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Pokemon Pokopia

Pokemon Pokopia

Maik

Mit Pokémon Pokopia wagt sich das Pokémon Universum auf der Nintendo Switch 2 in ein neues Genre. Statt Kämpfen, Arenen und Orden erwartet euch eine Lebenssimulation, die stark auf Kreativität, Aufbau und das Zusammenleben mit Pokémon setzt. Entwickelt wurde das Projekt gemeinschaftlich von The Pokémon Company, Game Freak und Koei Tecmo, wobei insbesondere die Erfahrung des Teams von Omega Force (Dragon Quest Builders 2) mit komplexen Bausystemen deutlich spürbar ist.

Pokemon Pokopia

NSW2

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
NSW2
Spieler
1–4 lokal
Freigabe
USK ab 6

Wir haben uns für viele Stunden in diese ungewöhnliche Pokémon Welt gestürzt. Herausgekommen ist ein Spiel, das vertraute Elemente der Reihe mit überraschend tiefgehenden Simulationen und kreativen Bauwerkzeugen kombiniert. Doch funktioniert diese Mischung wirklich? Wir verraten euch, wie sich das Abenteuer auf der neuen Nintendo Konsole schlägt.

Willkommen in Pokopia

Der Einstieg in Pokémon Pokopia wirkt zunächst überraschend melancholisch. Einst lebten Menschen und Pokémon friedlich zusammen, doch die Welt ist verwildert und die Menschen sind verschwunden. Zurück bleibt eine einsame Landschaft, in der nur ein einzelnes Tangoloss lebt. Als ein ungewöhnliches Ditto aus einem langen Schlaf erwacht, beginnt die eigentliche Geschichte.

Ihr übernehmt die Rolle dieses wandelbaren Pokémon, das sich vorgenommen hat, die Welt wiederzubeleben. Schon bald entdeckt ihr neue Gebiete, trefft weitere Pokémon und beginnt damit, die verlassene Landschaft Stück für Stück zu einem lebendigen Paradies aufzubauen.

Was uns während des Tests besonders gefallen hat, ist die langsame, aber stetige Entwicklung der Welt. Anfangs wirkt alles leer und ruhig, doch mit jeder erfüllten Aufgabe und jedem neuen Lebensraum entstehen lebendige Orte, an denen Pokémon miteinander interagieren. Dieser Wandel sorgt dafür, dass ihr euch immer stärker mit eurer eigenen Welt verbunden fühlt, weil sie beginnt, nur so vor Lebendigkeit zu sprühen.

Spielsystem und Gameplay

Das Herzstück von Pokémon Pokopia ist eine clevere Mischung aus Aufbau, Ressourcenmanagement und sozialem Fortschritt. Schnell durften wir feststellen, dass hierin deutlich mehr Systemtiefe steckt, als man zunächst vermuten würde.

Ihr sammelt Materialien wie Gras, Holz oder Stein, stellt daraus Möbel, Gebäude oder Werkzeuge her und gestaltet eure Umgebung aktiv um. Gleichzeitig erfüllen Pokémon Aufträge oder äußern Wünsche, um sich wohler zu fühlen. Helft ihr ihnen, steigt eure Freundschaft und ihr schaltet neue Fähigkeiten frei. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Wadribie Bauklötze zum Spielen möchte oder ein Praktibalk erst zufrieden ist, wenn ihr in eurem Haus verschiedene Möbel aufgestellt habt. Auch unser Glumanda hatte kurzzeitig ein Problem mit unserem Seeper-Springbrunnen, also wurde er kurzerhand umgesetzt.

Ein besonders charmantes Element ist dabei das Zusammenspiel der Pokémon Fähigkeiten. Bisasam bringt Ditto bei, mit seinen Ranken Pflanzen aus dem Boden zu ziehen, während Schiggy mit seiner Aquaknarre für Bewässerung sorgt, was fortan auch euch glückt. Kombiniert ihr diese Talente geschickt, wachsen Pflanzen schneller und neue Ressourcen wie Beeren werden verfügbar. Später wird es durch die steigenden Möglichkeiten nur noch bunter.

Das führt zu einer Gameplay-Schleife, die erstaunlich motivierend ist. Ihr verbessert eure Umgebung, entdeckt neue Pokémon, erhaltet weitere Fähigkeiten und erweitert damit wiederum eure Möglichkeiten im Bau und in der Gestaltung, während ihr die Story, begleitet von Professor Tangoloss, vorantreibt und Pokopia weiter entdeckt.

Je besser ihr mit den Pokémon, eurer Aufgabenerledigung und der Verschönerung eurer Umwelt umgeht, desto schneller steigt auch euer Umgebungslevel, welches ihr wiederum benötigt, um im Laden, den ihr über den klassischen PC Terminal (inkl. Originalsound!) erreicht, nach Herzenslust neue Anleitungen und Objekte zu kaufen, die ihr teilweise wiederum für euren Story-Fortschritt benötigt. Um beispielsweise das erste Pokécenter aufzubauen, müsst ihr Gras, Stein, Bauholz, Ranken finden und ein träges Flegmon dazu bewegt haben, euch mit Gähner Regen zu bescheren. Der widerum erfordert ein Regenritual mit aufzufinden Puppen. Regnet es endlich, kann Onix aufgesucht werden, den es braucht, damit ihr genug tatkräftige Unterstützung zum Wiederaufbau des Pokécenters habt. Ihr lernt also schnell, dass es ein komplexes Geflecht aus Building, Ressourcenmanagement, sozialem System und Task-Management ist, um in der Story voranzuschreiten.

Das erklärt auch, warum Pokémon Pokopia nicht in gleichem Maße entschleunigt, wie es noch bei Animal Crossing: New Horizons war. Der Komplexitätsgrad ist höher und ohne gewisse Vorbedingungen zu erfüllen, ist kein signifikanter Fortschritt möglich. Im Late-Game ändert sich dies. habt ihr erstmal mehrere Biome freigeschaltet und ausreichend Items, Baumaterialen und Blöcke zur Verfügung, könnt ihr nach Herzenslust umherstreunen. Doch bis dahin ist es ein Weg!

Building und Kreativität

Wer Freude daran hat, eigene Welten zu erschaffen, wird sich in Pokémon Pokopia sofort zuhause fühlen. Das Bausystem erinnert stellenweise an kreative Sandbox Spiele, ohne dabei die zugängliche Pokémon Atmosphäre zu verlieren. Dass ihr auf weitere, besondere Pokémon wie ein Mooslaxo, ein Schlappchu oder Meister Farbeagle trefft, erhöht zusätzlich das Spektrum.

Über Werkbänke und Anleitungen stellt ihr Möbel, Gebäude und Dekorationen her. Mit zunehmendem Fortschritt entdeckt ihr immer neue Bauoptionen und könnt eure Insel nach eigenen Vorstellungen gestalten. Während unseres Tests haben wir Türme gebaut, Wege angelegt und ganze Habitate für bestimmte Pokémon erschaffen.

Ein besonders cleveres Feature ist der Maus-Modus der Joy-Con 2 Controller. Damit lassen sich Blöcke präzise platzieren und Objekte exakt ausrichten. Gerade bei größeren Bauprojekten sorgt das für ein erstaunlich komfortables Handling.

Die Kreativität wird zusätzlich durch Fotografie und einen 3D Drucker unterstützt. Fotografiert ihr Objekte, könnt ihr diese später reproduzieren und in eurer Welt platzieren. Dadurch entsteht eine kreative Freiheit, die euch stundenlang beschäftigen kann.

Pokémon, Habitate und Sammelfreude

Ein zentrales Ziel im Spiel ist es, möglichst viele Pokémon anzulocken. Dafür müsst ihr ihre bevorzugten Lebensräume erschaffen, sogenannte Habitate.

Im Habitatdex seht ihr genau, welche Bedingungen bestimmte Pokémon benötigen. Manche möchten Wasserstellen, andere Blumenfelder oder spezielle Sitzgelegenheiten. Sobald ihr diese Bedingungen erfüllt, erscheinen recht zügig neue Pokémon in eurer Welt.

Dieses System hat uns im Test besonders gut gefallen. Es erinnert ein wenig an eine Detektivarbeit innerhalb der Spielwelt. Ihr beobachtet eure Umgebung, experimentiert mit neuen Kombinationen und freut euch über jedes neu entdeckte Pokémon, das nicht selten vorab mit funkelnden Stellen am Boden, sogenannten Spuren, auf sich und seine benötigten Habitate aufmerksam macht.

Natürlich gehört auch Sammeln dazu. Pokébälle, versteckte Items und seltene Objekte (Gesten, Outfits, Frisuren) sorgen dafür, dass ihr ständig neue Belohnungen entdeckt. Gerade für Pokémon Fans entsteht hier ein starker Sammelanreiz.

Das Pokémon-Sound-System

Akustisch setzt Pokémon Pokopia auf eine stimmungsvolle Atmosphäre. Der Soundtrack begleitet euch mit bekannten Melodien, die nie aufdringlich wirken und perfekt zum entschleunigten Gameplay passen, aber auch viel Retro-Charme der Geschichte mitbringen. Durch die Orchestrierung bekommt das Ganze gleichzeitig noch einmal ordentlich mehr Volumen, wodurch es hier und da sogar Jahrmarkts-Stimmungen weckt.

Gleichzeitig wurden zahlreiche klassische Pokémon Soundeffekte integriert. Wer die Reihe seit Jahren kennt, wird viele vertraute Geräusche sofort wiedererkennen.

Obwohl das Spiel keine vertonten Dialoge besitzt, wirken die Begegnungen mit Pokémon dennoch lebendig. Die Kombination aus Animationen, Geräuschen und Musik erzeugt eine sehr warme Atmosphäre.

Zudem könnt ihr mit der Zeit CDs finden, die von Rotom abgespielt werden können und euch neue wie alte Retro-Stücke nach Pokopia bringen.

Gemeinsam Spielen

Ein echtes Highlight ist der Mehrspieler Modus. Bis zu vier Spieler können gemeinsam online oder lokal spielen und ihre Welten miteinander teilen.

Während unseres Tests haben wir besonders den Besuch bei Freunden genossen. Ihr könnt deren Inseln erkunden, Bauwerke fotografieren und euch Inspiration für eure eigene Welt holen.

Praktisch ist auch die GameShare Funktion. Dadurch kann ein Spieler das Spiel mit anderen teilen, selbst wenn diese es nicht besitzen. Für spontane Koop Sessions ist das eine fantastische Lösung. Doch auch Online und mit der GameChat-Funktion ist viel Spielspaß garantiert, denn die potenziellen Tipps, um eure Insel noch schöner zu machen, sind endlos.

Gemeinsam Ressourcen zu sammeln, Häuser zu bauen oder neue Habitate zu entdecken macht deutlich mehr Spaß. Gerade mit Freunden entfaltet das Spiel sein volles Potenzial.

Technik und Performance

Technisch hinterlässt Pokémon Pokopia einen durchweg überzeugenden Eindruck auf der Nintendo Switch 2. Ladezeiten sind extrem kurz und die Spielwelt läuft insgesamt sehr flüssig, auch bei direkten Veränderungen der Landschaft.

Optisch setzt das Spiel auf einen plastischen Stil mit weichen Pokémon Designs, kombiniert mit blockartigen Bauobjekten. Diese Mischung verleiht der Welt einen charmanten Look, der perfekt zum Building Gameplay passt.

Im Test sind uns lediglich kleinere Kamera Probleme aufgefallen, wenn man sehr nah an Objekten arbeitet oder schnell zwischen Bauoptionen wechselt. Das beeinträchtigt den Spielfluss jedoch nur selten.

Etwas irritierend ist gelegentlich das Tracking der Habitate. Wenn ihr bestimmte Bedingungen bereits erfüllt habt, erkennt das Spiel diese manchmal nicht sofort für neue Aufgaben. Dann müsst ihr ein Habitat erneut platzieren, damit der Fortschritt korrekt registriert wird.

Spielgefühl und Langzeitmotivation

Pokémon Pokopia ist ein Spiel, das euch über etliche Stunden begleiten kann. Uns wurde schnell klar, dass ihr auch nach langem Spielen noch einiges zu entdecken haben werdet, was am Design der Spielareale und der Vielfalt liegt.

Besonders motivierend ist die Kombination aus Weltgestaltung, Pokémon Sammeln und sozialem Fortschritt. Jede Erkenntnis öffnet neue Möglichkeiten, wodurch sich ein sehr angenehmer Spielfluss entwickelt. Ihr könnt mit Ressourcen eure Häuser aufbauen oder aber direkt Bau-Kits kaufen. Dekorationen aufstellen und Anleitungen freischalten, mit denen ihr wiederum an der Werkbank nach Herzenslust Werke schafft. Wer im übrigen bei Animal Crossing: New Horizons lange Zeit die Produktion von mehreren Stück vermisst hat, der kann sich hier entspannen. Denn viele Quality-of-Life-Features, die es in anderen Lebenssimulationsspielen gab oder hätte geben können, wurden hier als Best Practice mit implementiert, was dem Spielerlebnis definitiv zu Gute kommt.

Mit der Zeit schaltet ihr weitere Biome frei, entdeckt legendäre Pokémon wie Ho-Oh und erweitert eure Insel zu einer riesigen Lebenswelt, die weitestgehend anpassbar ist. Wer gerne sammelt, baut und experimentiert, kann hier problemlos hunderte Stunden verbringen. Die einzige Krux daran gilt jenen, die es rundum perfekt, sauber, geordnet und vielartig haben wollen. Das erfordert Geduld, die nicht jeder mitbringen möchte und deshalb zur Entschleunigung zwingt. Eine Abkürzung für eine riesige, wunderschöne Welt gibt es schlichtweg nicht, was auch mal überfordern kann.

Ein kleiner Wermutstropfen - im Kontext des Sammelns - bleibt auch die physische Veröffentlichung. Statt einer klassischen Cartridge wird das Spiel lediglich als Game Key Card ausgeliefert, wodurch ein Download erforderlich ist. Dem Erfolg des Spiels aufgrund des überzeugenden Gameplay-Designs, wird es aber wohl keinen Abbruch tun.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Pokémon Pokopia ist fantastisch vielseitig. Es zeigt eindrucksvoll, wie einzigartig das Pokémon Universum sein kann und erlaubt dir, deine ganz eigene Pokémon Welt zu erschaffen. Statt Kämpfen steht hier Kreativität, Zusammenarbeit und das gemeinsame Erschaffen einer lebendigen Welt im Mittelpunkt. Die Mischung aus Lebenssimulation, Aufbau und Pokémon Sammeln funktioniert erstaunlich gut und entwickelt eine starke Sogwirkung. Besonders im Multiplayer entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Dass einiges Erprobtes aus erfolgreichen Lebenssimulationen integriert wurde, sorgt zudem für eine angenehme Qualitätserfahrung. Für uns steht fest: Wer Pokémon liebt und gerne kreativ wird, findet hier eines der charmantesten Spiele der neuen Nintendo Generation.

Design
8.5
Sound
9.0
Online Multiplayer
9.5

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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