Minas Gameplay-Repertoire regelmäßig einsetzen. Habt ihr gewisse Knochen-Mengen angehäuft, dürft ihr „Aufknochen“, Minas düster-gothische Variante des Level-Ups. So könnt ihr eure Angriffsstärke, die waffenübergreifend über die vier Hauptwaffen gilt, bis auf das Maximallevel 10 erhöhen. Daneben gibt es einen Verteidigungswert, die Angriffsstärke der Nebenwaffen und die Fähigkeit, wie viele Knochen dauerhaft in Knochenjuwelen gespeichert werden können, ohne beim Ableben verloren zu gehen.

Zudem erwähnenswert sind die optionalen Modifikatoren. Sie erlauben es, das Spielerlebnis in höchstem Maße individuell anzupassen. Mehr Lebensenergie, stärkere Gegner, zusätzliche Herausforderungen oder hilfreiche Komfortfunktionen verändern euer Spielgefühl nach euren Wünschen erheblich. Dadurch kann das fordernde Mina the Hollower sowohl zu einem beinharten Soulslike-Erlebnis als auch zu einem deutlich entspannteren Action-Abenteuer mit Roguelite- und Metroidvania-Anleihen werden.
Das Modifikatoren-System gehört damit zu den intelligentesten Zugänglichkeits-Ansätzen der letzten Jahre, weil es den Spielern die Entscheidung überlässt, wie sie das Abenteuer erleben möchten.
Bosse, Charaktere und Überraschungen
Ebenso stark präsentiert sich die Besetzung der Spielwelt. Kaum ein NPC wirkt austauschbar. Stattdessen begegnet ihr einer Mischung aus skurrilen, liebenswerten, grotesken und teilweise urkomischen Figuren, die dem Abenteuer eine ganz eigene Identität verleihen. Manche von ihnen bitten um kleine Gefallen, andere Stellen euch vor Minispiel-Herausforderungen, wiederum andere beklauen euch, sind euch freundlich oder feindlich gesonnen oder entpuppen sich plötzlich als gemeiner Mini-Boss.

Besonders diese Bosskämpfe überzeugen auf ganzer Linie. Von kleineren Zwischenbossen bis zu spektakulären Hauptgegnern liefert Yacht Club Games zahlreiche erinnerungswürdige Duelle. Die Designs bewegen sich dabei gekonnt zwischen Horror, Humor und viktorianischer Fantasie.
Hinzu kommen mehrere gelungene Story-Twists, die der Handlung zusätzliche Spannung verleihen und den Entdeckerdrang immer wieder neu befeuern. Mina selbst entwickelt sich dabei zu einer ausgesprochen sympathischen Heldin, deren Abenteuer man gerne bis zum Ende verfolgt.
Pixelkunst in Perfektion
Visuell zählt Mina the Hollower zweifellos zu den schönsten Retro-Spielen der letzten Jahre. Die Entwickler orientieren sich an der Ästhetik klassischer 8-Bit-Systeme, erweitern diese jedoch konsequent um moderne Möglichkeiten. Detaillierte Animationen, saubere Widescreen-Präsentation und beeindruckend lebendige Umgebungen sorgen dafür, dass das Spiel gleichzeitig nostalgisch und zeitgemäß wirkt.
Jeder Bildschirm wirkt so sorgfältig gestaltet und durchdacht, dass die sechsjährige Entwicklungszeit praktisch in jedem Bereich spürbar ist. Kaum ein Asset wirkt lieblos oder wiederverwertet. In Summe transportiert das Spiel dadurch die Magie klassischer Game-Boy-Abenteuer besser als nahezu jeder andere moderne Titel.
Ein Soundtrack, der direkt ins Ohr geht
Wenn Jake Kaufman beteiligt ist, sind hohe Erwartungen praktisch unvermeidlich. Glücklicherweise werden diese nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Der elektronische MSX-inspirierte Chiptune-Soundtrack gehört zu den vielen Highlights des Spiels. Jede Region erhält ihre eigene musikalische Identität, während Bosskämpfe und Schlüsselmomente von herausragenden Kompositionen begleitet werden.
Besonders über Kopfhörer oder eine gute Soundanlage entfaltet die Musik ihre volle Wirkung und verstärkt die ohnehin schon hervorragende Atmosphäre erheblich. Wenn ihr also die Chance dazu habt, solltet ihr der audio-visuellen Kunst hier wortwörtlich ihren Raum geben.
Technisch nahezu makellos
In Zeiten häufiger Day-One-Probleme wirkt Mina the Hollower fast schon erfrischend altmodisch. Während unseres Tests präsentierte sich das Abenteuer außergewöhnlich stabil und poliert. Bugs, Abstürze oder technische Aussetzer blieben praktisch aus. Die Ladezeiten sind zudem kurz, die Performance läuft konstant und die Steuerung reagiert jederzeit präzise ohne spürbare Verzögerungen.
Hinzu kommen zahlreiche Komfortfunktionen wie mehrere Speicherplätze, New Game Plus und umfangreiche Post-Game-Inhalte, die bereits zum Launch verfügbar sind. Dieser Umfang und Qualitätsanspruch ist heutzutage alles andere als selbstverständlich und wird von uns entsprechend gewürdigt.
Umfang, Wiederspielwert und Langzeitmotivation
Wer lediglich die Hauptgeschichte erleben möchte, wird bereits viele Stunden beschäftigt sein. Kompletttisten dürfen sich dagegen auf ein wahres Fest freuen. Geheimnisse, versteckte Inhalte, optionale Herausforderungen und unterschiedliche Build-Varianten sorgen dafür, dass problemlos 20 bis 30 Stunden für einen vollständigen Durchlauf auf 100% Fortschritt investiert werden können, der euch übrigens auf der Karte im Unterlabor angezeigt wird.
Dank mehrerer Speicherstände und der flexiblen Modifikatoren eignet sich das Spiel zudem hervorragend für weitere Durchgänge. Vor allem Speedrunner können die Spielzeit drastisch reduzieren, während Entdecker immer neue Details entdecken werden.
Fazit
Mina the Hollower ist weit mehr als eine Liebeserklärung an die goldene Game-Boy-Ära. Yacht Club Games erschafft hier ein Abenteuer, das klassische Tugenden mit modernem Komfort verbindet und dabei nahezu alles richtig macht. Die brillante Weltgestaltung, das fantastische Kampfsystem, die enorme spielerische Freiheit und der herausragende Soundtrack verschmelzen zu einem Erlebnis, das lange nach dem Abspann in Erinnerung bleibt. Die sechsjährige Entwicklungszeit ist dabei in jedem Pixel, jeder Melodie und jeder Spielmechanik spürbar. Entdeckung muss belohnt werden, Herausforderungen müssen motivieren und Geheimnisse müssen Neugier wecken. Yacht Club Games liefert nicht nur eines der besten Action-Adventures des Jahres ab, sondern einen neuen Indie-Klassiker. Ein zeitloses Meisterwerk, das Retro-Fans begeistert, moderne Spieler fesseln kann und eindrucksvoll beweist, dass exzellentes Gamedesign niemals altert.
- Fantastische Spielwelt voller Geheimnisse
- Außergewöhnlicher Wiederspielwert
- Umfangreiche Build- und Modifikator-Systeme
- Exzellente 8-Bit Präsentation
- Reduziertes Hinweis- und Kartensystem kann Einsteiger überfordern
- Ohne Modifikatoren stellen manche Passagen eine deutliche Herausforderung dar
- Gelegentlich intensives Backtracking erforderlich
Vielen Dank an die Firma Yacht Club Games für die Bereitstellung des Testmusters.