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South of Midnight Weavers Edition

South of Midnight Weavers Edition

Maik

Mit der Weaver’s Edition von South of Midnight liefern die kreativen Köpfe von Compulsion Games, die bereits mit Contrast und We Happy Few aufgefallen sind, ein atmosphärisch dichtes Abenteuer, das euch tief in die Mythenwelt des amerikanischen Südens entführt. Wir haben uns auf der Nintendo Switch 2 in Hazels Reise gestürzt und berichten euch, warum dieses Spiel weit mehr ist als nur ein weiteres Action Adventure.

South of Midnight Weavers Edition

NSW2

Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 18

Eine fein gesponnene Story

Schon zu Beginn entfaltet sich eine Geschichte, die euch unmittelbar in ihren Bann zieht. Als Hazel erlebt ihr, wie ein verheerender Sturm eure Heimatstadt Prospero erschüttert und euch in eine surreale Welt aus Erinnerungen und Legenden zieht. Dabei steht nicht nur die Rettung eurer Mutter im Mittelpunkt, sondern auch die Auseinandersetzung mit eurer eigenen Herkunft und Identität. Ihr erlebt Coming-Off-Age-Bezüge bei gleichzeitiger Verschmelzung von Realität und Fiktion, was einen besonderen Genre-Mix erzeugt.

Besonders eindrucksvoll fanden wir die Erzählweise, die sich über 14 Kapitel hinweg, wortwörtlich wie ein lebendig gewordenes Buch entfaltet. Skizzenhafte Zeichnungen gehen fließend in das Spielgeschehen über, wodurch ihr das Gefühl bekommt, selbst Teil eines düsteren Märchens zu sein. Begleitet werdet ihr dabei von einem ungewöhnlichen Erzähler, einem sprechenden Wels, der mit viel Charme und Tiefe durch die Handlung führt.

Darüber hinaus überzeugt die Geschichte durch ihre folkloristischen Elemente. Begegnungen mit tragischen und zugleich faszinierenden Kreaturen, etwa Figuren, die durch Schmerz mit ihrer Umgebung verschmolzen sind, verleihen dem Abenteuer eine emotionale Wucht, die lange nachhallt.

Verknüpftes Gameplay

Spielerisch setzt South of Midnight auf eine gelungene Mischung aus Action, Erkundung und leichten Rätseln. Hazels zentrale Fähigkeit, die sogenannte Weber Magie, erlaubt es euch, beschädigte Strukturen zu reparieren, Erinnerungen sichtbar zu machen und Gegner gezielt zu beeinflussen.

Bereits früh im Spiel werden euch diese Fähigkeiten zugänglich gemacht. Wir stellten fest, dass viele Mechaniken über kurze Einblendungen erklärt werden und anschließend sofort intuitiv funktionieren. Ob Enterhaken, Doppelsprung oder Wandlauf, alles fügt sich organisch in den Spielfluss ein, ohne dass ihr euch durch komplexe Menüs kämpfen müsst. Das haben wir schon oft anders gesehen und empfanden wir hier absolut erfrischend.

In den Kämpfen entfaltet sich ein überraschend dynamisches System. Hazel kombiniert klassische Angriffe mit magischen Fähigkeiten und Ausweichmanövern, wodurch sich das Gameplay stellenweise fast wie ein flüssiges Hack and Slash anfühlt. Gleichzeitig bleibt genug Raum für ruhigere Passagen, in denen ihr die Welt erkundet und versteckte Geschichten entdeckt.

Leveldesign und Erkundung

Die Spielwelt ist zwar grundsätzlich linear aufgebaut, bietet aber immer wieder Abzweigungen, die euch zum Erkunden einladen. Abseits des Hauptpfades findet ihr Sammelgegenstände, zusätzliche Geschichten und Upgrade Punkte, die eure Fähigkeiten stärken.

Hilfreich ist dabei ein optionaler Leitfaden, der euch jederzeit den Weg zum nächsten Ziel zeigt. Wer jedoch bewusst darauf verzichtet, wird mit einer immersiveren Erfahrung belohnt und entdeckt viele kleine Details, die das Spiel lebendig machen.

Auch die Struktur mit abgeschlossenen Kampfarenen und späteren Bosskämpfen sorgt für klare Spielrhythmen. Diese können bei Bedarf sogar übersprungen werden, was den Fokus stärker auf die narrative Erfahrung legt.

Eine besondere Kunst

Visuell hebt sich South of Midnight deutlich von der Masse ab. Der handgezeichnete Stil verleiht Figuren und Umgebungen eine besondere, fast schon märchenhafte Qualität. Charaktere wirken teilweise wie überzeichnete Karikaturen, was jedoch hervorragend zur Gesamtästhetik passt.

Die Umgebungen selbst sind weich gezeichnet und gleichzeitig realistisch genug, um glaubwürdig zu wirken. Diese Kombination erzeugt eine einzigartige Atmosphäre, die zwischen Schönheit und Verfall pendelt.

Technisch zeigt sich die Switch 2 Version solide. Die Weitsicht ist angenehm, auch wenn gelegentliche Pop ins auftreten. Bei Kontrasten und Farbsättigung reicht das Spiel nicht ganz an Referenztitel wie Horizon Forbidden West heran, bleibt aber dennoch auf einem überzeugenden Niveau.

Der Jazz des Südens

Akustisch gehört South of Midnight zu den stärksten Erlebnissen der letzten Zeit. Der Soundtrack von Olivier Derivière verbindet klassische Elemente mit Einflüssen aus Blues und Folk und unterstreicht die kulturelle Identität des Spiels.

Während eurer Reise werdet ihr immer wieder von emotionalen Gesangseinlagen begleitet, die sich nahtlos in das Geschehen einfügen. Diese musikalischen Momente verstärken die Wirkung der Geschichte enorm und bleiben im Gedächtnis, gerade Sologesang mit starken Texten oder Country- oder Jazz-Musikstücke sorgen für eine fantastische Atmosphäre.

Auch die Umgebungsgeräusche und die Sprachausgabe, die auf Englisch und Französisch verfügbar ist, tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei. Die vollständige Untertitelung sorgt zudem dafür, dass ihr der Handlung jederzeit folgen könnt.

Technik und Performance

In unserem Test lief das Spiel größtenteils stabil und flüssig. Die Steuerung reagiert präzise und das allgemeine Spielgefühl bleibt konstant angenehm.

Allerdings traten vereinzelt kleinere Ruckler bzw. Lags in Animationen und Zwischensequenzen auf. Auch die Kamera sorgte in manchen Kampfsituationen für kurze Irritationen, da sie Hazel nicht immer optimal im Blick behielt.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist die teilweise etwas zu hohe Bewegungsgeschwindigkeit der Protagonistin. Gerade bei präzisen Sprungpassagen führte dies anfangs zu einigen Fehltritten, was sich jedoch mit zunehmender Spielzeit relativiert.

Barrierefreiheit und Optionen

Hier setzt South of Midnight ein echtes Ausrufezeichen. Das Spiel bietet eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten, die weit über den Standard hinausgehen.

Ihr könnt nicht nur die Steuerung, das Kameraverhalten und den Sound individuell anpassen, sondern auch Farbanpassungen vornehmen oder Optionen gegen Motion Sickness aktivieren. Besonders hervorzuheben sind die fünf Schwierigkeitsgrade, darunter ein Story Modus sowie ein vollständig individualisierbarer Schwierigkeitsgrad, ihr bekommt also genau die Herausforderung, die euch liegt.

Bemerkenswert ist zudem, dass ihr Kampfarenen und sogar Bossbegegnungen überspringen könnt. Dadurch wird das Spiel für eine deutlich breitere Zielgruppe zugänglich, ohne dabei an erzählerischer Qualität zu verlieren.

Inhalte der Weaver’s Edition

Die Weaver’s Edition erweitert das Erlebnis um zahlreiche digitale Extras. Dazu gehören ein Artbook, der komplette Soundtrack, ein Comic sowie ein Musikvideo und eine Dokumentation zur Entwicklung des Spiels.

Diese Zusatzinhalte geben euch einen tieferen Einblick in die kreative Entstehung und die kulturellen Hintergründe des Spiels. Gerade Fans der Welt und der Geschichte werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Vergleich und Einordnung

Während unseres Tests fühlten wir uns spielerisch stellenweise an Titel wie Infamous oder Marvel’s Spider-Man erinnert, insbesondere durch die dynamischen Bewegungsabläufe und das flüssige Kampfsystem.

Im Leveldesign kamen uns hingegen gelegentlich Assoziationen zu The Last of Us, vor allem bei der Gestaltung verlassener Orte und der dichten Atmosphäre.

Dennoch bleibt South of Midnight ein eigenständiges Erlebnis, das sich vor allem durch seine kulturelle Prägung und seinen einzigartigen Stil von anderen Spielen abhebt.

8.0Wertung

Fazit

Ein düsteres Märchen, das man spürt. Mit South of Midnight liefert Compulsion Games ein künstlerisch beeindruckendes Abenteuer, das vor allem durch seine emotionale Geschichte, seinen einzigartigen visuellen Stil und seine starke Inszenierung überzeugt. Kleinere technische Schwächen und gelegentliche Gameplay Ungenauigkeiten trüben das Gesamtbild nur minimal, dafür bekommt ihr ein Action-Abenteuer mit Folklore und Magie.

Design
8.0
Sound
9.0
  • Einzigartige, emotional packende Story
  • Herausragende Musik und Soundkulisse
  • Sehr umfangreiche Barrierefreiheitsoptionen
  • Flüssiges und zugängliches Gameplay
  • Kamera in Kämpfen gelegentlich problematisch
  • Leichte technische Unsauberkeiten
  • Gegnerdesign etwas zu wenig abwechslungsreich
  • Bewegung teils zu schnell für präzise Passagen

Vielen Dank an die Firma Xbox für die Bereitstellung des Testmusters.

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