
OCTOPATH TRAVELER 0
Wer die bisherige Teile der Octopath-Reihe gespielt hat, der weiß, was einen erwartet: kunstvolles HD-2D-Design, ein ausgeklügeltes Kampfsystem und mehrere ineinander verwobene Geschichten. Mit Octopath Traveler 0 wagt Square Enix nun einen Schritt zurück. Zeitlich gesehen geht es nämlich vor die Ereignisse des ersten Spiels. Und dennoch geht es auch einen Schritt nach vorne, denn das Prequel erweitert bekannte Mechaniken und es wirkt persönlicher, umfangreicher und ambitionierter. Wie uns der Titel gefallen hat, erfahrt ihr hier in unserem Test.
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OCTOPATH TRAVELER 0
NSW2
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Square Enix
- Publisher
- Square Enix
- Konsole
- NSW2
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Sei dein eigener Held
Im Jahre 2020 erschien ein Zwischenteil der Reihe - "Octopath Traveler: Champions of the Continent" - für mobile Geräte. Square Enix entschied sich nun, eine eigene Version für Konsolen zu entwickeln: Octopath Traveler 0. Es handelt sich dabei weder um eine einfache Portierung des Originals, noch um ein komplett neues Spiel. Ein zuvor fragmentiertes Spiel wurde ohne Online-Elemente und Mikrotransaktionen in ein vollwertiges, zusammenhängendes RPG verwandelt. In Octopath Traveler 0 schlüpft ihr das erste Mal in die Rolle eines selbst erstellten Helden, dessen Heimatdorf Wishvale zerstört wurde. Verantwortlich dafür sind drei mächtige Schurken: ein selbsternannter „Held“, eine exzentrische Dramatikerin und eine reiche Händlerin, die ein gefährliches Drogennetzwerk kontrolliert. Alle drei tragen auch Mitschuld am Tod eurer Eltern und somit gibt es nur eine Aufgabe: Rache! Es geht also um Vergeltung und daneben um den Wiederaufbau und der Hoffnung eines Landes.
Zum ersten Mal in der Seriengeschiche ist es möglich, euer Aussehen und das Auftreten eures Helden selbst zu bestimmen. Der Editor ist, passend zum Design, sehr simpel aufgebaut. Ihr bestimmt Geschlecht, Augenfarbe, Frisur, Hautton und Stimme. Ihr könnt eure Stärke (Kampf, Heilung, usw.), euer Lieblingsgericht und 3 Ausrüstungsgegenstände, sowie euren Namen wählen. Manche der Ausrüstungsgegenstände sind sehr kryptisch und es wird spannend, deren Einsatz bzw. deren Bedeutung herauszufinden. Es verleiht der gesamten Story eine gewisse persönliche und interessante Note.

Die Story verteilt sich auf mehrere Erzählstränge. Habt ihr die Einführung hinter euch gelassen, müsst ihr euch für eine der ersten großen Stränge entscheiden: „Master of Wealth“, „Master of Power“ oder „Master of Fame“. Keine Sorge, die Wahl ist nicht endgültig. Ihr dürft später jederzeit zwischen den Storylines wechseln.
Habt ihr alle drei absolviert, öffnet sich das Grande Finale, welches schließlich in die „Master of All“-Geschichte übergeht. Hinzu kommen zahlreiche Nebenaufträge, die euch neue Party-Mitglieder, neue Ausrüstung, Gelder und ein besseres Verständnis für die Welt Orsterra liefern.
Während unseres Tests wurde uns der Umfang des Spiels bewusst, Square Enix spricht sogar von rund 100 Stunden Hauptstory. Euch erwartet eine spannende Reise mit zahlreichen Charakterentwicklungen, Wendungen, Rache- und Matchkämpfen, sowie zahlreichen Bossen.
Das Kampfsystem
Wie schon bei den Vorgängern ist auch in Octopath Traveler 0 das Kampfsystem eine der großen Stärken. Die Serie etabliert seit Jahren das „Break-&-Boost-System“.
Break: Jeder Gegner besitzt Schwachpunkte, die es zu entdecken gilt. Die Auswahl der Elemente (Feuer, Eis, Licht, usw.) oder der richtigen Waffen (Schwert, Axt, Bogen) ist entscheidend, um nach und nach die Schildpunkte der Feinde zu brechen. Ist ein Feind „gebrochen“ erhaltet ihr einen wertvollen Zugvorteil. Dies bedeutet nichts anderes, als dass euer Gegner für kurze Zeit K. O. ist und somit zu keinen neuen Gegenschlägen ausholen kann.
Boost: Jeder Charakter erhält am Ende eines Zuges automatisch Boost-Punkte (BP). Mit diesen ist es möglich, Angriffe, Heilungen oder Fähigkeiten zu verstärken. Pro Aktion ist es möglich, bis zu 3BP einzusetzen. Je mehr ihr ausgebt, desto mächtiger wird der Effekt (z. B. Mehrfachangriffe, verstärkte Zauber etc.). Auch die Boosts sollten geschickt eingesetzt werden, da ihr dann im darauffolgendem Zug keine neuen BP bekommt. Taktisch gesehen ist das schon von Vorteil, denn kennt ihr die Schwächen, könnt ihr mit gezielten und aufgemotzten Attacken sehr schnell den Gegner besiegen oder zumindest den Schildwert dramatisch senken.
Acht Charaktere im Kampf ist bei Octopath Traveler nichts Neues. Interessant ist aber, dass ihr im neuesten Ableger bis zu acht Figuren „gleichzeitig“ einsetzen könnt. Vier Akteure kämpfen dabei aktiv an der Front, während die aus den anderen vier Kämpfern bestehende Reihe jede Runde automatisch Lebenspunkte und SP regeneriert. Der Wechsel zwischen beiden Linien ist jederzeit möglich, vorausgesetzt natürlich, dass keine Gegnermechanik die Aktion blockiert. Die Kämpfe werden dadurch flexibler und strategisch deutlich komplexer, denn euren Feinden ist es möglich, gezielt Charaktere in den hinteren Reihen anzugreifen oder die Position durcheinander zu würfeln. Konzentration und taktisches Feingefühl sind auf alle Fälle gefragt.

Erkundung & Wiederaufbau
Neben den Kämpfen lebt Octopath Traveler 0 von der Freiheit, die euch das Spiel gibt. Ihr habt die Möglichkeit Regionen in eigener Reihenfolge zu besuchen, Nebenaufgaben nach Lust und Laune zu erledigen oder einfach Ressourcen zu sammeln. Ein zentraler Bestandteil ist jedoch die Wiedererrichtung eures zerstörten Heimatdorfs Wishvale.
Anfangs geht es dabei noch recht simpel zur Sache: Werkzeuge, Häuschen und Dekoelemente lassen sich auf freien Bauflächen platzieren. Im Laufe des Spielfortschritts werden hier die Mechaniken aber immer komplexer. Neu rekrutierte Bewohner übernehmen diverse Shops, die mit gefundenen Handelsverträgen wachsen und Zugriff auf zusätzliche Ausrüstung oder besondere Waren ermöglichen. Auf der Switch 2 ist es möglich, bis zu 400 Gebäude zu platzieren, während es auf der Switch 1 auf 250 begrenzt ist.
Parallel läuft die eigene Questreihe „Kindler of the Flame“, die sich ausschließlich dem Wiederaufbau widmet. Natürlich dürfen hier diverse Boni und neue Möglichkeiten im Dorf nicht fehlen.
Während euren Erkundungen werdet ihr hier und da auf besonders starke Feinde treffen, die optisch sichtbar in Dungeons platziert sind. Diese „Elite-Monster“ liefern beim Besiegen wertvolle Materialien, die wiederum für wichtige Gebäude-Upgrades eingesetzt werden können. Auch gibt es eine Menge an Zufallskämpfen, die ihr leider, im Vergleich zu anderen Square Enix-Titeln - nicht regulieren könnt.
Ein kleiner Tipp am Rande ist der Einsatz der Trainingshalle im Dorf. Dort sammeln ungenutzte Gruppenmitglieder automatisch Erfahrungs- und Jobpunkte. Dies kann für den weiteren Verlauf durchaus hilfreich und wertvoll sein.

Das Klassensystem – die Jobs
Octopath Traveler 0 bringt alle acht klassischen Jobklassen der Reihe zurück: Krieger, Jäger, Apotheker, Händler, Kleriker, Gelehrter, Tänzerin und Dieb. Wie gewohnt hat jede ihre eigenen Waffen und Fähigkeiten. Neu ist dieses Mal, dass Charaktere einer Klasse zwei Waffengattungen gleichzeitig führen können (z. B. Schwert und Speer, Dolch und Bogen etc.). Somit stehen euch auch mehr Optionen zur Verfügung, um gegnerische Schwächen auszunutzen.
Es ist möglich, zwischen allen „Jobs“ frei zu wechseln, sobald diese Funktion freigeschaltet wurde. Jobpunkte (JP) werden nicht klassenbasiert vergeben, sondern können beliebig eingesetzt werden. Somit ist es möglich, den Helden langfristigen in allen Jobs voranzubringen. Jobpunkte erhaltet ihr übrigens durch Kämpfe.
Es gibt auch noch seltene „Spezialklassen“. Diese stellen Mischformen dar und kombinieren extreme Einschränkungen mit außergewöhnlicher Stärke. Ein sinnvoller Mix im Team kann durchaus mächtige Synergien erzeugen.
Technik und Präsentation
Wo beim Gameplay die Muskeln gezeigt werden, ist es auf technischer Seite eher ernüchternd. Gerade im Vergleich zu Octopath Traveler 1 und 2 fällt der Titel visuell etwas ab. Die HD-2D-Grafiken sehen, wie gewohnt, wunderschön aus, großartige Lichteffekte verzücken das Auge. Die Umgebungen wirken aber veraltet und hier und da detailarm. Auch Texturen wirken stellenweise matschig. Ein Grund könnte sein und das ist natürlich nur eine Vermutung, dass das Spiel auf dem mobilen Ableger „Champions of the Continent“ basiert, dessen Assets nun – teils stark überarbeitet, teils kaum modernisiert – erneut genutzt wurden. Es wurde aber bereits ein „Day-One-Patch“ angekündigt. Mal sehen, ob sich danach etwas ändert.
Auf der Switch 2 läuft alles sehr flüssig, nur beim Wiederaufbau von Wishvale kam es hier und da zu leichten Rucklern. Das Spiel läuft mit bis zu 60 FPS bei einer Auflösung von 1080p. Die Switch 1 hingegen bleibt etwas darunter und läuft mit bis zu 30 FPS bei 720p. Auch im Handheld sieht das Spiel schön aus, doch die Auflösung wirkt etwas niedriger. Das optisch schönere Spielerlebnis (auch was die Texturen betrifft), habt ihr sicherlich auf dem Fernsehgerät.
Akustisch ist Octopath Traveler 0 eines der stimmungsvollsten HD-2D-Siele. Der orchestrale Soundtrack bleibt lange im Ohr. Jede Region hat ihr eigenes Thema und besonders die Kampfmusik sticht erneut heraus. Auch die Synchro überzeugt auf ganzer Linie – sowohl die englischen, als auch die japanischen Sprecher liefern eine stimmungsvolle Vertonung ab.
Fazit
Octopath Traveler 0 – Ein Prequel, das die Klassiker würdigt. Euch erwartet erzählerische Wucht, ein anspruchsvolles und geniales Kampfsystem und jede Menge Jobklassen. Gerade letztere sorgen für noch mehr Tiefe und Möglichkeiten. Die Präsentation bleibt leider etwas hinter den Vorgängern zurück, was schade ist. Wir rechnen aber stark damit, dass diese Mängel mit dem „Day-One-Patch“ der Vergangenheit angehören. Octopath Traveler 0 zieht euch erneut in eine lebendige Welt voller Abenteuer. Ein Prequel, das die vertrauten Stärken der Serie aufgreift und geschickt erweitert. Wer epische Geschichten, taktische Kämpfe und charmante HD 2D-Grafik liebt, sollte Octopath Traveler 0 nicht verpassen.
- Taktisch anspruchsvolles Kampfsystem
- Großartige Atmosphäre und Artdesign
- Starker Soundtrack
- Große Freiheiten im Gameplay
- Visuell nicht ganz auf Höhe der Vorgänger
- fehlende deutsche Texte und Menüs
- kein 4K
- Zufallskämpfe mit der Zeit nervig
Vielen Dank an die Firma Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters.