
Mouse: P.I. For Hire
Was passiert, wenn man einen verbitterten Kriegsveteranen in eine Stadt wirft, die vor Korruption trieft und das Ganze im Stil von 1930er-Jahre-Cartoons serviert? Man erhält Mouse: P.I. For Hire. Wir haben uns für euch durch die verrauchten Hinterhöfe von Mouseburg geballert und klären, warum dieser Shooter weit mehr ist als nur eine grafische Spielerei.

Mouse: P.I. For Hire
NSW2
- Genre
- Ego-Shooter
- Entwickler
- PlaySide
- Publisher
- PlaySide
- Konsole
- NSW2
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 16
Dreckig, witzig und ganz viel Käse: Willkommen in Mouseburg
Zwischen Käse und handfester Detektiv-Arbeit
Der Star der Show ist Jack Pepper. Er ist der Prototyp des Noir-Detektivs: Kriegsveteran, chronisch pleite und eine Maus, die es mit dem Gesetz nicht immer ganz genau nimmt. Schauplatz ist Mouseburg, eine fiktive Metropole, die das New York der 30er Jahre einfängt - inklusive der allgegenwärtigen Korruption.
Die Story bedient sich bei klassischen Detektiv-Tropes. Wir nutzen ein Wandbrett, um Hinweise mit roten Fäden zu verknüpfen und treffen natürlich auf die unverzichtbare Femme Fatale, die unsere Hilfe benötigt. Was das Ganze jedoch einzigartig macht, ist der Humor: Die Dialoge triefen nur so vor Wortwitz rund um Käse, Ratten und Mäuse. Es ist diese skurrile Mischung aus Sin City-Härte und Sam & Max-Witz, die einen immer wieder schmunzeln lässt.
Spannendes Detail: Um das Erlebnis noch mehr in die 30er Jahre zu katapultieren, besteht in den Einstellungen die Möglichkeit u.a. Den Filmkorn-Effekt und die Diffusion zu regulieren, so dass das Bild noch älter wirkt. Auch beim Sound besteht die Möglichkeit diesen zu „verschlechtern“ in dem wir, abseits der Standardeinstellung, zwischen Vinyl, Zellulose, schwarzen Zelluloidzylinder und Wachszylinder zu wählen.
Ein spielbarer 30er-Jahre-Zeichentrickfilm
Die visuelle Präsentation ist zweifellos das Herzstück des Spiels und hebt den Begriff "spielbarer Cartoon" auf eine neue Stufe. Der handgezeichnete Rubber-Hose-Artstyle (bekannt aus den frühen Disney-Produktionen, Popeye oder Fritz the Cat) wurde hier meisterhaft in eine düstere 3D-Noir-Welt übersetzt. Alles wirkt handgezeichnet, überdreht und unfassbar lebendig.

Ein Blick auf Jacks Arsenal offenbart die runden Animationen: Wenn Jacks behandschuhte Hand eine der Terpentin-Dosen holt, positioniert und für den Einsatz vorbereitet, sehen wir nicht nur eine Dose, sondern eine hochfrequente, handgezeichnete Animationssequenz. Jede Waffe verfügt über eine flüssige Animation, die visuelle Trägheit und Antizipationsbewegungen einfängt und nahtlos in die 3D-Umgebung integriert ist. Selbst das HUD lebt: Das Herz-Icon, das Jacks Lebensenergie anzeigt, wackelt leicht, und sein Kopf-Icon blickt uns mit einem leicht wackelnden Effekt an. Gegner explodieren in cartoonhafter Übertreibung, verbrennen zu kleinen Aschehäufchen mit blinzelnden Augen oder bekommen riesige Beulen auf den Kopf gehämmert.

Zwischen Büro, Kneipe und Zeppelin: Die Spielwelt
Die Struktur von Mouse ist angenehm klassisch. Das Spiel ist weitestgehend linear in Schlauchlevels aufgebaut, bietet aber eine Oberweltkarte, auf der man gelegentlich die Wahl hat, welchen Ort man zuerst besucht.
Ausgangspunkt ist das Viertel, in dem Jack Pepper lebt. Zwischen den Missionen kehren wir dorthin zurück, besuchen unser Büro oder entspannen in der Kneipe bei einer Runde des integrierten Baseball-Kartenspiels. Wer Ausrüstung braucht, schaut im Laden vorbei und in einer Hinterhofwerkstatt können wir an unseren Waffen basteln. Die Level selbst sind abwechslungsreich: Wir ballern uns durch einen Zeppelin, ein Theater, geheime Labore, düstere Polizeireviere und sogar eine Spuk-Villa. Überall gibt es Sammelobjekte und geheime Verstecke zu entdecken. Das Gesamt Design lädt dazu ein, dass man Räume oft ein zweites Mal durchläuft, nur um die Umgebung zu bestaunen. Manchmal kommt man sich vor wie in einem Point & Click Adventure, weil es so viel zu entdecken gibt.

Ein bunter Blumenstrauß an Arsenal
Spielerisch bietet Jack Pepper ordentlich Wumms. Insgesamt 11 verschiedene Waffen stehen zur Verfügung. Neben Klassikern wie der Tommy-Gun oder der Schrotflinte gibt es abgedrehte Waffen wie den Lacklöser, der Terpentinkugeln verschießt und so den Gegnern das Fell von der Haut löst. Durch Upgrades erhalten Waffen zudem alternative Feuermodi.
Super ins Bild passen auch die Power-Ups, die den Cartoon-Flair spielerisch perfekt einfangen: Wenn Jack eine Dose Spinat futtert (eine herrliche Verbeugung vor Popeye), teilt er im Nahkampf massiv aus. Feurige Chilischoten machen ihn rasend schnell und noch stärker, während eine dampfende Tasse Kaffee (Cuphead lässt grüßen!) für den nötigen Schub und Fingerpistolen sorgt. Und wenn die Lebensenergie mal zur Neige geht? Dann heilt sich ein echter Maus-Detektiv natürlich stilecht mit einem guten Stück Käse.
Die Standardgegner sind leider etwas repetitiv. Obwohl sie taktisch agieren (Schützen oben, Schläger stürmen vor), können sie mit Jacks vielfältigen Fähigkeiten kaum mithalten. Die größere, spielerische Herausforderung sind jedoch die Bosskämpfe. Hier zieht der Schwierigkeitsgrad ordentlich an: Die Angriffsmuster sind komplex, und man muss wirklich das gesamte Arsenal nutzen, um als Sieger hervorzugehen.
Treibender Jazz und rauchige Stimmen
Nicht nur die Augen, auch die Ohren werden in Mouseburg verwöhnt. Ein wunderschöner, treibender Jazz-Soundtrack zieht sich durch das gesamte Spiel und fängt die verruchte, neblige 30er-Jahre-Atmosphäre ein. Gekrönt wird die Soundkulisse von einer stimmigen, englischen Synchronisation. Jack Pepper klingt genauso knurrig, zynisch und abgebrüht, wie man sich einen hartgesottenen Cartoon-Detektiv vorstellt. Die guten Sprecher tragen maßgeblich dazu bei, dass der absurde Käse-Wortwitz in den Dialogen auch wirklich zündet.
Fazit
Mouse: P.I. For Hire ist ein mausestarkes Fest. Der Kontrast zwischen dem charmanten 2D-Look der Spielfiguren und der dreckigen Noir-Welt von Mouseburg funktioniert hervorragend. Trotz kleinerer Schwächen beim Gegner-Balancing und dem linearen Level-Design fesselt das Spiel durch seinen immensen Wortwitz, das tolle Artdesign und die abwechslungsreichen Schauplätze. Wer Shooter und den Charme alter Cartoons liebt, kommt an Jack Pepper nicht vorbei. Hut ab, an das polnische Entwicklerstudio Fumi Games!
- Toller Rubber-Hose-Artstyle
- schönen und flüssigen Animationen
- dichte Noir-Atmosphäre und genialer Wortwitz
- Abwechslungsreiches Level-Design
- Fähigkeiten und Power-Ups runden Gameplay ab
- Gegner auf Dauer repetitiv
- Sehr lineare Schlauch-Level
- Spieler ist oft zu übermächtig
Vielen Dank an die Firma PlaySide für die Bereitstellung des Testmusters.


