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Metroid Prime 4: Beyond - Switch 2 Edition

Metroid Prime 4: Beyond - Switch 2 Edition

Ulrich

Sechs Jahre hat Nintendo an Metroid Prime 4: Beyond gearbeitet. Ein Zeitraum, der schon fast ein eigenes Qualitätsversprechen darstellt. Die Erwartungen dahingehend sind gigantisch, vor allem, da man an die legendäre Prime-Trilogie anknüpfen, wenn diese nicht sogar überflügeln sollte. Kurz gesagt: Das Comeback fühlt sich vertraut an. „Beyond“ orientiert sich klar an den früheren Serienteilen und dennoch wurde an manchen Stellen neu gedacht. Wie uns der Titel gefallen hat, erfahrt ihr hier in unserem Test.

Metroid Prime 4: Beyond - Switch 2 Edition

NSW2

Serie
Metroid
Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
NSW2
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 16

Samus is back!

Eure Reise beginnt auf dem Planeten Tanamaar. Die Föderation bittet euch um Hilfe, einen Angriff von Sylux und seinen Space-Pirates zurückzuschlagen. Die Anfangssequenz ist ideal, um euch mit Samus‘ typischen Bewegungs- und Waffenrepertoire vertraut zu machen, bevor ihr die Dinge im klassischen Metroid-Stil wieder verliert. Ein Zusammenstoß mit Sylux und die Verkettung unglücklicher Dinge katapultiert euch schlussendlich nach Viewros, eine feindselige Welt voller unbekannter Kreaturen. Dort stoßt ihr auf eine geheimnisvolle Kultur: den Lamorn.

Ihr müsst die alten Prime-Teile nicht gespielt haben, um euch im neuen zurechtzufinden. Die Story handelt vorwiegend um das Verschwinden/das Aussterben der Lamorn und dem Mysterium, welches dahintersteckt. Samus erhält einen Psi-Kristall, welcher wie ein drittes Auge nun Teil ihres Helms ist. Dieser ermöglicht es ihr, telepathischen Kontakt mit Hologrammen der Lamorn aufzunehmen. Unsere Heldin hat nun die ehrenvolle Aufgabe, als „erkorenes Wesen“, das Wissen und die Erinnerungen der alten Kultur zu sichern und in eine neue Welt zu überbringen. Dazu benötigt sie aber fünf Teleporterschlüssel, welche ihr auch den Weg zurück in ihre eigene Welt ermöglichen. Euer Abenteuer kann nun starten.

Alte Schurken wie Phazon oder Dark Samus spielen keine Rolle mehr, stattdessen rückt Sylux als Antagonist in den Vordergrund.

Willkommen in Viewros

Auf dem Planeten erkundet ihr mehrere große Gebiete, wie die Wälder von Fury Green oder die frostigen Anlagen der Ice Belt Zone. Wie bei den Prime-Teilen üblich steuert ihr Samus aus der Ego-Perspektive. Ihr habt wieder die Möglichkeit, Dinge zu Scannen, um Informationen zu erhalten, die sich auch in eurer Datenbank abspeichern. Ihr nutzt also den Scan-Visor, um Lebensformen und Gegenstände in eurer Umgebung zu analysieren. In Kombination mit den Psi-Fähigkeiten (Psy-Visor), welche ihr von den Lamorn erhaltet, ist es möglich von der Ferne Mechanismen zu bewegen, indem ihr Energiesphären zu euch zieht und an anderer Stelle wieder einsetzt. Außerdem könnt ihr Bomben im Morph Ball schleudern oder die Flugbahn des neuen Control Shots selbst steuern. Damit ist es euch möglich, schwer zugängliche Vorrichtungen oder andere schwer zugängliche Ziele besser zu erwischen.

Die neuen Psi-Kräfte integrieren sich angenehm ins Gameplay und wirken in keiner Weise gezwungen oder aufgesetzt. Zwar sind es im Kern nur Varianten bekannter Mechaniken, aber es macht Spaß. Vor allem der Control-Shot ist ein kleines Highlight und ihr erhaltet ihn schon ziemlich zu Beginn eures Abenteuers.

Auch Samus’ Waffenarm bekam ein paar Neuerungen spendiert. Neben den bekannten Missiles ermöglicht euch ein besonderer Elementar-Chip (erhaltet ihr im Laufe der Story), welcher aus der Lamorn-Technologie stammt, die Kontrolle über drei Elemente zu erlangen. Der Fire Shot lässt Dinge in Brand stecken oder Eis schmelzen, der Ice-Shot lässt Lava gefrieren und Gegner erstarren und der Thunder Shot versorgt Lamorn-Technologie mit dem nötigen Strom oder schockt eure Feinde.

Dafür benötigt ihr aber Elementarmunition (Shots), welche ihr, wie bei den normalen Raketen, als Container sammeln könnt.

Die Gegnertypen gehören sicherlich zu den bestentworfendsten der Serie. Retro setzt dabei auf neue Kreaturen und Bossdesign, die spielerisch, wie visuell, überzeugen. Einziger Kritikpunkt hier ist, dass es nach unserem Geschmack etwas wenig unterschiedliche Gegnertypen gibt. Sie sind reaktiv, aggressiv und nutzen ihre Angriffs­muster gut aus, wirken aber nicht „intelligent“ im modernen Sinne.

Auch in Metroid Prime 4: Beyond erwartet euch wieder klassisches Backtracking. Manche Wege öffnen sich erst mit neuen Tools, Abkürzungen führen zurück zu früheren Bereichen und gut versteckte Upgrades motivieren, Orte erneut zu besuchen. Retro-Studios hat es geschafft, dabei eine gute Balance zu schaffen. Man fühlt sich nie verloren, ihr wisst meistens wo ihr als nächstes hinsolltet und dennoch versprüht der Titel ein gewisses Maß an Freiheit. Eine Schnellreisefunktion gibt es nicht, was vor allem im Wüstensegment (dazu später), ein großer Minuspunkt ist. Die Rätsel orientieren sich stark an den Stärken der Prime-Reihe: Sie sind logisch, visuell gut kommuniziert und verlangen oft ein genaues Verständnis der Umgebung und der Fähigkeiten. Der Schwierigkeitsgrad ist daher knifflig, aber immer lösbar. Die Gegner lassen genug Energiekugeln für euren Gesundheitsstatus zurück, so dann es nie unfair oder zu schwierig wirkt. Es gibt aber drei Schwierigkeitsstufen (schwer nach erstmaligem Durchspielen) zur Auswahl, somit sollte für jeden etwas dabei sein.

Auch in punkto Steuerung habt ihr reichlich Auswahlmöglichkeiten: klassische Dual-Sticks und/oder Gyro-Unterstützung, sowie den Mausmodus könnt ihr einsetzen. Mithilfe der neu entwickelten Joy-Con 2-Controller lässt sich der Spielcursor wie mit einer PC-Maus bewegen – präzise, direkt und erstaunlich flüssig. Zwar erfordert das Umgreifen zu Buttons wie X oder Y anfangs etwas Eingewöhnung und auch die Schultertasten sind ergonomisch nicht ganz optimal (was mit der Zeit ermüden kann), doch der nahtlose Wechsel zwischen klassischer Knopfsteuerung und Bewegungsmodus funktioniert hervorragend.

Die Möglichkeiten sind also da, wobei für uns das Spiel mit dem Pro Controller am stimmigsten war.

Die Föderationstrupps

Die fünf Hauptgebiete gehören klar zu den Höhepunkten im Spiel. Sie sind dicht gestaltet, vermitteln eine großartige Atmosphäre und halten die ein oder andere Rätsel- und Actionpassagen parat. Besonders im Gedächtnis bleibt die Volt Forge: optisch überwältigend und spielerisch sehr abwechslungsreich.

Auf eurer Reise begegnet ihr immer wieder Mitgliedern des Föderationstrupps. Myles, Nora, Armstrong, Ezra, Duke, Reger Tokabi und VUE-995 tauchen innerhalb der Story mehrmals auf. Manche lieben sie, manche verabscheuen sie und meinen: „Das hätte Metroid nicht gebraucht!“. Doch trotz anfänglicher Skepsis finden wir, dass sie weit weniger nerven als im Vorfeld befürchtet. Die Einsätze halten sich kurz und sind hier und da witzig. Besonders auffällig ist nur der Techniker Myles. Dieser meldet sich immer wieder per Funk und gibt klare Hinweise auf nächste Ziele. Das kann man leider auch nicht ausstellen und gerade dies könnte Metroid-Veteranen, die selbst den Weg finden wollen, das Spielgefühl etwas zerstören.

Euch erwartet eine Spielzeit von ca. 16 Stunden. Neu sind auch sogenannte Scout Bots, die gegen Ende helfen, verbleibende Items auf der Map sichtbar zu machen.

Das Sol-Tal – Der Wüstenhub

Nach einigen Stunden Spielzeit erhaltet ihr Zugang zu Vi-O-La, einem futuristischen Bike. Mit diesem ist es möglich, sich im zentralen Gebiet Sol Valley schneller fortzubewegen. Die fünf großen Dungeons stehen nämlich nicht mehr dicht nebeneinander, sondern sind über eine offene, weitläufige Zone verbunden. Die Fortbewegung mit dem Bike, das Driften durch Kurven, das Springen über Dünen macht auf alle Fälle Spaß. Ihr findet Sammelobjekte, Schreinstandorte und Föderationsschauplätze, die immer wieder neue Anreize bieten. Der Hub soll vor allem die Illusion von Offenheit und Freiheit suggerieren. Mit der Zeit nervt aber das Umherkurven zwischen den Welten etwas und man hätte sich eine Schnellreisefunktion gewünscht.

Doch leider ging der Plan der Entwickler nicht ganz auf. Sol-Valley ist wenig überraschend, vieles wirkt eher funktional statt lebendig. Gerade die Leere stört gewaltig die Immersion. Die fehlende Hintergrundmusik soll das isolierende Gefühl der Wüste verstärken. Ihr könnt zwar welche mit dem Samus-amiibo freischalten, aber dass ein „Grundfunktion“ hinter einer Paywall versteckt ist, stößt vielen Fans sauer auf. Es wirkt wie ein unnötiger Stolperstein, der im klaren Widerspruch zur sonst perfekten audiovisuellen Inszenierung steht. Ja, es macht irgendwie Spaß über den Sand zu brettern. Doch ob es das gebraucht hätte, muss jeder für sich entscheiden.

Technisch überzeugend

Vorweg muss man erwähnen, dass es sich bei Metroid Prime 4: Beyond um ein Switch-Spiel handelt, welches für die Switch 2 per "Nintendo Switch 2 Edition" optimiert wurde. Doch schon die ersten Meter im Gebiet Fury-Green zeigen eindrucksvoll, was technisch möglich ist. Alles wirkt lebendig, Partikel- und Lichteffekte werden gekonnt eingesetzt, so wie wir es bisher kaum in einem Nintendo-Spiel gesehen haben. Hier und da findet ihr ein paar matschige Texturen, aber im Großen und Ganzen mehr als solide.

Ihr könnt wischen zwei Darstellungsmodi wählen.

- Qualität: 4K/60fps (1080p mobil)
- Performance: 1080p/120fps (720p mobil)

- Docked: 4k/60 fps und 1080p/120 fps
- Handheld: 1080p/60 fps und 720p/120 fps

Die höhere Bildrate ist deutlich spürbar, dennoch hatten wir die meiste Freude mit dem Qualitätsmodus. Die Auflösungseinbußen machen sich bemerkbar, während es auf 4K/60fps absolut sauber läuft. Im Handheldmodus merkt man zwar die grafischen Abstriche - vor allem bei 720p - aber auch selbst dort mag es visuell zu überzeugen. Dennoch raten wir euch hier zu 1080p/60fps.

Euch erwarten gelungene Cuntscenes, hochwertig und cineastisch inszeniert. Allerdings nur in englischer Sprachausgabe. Auch wirken die Dialoge an manchen Stellen komisch, da Samus einfach stumm ist. Getragen wird das Ganze von einem der besten Soundtracks des Jahres, der perfekt die Atmosphäre unterstreicht. Jeder Schauplatz klingt eigenständig, kraftvoll und zusammen mit der visuellen Pracht bleibt er in Erinnerung.

Amiibo-Funktion

Nintendo bietet drei neue Figuren passend zum Spiel:

- Samus (ca. 20 Euro)
- Sylux (ca. 20 Euro)
- Samus & Vi-O-La (ca. 30 Euro)


Wie bereits erwähnt, sorgen gerade die amiibos für Gesprächsstoff unter den Fans. Viele fragen sich, warum Story-Elemente hinter eine Paywall versteckt werden und gerade Nintendo nun diesen Weg einschlägt? Doch worum geht’s?

Samus: Mit Samus könnt ihr Musikoption für Vi-O-La im Wüstenhub freischalten. Außerdem bekommt ihr einmal am Tag einen Bonus-Schild, der die Lebensenergie wiederherstellt und anschließend bis zu 99 Schadenspunkte absorbiert.

Sylux: Scannt ihr die Sylux-Figur öffnet sich ein zufälliger Dialog mit dem Kopfgeldjäger. Außerdem bekommt ihr so die komplette Version der gekürzten Zwischensequenz zu sehen. Dies ist zwar auch möglich, wenn ihr eine 100-Prozent-Rate bei Scans und gesammelten Items erreicht habt, aber ansonsten müsst ihr Geld für das vollständige Ende bezahlen.

Samus & Vi-O-La: Aktiviert ihr die schicke und durchaus von der Größe her attraktive Bikefigur, könnt ihr die Farbe eures Vi-O-Las ändern. Mit zurückgelegter Strecke werden nach und nach Skins freigeschaltet. Ihr seht also unter anderem die zurückgelegte Distanz und einmal am Tag verkürzt ihr damit die Ladezeit des Boosts auf dem Motorrad.

7.5Wertung

Fazit

Metroid Prime 4: Beyond – ein Comeback, das Mut, Modernisierung und klassische DNA vereint. Es zeigt, dass die Reihe auch nach all den Jahren nicht an Relevanz verloren hat, wie zeitlos die Weltraumheldin ist und der Titel gleichzeitig ein Wegweiser für die Zukunft ist. Technisch präsentiert sich Beyond auf hohem Niveau: starke Performance, atemberaubende Gebiete, großartiger Soundtrack, herausragende Dungeons und packende Fights sorgen für viele Stunden Spielespaß. Einzig der offene Hub Sol Valley ist ambitioniert, aber überzeugt nicht durchgehend. Auch die versteckten Funktionen die hinter der amiibo-Paywall verborgen sind, sind auf alle Fälle kritisch zu hinterfragen. Metroid bleibt lebendig und eigenwillig, wie die Serie schon immer war. Mit Sicherheit ist Metroid 4: Beyond ein würdiger Nachfolger, welches ein neues Kapitel in den Prime-Chroniken schreibt – nicht makellos, aber unverkennbar Prime.

Design
9.0
Sound
8.0
  • Fantastische Atmosphäre, tolle Dungeons
  • Neue PSI-Fähigkeiten, viel Scanbares
  • Stabile Performance
  • Cleveres Leveldesign
  • Leeres Wüstengebiet, tlw. matschige Texturen
  • Coole Features hinter amiibos versteckt
  • Keine Schnellreisepunkte
  • Nur englische Sprachausgabe

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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