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Legacy of Kain: Ascendance

Legacy of Kain: Ascendance

Philipp

Über 20 Jahre lang lag das Vampir-Epos im tiefen Schlaf, nun ist es endlich erwacht: Mit Legacy of Kain: Ascendance bringt Crystal Dynamics (zusammen mit dem Indie-Studio Bit Bot Media) eine verdammt beliebte Dark-Fantasy-Reihe der Spielegeschichte zurück. Doch statt eines bombastischen 3D-Abenteuers erwartet uns ein 2D-Action-Plattformer im Retro-Gewand. Ob der Sprung in die zweite Dimension gelingt oder Nosgoth lieber ein Mythos geblieben wäre, haben wir für euch getestet.

Legacy of Kain: Ascendance

NSW2

Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 18

Nach den Remastern von Soul Reaver 1 & 2 war die Vorfreude der Fans auf ein völlig neues Kapitel riesig. Am 31. März 2026 war es dann so weit: Ascendance erschien für alle aktuellen Konsolen sowie den PC. Anstatt das Rad der Zeit jedoch einfach weiterzudrehen, wirft uns das Spiel erzählerisch weit zurück und möchte Lücken in der komplexen Lore der Serie schließen.

Drei Blutsauger, ein Schicksal

Die Legacy of Kain-Reihe war schon immer bekannt für ihre hochkomplexen Storys rund um tragische Figuren, politische Machtkämpfe und verschachtelte Reisen durch die Zeit. Ascendance versucht genau diese Essenz einzufangen, stolpert dabei aber gerade zu Beginn über die eigenen Ambitionen. Das Spiel wirkt anfangs völlig überladen. Wer nicht bereits tief in der Lore von Nosgoth steckt, wird von der schieren Masse an Informationen und Eigennamen, die sofort auf einen einprasseln, regelrecht überrumpelt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Charaktere erzählerisch kaum eingeführt werden. Sie sind einfach da. Da unsere letzte Erfahrung mit zur Reihe mit Soul Rever aus der PS1 etliche Jahre zurückliegt, fiel es uns beim Test sehr schwer, einen Anknüpfungspunkt zu finden, um die tiefgreifenden Motivationen und Hintergründe der Figuren zu verstehen. Zeitlich ordnet sich Ascendance noch vor den Ereignissen des allerersten Soul Reaver-Titels ein. In den verschiedenen Kapiteln wechselt stetig die Perspektive zwischen drei Protagonisten: Dem mächtigen Vampirfürsten Kain, Raziel (in seiner Zeit als Sarafan-Ritter und erster Vampir-Form) und einem prominenten Neuzugang: Elaleth, Raziels Schwester. Als neu eingeführte zentrale Figur bietet sie, zusammen mit den beiden Serien-Veteranen, völlig neue Blickwinkel auf das Geschehen. Die Story-Dichte ist nach der holprigen Eingewöhnung zwar gut und fängt die Shakespeare-artige Melancholie der alten Spiele perfekt ein, setzt aber eben ein massives Vorwissen voraus.

Klobiges 2D-Gemetzel

Während die Geschichte für Kenner irgendwann brilliert, fällt das Spiel auf dem Platz leider völlig in sich zusammen. Zwar unterscheiden sich die drei Protagonisten Kain, Raziel und Elaleth spürbar in ihren Kampfstilen und Grundfähigkeiten, doch mangelt es allen an spielerischer Variabilität. Es gibt keine freischaltbaren Fähigkeiten und keine komplexen Kombinationen. Man hämmert im Grunde nur auf den Standardangriff, was die Kämpfe monoton macht. Ein Lichtblick sind hier immerhin die Bosskämpfe, die zumindest für einen kurzen Moment ein wenig mehr Herausforderung bieten können.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Balancing der Schwierigkeitsgrade. Capcom und Bit Bot Media haben hier kein gesundes Mittelmaß gefunden. Hier als Beispiel die ersten drei Schwierigkeitsstufen:

-Modus „Geschichte“:

Fungiert faktisch als Unverwundbarkeits-Cheat. Abseits der unpräzisen Sprungpassagen gibt es hier keinerlei Herausforderung.

-Modus „Leicht“:

Hier erleidet man minimalen Schaden, was das Spielgefühl jedoch kaum anspruchsvoller macht.

-Modus „Normal“:

Hier zeigt das Spiel sein wahres, teils frustrierendes Gesicht. Als Vampir sinkt die Energieanzeige stetig und muss permanent durch das Blut besiegter Gegner aufgefüllt werden. Wer hier nicht schnell genug tötet, segnet das Zeitliche, und zwar ständig und schnell.

Das führt uns zum Speichersystem: Die Checkpoints sind nur aktiv, solange man die aktuelle Spielsitzung nicht beendet. Wer das Spiel ausschaltet, muss beim nächsten Start am Anfang des Kapitels beginnen. Aufgrund der überschaubaren Kapitellänge ist das zwar verschmerzbar, wirkt aber dennoch wie ein unnötiges Relikt aus alten Zeiten.

Langeweile hinter mürben Mauern

Auch Entdecker kommen in Ascendance nicht auf ihre Kosten. Zwar gibt es versteckte Schriftrollen, welche die ohnehin starke Lore weiter vertiefen, doch die Suche danach ist schlichtweg langweilig. Es läuft immer auf das gleiche Muster hinaus: Entweder man zerschlägt eine Kiste, die verdächtig in der Ecke steht, oder man achtet auf ein Funkeln an der Wand, die man dann ebenfalls einreißt. Das ist repetitives Gamedesign par excellence und bietet keinerlei Befriedigung.

Die Steuerung bleibt zudem das größte Hindernis. Sie fühlt sich klobig und unpräzise an, was gerade in den vertikalen Passagen zu frustrierendem Trial & Error führt. Man stürzt viel zu oft unverschuldet in den Tod, nur um dann wegen des harten „Normal“-Modus oder der Sitzungs-gebundenen Checkpoints erneut durch die immer gleichen, simplen Level zu laufen.

Interessant ist, dass das ein oder andere Level durchaus mit klugen und interessanten Ideen aufwarten kann. So ist eine Passage komplett in schwarz & weiß gehalten und es gibt eine schön inszenierte Verfolgungsjagd auf Pferden. Hier sieht man, wieviel Potential in den anderen Levelabschnitten verschenkt wurde.

Ein wilder Stil-Mix

Optisch geht das Spiel von Entwickler Bit Bot Media einen sehr eigenwilligen, aber interessanten Weg. Das eigentliche Gameplay findet in detaillierter 2D-Pixel-Art statt. Die Charakter-Dialoge werden von gezeichneten Artworks begleitet, während die Story-Zwischensequenzen überraschenderweise in einer charmanten, polygonarmen "PS1-Ära"-Grafik präsentiert werden. Hoffentlich eine bewusste Verbeugung vor den Wurzeln der Serie und keine Sparmaßnahme.

Das Highlight des Spiels ist jedoch die Akustik. Dem Studio ist es tatsächlich gelungen, die ikonischen Original-Synchronsprecher (allen voran Michael Bell als Raziel und Simon Templeman als Kain) wieder ins Tonstudio zu holen. Ihre theatralischen, tiefgründigen Monologe sorgen sofort für Gänsehaut. Der treibende Industrial-Soundtrack von Celldweller untermalt die düstere Atmosphäre perfekt, kann die spielerische Monotonie auf Dauer aber leider nicht gänzlich übertönen.

6.0Wertung

Fazit

Legacy of Kain: Ascendance ist ein extrem zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite liefert es genau das, was Fans seit über 20 Jahren fordern: eine Erweiterung der Lore, geniale Dialoge, einen super Soundtrack und die Rückkehr der grandiosen Originalsprecher. Auf der anderen Seite steht ein 2D-Plattformer, dessen Gameplay fast schon an eine Pflichtaufgabe grenzt. Die klobige Steuerung, das Trial-&-Error-Plattforming, die nicht vorhandene Progression und die repetitiven Kämpfe bremsen den Spielspaß massiv aus. Wer die Story von Nosgoth liebt, muss sich hier regelrecht durchs Gameplay beißen, um die nächste Zwischensequenz zu erreichen. Für Die-Hard-Fans der Handlung ein Muss, für reine Action-Platformer-Fans eher eine Enttäuschung.

Design
7.0
Sound
9.0
  • Starke Lore und Dialoge
  • Die Original-Synchronsprecher sind wieder am start
  • Super Soundtrack
  • Charmanter Grafik-Mix
  • Klobige und unpräzise Steuerung
  • Schlechte ausbalancierte Schwierigkeitsgrade
  • Sich dauernd wiederholende Kämpfe
  • Größtenteils langweiliges Leveldesign

Vielen Dank an die Firma Crystal Dynamics für die Bereitstellung des Testmusters.

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