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MIO: Memories in Orbit

MIO: Memories in Orbit

Maik

Nach Hollow Knight Silksong kommt nun mit MIO: Memories in Orbit ein neues Metroidvania auf unsere Nintendo Switch 2. Weltraumsetting, Exploration, knifflige Kämpfe und seinen Weg zu gehen - das beschreibt nicht nur MIO, sondern auch das Genre selbst perfekt. Wie gut MIO: Memories in Orbit wirklich ist und warum Focus Entertainment uns ziemlich überrascht hat, lest ihr in diesem Nintendo Switch 2 Test.

MIO: Memories in Orbit

NSW2

Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Welt und Atmosphäre

Schon in den ersten Minuten wird klar, dass MIO: Memories in Orbit eine ganz eigene Faszination entfaltet. Die riesige technologische Arche, die schlicht als Gefäß bekannt ist, wirkt wie ein lebender Organismus. Üppige Vegetation hat sich mit kaltem Metall verflochten, Maschinen wirken verlassen und zugleich lauernd, während jede Zone ihre eigene Identität besitzt. Für uns war sofort spürbar, dass hier eine Welt erschaffen wurde, die nicht erklärt, sondern entdeckt werden will.

Besonders beeindruckend ist, wie konsequent das Spiel seine Atmosphäre trägt. Jeder Raum erzählt von Verfall, von vergangenen Funktionen und von einer Zivilisation aus Künstlicher Intelligenz, die aus ungeklärten Gründen verstummt ist. Während ihr euch durch Korridore, Schächte und offene Areale bewegt, entsteht eine stetige Mischung aus Staunen und leiser Melancholie. Das Gefäß fühlt sich nicht wie eine bloße Kulisse an, sondern wie ein Ort mit Geschichte, der euch langsam seine Erinnerungen anvertraut.

Story und Erzählweise

Im Mittelpunkt steht MIO, ein kleiner, erstaunlich flinker Roboter, dessen eigene Vergangenheit ebenso rätselhaft ist wie das Schicksal der Arche. Die sogenannten Perlen, einst Verwalter der gewaltigen Struktur, haben ihre Arbeit eingestellt, wodurch dem Gefäß die endgültige Abschaltung droht. Warum das geschah, bleibt zunächst im Dunkeln und genau hier setzt die narrative Stärke des Spiels an.

Die Geschichte wird bewusst fragmentarisch erzählt. Kurze, oft kryptische Dialoge, vereinzelte vertonte Stimmen und gefundene Erinnerungen ergeben erst nach und nach ein Gesamtbild. Wir hatten während des Testens häufig das Gefühl, dass jede neu entdeckte Information ein kleines Puzzleteil darstellt. Wer Geduld mitbringt und bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen, wird mit einer durchaus emotionalen Erzählung belohnt, die euch problemlos über 25 Stunden beschäftigen wird.

Dass MIO: Memories in Orbit diese Geduld unbedingt braucht, hat sich für uns ganz organisch ergeben. Während wir bei unserer Anspielsession auf der gamescom 2025 noch mitten ins Geschehen gestürzt sind und einen extra angefertigten Build spielten, fügen sich nun die Puzzleteile sowie das sukzessive Entwickeln und Erweitern von MIOs Fähigkeiten nahtlos und vor allem schlüssig ineinander.

Jede verschlossene Tür mit dem dafür erforderlichen Item oder einer mühsam erarbeiteten Route fühlt sich belohnend an. Jede athletisch gemeisterte Platforming Passage wie ein Kunststück. So verwundert es nicht, dass sich trotz des unausweichlichen Backtrackings, das Metroidvanias so mit sich bringen, ein unwiderstehlicher Flow einstellt.

Gameplay und Spielsystem

Wie sich ein klassisches Metroidvania wirklich anfühlt, spürt ihr bei MIO von Beginn an. Ihr startet ohne große Erklärungen, ohne Wegmarker und ohne konkrete Zielvorgaben. Stattdessen stehen euch verschlossene Türen, verzweigte Pfade und eure eigene Neugier im Weg. Gerade zu Beginn fühlten wir uns bewusst orientierungslos, was allerdings Teil des Konzepts ist. Nur wer sich darauf einlässt, erarbeitet sich die reichhaltigen Biome und Geheimnisse der Welt von MIO: Memories in Orbit.

Mit zunehmendem Fortschritt entwickelt sich MIO stetig weiter. Neue Fähigkeiten wie der Einsatz der Haarnadeln als Greifhaken, der Doppelsprung in Kombination mit Schlag- und Greifmanövern und das Schweben sowie das Wände erklimmen eröffnen neue Routen und verändern das Fortbewegen in vermeintlich bekannten Arealen. Der Spielfluss wird dabei immer dynamischer und belohnt präzises Timing sowie ein gutes Rhythmusgefühl über Sümpfe, Stacheln und giftiges Gestrüpp hinweg. Besonders gelungen fanden wir, wie organisch sich diese Fähigkeiten in das Leveldesign einfügen und alte Gebiete plötzlich neue Geheimnisse preisgeben.

Spielerisch sind die Biome über mehrere Höhenebenen aufgebaut, die wiederum durch Fahrstühle zugänglich werden. Damit diese allerdings auch in allen Etagen halten können, müsst ihr euch die Wege erst einmal bahnen. Hier erleben wir Parallelen zu anderen Genre-Vertretern, die diese Mechaniken bereits perfekt für sich nutzen konnten. Etwa Prince of Persia: The Lost Crown oder Blasphemous II. Auch die Sprites, die wir beispielsweise beim finalen Legen eines Bosses sehen, erinnern stark an Blasphemous II oder Hades II, bei denen nur noch die Silhouette des Gegnerns bei seinem finalen Treffer gezeigt wird und darüber ein Schriftzug erscheint, dass jener Boss besiegt wurde.

Für die Spielentwicklung sind diese Wächterkämpfe in MIO: Memories in Orbit essentiell, da sie anschließend neue Pfade freigeben, um im Spiel voranzukommen. Meist sind dies die Rücklaufrouten, die euch dann verschlossene Türen aktivieren lassen und gelegentlich auch noch eine neue Fähigkeit dazugewinnen lassen. Letztere werden charmant inszeniert, indem ihr von einem Roboter-Käfer in ein Rohr gezogen werdet, indem ihr als Strich-Skizze nun die neue Fähigkeit erlernen und meistern müsst, ehe es wieder an die Oberfläche geht.

Auf diese Weise wird das Erlebnis zusätzlich aufgelockert und immer wieder angereichert, obwohl mit zunehmender Spielzeit auch über Speicherpunkte die Schnellreisefunktion aktiviert werden kann, was den zügigen Wechsel zwischen Gebieten und das Backtracking abschwächt. Auch dieser Mechanik ist geschuldet, dass euch die pastell-Farbpalette, das Licht- und Dunkelspiel und warme, karge und bedrohliche Orte in einer angenehmen Rotation begegnen und nie übersättigen, ehe ihr schon wieder Neues erforschen dürft oder ihr überraschend in einen neuen Wächter stolpert.

Kämpfe, Gegner und Bosse

Die Welt von MIO: Memories in Orbit - das Gefäß - ist alles andere als friedlich. Über 30 unterschiedliche Gegnertypen stellen sich euch in den Weg, ergänzt durch 15 Wächter Bosse, die ihrem Namen alle Ehre machen. Die Kämpfe erfordern Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit, da jede Begegnung andere Herangehensweisen begünstigt.

Bei den regulären Gegnern heißt es aber auch, mit Geschick vorzugehen: Mal müsst ihr Projektilen ausweichen, dann Kolibri-artigen Vögeln mit spitzem Schnabel ausweichen. Unsichtbare Chamäleons, Robo-Kämpfer und elektrische Krabbeltiere. Ihr bekommt viel geboten und könnt euch taktisch ausprobieren.

Die Bosskämpfe zählen klar zu den Höhepunkten des Spiels, welches lediglich 19,99 kostet. Sie sind fordernd, oft mehrphasig hinsichtlich der Angriffsmuster und verlangen saubere Bewegungen sowie gutes Skill- und Mod-Management. Manche der Wächter fliegen, werfen Äxte, haben mehrere Hände oder Giftige Stacheln, können Springen, Heranstürmen oder euch mit Lasern das Leben schwer machen. Wer hier geduldig die Muster studiert und auch das Ausweichen im richtigen Zeitpunkt einsetzt, hat eine gute Chance. Besonders positiv fiel uns dabei die optionale Barrierefreiheitseinstellung „Erosion“ auf. Scheitert ihr an einem Boss, könnt ihr einstellen, dass er beim jeweils nächsten Versuch weniger Lebensenergie besitzt. Diese Lösung ist thematisch stimmig und sorgt dafür, dass Frust reduziert wird, ohne den Anspruch komplett zu verlieren.

Mods, Upgrades und Individualisierung

Eine der größten Stärken von MIO: Memories in Orbit liegt in seinem Modifikationssystem, welches bereits als taktisches Moment in den Bosskämpfen tangiert wurde. Ihr sammelt mit Spielgeschehen Modifikatoren, mit denen ihr MIO gezielt an euren Spielstil anpassen könnt. Dabei könnt ihr Mods aktivieren, die euren Hud mit sinnvollen Informationen erweitern wie der Lebensleiste von MIO, aber auch den Informationen zum Gesundheitsbalken der Gegner. Im Spielverlauf findet ihr an entlegenen Orten weitere Mods, die Angriffskombis verstärken, bei sinkender Gesundheit zu mehr Angriffsstärke führen oder euch zusätzliche Mods aktivieren lassen.

Letzteres ist immer ein taktischer Trade-Off, der sich besonders für Bosskämpfe lohnt. Denn wenn die begrenzten Mod-Zuteilungsplätze in der Zuteilungsmatrix erweitert werden, könnt ihr oft weniger der Spielwährung - Perlmutt - bei besiegten Gegnern finden oder euch nicht an Heilungsbrunnen stärken. Natürlich lassen sich auch alte Antriebskerne oder Perlen finden, die in Kombination mit Perlmutt in der Werkstatt gegen Upgrades eingetauscht werden können und eure Ressourcensituation verbessern. Auf diese Weise seid ihr nachhaltig gefordert, das Gefäß zu erkunden und eure Konfiguration anzupassen.

Dabei ist auch das mit der Zeit intuitive Spiel zwischen Risiko und Sicherheit wichtig. Sammelt ihr hunderte Einheiten von Perlmutt, scheitert aber an einer hakeligen Sprung-Passage oder lauft versehentlich in einen abgeschlossenen Kampf oder sogar einen Boss-Raum, verliert ihr am Ort des Ablebens eure gesammelten, aber noch nicht in Kristalle umgewandelten Ressourcen. Auch beim erneuten Aufsuchen dieses Ortes sind diese Ressourcen verloren, sodass ihr sorgsam entscheiden müsst, wie weit ihr euch in unbekannte Gebiete vorantraut, ohne genau abschätzen zu können, ob ihr es noch heil zurückschafft, um eure Ressourcen verwerten zu können.

Auch dieser Umstand führte dazu, dass wir in unserer Testphase die Mods regelmäßig wechselten. Für Erkundungstouren setzten wir eher auf Regeneration und Mobilität, während in kampflastigen Abschnitten offensive oder defensive Modifikatoren sinnvoller waren. Dieses flexible System sorgt dafür, dass sich das Gameplay stets frisch anfühlt und ihr euren treuen Roboter immer wieder neu erfinden könnt.

Barrierefreiheit und Optionen

Neben der bereits erwähnten Einstellung „Erodierte Bosse“ bei Bosskämpfen bietet das Spiel eine Option „Parzifist“, bei der Gegner erst dann aggressiv werden, wenn ihr selbst einen Kampf initiiert. Dadurch könnt ihr Gebiete zunächst gefahrloser erkunden, Ressourcen, Geheimnisse und Items sammeln und alte Maschinen plündern. Die dritte Unterstützungsoption ist die „Bodenheilung“ welche bei Bodenkontakt MIO temporär mit einer Schutzschicht umhüllt.

Gerade in den ersten Spielstunden erwiesen sich diese Einstellungen als sehr hilfreich. Da ihr nach dem Tod häufig zum letzten Speicherpunkt zurückgesetzt werdet und Wege erneut zurücklegen müsst, kann das Erkunden sonst mühsam werden. Diese Optionen ermöglichen es euch somit, das Tempo und den Schwierigkeitsgrad ein Stück weit an eure Vorlieben anzupassen, ohne das Kernerlebnis zu verfälschen. Darüber hinaus könnt ihr euch den klassischen Soundeinstellungen widmen oder die Tastenbelegung und Achsen-Einstellung inviertieren, falls ihr beim häufigen Platforming andere Tastenkombinationen bevorzugt.

Grafik und künstlerisches Design

Visuell ist MIO: Memories in Orbit ein echter Blickfang. Die Welt ist filigran gezeichnet, geprägt von Aquarell und Pastellfarben, die einen starken Kontrast zur technischen Umgebung und der harten Thematik des Verfalls bilden. Diese Mischung aus organischen Formen und kalter Mechanik erzeugt einen einzigartigen Stil, der sich deutlich von Genrevertretern abhebt.

Auf der Nintendo Switch 2 kommt diese Ästhetik hervorragend zur Geltung. Details bleiben auch in Bewegung scharf, Animationen wirken flüssig und die einzelnen Biome mit ihren Maschinen und Wächtern besitzen klare visuelle und spielerische Identitäten. Für uns war jeder neue Bereich ein kleines Highlight, weil er stets neue Eindrücke bot und zum Innehalten einlud.

Dass wir in einem Metroidvania nicht nur eine vielschichtige und erkundungswürdige Map zu Gesicht bekommen, sondern auch 15 Bosse, ist keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der Spiele von visuellen und akustischen Hilfestellungen überfrachtet werden, statt den Spieler mit dem schieren Glücksgefühl der Genugtuung überkommen zu lassen, selbst etwas entdeckt oder nach zahlreichen Anläufen geschafft zu haben, ohne Hürden überspringen zu dürfen. Diese Toleranz und die damit einhergehende Fähigkeit von Spielern, droht der Industrie verloren zu gehen. Umso erwähnenswerter für uns, dass Publisher Focus Entertainment seinem Entwicklerstudio Douze Dixièmes diese Freiheit zugestanden hat und - so wie wir auch - mit einem hervorragenden Spieldesign, das vor Kreativität und Herausforderung strotzt, belohnt wurde.

Sound und Musik

Die musikalische Untermalung hält sich meist bewusst im Hintergrund und geht trotzdem in Mark und Bein. Sanfte, dezente Sounds, begleiten eure Reise durch das Gefäß, ohne sich aufzudrängen. Dabei erlebt ihr choral-mystische Klänge, vielseitige Instrumentalität, die mit Harmonien und Dissonanzen spielt, Geschwindigkeit und Lautstärke nutzt, um am Ende ein perfektes, ambientes Sounddesign entstehen lässt. Doch auch elektronische Bezüge, wie man sie aus Dubstep kennt, sind dabei. Mit insgesamt über 70 Musikstücken hat Komponist Nicolas Gueguen seine Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die dadurch so stimmige Symbiose aus Atmosphäre und Sound, die das Gefühl von Einsamkeit, Bedrohung, aber auch Hoffnung und Entdeckung unterstreicht, begleitet euch auf eurer gesamten Reise mit MIO. Uns versetzte diese fein arrangierte Klangkulisse zeitweilig sogar in eine meditative Stimmung, sodass das Spielgeschehen und eigene Erleben einfach immer weiterfließen konnte.

Technik und Performance

Technisch zeigte sich MIO: Memories in Orbit in unseren Testsessions von seiner besten Seite. Die Performance auf der Nintendo Switch 2 war durchgehend stabil, Eingaben wurden präzise umgesetzt, was für einen Platformer und Metroidvania dieser Art unerlässlich ist. Bis auf seltene Mikro-Lags konnten wir darum keine nennenswerten technischen Probleme feststellen. Auch die Ladezeiten hielten sich im Rahmen und störten, auch bei Respawns, den Spielfluss kaum.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt der Einstieg. Gerade zu Beginn, in der ersten Spielstunde, hätten minimale Erklärangebote helfen können, wenn man längere Zeit feststeckt. Dennoch ist dies weniger ein technischer Mangel als eine bewusste Designentscheidung, die nicht jeden Spielertyp gleichermaßen abholt.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

MIO: Memories in Orbit ist ein bemerkenswertes Metroidvania, das nicht laut um Aufmerksamkeit buhlt, sondern sie sich leise und konsequent verdient. Es nimmt sich Zeit, fordert Geduld und belohnt Entdeckergeist mit einer faszinierenden Welt, tollem Klang, tiefgehenden Systemen und einem starken künstlerischen Stil, geprägt von Aquarell und Pastell. 15 einzigartige Wächter-Bosse mit individuellen Angriffsmustern werden euch dabei einiges abverlangen, wenngleich Schwierigkeitsgrad und Mechaniken stets fair bleiben. Mit der Zeit entdeckt ihr Verbesserungs-Modifikationen, die ihr taktisch wechseln und ausbauen könnt und neue Fähigkeiten, die euer Traversal bereichern. Wer bereit ist, sich auf dieses Tempo einzulassen, erlebt eine Reise voller Geheimnisse, Entwicklung und emotionaler Momente.

Design
9.5
Sound
9.0
  • Einzigartige, atmosphärische Welt mit starkem Artstyle
  • Tiefgehendes Metroidvania Gameplay mit sinnvoller Charakterentwicklung
  • Flexibles Mod System für unterschiedliche Spielstile
  • Stabile Technik und saubere Performance
  • Einstieg erfordert Geduld und Anpassung
  • Bleibt im Narrativ teils zu kryptisch
  • Wiederholter Weg zum Boss kostet Zeit
  • mehr Backtracking durch fehlende Marker

Vielen Dank an die Firma Focus Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.

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