
Tomb Raider I-III Remastered
Es war schön und überraschend zugleich, als in der Nintendo Direct die Tomb Raider I-III Remasterd Kollektion gepitcht wurde. Es wird Millionen von Menschen gleichzeitig und schlagartig in die Vergangenheit katapultiert haben, in Zeiten wo dreidimensional erkundbare Welten noch im wahrsten Sinne des Wortes Neuland waren. Wie schlagen sich die drei Kultklassiker aber in der knallharten Realität von 2024? Was bringen die Remaster-Updates und ist dieser Preis wirklich gerechtfertigt? All das klärt der Nintendofans.de Test zu Tomb Raider I-III Remastered auf der Switch!

Tomb Raider I-III Remastered
NSW
- Genre
- Action-Adventure
- Serie
- Tomb Raider
- Entwickler
- Aspyr
- Publisher
- Aspyr
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 18
Tränen der Nostalgie
Einleitend möchte gesagt sein, dass der Autor der folgenden Zeilen damals, anno 1996 – 1998, zwar jeden Tomb Raider Titel angespielt hat, sich aber nie als außerordentlichen Fan der Reihe bezeichnen würde. Warum ist dies erwähnenswert? Einfach weil der Nostalgiefaktor bei vorliegender Kollektion so immens hoch ist, eben völlig unabhängig davon, ob man mit der Reihe etwas anfangen kann oder nicht. Man muss, vor allem in Deutschland, schon hinterm Mond gelebt haben, um nichts von Lara Croft mitbekommen zu haben. Immerhin spielte sie sogar im Videoclip zum Massenhit „Männer sind Schweine“ der berliner Band „Die Ärzte“ mit. Zudem wurde bei Release des Erstlings, 1996, bei vielen vorpubertären Jungen etwas ausgelöst, was sie bis dato nicht von ihren Heimkonsolen kannten. Trotz ihrer massiven Ecken und Kanten avancierte die Heldin von Tomb Raider innerhalb kürzester Zeit zum Sexsymbol und jeder kannte sie, ob man nun Gamer war oder nicht. Das sind aber alles nur Oberflächlichkeiten, denn die Spiele an sich brachten nicht nur einen extrem frischen Wind ins Action-Adventure Segment, sie verhalfen mal ganz nebenbei der Playstation zu ihrem Siegeszug gegenüber Nintendo. Das ernste Ambiente, die (damals) filmreife Inszenierung und die schier riesigen und geheimnisvollen Welten setzten neue Maßstäbe. Die Games sind völlig zu recht Kult. Man muss es also hervorheben, wenn einem das Spielen dieser Klassiker heute irgendwie mehr Spaß macht als damals - und jetzt ab ans Eingemachte...
Die Artefakte
Bevor wir uns den Neuerungen widmen, lohnt sich allerdings zunächst ein weiterer Blick in die Vergangenheit. Im ersten Tomb Raider-Spiel übernimmt man, wie immer, die Rolle der Abenteurerin Lara Croft, die auf der Suche nach dem mysteriösen Scion in den verlorenen Ruinen von Atlantis ist. Während sie durch gefährliche Umgebungen navigiert und Rätsel löst, kämpft Lara gegen wilde Tiere, feindliche Söldner und tödliche Fallen. Die Handlung entfaltet sich, als Lara die Geheimnisse der antiken Artefakte entdeckt und gegen den skrupellosen Geschäftsmann Natla kämpft, um die Welt vor einer drohenden Katastrophe zu retten.
Im zweiten Teil begibt sich Lara Croft auf die Suche nach dem Dolch von Xian, einem mächtigen Artefakt mit der Fähigkeit, Drachen zu kontrollieren. Die Reise führt sie von Venedig über das Tibetische Hochland bis nach China, wo sie sich mit der gefährlichen Geheimorganisation Fiamma Nera und dem skrupellosen Gangsterboss Marco Bartoli konfrontiert sieht. Lara muss Rätsel lösen, Feinde bekämpfen und die Welt vor den verheerenden Kräften des Dolchs schützen.
In Tomb Raider III: Adventures of Lara Croft wird Lara Croft beauftragt, mysteriöse Meteoritenartefakte namens "Infada-Steine" zu finden, die über den Globus verstreut sind. Ihre Reise führt sie durch gefährliche Umgebungen wie den Dschungel, die Wüste und eine Antarktisbasis. Während sie die Steine sammelt, kommt sie einer Verschwörung um eine antike außerirdische Rasse namens "Die Unsterblichen" auf die Spur. Lara muss ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Welt vor den finsteren Machenschaften der Gegenspieler zu schützen und die Geheimnisse der außerirdischen Artefakte zu enthüllen.
A Propos Fähigkeiten: von Spiel zu Spiel kamen immer neue Move-Sets dazu und Lara Croft wurde agiler, bzw. das Spiel auch immer action-reicher. Die Panzersteuerung konnte damals (heute auch) aber selbst eingefleischte Fans zur Weißglut treiben, denn immer wieder bedarf es einer Präzision, die an das erste Prince of Persia erinnern lässt und dermaßen ungnädig ist, dass man ein ums andere mal den Bildschirmtod stirbt. Zum Üben lohnt sich in jedem Teil ein Abstecher in Lara Crofts Palast von einer Behausung, der als Trainingsparcour auch das ein oder andere Geheimnis bereithält. Ähnlich wie man in Mario gemein zu einem kleinen Pinguin sein konnte, ist dies auch in Tomb Raider II mit Laras Butler möglich. Mal ehrlich – wer hat ihn nicht im Kühlraum eingeschlossen?
Die Neuerungen
Eingefleischten Fans würde es ja reichen, wenn die Spiele gut laufend auf aktuelle Konsolen portiert worden wären. Immerhin gab es damals den ein oder anderen Grafikfehler, Slowdown oder Einbruch in der Framerate. Was Aspyr hier aber abgeliefert hat ist so viel mehr, dass man sich die ganze Zeit über fragt, warum das nicht alle so machen? In der Qualität und vor allem zu diesem Preis. Denn für unter 30€ bekommt man drei volle Kult-Klassiker, mit upgedateter Grafik, neuer (alternativer) Steuerung, kleineren Quality of Life Features und allen dazugehörigen DLCs.
Starten wir mit der Grafik. Die ist, auch in der Remaster-Fassung, etwas gewöhnungsbedürftig. Man schaut sich um und denkt, alles sähe etwas altbacken aus, bis – und das ist der Clou – man per Knopfdruck auf die Original-Optik umschaltet. Ohne den Hauch einer Ladezeit erstrahlt das Spiel plötzlich in seiner ganzen „Pracht“ und das Pixel-, Ecken- und Kanteninferno bricht über den Spieler herein. Erst jetzt wird klar, was alles erneuert wurde. Beispielsweise seien neue Lichteffekte, Oberflächentexturen, dreidimensionale Items, komplett überarbeitete Skins für Lara und die Gegner genannt. Das alles ist so haarscharf am Remake dran, dass man die Bezeichnung „Remastered“ teilweise recht bescheiden findet. Natürlich sieht das nicht aus wie ein neues Game und natürlich nagt auch am Leveldesign der Zahn der Zeit, aber wenn man die Originale nochmal spielen möchte, dann doch bitte so. Witziger Side-Fact: In manch dunkler Passage hilft es die Grafik von alt auf neu oder umgekehrt zu schalten, denn je nach Situation sieht man mal in der einen und mal in der anderen Situation mehr.
Auch die vielgehasste und genauso verehrte Panzersteuerung der guten alten Lara Croft kann nun zu Gunsten einer upgedateten Version vergessen werden. Mittlerweile kann man die Kamera mit dem rechten Stick bewegen und die Bewegungen laufen insgesamt flüssiger und meist auch intuitiver ab. Hier kommt dennoch das erste groß „Aber“ des Tests: Die Level sind ja exakt die gleichen wie früher, teilweise eng bemessen und auf massive Präzision seitens des Spielers ausgelegt. Vor allem, wenn man an die geheimen Artefakte ran will. Die neue Steuerung ist hier nicht immer eine Hilfe, zumal das Tutorial auf Croft Manor nur auf die alte Steuerung ausgelegt ist. Es mag möglich sein, aber während des Tests gelang es uns nicht einen Seitwärts- oder Rückwärtssprung mit der neuen Steuerung auszuführen. Hierzu wäre eine Erwähnung oder eine entsprechende Anpassung des Tutorials toll gewesen. Update hin oder her: der häufigste Grund für vorzeitige Tode ist und bleibt die frickelige Steuerung.
Ansonsten sind die Storys weiterhin packend und die teils gruselige Indiana-Jones-Atmosphäre mit all den geheimen Räumen, Passagen und Gegenständen weiß immer noch zu überzeugen. Allerdings sind viele, damals durchaus ernstgemeinte Dinge mit heutigen Augen gesehen sehr trashig. Dinosaurier, Bären, 0815-Klische-Schurken und nicht zuletzt Laras betont lässiges Auftreten erzeugen doch den ein oder anderen Schmunzler. Die Spieler bleiben Kinder ihrer Zeit.
Technische Performance
Auf der Nintendo Switch läuft alles wie es soll. Ob im TV- oder Handheldmodus, das Spiel macht stets eine gute Figur, wobei wir das Spielen mit einem Procontroller immer als die beste Variante empfinden.
Der größte Clou ist das Umschalten zwischen alter und neuer Optik per Knopfdruck. Das fühlt sich so cool, selbstverständlich und smooth an, dass man sich das nie wieder anders wünscht bei Remastern.
Der Sound ist einfach klasse, die Stimmen toll und die Atmosphäre ist stets perfekt. Während der Rechner mit der Remastered-Version heute viel mehr zu tun hat, als bei den Originalen, kann das dem Switch-Spieler beherzt egal sein – hier heißt es wie immer Plug-and-Play, wenn man die knapp 6,5GB auf der Platte frei hat. Neu dabei sind an die 200 Trophähen, sowie ein Foto-Modus, der die Community sehr erfreuen und zu tollen Kunstwerken beflügeln dürfte! Zum vollendeten Glück hätten wir uns eine vereinfachte Quick-Save-Funktion gewünscht. Als vorsichtiger Abenteurer ist man mit häufigem Speichern gut beraten, muss dafür aber immer ins Menü und dann noch ins Untermenü, wobei es nicht selten passiert, dass man statt zu speichern aus Versehen lädt und dann ist der Frust groß. Immerhin startet man genau dort, wo man gespeichert hat und das ist vor schwierigen Sprüngen ein wahrer Segen!
Fazit
Die perfekte Auferstehung eines Klassikers! Man bekommt zum Sparpreis nicht nur die drei Spiele mit allen DLCs, sondern eine neue Grafik, Steuerung und kleinere weitere Features spendiert. Zumal man die Neuerung per Knopfdruck gegen das Original eintauschen kann. Die Spiele mögen angestaubt, das Handling immer mal wieder frustrierend sein, aber im Großen und Ganzen haben die Spiele nichts von ihrem damaligen Reiz verloren. Das Erkunden, Suchen und Finden, in Kombination mit der herrlich trashigen Over-The-Top-Story, ist ein wahres Fest für Abenteurer. Allen Hobbyhistorikern legen wir diese Kollektion also wärmstens ans Herz!
- Tolle Updates
- Switch auf Anno 1996 Ansicht
- Sehr viel Spiel, für sehr wenig Geld
- Steuerung bleibt anstrengend
- Savesystem könnte zugänglicher sein
Vielen Dank an die Firma Aspyr für die Bereitstellung des Testmusters.


