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Contra: Operation Galuga

Contra: Operation Galuga

Mateusz

Wuchtig kam sie, die Demo zu Contra: Operation Galuga und vor allem machte sie Lust auf mehr. Wie gut, dass Nintendofans.de das Game schon vor Release auf Herz und Nieren testen durfte und nun berichten kann: Konami liefert mehr, als der kurze Klappentext vermuten lässt. Aber wie steht es bei der Neuauflage des Klassiker um die Pro und (Achtung!) Contra-Liste? Ihr erfahrt es im Test zu Contra: Operation Galuga für die Nintendo Switch!

Contra: Operation Galuga

NSW

Serie
Contra
Entwickler
Konami
Publisher
Konami
Konsole
NSW
Spieler
1–4 lokal
Freigabe
USK ab 12

Ellenlange Contra-Liste

Das Contra-Franchise hat schon wirklich viele Spiele vorzuweisen und ist einfach nicht tot zu kriegen. Ebenso wie die Soldaten und Aliens, die es in den Games zu bekämpfen gilt. Wer hätte 1987 gedacht, dass dieses Run and Gun Spiel solche Wellen schlagen würde? In den Arcade-Hallen wurden große Augen gemacht, als die satte Baller-Action mit ihren testosteronschwangeren Helden über die Automaten flimmerte, die dabei gierig Münze um Münze der ambitionierten Spieler fraßen. Die Umsetzung für Heimkonsolen war für damalige Verhältnisse unglaublich gut gemacht und konnte den Spirit des Automaten-Originals perfekt einfangen. Mit seinem Coop-Modus war es zudem ein Spielspaßgarant der ganz besonderen Sorte. In Europa und Australien hatte man Angst vor den Zensurbehörden und verwandelte die menschlichen Übermänner kurzum in futuristische Roboter, änderte den Titel in Probotector. Interessanterweise waren die Spiele (auch für damalige Verhältnisse) nicht besonders brutal, aber man erschoss nun mal viele Gegner in menschlicher und außerirdischer Inkarnation. Was den Ausschlag für die freiwillige Zensur gegeben haben dürfte ist die geistige Vorlage des Spiels. Denn die Helden erinnerten sehr an Stallone und Schwarzenegger, die Settings der Spiele an Filme wie Rambo, Alien und Predator, allesamt bekannt für ihre Schwierigkeiten mit der Bundesprüfstelle. Beim Spielen kam man sich damals also wirklich vor, wie in einem dieser Filme und die Brutalität entstand im Kopf. Diese Zeiten sind glücklicherweise längst vorbei und die Spiele erscheinen weltweit einheitlich. So auch Operation Galuga, welches von Konami als eine „überarbeitete Fassung des klassischen Run & Gun Spiels aus den 80ern“ bezeichnet wird. Im Test waren wir erstaunt, wie viel tatsächlich überarbeitet wurde, aber Schritt für Schritt.

Updates!

Im Vorhinein hätte man annehmen können, dass das NES-, bzw. Arcadeoriginal 1:1 neu aufgesetzt worden ist, mit einem Grafikupdate und kleineren Neuerungen hier und da. Schon nach wenigen Augenblicken wird aber klar: weit gefehlt. Dem Spiel wurde so viel Neues hinzugefügt, dass man definitiv von einem Remake, wenn nicht gar Reboot der Reihe sprechen muss. Die Grafik ist dabei nur ein Punkt auf der wirklich langen Liste der Updates. Die Steuerung wurde heutigen Gewohnheiten angepasst, so ist es beispielsweise möglich, in alle Richtungen, inklusive nuancierter Ausrichtung, zu schießen. Das Dashen in der Luft und am Boden ist ebenso neu, wie das upgraden der Waffen durch doppeltes Einsammeln der entsprechenden Symbole. Auch von der Überladung der Gadgets und die dadurch ausgelösten Spezialmanöver hat man im Original nicht mal träumen dürfen! Die Wahl des Schwierigkeitsgrades in mehreren Facetten begeistert uns ebenso. Nicht nur gibt es die Wahl zwischen Leicht, Mittel und Schwer, sondern auch, ob man mit einer Energieleiste oder dem unbarmherzigen One-Hit-Death spielt. Letzteres belohnt zwar den tapferen Spieler schließlich ist aber auch eine schnell frustrierende Angelegenheit. Die Gegnerhorden wurden ebenfalls Updates unterzogen und so gibt es neue wie alte Bosse zu bestaunen und besiegen. Während man in den ersten Minuten des Spiels noch glaubt, dass immerhin das Leveldesign klassisch geblieben sei, fehlt man auch hier weit. Vieles aus den guten alten Contraspielen wurde genommen, neu verpackt, erweitert und mit völlig neuen Abschnitten veredelt. Einzig die kreativen und damals technisch unglaublich beeindruckenden Zwischenlevel, mit ihren Perspektivwechseln, sind unerklärlicherweise weggefallen. Dafür hat man neben dem klassischen 2-Spieler-Couch-Koop im Storymodus dem Arcademodus einen waschechten 4-Spieler-Modus spendiert, was dazu passt, dass es viele neue spielbare Charaktere gibt. Wir konnten diesen vorab leider nicht austesten, sind uns aber zweierlei Dinge sehr sicher: der Spaß wird hoch und die Übersicht umso niedriger sein! Der Bildschirm ist bei einem einzelnen Spieler schon randvoll mit Projektilen! Ein Update auf das wir sehr gerne verzichtet hätten ist die Story. Story? Ja, man hat sich, warum auch immer, die Mühe gemacht einem Contra-Spiel „Tiefe“ zu verleihen, indem man eine völlig generische und hanebüchene Geschichte andichtet. Die meisten Sequenzen zwischen den Leveln kann man überspringen, aber auch mitten im Getümmel wird teilweise unnötig gesprochen und der Spielflow aufgehalten. Das ist ärgerlich, weil die Contra-Reihe (und auch ihre filmischen Vorreiter) schon immer die Prämisse „erst schießen, dann denken“ vertrat!

Pro oder CONTRA?

Jetzt aber zur wichtigsten Frage: macht das alles denn eigentlich auch Spaß? Die Antwort ist ein dickes, fettes JA! Der Spirit des Originals ist genial eingefangen worden, es gibt jede Menge Easter-Eggs, Reminiszenzen, wie die Probotector-Roboter und die spielerischen Updates sind allesamt sehr gelungen. Das Spiel an sich ist natürlich (Genre- und Franchise-üblich) überhaupt nicht einfach, durch die vielen Quality-of-Life Features, aber ohne geheimen (Konami-)Cheatcode sehr gut durchspielbar. Durch erspielte Ingame-Währung kann man sich Upgrades wie längere Energiebalken, mehr Leben, Waffen-Verbesserungen, kurzzeitigen Schutz und vieles mehr kaufen. Puristen können aber die volle Contra-Härte erhalten, wenn sie wollen, inklusive der verminderten Schussfreiheit in „nur“ acht Richtungen. Der Arcade-Modus befreit den Spieler von unnötigem Storybalast und bietet die ganze Freude des Dauerfeuers, die man sich von einem solchen Game erhofft. Musikalisch wurden die klassischen Contra-Fanfaren auf ein neues Level gehoben und während wir Horden von Gegner den Garaus machten brüllten wir die heroischen Melodien unserer Kindheit mit. Eine wahre Freude auch auf akustischer Seite also.

Ein Aspekt der Neuauflage konnte uns aber dann schlussendlich doch nicht so ganz überzeugen und zwar ist das ausgerechnet die grafische Leistung. Während die neuen Hintergründe und das gesamte Setting der Levels hervorragend umgesetzt wurden, macht die reine Grafik, angesiedelt zwischen Retro und Neuzeit, einen etwas indifferenten Eindruck. Einerseits ist es nicht mehr die Pixelgrafik von früher, andererseits ist sie auch nicht auf dem Stand von 2024 und macht hier und da einen etwas billigen Eindruck. Gemessen an den oft trashigen Filmvorlagen wäre dies zu verkraften, aber es wirkt eben nicht wie ein beabsichtigtes Stilmittel. Dies fiel beim Test vor allem bei einem der ikonischsten Bosse der Reihe auf – dem Roboter, der von hinten durch die Wand kommt und in Contra III auf dem SNES einfach umwerfend aussah und Spieler weltweit die Münder offen stehen ließ. In der heutigen Fassung sieht er nicht schlecht aus, aber dieses Wow-Erlebnis von damals findet nicht statt, vor allem weil das entsprechende Update der Neuzeit irgendwie fehlt. Schlussendlich ist dies sicherlich Geschmackssache und tut dem Spielerlebnis überhaupt keinen Abbruch. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass das Spiel für unter 40€ zu haben ist und somit nicht mit AAA-Titeln mithalten muss.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Konami gibt Contra – und wir sind begeistert! Operation Galuga liefert mehr, als man im Vorhinein hätte erwarten können: neue Grafik, neue Level, neue Bosse, neue Engine, neue Waffen und eigentlich ist einfach alles wunderschön adaptiert worden. Die vielen Quality-of-Life-Features machen das Spiel für Einsteiger und Serienveteranen gleichzeitig gut spielbar und lassen dabei keine Herausforderung vermissen. Einzig die unnötig störende Story, die stellenweise etwas altbackene Grafik und die fehlenden Zwischenlevel des Originals stellen Abzüge in der B-Note dar, sind aber leicht zu verkraften.

Design
7.0
Sound
8.5
Online Multiplayer
9.5
  • Alles neu – (fast) alles gut
  • Wuchtige Action
  • Die Seele der 80er gut konserviert
  • Storymodus unnötig
  • Grafik stellenweise billig

Vielen Dank an die Firma KONAMI für die Bereitstellung des Testmusters.

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