Zum Inhalt springen
PRAGMATA

PRAGMATA

Ulrich

Capcom bringt nach Resident Evil: Requiem und Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection den nächsten AAA-Titel ins Rennen und die Erwartungen sind traditionell hoch. Mit PRAGMATA liefert das Studio wohl einen der ungewöhnlichsten Titel ab. Wir würden sagen: Ein Sci-Fi-Abenteuer mit eigenem Charme. Wie uns der Titel gefallen hat, erfahrt ihr hier in unserem Test.

PRAGMATA

NSW2

Entwickler
Capcom
Publisher
Capcom
Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Eine Reise zum Mond

Die Geschichte beginnt damit, dass ihr und eure Crew einen Notruf erhaltet. Dieser kommt von einer hochmodernen Forschungsstation am Mond. Die Anlage gehört zu einem Konzern, der mit einer neuartigen Technologie experimentiert, die so gut wie alles erschaffen kann. Es handelt sich quasi um einen sehr modernen 3D-Drucker im großen Stil. Von einfach Gegenständen, bis hin zu komplexen Androiden und Raumstationen ist alles möglich. Während der Untersuchung auf dem Mond läuft plötzlich alles schief.

Euer Charakter Hugh Williams wird während des Einsatzes von seiner Einheit getrennt. Etwas stimmt gewaltig nicht! Die gesamte Anlage wirkt verlassen und überall befinden sich feindliche Maschinen, die jeden Eindringling angreifen.

Das „Mädchen“ Diana

Gleich zu Beginn rettet euch ein ungewöhnliches Mädchen. Schon bald stellt sich heraus, dass sie kein gewöhnlicher Mensch ist, sondern ein hochentwickelter Android mit eigenem Bewusstsein. Da der Name etwas schwer zu merken ist, gebt ihr dem Girli-Bot den Namen Diana. Sie verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten, besonders jene, Systeme und Maschinen zu hacken.

Obwohl euer Charakter mit Kindern nicht wirklich etwas anfangen kann, entsteht eine Zweckgemeinschaft: Diana schwächt Gegner, während Hugh sie bekämpft. Nach und nach schließt ihr aber das Mädchen mehr und mehr ins Herz. Während eures Abenteuers bekommt ihr immer mehr Hinweise darauf, was wirklich in der Forschungsstation passiert ist und was es mit einer außer Kontrolle geratenen KI zu tun hat.

Die Story bietet keine großen Wendungen, vor allem steht der emotionale Moment zwischen Hugh und Diana im Vordergrund. Eine Geschichte, die lange in Erinnerung bleibt.

Der Schutzraum

Ziemlich zu Beginn entdeckt ihr den „Schutzraum“, welcher sich als zentraler Rückzugsort und strukturelles Herzstück des Spiels herausstellt. Dort könnt ihr euch vor gegnerischen Angriffen schützen, Verbesserungen durchführen, weitere Fähigkeiten freischalten und eure Ausstattung verbessern. Via amiibos könnt ihr noch zusätzliche Waffen und Objekte erhalten.

Am Terminal ist es möglich, gesammelte Lunafilamente zu verwenden, um Waffen- und Hacking-Knotenpunkte zu verbessern. Vom Schutzraum aus geht es in die verschiedensten Areale, die ihr nach und nach freischaltet, indem ihr beispielsweise die Stromzufuhr wieder herstellt. Um zu Haltestellen in anderen Sektoren zu reisen, müsst ihr in die Mondbahn einsteigen. Davor ist es noch möglich, eure Ausrüstung zu organisieren.

Auch gibt es im Schutzraum kleinere Systeme wie den „Cabin Stempelklub“. Bei diesem kleinen Roboter könnt ihr via Cabin-Münzen weitere Dinge freischalten. Außerdem gibt es sammelbare Items in den Arealen, welche die Bindung zu Diana stärken, indem ihr damit Dinge im 3D-Druck drucken könnt (wie Spielzeug). Der Schutzraum ist mit einem Levelsystem ausgestattet. Findet ihr einen Lizenzschlüssel, erhöht sich die Stufe und zusätzliche Funktionen werden freigeschaltet.

Innovatives Kampfsystem

Der größte Trumpf von Pragmate ist sicherlich das geniale und innovative Gameplay. Statt klassischem Sci-Fi-Shooter setzt das Spiel auf eine clevere Kombination aus Action und Puzzle-Elementen, was wiederum ausgezeichnet funktioniert. Wenn ihr auf Roboter schießt, sind diese nahezu unverwundbar. Erst durch Dianas Hack-Fähigkeiten wird die Verteidigung der Bots durchbrochen.

Das Spannende daran ist, dass das Hacken gleichzeitig mit dem normalen Gameplay passiert. Sprich ihr müsst Hugh und Diana steuern, Gegnern ausweichen und gleichzeitig versuchen die Einheit zu hacken. Dies funktioniert über ein Grid-System, bei dem ihr über die Buttons in Echtzeit einen Pfad bis zum grünen .exe-Zielknotenpunkt verfolgen müsst. Dabei werden verschiedene Knoten deaktiviert. Diese lösen zusätzliche Effekte aus. Das Deaktivieren mehrerer blauer Knotenpunkte verbessert beispielsweise das Hacken, der Schaden wird erhöht und Gegner bleiben länger ungeschützt. Gelbe Hacking-Knotenpunkte lösen besondere Effekte aus. So ist es möglich, dass Gegner einfrieren oder sich gegenseitig angreifen. Gerade die Gleichzeitigkeit ist zu Beginn vielleicht etwas anspruchsvoll, aber auf der anderen Seite enorm befriedigend. Den Dreh hat man schnell heraus und so entstehen spannende und dynamische Gefechte, die Abwechslung, in der sonst shooterlastigen Sci-Fi-Umgebung bieten. Neue Gegnertypen und Erweiterungen sorgen dafür, dass das Gameplay nicht zu langweilig oder monoton wird.

Viel Ausrüstung & Upgrades

Wie bereits erwähnt, gibt es neben besagter Kernmechanik noch genug Tiefe, die für Abwechslung sorgt. Überall sind Items in und außerhalb von Kisten zu entdecken, wie Komponenten, die im Schutzraum zur Verbesserung von Waffen und Fähigkeiten genutzt werden können. Eine Scan-Funktion erleichtert euch etwas die Suche und analysiert die Umgebung.

Auch erwartet euch ein vielseitiges Waffenarsenal bis hin zu taktischen Einheiten. Dabei handelt es sich um eine Waffenklasse, die beispielsweise Stasis oder andere Effekte verursacht, um Gegner so auszubremsen, dass sie leichter zu hacken sind. Ein Beispiel dafür wäre der „Stase-Netz“-Blaster, der ein elektromagnetisches Feld ausdehnt und Konkurrenten in dessen Radius für eine kurze Zeit bewegungsunfähig macht. Daneben gibt es noch Angriffseinheiten (zB der Stoßwelle-Blaster). Das sind Hochleistungswaffen, die darauf spezialisiert sind, den Androiden schwere Schäden zuzufügen und zum Taumeln zu bringen. Hat ihr das geschafft, könnt ihr via ZR einen kritischen Treffer starten. Es kommt zu einem Folgeangriff, der dem Gegner in der Nähe mächtig viel Energie kostet.

Einen besonderen Move hat noch Diana parat. Wenn die runde Hacking-Anzeige voll ist, könnt ihr mit beiden Sticks (L+R) Dianas Overdrive Protokoll aktivieren. Diese deaktiviert vollständig die Panzerung der gegnerischen Einheit, macht sie kurz bewegungsunfähig und verursacht Schaden. Diese Anzeige füllt sich durch das Hacking.

Wird es einmal brenzlig, so könnt ihr mit Reparaturkartuschen die Integrität eures Anzuges wieder für ein paar Prozent herstellen (auch upgradebar). Vorausgesetzt ist natürlich, ihr habt welche dabei. Ansonsten sind auch immer wieder Rettungsluken verteilt. Dabei handelt es sich um Notausgänge, die euch abseits vom Mondzug eine Reise zum Schutzraum ermöglichen und quasi als Schnellreisepunkt fungieren. Dabei solltet ihr aber beachten, dass besiegte Gegner wieder erscheinen, wenn ihr die Reise zurück antretet.

Großartige Atmosphäre

Optisch hat sich PRAGMATA gar nichts vorzuwerfen. Es sieht einfach großartig aus. Wenn ihr das erste Mal die Basis verlasst und in die Weite des Alls und auf die Erde blickt, kommt euch für Switchverhältnisse schon mal ein breiter Grinser auf die Lippen. Euch erwarten künstlich geschaffene Naturareale, bis hin zu Produktionsanlagen. Die Spielwelt wirkt durchdacht und wird durch Logeinträge und Details weiter vertieft.

Der Titel imponiert durchaus auf der Nintendo Switch 2 und der Unterschied, beispielsweise zur PS5-Verson, ist gar nicht mal so groß. Die Performance bleibt meist stabil bei 60 fps, selbst in komplexen Kampfsituationen. Im Handheld-Modus profitiert der Titel von einer klaren, kontrastreichen Darstellung, was das Bild fast noch schöner erscheinen lässt als am TV. Gelegentliche Framerate Einbrüche können vorkommen, halten sich aber in Grenzen.

Ebenso akustisch macht PRAGMATA einen starken Eindruck. Der Soundtrack und die Effekte tragen viel zur dichten Atmosphäre bei. Die Musik hält sich bewusst oft im Hintergrund und passt sich perfekt zum Geschehen am Bildschirm an. Der Titel lebt von den Effekten wie dem Surren von Geräten, den metallischen Echos der Roboter oder den Hackgeräuschen. Positiv hervorzuheben ist, dass es eine deutsche Synchronisation gibt. Die Sprecher liefern eine glaubwürdige Leistung ab und die Chemie, vor allem zwischen Hugh und Diana stimmt.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

PRAGMATA bringt frischen Wind ins Sci-Fi-Genre. Es zeigt, dass selbst altbackene Weltraumshooter mit neuen Ideen ihr Potenzial erweitern können. Bekannte Mechaniken werden durch spannendes Echtzeit-Hacking ergänzt. Das funktioniert tadellos und macht großen Spaß. Die Geschichte ist zwar nicht auf Nobelpreisniveau, aber die starke Dynamik zwischen den beiden Hauptcharakteren und das innovative Gameplay tragen mühelos zu einem großartigen Spielerlebnis bei. Ein mutiger Schritt von Capcom, der sich gelohnt hat. Ihr solltet auf alle Fälle ein, wenn nicht beide Augen auf diesen Titel werfen.

Design
8.5
Sound
9.0
  • Innovatives Kampfsystem (Gameplay)
  • Solide Performance
  • Deutsche Synchro und toller Sound
  • Hoher Wiederspielwert – viel Sammelbares
  • Story etwas vorhersehbar
  • Gelegentliche Framerateeinbrüche
  • Blasse Nebencharaktere
  • Einige frustrierende Bosskämpfe

Vielen Dank an die Firma CAPCOM für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!