
Outbound
Wer Outbound nur von Screenshots kennt, erwartet vermutlich vor allem eins: absolute Entspannung. Warmer Sonnenuntergang, Lagerfeuerromantik, ein Bus als rollendes Zuhause – klingt nach purem Wohlfühltrip. Doch trifft dieser Eindruck wirklich zu? Die Entwickler von Square Glade Games beschreiben ihr Spiel selbst als „Cosyvival“: eine Mischung aus Cozy-Experience und Survival-Abenteuer. Ein Cosy , Survival , Open World und Crafting Game in einem, das wirkt erstmal wie ein Widerspruch in sich.

Outbound
NSW2
- Genre
- Puzzlespiel
- Entwickler
- Silver Lining
- Publisher
- Silver Lining
- Konsole
- NSW2
- Spieler
- 4 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Genau diesem Spannungsfeld gehen wir auf den Grund. Wird eure Reise im Bus eurer Wahl zur gemütlichen Camping Auszeit, oder kippt sie irgendwann in einen zähen Überlebenskampf? Erwartet euch ein entschleunigtes Roadtrip Abenteuer voller kleiner Momente oder eher eine anstrengende Langstreckenfahrt mit knappen Ressourcen und harten Entscheidungen? Wir schauen uns an, wie gut Outbound diese Genres unter einen Hut bekommt und ob „Cosyvival“ am Ende mehr ist als nur ein schicker Begriff.
Ab in den Camper und einfach Los!
Eine große, ausufernde Story setzt Outbound euch nicht vor, und das muss es auch gar nicht. Im Mittelpunkt steht vielmehr dieses ganz einfache Gefühl, unterwegs sein zu wollen: losfahren, anhalten, weiterziehen. Zum Start fragt euch das Spiel daher nur, welchen der drei Camper-Vans ihr euer Zuhause auf Rädern nennen möchtet, wie das Gefährt aussehen soll und bastelt euch mit wenigen Handgriffen einen passenden Charakter dazu. Danach gibt es kein langes Vorspiel, ihr dreht den Schlüssel um und rollt im Grunde direkt los.
Damit ihr dabei nicht komplett ins Leere fahrt, streut Outbound zunächst Aufgaben ein, die euch behutsam ins Geschehen ziehen. Über Haupt- und Nebenquests werdet ihr sanft an die grundlegenden Mechaniken herangeführt, bis das Spiel euch nach kurzer Zeit die Leine lässt und ihr euch frei in der Welt bewegen könnt, ganz nach dem Motto: Hier ist euer Bus, hier ist die Straße, macht was draus.
Bei den Fahrzeugen habt ihr die Wahl zwischen drei sehr unterschiedlichen, aber bewusst klischeebeladenen Optionen: einem Modell, das stark an einen alten „Bulli“ erinnert, einem kantigen amerikanischen Van mit 80er Jahre Vibes und einem klassischen Wohnmobil, das ebenso gut aus den 70ern stammen könnte. Outbound spielt dabei gezielt mit dem Freiheitsbild, das man automatisch mit solchen Kisten verbindet, Roadtrip Romantik inklusive. Praktisch unterscheiden sich die Fahrzeuge vor allem in Tempo und Innenraumgröße, was zwar spürbar ist, auf lange Sicht aber nur geringfügig am grundlegenden Spielgefühl rüttelt.

Alles was man zum Überleben braucht
Mit eurem Van seid ihr in Outbound komplett autark unterwegs: Das Fahrzeug fährt elektrisch und lässt sich von Anfang an mit Ressourcen aus der Umgebung wieder aufladen. Drinnen gehören Bett und Werkbank selbstverständlich zur Grundausstattung und genau hier setzt der Genremix an. Während ihr gemütlich durch die Spielwelt rollt, führt euch die Reise durch vier unterschiedliche Biome: ein erstes Gebiet aus Wäldern, Hügeln und Wiesen, später folgen ein Küstenabschnitt, eine Wüste sowie eine asiatisch anmutende Bergregion, die spürbar für Abwechslung sorgen. Parallel dazu meldet sich der Survival-Anteil mit Gesundheits- und Hungerleiste sowie dem Akkustand eures Vans, sodass ihr früh auf Nahrung und Materialien achten müsst. Wirklich gefährlich wird die Gesundheitsleiste allerdings meist nur zu Fuß, etwa durch Fallschaden oder wenn man nach dem Anzünden unachtsam in eines der Lagerfeuer auf den Rastplätzen tappt. Zu entdecken gibt es dabei reichlich: Neben den Feuerstellen warten Sammelobjekte wie Gemälde, Gartenzwerge oder kleine Steintürme, insgesamt Hunderte Elemente, die zum Erkunden motivieren. Dazu kommen Sehenswürdigkeiten wie Türme, Baumhäuser oder Mühlen, die häufig mit kleinen, aber bewusst leicht gehaltenen Rätseln verknüpft sind. Und auch die Straße bleibt nicht immer frei: Umgestürzte Bäume oder eine kaputte Brücke können den Weg blockieren und wollen mit passenden Materialien und Werkzeugen repariert werden . Die nötigen Baupläne dafür ladet ihr wiederum an bestimmten Türmen herunter.
All das kann auch Online mit bis zu 4 Spielern erlebt werden.

Was Pass alles in einen Camper
Eine Werkbank allein deckt in Outbound schnell nicht mehr alles ab. Wer kochen, Zutaten verarbeiten oder Rohstoffe sinnvoll weiterveredeln will, kommt um zusätzliche Crafting Stationen nicht herum und damit stellt sich sofort die Platzfrage. Im Innenraum eures Vans ist zwar Raum für einzelne Schränke und Geräte, doch der ist knapp bemessen und fällt je nach gewähltem Fahrzeugmodell unterschiedlich aus. Das Spiel löst dieses Problem allerdings auf seine ganz eigene Art: Schon früh könnt ihr euren Van aufrüsten, ein Plateau aufs Dach bauen und dort nach und nach erweitern. Was der Titelbildschirm noch wie ein kompakter Selbstversorger Van mit Solarpanels und ein bisschen Wind Nutzung andeutet, entwickelt sich im Spiel eher zu einem Baukasten, in dem mit der Zeit regelrechte Aufbauten entstehen, die weit über die Grundfläche des Fahrzeugs hinausgehen.
Während man sich beim Platzieren der ersten größeren Elemente noch fragt, wie man so überhaupt weiterfahren soll, sorgt Outbound für eine praktische Komfortlösung: Sobald ihr euer Lager „abbaut“, zieht sich alles wie von selbst zurück und wird im Fahrzeug verstaut. Später könnt ihr sogar Möbel und Deko – etwa Stühle oder andere Einrichtungsgegenstände rund um euren Stellplatz platzieren, die beim Aufbruch ebenfalls automatisch verschwinden. Dieser großzügige Spielraum ist auch nötig, denn die Crafting Stationen sind extrem kleinteilig gedacht: An einer Station verarbeitet ihr Metall zu Muttern, an der nächsten wird daraus Wellblech und so setzt sich die Produktionskette fort. Das kann auf Dauer die Übersicht erschweren, zumal viele Stationen sich optisch stark ähneln und dadurch kaum Orientierung bieten. Zielführender wären hier kombinierte Stationen oder ein System, bei dem sich vorhandene Geräte sinnvoll weiterentwickeln und mehrere Arbeitsschritte bündeln lassen, das würde bei gleichem Grundprinzip deutlich mehr Klarheit schaffen.

in der Schönen Natur
Wer schon einmal Firewatch gespielt hat, dürfte bei Outbound sofort ein vertrautes Gefühl bekommen, zumindest optisch. Die klare, leicht vereinfachte Ästhetik wirkt nicht billig, sondern im Gegenteil: Sie verleiht der Welt eine dichte Atmosphäre, die erstaunlich gut zum Entschleunigen passt und regelrecht zum Wohlfühlen einlädt. Gleichzeitig ist die Spielwelt überall mit Dingen gefüllt, die euch beschäftigen: Beeren und Pilze landen als schnelle Verpflegung im Inventar, Holz, Stein und Metall wandern in den Vorrat für den nächsten Ausbau, und selbst Müll hat hier einen Zweck. Den könnt ihr aufsammeln und zu Tokens weiterverarbeiten, die wiederum für den Download neuer Blaupausen genutzt werden, eine clevere Idee, die das Aufräumen nebenbei belohnt.
Ein bisschen seltsam bleibt dabei allerdings die Stimmung der Welt: Überall liegen offensichtliche Spuren anderer Menschen herum, es gibt Gebäude mit Alltagsgegenständen, doch Begegnungen mit echten Personen bleiben komplett aus. Dieses stille „Wo sind eigentlich alle?“ zieht sich durch weite Teile der Reise, bis ihr später zumindest nicht mehr ganz allein seid, denn ein Hund kann euch als Begleiter Gesellschaft leisten. Und dann wäre da noch ein Detail, das fast wie ein Augenzwinkern wirkt: Die Kronkorken, die ihr in Automaten stecken könnt, um zusätzliche Blaupausen freizuschalten, erinnert an eine gewisse Endzeit Ikone. eine kleine Hommage? Es passt jedenfalls erstaunlich gut in diesen Roadtrip Survival Mix.
Tempolimit
Das Erkunden der Welt ist grundsätzlich einer der größten Motivationsfaktoren in Outbound. Mit kleinen Aufgaben und stetig verteilten Zielen versucht das Spiel, euch bei Laune zu halten und euch immer wieder in neue Richtungen zu schubsen. Gerade zu Beginn bremst es sich dabei jedoch ein Stück weit selbst aus und zwar durch seine eigenen Grenzen. Der Akku eures Vans ist schneller leer, als man anfangs erwartet, und euer Inventar ist so klein, dass ihr rasch überladen seid. Das drückt merklich auf das Tempo: Ihr seid ständig damit beschäftigt, die nächsten Ressourcen zusammenzukratzen, nicht weil es schwer wäre, sondern weil es dauernd nötig ist.
Zwar ist es meist unkompliziert, unterwegs Nahrung zu finden und auch Material zum Nachladen aufzutreiben – hin und wieder stolpert man sogar über eine Ladestation. Trotzdem fühlt sich das Gameplay in den ersten Stunden häufig nach einem Kreislauf aus „sammeln, laden, weiterfahren, wieder sammeln“ an. Diese Repetition legt Outbound zwar im Verlauf etwas ab, ganz los wird es sie aber nicht. In Kombination mit der eher gemächlichen Fahrweise eures Gefährts braucht man entsprechend eine Portion Geduld, um sich auf den entspannten Rhythmus einzulassen.
Immerhin: Da ihr sowohl Inventar als auch Van nach und nach aufrüsten könnt, relativieren sich viele dieser Startbremsen später. Die Reise wird flüssiger, ihr könnt mehr mitnehmen und seid weniger oft gezwungen, jeden zweiten Stopp nur dem Akkustand zu widmen. Einen echten Geschwindigkeitsrausch solltet ihr im Wohnmobil trotzdem nicht erwarten. Dafür macht sich der Fortschritt eher in praktischen Dingen bemerkbar, etwa wenn ihr stärkere Steigungen zuverlässiger hochkommt. Und ja: Selbst der Reifendruck will gelegentlich geprüft werden, was gut zum Roadtrip Gefühl passt, aber eben auch weiter auf Entschleunigung setzt.
Technisch läuft Outbound allerdings nicht immer rund. So stimmig die Optik und das Gesamtbild auch ausfallen können, sind Pop-ins und Texturfehler leider keine Ausnahme. Das reißt zwar nicht permanent aus der Atmosphäre, fällt aber häufig genug auf, um den Eindruck zu hinterlassen, dass das Spiel stellenweise noch mit angezogener Handbremse unterwegs ist.
Passt der mix aus Cosy und Survival?
Unterm Strich ist Outbound vor allem eines: eine gemütliche Spielerfahrung. Wirklich bedrohlich wird es in dieser Welt kaum, ernsthafte Gefahrenquellen gibt es praktisch nicht. Eure Lebensleiste gerät meist nur dann in Bewegung, wenn ihr euch ungeschickt anstellt: etwa, weil ihr irgendwo herunterfallt oder in ein Feuer tappt. Und selbst wenn eure Nahrungsleiste einmal auf null sinkt, bleiben die Konsequenzen überschaubar. Der Schaden fällt gering aus, ihr werdet ohne nennenswerte Verluste wieder in der Welt abgesetzt und könnt eure Reise fast nahtlos fortsetzen. Gerade dadurch entsteht eine angenehme „Fehler sind erlaubt“-Stimmung, die perfekt zum Cozy Ansatz passt, während die Survival Elemente trotzdem genug Struktur liefern, um das Geschehen nicht belanglos werden zu lassen und dem Roadtrip einen kleinen, motivierenden Druck im Hintergrund zu geben.
Fazit
Outbound ist aussergewöhnlich und hebt sich spürbar von anderen Titeln abhebt. Ein entschleunigtes Survival Game sieht man nicht alle Tage. Genau das macht den Reiz aus. Dieses besondere Gameplay ist dabei sicher nicht für jedermann gemacht, trotzdem hat man überraschend schnell Lust, sich darauf einzulassen. Bringt ihr Geduld für den etwas trägen Einstieg mit und könnt mit einem stellenweise repetitiven Ablauf umgehen, nimmt Outbound euch mit auf eine interessante Reise, die sich mit der Zeit immer weiter öffnet und euch mehr Freiraum gibt Technisch allerdings hinter Ihren Möglichkeiten bleibt.
- Unverbrauchtes Camper-Setting
- Schneller Einstieg
- Van-Ausbaumöglichkeiten
- Schöne Spielwelt
- Grafikschwächen
- Repetitives Gameplay
- Sehr Träger Einstieg
Vielen Dank an die Firma Silver Lining für die Bereitstellung des Testmusters.


