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FINAL FANTASY VII REBIRTH

FINAL FANTASY VII REBIRTH

Mateusz

Als Square Enix vor einigen Jahren das Remake-Projekt von Final Fantasy VII ankündigte, war schnell klar, dass es sich nicht um eine einfache Neuauflage handeln würde. Auf der Playstation One war das Spiel auf drei CDs erschienen und jetzt kommen drei einzelne Blockbuster für die heutige Konsolen-Generation! Mit Final Fantasy VII Rebirth erreicht die Neuinterpretation nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Die Reise verlässt Midgar, die Welt öffnet sich und die Geschichte nimmt endlich jene epischen Ausmaße an, die Fans des Originals seit Jahrzehnten lieben. Dass ein Spiel dieser Größenordnung nun auf der Switch 2 spielbar ist, wirkt beinahe surreal. Noch erstaunlicher ist, dass es größtenteils sogar richtig gut funktioniert.

FINAL FANTASY VII REBIRTH

NSW2

Entwickler
Square Enix
Publisher
Square Enix
Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 16

Remake, aber so viel mehr!

Final Fantasy VII Rebirth ist der zweite Teil der Neuinterpretation des legendären PlayStation-Klassikers von 1997. Das dieses Spiel jetzt auf einer Nintendo-Konsole spielbar ist, stellt einen echten Full-Circle-Moment dar. Das Original-Spiel wurde ursprünglich für das Super Nintendo und dann schnell für das N64 umprogrammiert, jedoch stellte sich schnell heraus, dass man eine stärkere Hardware brauchen würde und so wendete Squaresoft Nintendo für viele Jahre den Rücken zu. Nun erscheint Final Fantasy VII doch noch beim großen N.

Inhaltlich folgt das neue Spiel den bekannten Stationen der Originalgeschichte, erweitert diese jedoch massiv um neue Figuren, Handlungsstränge und Charaktermomente. Während die einen wahre Tiefe bringen, sind andere hingegen unnötiger, neuer Ballast.

Square Enix setzt in allen Punkten auf eine deutlich stärkere Inszenierung. Alles wirkt größer, lauter und spektakulärer. Städte sind lebendiger, Kämpfe bombastischer und Storysequenzen erreichen regelmäßig Blockbuster-Niveau.

Das führt allerdings auch zu einem interessanten Effekt: Obwohl Rebirth die Ereignisse des Originals in nahezu jeder Hinsicht übertrifft, erreicht es nicht immer dessen besondere Atmosphäre. Die ruhige Melancholie, die Einsamkeit und das geheimnisvolle Gefühl der Vorlage gehen durch die gigantische Inszenierung teilweise verloren. Rebirth ist zweifellos epischer – die einzigartige Stimmung des Originals bleibt jedoch unerreicht. Manchmal scheint weniger doch mehr zu sein, wobei das mit Sicherheit auch eine Geschmacks- und Generationsfrage sein wird.

Kampfsystem für Lernbereite

Spielerisch liefert Rebirth eines der besten Kampfsysteme, die die Reihe jemals hervorgebracht hat. Die Mischung aus Action, Gruppenmanagement und taktischen Fähigkeiten funktioniert hervorragend und entfaltet mit zunehmender Spielzeit immer mehr Tiefe. Die Synthese, Waffenverbesserungen, Charakterbäume und natürlich das legendäre Materia-System ermöglichen derart viel Individualisierung, dass jeder jRPG-Fan noch nachts wachliegen wird, um über das weitere Vorgehen zu sinnieren.

Der Einstieg ist allerdings holprig. Die ersten Stunden bombardieren den Spieler nahezu pausenlos mit Tutorials, Menüs, Mechaniken und neuen Systemen. Man kann kaum eine Taste drücken, ohne dass ein Popup-Text auftaucht. Paradoxerweise führt diese Informationsflut nicht unbedingt dazu, dass man das Kampfsystem besser versteht. Viele wichtige Zusammenhänge erschließen sich erst durch eigenes Ausprobieren. So wird einem nur selten die wahre Bedeutung der Attacken erklärt, sondern nur die reine Ausführung. Es kann also leicht passieren, dass bereits der erste Boss unbesiegbar wirkt, aber wer durchhält, wird belohnt. Ab etwa Spielstunde sechs oder sieben beginnt Rebirth sein wahres Gesicht zu zeigen. Die Story zieht spürbar an, die Charakterdynamik entwickelt sich hervorragend und die großen Momente häufen sich. Von diesem Zeitpunkt an entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Die offene Welt überzeugt insgesamt auch. Die Regionen sind abwechslungsreich gestaltet und bieten zahlreiche Aktivitäten. Das Pacing der Story wird aber immer wieder von Minigames, wie beispielsweise dem Suchen und Zähmen von Chocobos, unterbrochen, wobei das Komische ist, dass dabei niemand hektisch wirkt. Das Schicksal der Welt steht auf dem Spiel, aber bitte, lieber Spieler, scanne alle Kristalle und kämpfe gegen digitale Monster. Dies ist nun aus jRPGS und Actionadventures natürlich hinlänglich bekannt, aber Final Fantasy VII Rebirth wirkt sonst so realistisch und ernst, dass dieser Minigame Overload doch besonders auffällt.

Optisch „Wow, aber…“

Technisch ist Final Fantasy VII Rebirth auf der Switch 2 beeindruckend. Charaktermodelle, Animationen und die allgemeine Präsentation liegen deutlich über dem, was man traditionell mit einer Nintendo-Konsole verbindet. In den ersten, von Zwischensequenzen geprägten, Stunden kriegt man den Mund kaum zu und ist so stolz auf seine Hybridkonsole.

Das so viel Leistung in der Hardware steckt, hätte man kaum gedacht - Gesichter sind detailliert, Umgebungen atmosphärisch und die Inszenierung bleibt spektakulär. Allerdings erkauft sich die Switch-2-Version diese Optik mit einigen sichtbaren Kompromissen. Vor allem in den offenen Gebieten ploppen sehr viele Büsche, Felsen und Bäume permanent nach. Auch Schatten und Lichteffekte werden häufig erst in unmittelbarer Nähe sichtbar, bzw. verändern sich im Stroboskop-Takt. Selbst wer nicht darauf achtet, wird diese Effekte regelmäßig bemerken und das stört die Immersion doch ein wenig.

Trotzdem bleibt der Gesamteindruck überraschend stark. Die schiere Größe und Detailfülle der Spielwelt sorgen dafür, dass die technischen Einschränkungen meist in den Hintergrund treten und die Wow-Effekte bei weitem überwiegen. Zusammen mit der gewohnt epischen Musik entsteht echtes Final Fantasy Feeling, wie man es aus der guten alten Zeit kennt!

Etwas zwiespältig hingegen ist die deutsche Synchronisation. Auf der Plus-Seite steht, dass alle Figuren, selbst die unwichtigsten Dorfbewohner, Deutsch sprechen. Die wichtigsten Charaktere sind auch von namhaften Sprecher:innen besetzt, sodass eigentlich ein Meisterwerk zu erwarten wäre, welches zur filmreifen Präsentation passt. Der typische Anime-Style jedoch, bei dem jeder Blick und jede Bewegung mit einem Stöhnen, Keuchen oder Aufjapsen vertont wird, passt nicht immer zu dem, was im Bild passiert. Wenn sich beispielsweise die Protagonist:innen in einem Hotel ruhig unterhalten, wirkt dieser Style fehl am Platz.

Dazu kommt, dass vor allem die weiblichen Sprecher seltsam unterspannt sprechen, während ein Barett jeden Satz brüllt. Oft liegen Betonungen falsch, als wüssten die Sprecher:innen nicht, was sie da „wirklich“ sprechen. Dies fällt noch stärker bei den NPCs auf, wo man sich teilweise die alten, blau unterlegten Textbalken zurückwünscht. Zum Glück gibt es aber auch die englische und japanische Tonfassung und so dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein!

Switch-2-Performance

Jeder potenzielle Käufer wird sich fragen: wie schlägt sich das Game im portablen Modus? Hier zeigt sich die größte Schwäche der Portierung. Im Docked-Modus läuft Rebirth überwiegend solide und präsentiert sich erstaunlich stabil. Im Handheld-Modus werden die Kompromisse jedoch deutlicher sichtbarer. Texturen wirken oft matschig, entfernte Objekte verlieren sichtbar an Detail und in anspruchsvollen Szenen kommt es zu Framerate-Einbrüchen. Es ist eine deutlich weniger schillernde Präsentation und dazu kommen die bereits erwähnten Pop-ins bei Vegetation, Schatten und Beleuchtung.

Und trotzdem bleibt am Ende vor allem ein Gedanke hängen:
Es ist bemerkenswert, dass dieses Spiel überhaupt auf einer mobilen Nintendo-Konsole spielbar ist. Denn trotz aller technischen Unzulänglichkeiten bleibt Rebirth jederzeit gut spielbar. Die Einschränkungen sind zwar optisch deutlich wahrnehmbar, aber selten spielentscheidend. Vielmehr erinnern sie kontinuierlich daran, wie ambitioniert dieses Projekt für unsere Lieblings-Hardware überhaupt ist.

8.5Wertung

Fazit

Final Fantasy VII Rebirth ist auch auf der Switch 2 ein außergewöhnliches Rollenspiel. Die Präsentation im Docked-Modus ist über weite Strecken atemberaubend, jedoch muss die technische Umsetzung einige deutliche Kompromisse eingehen und gerade die offene Welt offenbart regelmäßig ihre Grenzen. Wer bereit ist, die technischen Macken zu akzeptieren, erhält ein gewaltiges Abenteuer mit großartigen Charakteren, einem tiefen Kampfsystem und einer Geschichte, die nach einigen Anlaufschwierigkeiten regelrecht explodiert. Es mag nicht die einzigartige Stimmung des Originals erreichen. Dafür liefert Rebirth eine moderne, monumentale Interpretation von Final Fantasy VII, die Fans der Reihe unbedingt erlebt haben sollten.

Design
8.0
Sound
8.0
  • Riesige Spielwelt Gewaltige Präsentation Deepes Kampfsystem
  • Aufploppende Objekte Framerateeinbrüche Handheldmodus-Performance schwächelt

Vielen Dank an die Firma Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters.

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