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Kena: Bridge of Spirits

Kena: Bridge of Spirits

Maik

Kena: Bridge of Spirits war das erste und zugleich ambitionierte Videospiel des Entwicklers Ember Lab, der zuvor im Umfeld von Animationsfilmen Erfahrungen sammelte. Ob das 2021 für die Playstation erschienene Debüt, für welches mittlerweile ein Nachfolger angekündigt wurde, auch auf der Nintendo Switch 2 überzeugen kann, erfahrt ihr in diesem Test.

Kena: Bridge of Spirits

NSW2

Entwickler
Ember Lab
Publisher
Ember Lab
Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Abenteuer einer jungen Geisterführerin

Kena: Bridge of Spirits erzählt die Geschichte der jungen Kena. Sie entstammt einer traditionsreichen Familie von Geisterführern, deren Aufgabe es ist, verlorenen und verwirrten Seelen den Übergang ins Jenseits zu erleichtern und sie dabei zu begleiten. Um dieses Ziel zu erreichen, ist meist ein Konflikt der Charaktere im Diesseits zu lösen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Kenas Heimat, das beschauliche Bergdorf, von einer mysteriösen Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Überall in der Welt wuchern giftige Gewächse, bösartige Kreaturen treiben ihr Unwesen und die Orte sind verwaist. So macht sie sich auf den Weg, dem ganzen auf den Grund zu gehen und gleichzeitig einigen Seelen ihren Frieden zu schenken.

Rott – Kenas wuschelige Begleiter

Ihr macht euch auf den Weg, ausgerüstet mit einem magischen Stab, der einen Kristall in sich birgt und schon wenig später diverse Waldkreaturen das Fürchten lehren wird. Ihr interagiert mit der Natur und findet kurzerhand eure ersten Rotts, mit deren Hilfe ihr die modernden Giftgewächse beseitigen könnt. Diese sind kleine, magische Fellknäule, die euch nicht nur im Kampf unterstützen, sobald sie sich durch euren Eifer ermutigt fühlen, sondern auch bei der Bewältigung von Rätseln zur Seite stehen. Sie öffnen Truhen, verputzen Früchte, wo sie sie finden und sorgen für Ordnung. An manchen Stellen könnt ihr sie zudem Steuern, um Geheimnisse und Wege freizulegen, dafür fügt ich sie zu einem Schwarm zusammen.

Leider ist die Steuerung bei diesen Sequenzen über den rechten Stick vorgesehen, während ihr Kena mit dem Linken Analogstick steuert und die Kamera damit tendenziell etwas zu überfordert ist. Doch letztlich zählt das Ergebnis, denn je mehr gute Taten ihr in der Welt, etwa durch das Aufstellen von Statuen und für eure niedlichen Begleiter verrichtet, desto mehr Karma sammelt ihr.

Karma ist wiederum die Ingame-Währung, die euch Upgrades ermöglicht. Aktiviert ihr das Spielmenü per – Taste, könnt ihr nämlich eure Ausrüstung und Kampffähigkeiten weiterentwickeln. Hier steht euch ein überschaubar differenzierter Skilltree zur Verfügung. Je nach Story-Fortschritt verfügt ihr neben dem Kristallstab über eine Bogen-Fähigkeit und eine Bombe. Habt ihr das nötige Level erreicht und genug Karma in der Tasche, aktiviert ihr die erweiterten Fähigkeiten. Diese sind zum Beispiel ein Spurt-Angriff mit dem Stab, eine Zeitverlangsamung beim Bogen oder ein größerer Köcher.

Außerdem dürft ihr durch gefundene Zauber dauerhafte Effekte wirken, z.B. dass ihr nach einer Heilblume kurzzeitig stärker seid oder dass Schutzzauber länger wirken. Von diesen Zaubern könnt ihr ebenfalls mehr als 10 in der Welt sammeln und mit der Zeit euren Spielstil anpassen.

Je mehr Rott zu euch stoßen, teils storybedingt, teils durch aufmerksames Entdecken, desto stärker werdet ihr und levelt auf. Natürlich dürft ihr eure Begleiter auch personalisieren und in kleineren Läden Hüte für sie kaufen. Wer also am Ende alle 100 Rotts zusammen hat, ist quasi der Besitzer eines wandelnden Kopfmoden-Geschäftes.

Weniger Gear heißt mehr Gegner

Wo ihr bei Ausrüstung und Upgrades nicht ins Stolpern kommt, sorgt das Spiel durch die Gegneranzahl, wenn auch mäßige -vielfalt für den ein oder anderen Überraschungsmoment. Ihr könnt nicht nur jederzeit wählen, ob ihr das Spiel im Storymodus oder einem herausfordernderen Schwierigkeitsgrad erleben wollt. Die Gegner und Bosse sind je nachdem eher Kristallstab-Futter oder erbarmungslos wie in eurem letzten Soulslike-Abenteuer. Ihr habt zudem die Möglichkeit, eure überschaubare Gesundheitsleiste durch das gezielte Variieren von Nah- und Fernkampfangriffen durch Stab, Bogen und Bombe zu schützen oder mit euren Rott sogar Heilblumen zu aktivieren. Tut ihr das, neben regelmäßigem Parieren, nicht, so ist der ein oder andere Tod auch in einem wunderschönen Spiel wie Kena: Bridge of Spirits gewiss.

Die audio-visuelle Ästhetik

Was an diversen Stellen bereits angeklungen ist, soll hier einen eigenen Absatz gewidmet bekommen: Kena: Bridge of Spirits sieht einfach zum Verlieben schön aus. Egal ob das Intro, die Waldpassagen oder brachiale Kämpfe mit kreativen Kreaturen: der Spielgenuss ist überall zu finden. Die Jungs und Mädels von Ember Lab haben sich hier voll und ganz ihrer Profession gewidmet und ein grafisches Meisterwerk abgeliefert, das sich durch den Animationsstil oft wie ein lebendiger Film anfühlt. Dies passiert vor allem dadurch, dass ihr immer wieder kleine Animationssequenzen erspäht, in denen euch die Geschichte nähergebracht wird. Obwohl die Story mit weniger Tiefe aufwartet als es das Design der Charaktere vermuten lässt, haben wir im Test zu keiner Zeit den Spaß verloren.

Ihr überbringt Geisterpost an verlassene Häuser, bahnt euch den Weg zu verschütteten Orten und stellt die Ordnung im Bergdorf wieder her. Dabei werden folklore Melodien, die nicht selten einen orchestralen Charakter haben, in großer Vielfalt abgespielt. Wo es zur Sache geht, erwartet euch brachiales Ensemble-Getöse, wo es sinnlich anmutet, werden zarte Flötenklänge angestimmt. Insgesamt schafft es Kena: Bridge of Spirits mühelos, sich mit seinem Stil in euer Gedächtnis zu graben und euer Spielerherz zu berühren. Wenn hier keine Karma-Punkte an den Entwickler vergeben werden dürfen, wo dann?

Technische Belastbarkeit

Was uns während unseres Spieldurchlaufs auf der Nintendo Switch 2 ebenfalls positiv aufgefallen ist, ist die Begabung von Ember Labs, jede Cutscene wie eine Sequenz aus einem Pixar Film aussehen zu lassen und jede Figur, von denen wir in der Welt ein paar antreffen, mit einer großen Portion Liebe in die Unreal Engine 4 zu verpflanzen. Tatsächlich fällt bei genauem Hinsehen aber auch auf, dass Kena nicht immer über flüssige und vor allem schnelle Bewegungsanimationen verfügt, dass in der „freien“ Welt immer mal wieder unsichtbare Wände auf euch zur Begrenzung warten oder Kanten nicht unbedingt eure Freunde sein müssen.

Wer zu wild umherspringt, kann schon mal zwischen zwei Steinen feststecken oder verfrüht in einer Kletterpassage á la Uncharted das Zeitliche segnen. Insgesamt war die Anzahl an Fehlern und Bugs aber mehr als überschaubar, was umso mehr für die Würdigung dieses Erstlingswerkes des Indie-Studios spricht und zudem eine herausragende Portierung darstellt. Das merkt man auch daran, dass die Weitsicht in Kenas Abenteuer sehr gut ist, es bis auf wenige Schatten- und Lichtfehler eher weniger Textur-Probleme gibt und bis auf leichte Unschärfen in Nahaufnahmen nicht nur das Panorama, sondern auch Kena absolut überzeugen können. Hinzu kommt, dass die Ladezeiten, auch beim Neustart nach einem Tod, absolut kurz sind und sogar Schnellreisen über Schreine keine größere Kritik verdienen. Ebenfalls positiv überrascht haben uns die vielen Partikel-Effekte, die die Magie perfekt einfangen und auch das Ray-Tracing funktioniert angenehm gut.

8.5Wertung

Fazit

Kena: Bridge of Spirits ist ein magische Bereicherung für die Nintendo Switch 2. Ember Labs Debütprojekt, das einst zuerst für Playstation erschien, überzeugt, bis auf kleinere Abstriche bei Story und Technik, auf ganzer Linie. Die Liebe zum Detail, die grandiose Inszenierung in Bild und Ton und die unverbrauchte Spielidee sind bis zum Abspann spürbar. Egal ob animationsliebende Spieler oder Soulslike-Veteranen, Kena ist vielseitig genug, diverse Spielertypen abzuholen und euch mit vielen süßen Rott-Begleitern glücklich zu machen.

Design
9.0
Sound
8.5
  • kreatives und intuitives Gameplay
  • fantastisches Animationsdesign
  • liebenswerte Begleiter
  • variabler Schwierigkeitsgrad
  • einzelne Kamera- und Steuerungsfehler
  • Unschärfen in Close-Ups
  • begrenzte Gegner-Vielfalt
  • moderater Skilltree

Vielen Dank an die Firma Ember Lab für die Bereitstellung des Testmusters.

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