
Bravely Default Flying Fairy HD Remaster
Mit dem Erscheinen von Bravely Default: Flying Fairy HD auf der Nintendo Switch 2 erhält eines der beliebtesten rundenbasierten Rollenspiele der 2010er-Jahre ein überarbeitetes Comeback. Ursprünglich erschien der Titel für den Nintendo 3DS und galt damals als einer der Höhepunkte des Genres. Ob die HD Version den Charme der Originalversion einfangen kann, erfahrt ihr hier in diesem Test.

Bravely Default Flying Fairy HD Remaster
NSW2
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Square Enix
- Publisher
- Square Enix
- Konsole
- NSW2
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Klassische Fantasy-Action
Die Geschichte von Bravely Default: Flying Fairy spielt in der vom Verfall bedrohten Fantasy-Welt Luxendarc, in der vier elementare Kristalle – Wind, Wasser, Feuer und Erde – einst für Ordnung und Harmonie sorgten. Doch diese Kristalle sind durch eine geheimnisvolle Dunkelheit geschwächt oder korrumpiert worden, was Naturkatastrophen und Chaos im ganzen Land verursacht.
Der junge Bauer Tiz Arrior überlebt als einziger die Zerstörung seines Heimatdorfs Norende, das in einem gewaltigen Krater versinkt. Kurz darauf trifft er auf eurer ersten Erkundung auf Agnès Oblige, die Vestalin (Priesterin) des Windkristalls. Sie ist auf einer heiligen Mission, die Kristalle zu reinigen und das Gleichgewicht der Welt wiederherzustellen. Gemeinsam mit Ringabel, einem charmanten und mysteriösen Mann ohne Erinnerungen, und der hitzköpfigen Soldatin Edea Lee, die sich gegen ihre Heimat wendet, macht sich die Gruppe auf eine lange Reise quer durch Luxendarc. Viele der Charaktere, bis auf Tiz, punkten dabei mit viel Persönlichkeit. Besonders Ringabel bringt mit seinem Humor etwas Witz in die sonst düstere Atmosphäre.
Wie in jedem RPG gibt es auch hier Nebenquests, welche der Geschichte noch etwas mehr Tiefe verleihen. Die Städte wirken mit ihren liebevollen Designs wie aus einem Bilderbuch, auch wenn diese Magie durch die HD-Überarbeitung etwas an Wirkung verliert. Der Weltenbau außerhalb der Städte hingegen bleibt eher schlicht. Ihr läuft als überdimensionale Figur auf einer kleinen Weltenkarte herum, müsst jederzeit mit Zufallskämpfen rechnen und macht euch so auf den Weg zu eurer nächsten Mission.
Kampfsystem mit Tiefgang
Das Kampfsystem in Bravely Default: Flying Fairy HD ist rundenbasiert und sicherlich das Herzstück des Spiels. Ihr könnt, wie gewohnt, zwischen der verschiedensten Aktionen bis hin zur Flucht wählen. Spieler können durch die „Default“-Aktion Verteidigung einnehmen und Züge für spätere Runden speichern/aufsparen. Diese gesammelten Züge lassen sich dann per „Brave“-Kommando in mehreren Aktionen auf einmal einsetzen – ein cleveres System, das strategisches Vorgehen belohnt. Es bringt vor allem eine taktische Komponente ins Spiel. Wann lohnt es sich beispielsweise Default einzusetzen? Immerhin macht ihr keinen Zug, doch der Gegner führt einen Angriff aus, was euch im schlechtesten Falle Lebenspunkte kostet.
Insbesondere Bosskämpfe erfordern oft taktische Planung: Welche Berufe (Jobs) passen zur Situation? Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Angriffsoffensive? Auch die sogenannten Asterisk-Kämpfe, in denen man neue Klassen freischaltet, stellen eine echte Herausforderung dar.

Das Job-System
Das Job-System basiert auf klassischen Rollenspielklassen, die durch sogenannte Asterisken freigeschaltet werden. Diese erhältst du, wenn du bestimmte Bossgegner – die Asterisk-Träger – besiegst.
Die Klassen sind dabei gegliedert. So gibt es „Frühe Jobs“ (eher am Anfang des Spiels), welche vom Freelancer, Mönch, Ritter bis hin zum Zeitmagier reichen.
Danach folgen die „Mittleren Jobs“. Dazu zählen beispielsweise Beschwörer, Piraten, Schwertmeister, Ninja, Valkyrien usw.
Zu guter Letzt Folgen die „Späten Jobs“ – wo vom Geistermagier, Tempelritter bis hin zum Beschwörer-Meister alles dabei ist.
Am Ende des Spiels könnt ihr noch besondere Jobs erhalten, aber hier soll an dieser Stelle nicht mehr verraten werden.
Mit über 20 verfügbaren Klassen bietet das Spiel umfangreiche Möglichkeiten, seine Truppe zu individualisieren und seinem Spielvorlieben anzupassen. Neben dem aktiven Beruf können Spieler auch Fähigkeiten einer zweiten Klasse kombinieren, was enorme taktische Tiefe ermöglicht.
Wer also seine Figuren optimal entwickeln möchte, muss auf alle Fälle Zeit investieren.
Neue Features der HD-Fassung
Die wohl auffälligste Änderung gegenüber dem Original ist die hochauflösende Grafik. Der Artstyle ist im Storybook-Look gehalten. Landschaften und Menüs wirken nun deutlich klarer, doch die Charaktermodelle mit ihren ausdruckslosen Gesichtern verlieren in der HD-Fassung an Charme – hier hatte der 3DS mit seinem Stil und der niedrigeren Auflösung einen gewissen Vorteil (niedrige Texturen sind teilweise sichtbar). Die Lichteffekte und Zauberanimationen wirken klarer und weniger verpixelt. Einige Szenen – etwa Bosskämpfe oder die Kristall-Tempel – profitieren besonders davon. Ansonsten läuft der Titel konstant mit 60fps und äußerst stabil.
Neu sind Komfortfunktionen wie ein „Alles heilen“-Befehl, empfohlene Levelbereiche für Dungeons und die Möglichkeit, Zwischensequenzen zu beschleunigen. Das Stadtwiederaufbau-Minispiel aus dem Original ist zurück, allerdings wurde die damalige StreetPass-Funktion durch zufällig auftauchende NPCs ersetzt, die Tiz beim Wiederaufbau seiner Heimat Norende helfen. Nett ist aber, dass es sich dabei um Geister anderer „echter“ Spieler handelt, die ihr rekrutieren könnt.

Zwei neue Minispiele
Die Switch-2-Version enthält zwei exklusive Minispiele, welche die Bewegungssteuerung der Joy-Cons nutzen: „Luxencheer Rhythm Catch“, ein Musikspiel mit Joy-Con-Bewegungen, und „Ringabel’s Panic Cruise“, bei dem man ein Luftschiff steuert und dabei Ringe durchfliegt und Kämpfe austrägt. Die Minispiele sind eine nette Ergänzungen, bieten aber jetzt nicht den Mehrwert, der das Game zu einem Pflichtkauf macht.
Epischer Soundtrack Ein besonderer Ohrenschmaus ist die musikalische Untermalung. Der Soundtrack ist voller erinnerungswürdiger Melodien, die insbesondere während Spezialangriffen zur Geltung kommen. Die englische oder japanische Sprachausgabe der meisten Dialoge verleiht der Geschichte zusätzlichen Charme und Tiefgang. Natürlich gibt es deutsche Untertitel.
Ihr werdet in etwa 40 bis 60 Stunden für die Hauptstory brauchen, abgesehen natürlich davon, wie viel Zeit ihr in Nebenquests und Charakterentwicklung steckt. Hier könnt ihr etliche Stunden mehr einplanen.
Fazit
Bravely Default: Flying Fairy HD fängt die Essenz des Originals gekonnt ein. Wer das Spiel bislang verpasst hat, erhält mit dieser Version einen gelungenen Einstieg in die Reihe. Die moderne Technik bietet Verbesserungen, nimmt dem Spiel aber auch ein wenig seiner ursprünglichen Magie – vor allem visuell. Dennoch hat Square Enix abgeliefert und die Zutaten für ein großartiges Rollenspiel (Story, Kampfsystem, Klassen ...) optimal kombiniert.
Veteranen, die das Abenteuer bereits auf dem 3DS erlebt haben, finden hier nur ein paar nette neue Features. Dennoch kann man hier nichts falsch machen. Es handelt sich um ein hervorragendes Rollenspiel mit charmanten Figuren, epischem Soundtrack und einem der interessantesten Kampfsysteme im Genre.
- Tolle Story
- Epischer Soundtrack
- Tiefgang in der Charakterentwicklung
- Innovatives Kampfsystem
- Story nimmt langsam Fahrt auf
- Teils etwas schwer
- Keine großen neuen Features
- Minispiele sind Lückenfüller
Vielen Dank an die Firma Square Enix für das Testmuster.


