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Warhammer 40,000: Rogue Trader

Warhammer 40,000: Rogue Trader

Phil

Vom PC auf den Hybrid-Thron: Kann das gewaltige Rollenspiel-Schwergewicht von Owlcat Games auf Nintendos neuer Hardware glänzen oder bricht der Maschinengeist unter der Last zusammen? Wir haben uns ins Koronus-Expansum gewagt.

Warhammer 40,000: Rogue Trader

NSW2

Entwickler
Owlcat Games
Publisher
Owlcat Games
Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 16

Ein imperiales Epos zwischen göttlichem Anspruch und technischer Ketzerei

Es gibt Spiele, die sind für den schnellen Snack zwischendurch gemacht. Ein paar Runden Mario Kart, ein kleiner Dungeon in Zelda. Und dann gibt es Spiele wie Warhammer 40.000: Rogue Trader. Es ist ein Monolith. Ein Spiel, das von euch verlangt, dicke Regelwerke zu studieren, politische Intrigen zu spinnen und taktische Schlachten zu schlagen, die gut und gerne eine halbe Stunde dauern können.

Als Owlcat Games ankündigte, dieses ursprünglich 2023 erschienene PC-Epos auf die Nintendo Switch 2 zu portieren, waren wir skeptisch, aber hoffnungsvoll. Schließlich verspricht die Switch 2 dank DLSS-Support und stärkerer CPU endlich PC-nahe Erlebnisse im Handheld-Format. Ob das geklappt hat? Nun, zündet eine Kerze für den Imperator an, denn die Antwort ist kompliziert.

Der Freihändler: Macht, Wahnsinn und Politik

Für diejenigen, die mit dem Warhammer 40.000-Universum (40k) nicht vertraut sind: Vergesst strahlende Helden. In der fernen Zukunft gibt es nur Krieg, religiösen Fanatismus und bürokratischen Albtraum. Ihr schlüpft in die Rolle eines Rogue Traders (Freihändlers). Das ist nicht irgendein Händler, sondern ein Individuum, das mit einem uralten Kaperbrief des Gott-Imperators ausgestattet ist. Ihr besitzt ein Raumschiff so groß wie eine Stadt, befehligt Tausende von Seelen und habt die Erlaubnis, die Grenzen des Imperiums zu erweitern - mit allen Mitteln.

Die Geschichte beginnt klassisch mit einem Erbschaftsdrama, entfaltet sich aber schnell zu einer der besten Storys, die das Genre in den letzten Jahren gesehen hat. Im Gegensatz zu vielen anderen RPGs seid ihr hier kein Niemand, der sich hocharbeiten muss. Ihr startet mächtig. Wenn ihr einen Raum betretet, erzittern Gouverneure. Wenn ihr sprecht, schweigen Generäle. Owlcat Games fängt dieses Gefühl von aristokratischer Arroganz und immenser Verantwortung perfekt ein.

Die Begleiter, die ihr um euch schart, sind das Highlight: Von der fanatischen Sororitas-Schwester Argenta, die Probleme am liebsten mit ihrem Bolter löst, über den technologisch besessenen Tech-Priester Pasqal bis hin zur gefährlichen Navigatorin Cassia. Die Dialoge sind exzellent geschrieben, vertont (zumindest in Schlüsselszenen) und strotzen vor Lore. Aber Warnung: Ihr werdet lesen. Viel lesen. Rogue Trader ist ein interaktiver Roman mit taktischen Kämpfen.

Das System: Komplexität trifft Freiheit

Spielerisch orientiert sich der Titel an den Regelwerken die man auch von den Tabletops aus dem Warhammer 40.000-Universum kennt. Initiative, Bewegeungsphase, Aktion, nur ohne Würfel.

Das Charaktersystem ist dabei fast schon einschüchternd tief. Statt fester Klassen wählt ihr einen Archetypen (z.B. Offizier, Krieger, Operative) und spezialisiert diesen später weiter. Wollt ihr einen Scharfschützen, der die Schwachstellen der Gegner analysiert und dann mit einem Schuss massiven Schaden anrichtet? Oder lieber einen Offizier, der selbst kaum angreift, aber seinen Teamkameraden zusätzliche Züge schenkt?

Die Synergien sind gewaltig. In unserem Test haben wir eine Party gebaut, die fast nur darauf ausgelegt war, unserer Nahkämpferin so viele Extra-Züge wie möglich zu geben, damit sie wie ein Wirbelwind durch die Gegnerreihen pflügt. Wenn so ein Plan aufgeht, fühlt sich Rogue Trader grandios an. Wenn nicht, werdet ihr gnadenlos vernichtet, denn der Schwierigkeitsgrad ist, typisch für Owlcat, knackig.

Die Switch 2-Erfahrung: Der Elefant im Raum

Kommen wir zum Punkt, der euch als Nintendo-Spieler am meisten interessiert: Wie läuft das Ding auf der Switch 2? Wir hatten große Hoffnungen. Die Switch 2 ist deutlich leistungsfähiger als ihr Vorgänger. Doch Rogue Trader zeigt uns schmerzhaft, dass Rohleistung nichts ohne Optimierung ist.

Die Grafik und Performance

Im Docked-Modus sieht das Spiel auf den ersten Blick passabel aus. Die gotischen Kathedralen, die düsteren Fabrikwelten und die Effekte der Warp-Magie kommen gut zur Geltung. Die Auflösung scheint dynamisch zu skalieren, wirkt auf dem TV aber meist scharf genug. Das Problem ist die Framerate. In engen Korridoren läuft das Spiel flüssig mit 30 bis 40 FPS (eine offene Framerate scheint hier aktiv zu sein, was ohne VRR-Display zu Rucklern führt). Sobald aber Feuergefechte mit vielen Teilnehmern ausbrechen oder wir uns in der Hauptstadt Footfall bewegen, bricht die Performance ein. Wir reden hier von spürbaren Rucklern und Verzögerungen, die teils unter 20 FPS fallen. Für ein rundenbasiertes Spiel ist das kein "Game Breaker", aber es zehrt an den Nerven.

Im Handheld-Modus wird es schwieriger. Das Spiel sieht auf dem neuen, größeren Screen der Switch 2 zwar farblich toll aus, aber die Auflösung wird aggressiv heruntergeregelt. Das Ergebnis ist ein oft verwaschenes Bild, bei dem feine Details der Rüstungen im Pixelbrei untergehen.

Die Steuerung und das UI-Problem

CRPGs mit Controller zu steuern, ist immer ein Kompromiss. Owlcat hat sich Mühe gegeben, aber die Menüführung ist zäh. Inventar-Management, ein riesiger Teil des Spiels, wird zur Geduldsprobe. Das Verschieben von Ausrüstung, das Vergleichen von Werten und das Handeln fühlen sich mit den Joy-Cons und auch dem Pro Controller schwammig und langsam an.

Das größte Verbrechen ist jedoch die Schriftgröße. Selbst auf dem größeren Screen der Switch 2 sind die Texte im Handheld-Modus winzig. Es gibt zwar eine Option zur Skalierung, aber wenn man diese nutzt, überlappen sich häufig UI-Elemente oder Tooltips ragen aus dem Bildschirm heraus. Wer vorhat, Rogue Trader im Bett oder in der Bahn zu spielen, sollte gute Augen oder eine Lesebrille bereithalten.

Ladezeiten und Bugs

Dank der SSD der Switch 2 sind die Ladezeiten erfreulich kurz, ein riesiger Fortschritt gegenüber ähnlichen Ports auf der alten Switch. Allerdings ist das Spiel nicht bugfrei. Wir hatten in unserer Testphase den ein oder anderen kompletten Absturz und mehrere Glitches, bei denen KI-Gegner einfach aufhörten zu agieren, was einen Neustart des Kampfes erzwang.

Atmosphäre und Sound: Ein Fest für Grimdark-Fans

Wo die Technik stolpert, glänzt die Präsentation. Der Soundtrack ist wuchtig, sakral und bedrohlich, also genau so, wie 40k klingen muss. Die Soundeffekte der Waffen, vom donnernden Krachen eines Bolters bis zum Zischen eines Melters, haben ordentlich "Wumms". Auch die visuelle Gestaltung der Umgebungen fängt die hoffnungslose, aber majestätische Stimmung des 41. Jahrtausends perfekt ein. Man spürt förmlich den Rost, das Öl und das Weihrauch in der Luft.

7.0Wertung

Fazit

Ein Rohdiamant mit Ecken und Kanten. Warhammer 40.000: Rogue Trader ist inhaltlich eines der besten Rollenspiele, die ihr aktuell kaufen könnt. Die Freiheit der Entscheidungen, die Tiefe der Charakterentwicklung und die exzellente Story sind auf einem Niveau mit Baldur's Gate 3 oder Divinity: Original Sin 2. Es ist ein Spiel für Denker, Taktiker und Story-Liebhaber. Und man muss Bock haben, sich mit dem Warhammer 40k-Universum auseinander zusetzen und rein zu arbeiten. Aber wir müssen eine Warnung aussprechen: Die Switch 2-Version ist zum jetzigen Zeitpunkt die schwächste Art, dieses Meisterwerk zu genießen. Die Hardware der Switch 2 wird hier nicht durch mangelnde Power, sondern durch mangelnde Optimierung der Unity-Engine zurückgehalten. Es bleibt die Hoffnung auf Patches. Owlcat Games hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie ihre Spiele lange pflegen. Rogue Trader auf der Switch 2 ist spielbar und der Inhalt ist fantastisch, aber der Weg dorthin ist so holprig wie ein Warp-Sprung ohne Geller-Feld.

Design
6.0
Sound
10.0
  • Atmosphärisches Meisterwerk
  • Enorme Entscheidungsfreiheit
  • Tiefgehendes Taktik-Gameplay
  • Gigantischer Umfang
  • Technische Mängel auf der Switch 2
  • Visuelle Einbußen
  • Problematische Lesbarkeit und UI
  • Bugs und Abstürze

Vielen Dank an die Firma Owlcat Games für die Bereitstellung des Testmusters.

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