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The Last Ninja Collection

The Last Ninja Collection

Seppa

In den 80ern standen Ninjas und Martial Arts hoch im Kurs, dies machte sich nicht nur in den Kinos, sondern auch bei den Computer- und Videospielen bemerkbar. In diese Kerbe schlug auch die Spielereihe The Last Ninja, die auf Heimcomputern Millionen Spieler weltweit begeisterte. 35 Jahre nach dem letzten veröffentlichten Serienteil kehrt die Spielereihe auf die Nintendo Switch zurück – und hat sogar noch ein paar Begleiter im Schlepptau.

The Last Ninja Collection

NSW

Entwickler
System 3
Publisher
System 3
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Rückkehr einer Kultreihe

Der erste Teil, The Last Ninja, wurde 1987 für den Commodore 64 (besser bekannt unter dem Kürzel C64) veröffentlicht. Im mittelalterlichen Japan begleitet ihr den Ninja Armakuni auf seiner Mission den feindlichen Shogun Kunitoki mitsamt dessen Clan auszulöschen. Erwartungsgemäß sind Kampfeinlagen natürlich ein wichtiger Bestandteil des Spielgeschehen, doch auch Erkundung der Gebiete, kleine Rätseleinlagen und knifflige Sprungmanöver nehmen einen großen Teil des Erlebnisses ein. Eine ungewöhnliche Mischung, welche damals bei der Spielerschaft auf großen Anklang stieß. Dazu kam die seinerzeit spektakuläre isometrische Darstellung und ein herausragender Chiptune-Soundtrack.

Bereits ein Jahr später erhielten C64-Freunde mit The Last Ninja 2: Back With A Vengeance einen Nachfolger, der in den USA des 20. Jahrhunderts spielt. Er führt das Konzept des Erstlings konsequent weiter, punktet mit verbesserter Technik und Steuerung und gilt gemeinhin als bester Teil der Reihe, dreht aber nochmals zusätzlich am Schwierigkeitsgrad. Neben dem 8-Bit-Original enthält die Collection auch die technisch schwächere ZX-Spectrum-Version sowie die aufgebohrte 16-Bit-Fassung für den Amiga.

Mit dem dritten Teil fand die Reihe 1991 ihren Abschluss. Trotz sauberer Technik und bewährten Spielelementen konnte er nicht mehr an die Beliebtheit der beiden Vorgänger anknüpfen. Optisch und akustisch überzeugt hier besonders die Amiga-Fassung.

Bonus Games

Mit Ninja Remix findet sich noch ein weiterer Titel in der Collection. Es handelt sich bei der C64-Version um ein Remake des zweiten Teils, das aufgehübscht und mit etwas mehr in Richtung Arcade getrimmtem Gameplay auftrumpft. Bei der Amiga-Variante hingegen wurde der erste Teil einer Frischzellenkur unterzogen und überzeugt mit farbenfroher Optik und tollen Soundtrack.

Neben den Ninja-Titeln sind noch drei weitere Klassiker von System 3 Software in die Sammlung mitreingepackt worden. Dabei handelt es sich um die ebenfalls äußerst populären Martial-Arts-Prügler International Karate und IK+, sowie deren Vorläufer Bangkok Knights. Auch diese Titel sind in mehreren Systemfassungen enthalten und lassen auch zwei Spieler gegeneinander antreten.

Hakelige Kontrolle

Wer das Heimcomputer-Zeitalter verpasst hat, der wird sich beim Start der enthaltenen Spiele erst einmal mächtig über die Steuerung der Titel wundern. Eine direkte Kontrolle wie bei Konsolen-Titeln wird hier nicht geboten. Stattdessen lenkt sich der Protagonist in den Last-Ninja-Titeln wie ein Panzer in die unterschiedlichen Richtungen. Aktionen wie Angriffe, Ducken oder Aufnehmen von Gegenständen werden mit gedrückter Action-Taste (A) und in Kombination mit dem in einer bestimmten Richtung gedrückten Stick oder Steuerkreuz ausgeführt.

Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Die im Pausenmenü enthaltene Erklärung schafft da nur bedingt Abhilfe. Interaktionen haben pixelgenau zu erfolgen, da kann selbst das simple das Aufheben eines Schlüssels schon mal einiges an Zeit und Nerven kosten. Neulingen wird der Einstieg damit ordentlich erschwert und einiges an Einarbeit abverlangt, erfahrene C64-Zocker hingegen dürften sich direkt heimisch fühlen. Auf eine alternative, einsteigerfreundliche Steuerungsalternative wurde verzichtet.

Extras? Fehlanzeige

Auch bei der Emulation der Spiele wurde weitgehend auf Extras verzichtet und nur das Nötigste implementiert. Pro Spiel gibt es gerade mal einen einzelnen Spielstand, der jederzeit gespeichert werden kann. Um diesen zu laden, muss jedoch das laufende Spiel abgebrochen und zurück ins Menü gewechselt werden. Auf eine Rewind-Funktion wurde komplett verzichtet. Immerhin gibt es für die optische Darstellung der Spiele 3 Optionen: Neben Pixel Perfect gibt es Scanlines oder auch einen oldschool CRT-Filter.

Ein Kernelement vieler Spielesammlungen sind historische Zusatzinhalte wie Einblicke in die Entwicklung in Form von Interviews und Konzeptzeichnungen oder Medienschnipsel wie alte Verpackungsscans oder Printwerbungen. Davon fehlt bei der Last Ninja Collection leider jede Spur. Auch Anleitungen gibt es nicht als Scan der Originale, sondern leider nur ausschließlich in Textform mit ein paar wenigen Bildern. Auch weitere Versionen, wie die NES-Umsetzung des zweiten Teils, vermisst man in der Collection.

Sammlung für Fans

Die Last Ninja Collection wurde seinerzeit innert weniger Minuten über Kickstarter finanziert. Das zeigt, dass nach wie vor eine große Fanbase besteht. Diese wohl langjährigen C64-Fans dürften auch die primäre Zielgruppe dieser Spielesammlung darstellen. Umso mehr schmerzt das fehlende Archivmaterial oder Prototypen der nie veröffentlichten The Last Ninja 4 und IK++, den ausschließlich besonders großzügigen Unterstützern der Kampagne vorbehalten wurden. Eine Modernisierung des ersten Teils wurde ebenfalls finanziert, aber (noch) nicht umgesetzt.

Die Spiele waren damals allesamt Meilensteine und setzten auf Heimcomputern neue Maßstäbe in Sachen Optik, Sound und Gameplay und heimsten zahlreiche Auszeichnungen ein. Heute, fast 40 Jahre später, merkt man den Titeln das Alter spürbar an. Auf eine Modernisierung oder zumindest dezente Anpassung an den heutigen Standard wurde nahezu komplett verzichtet.

Somit bleibt die Collection primär ein Fall für Puristen, welche die Titel möglichst nah an ihrer Originalform spielen wollen. Neulingen oder auch historisch interessierten Spielern wird ob der klobigen Steuerung, zahlreichen unfairen Stellen und den fehlenden Extras einiges an Willen zur Einarbeit und Frusttoleranz abverlangt

6.0Wertung

Fazit

The Last Ninja Collection versetzt Heimcomputer-Veteranen zurück in die 80er und lässt sie 7 revolutionäre Kultklassiker in ihrer legendären, ursprünglichen Form erleben. Wem dies ausreicht, der wird definitiv viel Spaß mit den Titeln haben. All diejenigen, welche von einer Collection mehr erwarten, werden ob der äußerst spärlich ausgestatteten Sammlung ohne Extrainhalte oder Archivmaterial enttäuscht sein. Potenzielle neue Fans werden vor eine mächtig steile Lernkurve gestellt - oder direkt durch die altbackene Steuerung, fehlende Supportfunktionen und den teils unfairen Schwierigkeitsgrad abgeschreckt.

Design
6.0
Sound
7.0
  • 7 Heimcomputer-Kult-Klassiker
  • Teils in mehreren Varianten
  • Nahe am Original gehalten
  • Unzeitgemäße Steuerung ohne Alternative
  • Nur marginale Upgrades durch Emulation
  • Keine Zusatzinhalte
  • Teils frustrierender Schwierigkeitsgrad

Vielen Dank an die Firma System 3 für die Bereitstellung des Testmusters.

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