
LumenTale: Memories of Trey
Taschenmonster, nehmt euch in Acht – ein neuer Herausforderer betritt die Bühne. LumenTales: Memories of Trey ist der neueste Vertreter der Kreaturensammler-RPGs und will mit einer stimmungsvollen Welt, einem Kampfsystem mit Tiefgang und einer eigenen Geschichte überzeugen.

LumenTale: Memories of Trey
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Team17
- Publisher
- Team17
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Die Beehive Studios haben es sich dabei zum Ziel gesetzt, eine besondere Erfahrung zu schaffen und haben dafür spürbar viel Aufwand betrieben. Doch wie gut gelingt ihnen das wirklich? Schauen wir uns an, was uns in dieser Welt erwartet.
Ein bekanntes Spielprinzip neu erzählt?
LumenTales versucht, eine große, persönliche Geschichte rund um den Protagonisten Trey zu erzählen. Schon der Untertitel Memories of Trey macht klar, worum es geht: Seine verlorenen Erinnerungen stehen im Mittelpunkt. Trey wacht ohne jegliche Erinnerung in einer fremden Welt auf. Ein Ansatz, der nicht neu ist, aber je nach Geschmack als bewährter Klassiker oder als etwas abgenutzt empfunden werden kann.
Aufgelesen wird er vom neugierigen Jungen Ales, der bei seinem Onkel lebt – einem Wissenschaftler, der sein Leben der Erforschung der sogenannten Animon und ihrer geheimnisvollen Zwischenwelt, dem Aniraum, gewidmet hat. Die Animon sind wehrhafte, teils aggressive Kreaturen, die von den sogenannten Lumen gefangen und im Kampf eingesetzt werden. Diese Lumen genießen in der Gesellschaft großes Ansehen. Während Ales den Wesen eher misstrauisch gegenübersteht, sieht Trey schnell sein Talent im Umgang mit ihnen und wird förmlich in die Rolle eines Lumen gedrängt.
So beginnt seine Reise durch die Welt Talea, die in zwei sehr unterschiedliche Regionen unterteilt ist: das technologisch geprägte Logos im Norden und das traditionell-spirituelle Mythos im Süden. Zwischen diesen Gegensätzen entspinnt sich nach und nach eine Geschichte voller politischer Spannungen und Intrigen, während Trey immer wieder von bruchstückhaften Erinnerungen eingeholt wird.
Leider wird das Erzählerische Potenzial nicht immer ausgeschöpft. Holprige Dialoge und spürbare Lücken im Storytelling führen dazu, dass Zusammenhänge teilweise unklar bleiben und die Motivation mancher Charaktere schwer greifbar ist.

Von Monster-Fangen bis Schalterrätsel
Beehive Studios setzt bewusst auf klassische RPG-Tugenden, versucht aber gleichzeitig, dem bekannten Monster-Sammelprinzip eine eigene Note zu verleihen. Das zeigt sich nicht nur optisch, sondern vor allem in den spielerischen Details.
Im Kern dreht sich natürlich alles um das Sammeln der Animon. Diese dienen nicht nur als Kämpfer, sondern leben auch in eurem eigenen Aniraum, den ihr frei gestalten und jederzeit besuchen könnt. Mit Möbeln und Dekoration wird daraus fast schon ein kleines Zuhause für eure Begleiter. Eine nette Abwechslung zum ständigen Reisen und Kämpfen. Zum Start wählt ihr eines von fünf Animon, die jeweils eine Farbe und eine Emotion repräsentieren: von Freude über Wut bis hin zu Gelassenheit. Insgesamt warten rund 140 Kreaturen darauf, entdeckt zu werden.
Beim Einfangen habt ihr zwei Möglichkeiten: klassisch im Kampf oder direkt in der Oberwelt über ein Quicktime-Minispiel. Letzteres verlangt allerdings ziemlich schnelle Reflexe und kann frustrierend werden. Oft ist es deutlich entspannter, ein Animon im Kampf zu schwächen und es dann einzufangen. Praktisch: Mit eurem Holoken könnt ihr Gegner sogar vor Kampfbeginn angreifen und euch so einen Vorteil verschaffen.
Die Kämpfe selbst sind das Herzstück des Spiels und bieten ordentlich Tiefe. Neben Elementtypen spielen Werte wie Angriff, Verteidigung und Geschwindigkeit eine wichtige Rolle. Eure Animon steigen im Level auf, lernen neue Fähigkeiten und sammeln Punkte, die ihr frei auf Attribute verteilen könnt. Dazu kommen besondere “Zeichen”, die zusätzliche Effekte auslösen. Wie etwa Heilung oder mehr Schaden, allerdings oft mit einem kleinen Haken. Da eure Aktionspunkte begrenzt sind, müsst ihr gut überlegen, wann ihr diese einsetzt.
Ein besonderes Highlight im Kampfsystem ist der Bonusmechanismus für geschicktes Ausnutzen von Schwachpunkten. Gelingt es euch, wiederholt die elementaren Schwächen eines Gegners zu treffen, werdet ihr mit einer zusätzlichen Bonusaktion belohnt. Das sorgt nicht nur für ein angenehm dynamisches Kampftempo, sondern belohnt auch taktisches Denken und gutes Team-Setup. Wer seine Animon klug aufeinander abstimmt und die Gegner genau beobachtet, kann sich so einen entscheidenden Vorteil verschaffen und selbst knifflige Kämpfe deutlich effizienter bestreiten.
Zwischen den Kämpfen lockern kleinere Rätsel das Geschehen auf, bei denen ihr mit eurem Holoken und den Elementfähigkeiten eurer Animon eure Umgebung beeinflusst oder ein Schalter gefunden werden muss. So bleibt das Gameplay abwechslungsreich, auch wenn der Fokus klar auf dem Kampfsystem liegt.
Ein kleiner Wermutstropfen ist jedoch das Balancing: Während einige Gegner echte Herausforderungen darstellen, sind andere überraschend harmlos. Diese Schwankungen können den Spielfluss etwas aus dem Takt bringen – ändern aber nichts daran, dass das Kampfsystem insgesamt zu den stärkeren Seiten von LumenTales gehört.

Eine ganz Besondere Welt
Visuell hat LumenTales definitiv seinen eigenen Charakter. Auf den ersten Blick fühlt man sich zwar an den bekannten HD-2D-Stil moderner RPGs erinnert, doch das Spiel geht bewusst einen etwas anderen Weg. Die Welt selbst ist detailreich und stimmungsvoll gestaltet, mit schön gezeichneten Umgebungen und einer gewissen räumlichen Tiefe. Gleichzeitig sind die Charaktere bewusst in einer klaren Retro-Pixeloptik gehalten. In Dialogen wechseln sie sogar zu handgezeichneten Porträts, was dem Ganzen eine besondere, fast schon persönliche Note verleiht.
Dieser Stilmix ist ungewöhnlich und macht das Spiel optisch unverwechselbar, auch wenn er nicht jeden sofort überzeugen dürfte und anfangs etwas irritierend wirken kann. Klar ist aber: LumenTales ist ein hübsches Spiel. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und auch die Animon bringen genug Eigenständigkeit mit, selbst wenn einige Designs entfernt vertraut wirken.
Richtig stark ist vor allem die Spielwelt. Talea bietet abwechslungsreiche Orte, die vor Atmosphäre nur so strotzen und die Lust machen, jeden Winkel zu erkunden. Die Umgebungen tragen die Präsentation spürbar und schaffen es, die Reise durch das Spiel angenehm einzurahmen – sodass man auch über kleinere Schwächen in der Erzählung leichter hinwegsehen kann.
Technisch nicht makellos
Technisch zeigt sich LumenTales etwas durchwachsen. Zwar läuft das Spiel größtenteils flüssig, doch gerade beim Erkunden der Welt kommt es immer wieder zu leicht ruckeligem Scrollen, was den Spielfluss spürbar stören kann. Dazu gesellen sich zahlreiche Ladebildschirme, die oft ein kleines bisschen zu lange dauern und so immer wieder aus der Immersion reißen.

Auch die Menüs hinterlassen einen gemischten Eindruck. Zum einen kam es im Test zu kleineren Aussetzern in der Steuerung, zum anderen wirkt die Bedienung nicht immer intuitiv, etwa wenn die Steuerung bei der Auswahl eurer Animon plötzlich auf das Steuerkreuz wechselt. Hin und wieder werden sogar Texte ungünstig überdeckt. In einem besonders ärgerlichen Fall konnten wir im Kampf statt der vorgesehenen sechs nur zwei Animon einsetzen, die zudem kaum Energie hatten. Immerhin: Trotz dieser Macken bleibt das Spiel jederzeit spielbar.
Beim Soundtrack ergibt sich ein ähnliches Bild. Die meisten Stücke sind gelungen und unterstreichen Atmosphäre und Stimmung sehr effektiv. Allerdings gibt es auch einige Tracks, die sich schnell wiederholen und auf Dauer etwas nervig wirken können. Zum Glück bleiben diese Ausreißer eher die Ausnahme, sodass der Sound insgesamt dennoch solide bleibt.
Fazit
Ein frischer Herausforderer im Genre, der mit starkem Kampfsystem und eigenem Stil überzeugt. Unterm Strich muss sich LumenTales definitiv nicht verstecken. In vielen Bereichen kann es locker mit der Konkurrenz im Kreaturensammler-Genre mithalten und setzt mit seinem besonderen Stil und der interessanten Welt sogar eigene Akzente. Vor allem das durchdachte Kampfsystem gehört klar zu den größten Stärken des Spiels und steckt so manches bekannte „Taschenmonster“ spielerisch mühelos in die Tasche. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Erzählerische Schwächen und einige technische Patzer trüben den Gesamteindruck spürbar und verhindern, dass das Spiel sein volles Potenzial ausschöpft. Dennoch bleibt am Ende ein ambitionierter Titel, der viele richtig gute Ideen mitbringt und vor allem Fans des Genres einen Blick wert sein dürfte.
- Kampfsystem mit Tiefgang
- Schöne Weltgestaltung
- Interessanter Stil
- Technische Schwächen
- Lücken im Storytelling
Vielen Dank an die Firma Team17 für die Bereitstellung des Testmusters.


