
The Legend of Heroes: Trails into Reverie
Es ist schon unglaublich, mit welcher Hartnäckigkeit die The Legend of Heroes Reihe ein Geheimtipp unter den jRPGs bleibt. Die Spiele können es mit ihrer Komplexität und Kontinuität locker mit einigen der weitaus bekannteren Schwergewichten aufnehmen, sind aber dennoch nicht allen Rollenspielern ein Begriff. Fans der Reihe haben sich ihr aber mit Haut und Haar verschrieben und dafür gibt es einige gute Gründe. Wie schaut es mit dem Re-Release von The Legend of Heroes: Trails into Reverie aus? Lohnt sich das bald vier Jahre alte Game auch heute noch oder ist es so angestaubt wie die im Trailer zu beobachtende Grafik? Der vorliegende Test sorgt für Gewissheit und beweist, dass sich ein genauerer Blick oft lohnen kann.
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The Legend of Heroes: Trails into Reverie
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- NIS America
- Publisher
- NIS America
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Eine verwobene Geschichte
Die The Legend of Heroes Reihe ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Die Spiele sind nicht nur ganz besonders storyfixiert – die Geschichten bauen aufeinander auf, sind ineinander verwoben und die Charaktere der einen Sub-Serie tauchen gerne und häufig in anderen Sub-Serien auf. So sind die Geschehnisse der The Legend of Heroes: Cold Steel Reihe eng verwoben mit den Figuren und Schicksalen aus The Legend of Heroes: Trails of Azure (das Remaster wurde von uns getestet). Das vorliegende Trails into Reverie gilt als Abschluss der Crosbell und Erebonia Storylines und als Wegbereiter von The Legend of Heroes: Kuro No Kiseki (2021), welches sicherlich auch noch den Weg in den Westen finden wird. Die in Trails into Reverie zusammelaufende Geschichte basiert, ganze Marvel-Like, auf 15 Vorgängern. Für das Finale hat man ein herrliches Mashup serviert, bestehend aus den besten, stärksten und sympathischsten Publikumslieblingen und das ganze garniert mit weiteren, teils mysteriösen Neuzugängen.
Die Geschichte in Trails into Reverie ist nämlich in drei Erzählstränge unterteilt. Der aus der Crossbell-Storyline bekannte Lloyd Bannings ist mittlerweile ein erfahrener Polizist und stets bestrebt jedes Mysterium in seiner Stadt zu entschlüsseln und ist ein wahrer Sympathieträger. Dieser trifft auf Rean Schwarzer, den Serienveteranen natürlich aus der Cold Steel Reihe bereits kennen. Der ruhige Stratege ist ein ordentlicher Kämpfer und mit seiner bewegten Vergangenheit ein Garant für viele spannende Wendungen. Der wahrlich mysteriöse „C“ ist der dritte im Bunde, dessen Handlungsstrang wir folgen werden. C kommt erst wie ein scheinbarer Bösewicht daher, aber seine Geschichte ist packend und vielseitig und nicht weniger als das wahre Fundament von Trails into Reverie.
Man kann zwischen den drei Stories hin- und herwechseln, auch wenn es teilweise lineare Vorgaben gibt. Man kann eine Storyline immer nur bis zu einem bestimmten Punkt spielen und muss dann auch wechseln. Es ist also nicht möglich, erst den einen bis zum Ende und dann den anderen zu spielen.
Weil aber gerade die Story das A und O der Trails-Spiele ist, wird an dieser Stelle nicht mehr verraten. Nur so viel sei gesagt: Bis der Anfang der Geschichte so richtig erzählt, alle Figuren, Orte und Mitstreiter vorgestellt sind, man also ansatzweise versteht worum es geht, vergehen gute 8 oder 9 Stunden Spielzeit. Man hat es hier wirklich mit dem üppigsten und intensivsten Abenteuer der Reihe zu tun.
Noch ein bisschen komplexer, bitte!
Wenn man sich bis vor kurzem mit dem unfassbar epischem Final Fantasy XVI beschäftigt hat, fallen einem, vor allem im Vergleich mit The Legend of Heroes, einige Unterschiede auf. Beispielsweise setzt die Heroes-Reihe immer wieder auf altbewehrte Traditionen und schert sich auch nicht besonders um eine AAA-Optik. Sie weiß, wo ihre Reize liegen und möchte gar nicht erst durch großes Tamtam bestechen. Fragt man die Fans, werden sie immer die komplexe Story und das ebenso ausgefeilte Kampfsystem erwähnen. Trails into Reverie bildet hier überhaupt keine Ausnahme und geht mal wieder in die Vollen.
Ein erstes, unspektakuläres, aber tolles Feature begrüßt Serien-Veteranen ganz zu Beginn des Spiels. Es wird nämlich abgefragt, welche andere, auf der Switch erschienenen Serien-Ableger man bereits gespielt habe. Dafür wird man nämlich mit speziellen Items belohnt, die dem Spieler zu einem gewissen Zeitpunkt der Geschichte überreicht werden. Eine ganz simple Mechanik, die aber das Kontinuitätsgefühl der Reihe wahrlich unterstützt.
Ansonsten geht es in den Kämpfen gewohnt rundenbasiert und strategisch zu. Neben Standard-Attacken gibt es S-Crafts besonders starke Angriffe, die jeder Zeit, also auch wenn man eigentlich nicht dran ist, ausgeführt werden können, wenn die entsprechenden Werte stimmen. Außerdem gibt es interessante Gruppenangriffe, sowie Arts, also recht klassische Zauber. Für Neueinsteiger ist das alles schwer zu durchblicken. Die Tutorials werden in langen Texten erklärt und so fehlt einem schnell der Überblick, welcher Wert auf dem etwas überfüllten Screen jetzt eigentlich wofür genau steht. Immerhin gibt es richtig viele Schwierigkeitsgrade von sehr leicht bis absolute Profi-Hölle, sodass auch diejenigen, die eher der Story, als den Kämpfen folgen wollen, auf ihre Kosten kommen. Was den Entwicklern wirklich gut gelungen ist, sind die Kampfanimationen. Wenn sich das restliche Spiel grafisch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sind die Zauber und vor allem die S-Crafts und Gruppenangriffe richtig wuchtig und beeindruckend visualisiert. Das macht Spaß und signalisiert dem Spieler, dass man es hier mit richtigen Serien-Schwergewichten mit einer langen Trails Of-Vergangenheit zu tun hat. Die kämpfen eben nicht wie die Anfänger in anderen jRPGS, sondern wie echte, gewachsene Veteranen.
Der Garten
Wenn man nicht gerade auf sehr leicht spielt, wird einen das Spiel zum Grinding zwingen. Die Bosse können es nämlich ganz schön in sich haben. Zum Glück hat sich das Spiel dafür etwas ganz Kreatives überlegt. Man kommt im Laufe des Spiels nämlich in den Garten der Reverie, eine Art Hub, in dem man allerlei erledigen kann. Zum Beispiel gibt es hier einige interessante Mini-Games, die aber eher dem Zeitvertreib dienen. Interessanter ist da schon der Dungeon-Generator, bei dem man auf verschiedene Gegner in immer neu generierten Umgebungen trifft. So wird das Grinding um einiges spannender, als wenn man, wie sonst, sinnlos über eine Oberwelt rennt, auf der Suche nach Gegnern. In diesem Garten gibt es aber auch Shops für Rüstungen und optische Veränderungen und vieles davon könnt ihr auch durch die verschiedenen Kämpfe gewinnen, weil die Gegner entsprechende Bälle fallen lassen, die man im Shop eintauschen kann. Alles in allem also eine wirklich gute Idee, wenn auch ein echter Zeitfresser und das obwohl das Spiel an sich schon ein echter Gigant ist. Zwischen 90 und 130 Spielstunden wird man investieren müssen, wenn man es richtig machen will.
Ein optischer Graus
Das Spiel erschien bereits 2021 für die Switch, allerdings nur in Japan. Man ist also gewillt ein Auge zuzudrücken, wenn es um die optische Performance geht. Allerdings muss das Spiel schon damals hoffnungslos veraltet ausgesehen haben. Man wird das Gefühl nicht los, dass all das locker von einer Playstation 3 bewerkstelligt werden könnte und bei den Umgebungen und Hintergründen fühlt man sich an Gamecube -Zeiten zurückerinnert.
Zunächst erfüllt es den Spieler mit Freude, die aus Trails to Zero bekannte Stadt Crosbell endlich in echtem 3D-Gewand zu sehen, aber bei der kargen Ausgestaltung war einem der Retro-Look bei Weitem lieber. Der erste Dungeon in einem Hochhaus, sieht einfach furchtbar eintönig und beliebig aus. Es entsteht eine regelrechte Unlust die Umgebung zu erkunden. Das Spiel leidet unter dem Umstand, dass es genauso wenig charmant-altmodisch, wie zeitgemäß ist. Dazu kommen Performance-Issues, die völlig random auftreten können. Im Handheldmodus sieht das Spiel natürlich eher schlechter aus und die immer wieder ruckeligen Bewegungsabläufe paaren sich hier mit matschigen Texturen. Auch wenn es am großen Bildschirm um einiges besser zugeht, treten hier immer wieder unerklärliche Performance-Einbrüche auf und auch die Kamerasteuerung ist alles andere als intuitiv. Insgesamt hätte man bei diesem Release definitiv nachbessern und das Ganze als Remaster aufziehen sollen.
Wie bereits erwähnt bilden die Kämpfe einen absoluten Gegenpol zu der mau inszenierten Oberwelt. Das Gegnerdesign und auch die Zeichnungen der Hauptcharaktere wissen zu überzeugen. Die Zauberanimationen blitzen und explodieren über den ganzen Bildschirm und die hinzukommenden Anime-Zeichnungen der Figuren kommen authentisch wie aus einer unserer früheren Lieblingsserien. Schade nur, dass alle anderen Figuren, insbesondere die unbeteiligten NPCs aussehen wie aus grauer Gamer-Steinzeit.
Zudem nervt an einigen Stellen, die völlig sinnlose Sexualisierung einiger Figuren, was dem Genre oftmals leider inhärent ist, dem im Westen und im Jahre 2023 lebenden Gamer allerdings unangenehm aufstoßen kann.
Sonstige Ausstattung
Akustisch bekommt hier gewohnt stabile Kost, auch wenn einige Stücke etwas mehr Abwechslung hätten vertragen können. Denn ähnlich der Eintönigkeit so manches Dungeons, wiederholen sich die Melodien nach kürzester Zeit und dudeln immer wieder unverändert vor sich her. Zwar ist die Komposition sehr gelungen, aber eben auch zu repetitiv. Ein Unbeteiligter Partner auf der Couch wird zumindest binnen kürzester Zeit wahnsinnig.
Während dies vielleicht noch zu verkraften wäre, baut ein anderer, in der Trails of-Reihe aber leider typische, Umstand mal wieder Hürden ein. Die Lokalisation. Natürlich freut man sich diese Story-Giganten endlich in einer uns (teilweise) geläufigen Sprache spielen zu können, aber es ist eben nicht jeder des Englischen mächtig. Vor allem in dem Maße, wie es die The Legend of Heroes Spiele voraussetzen. Es wird ja unendlich viel gesprochen und das in einer sprachlichen Komplexität, die den gemeinen Schul-Englisch-Unterricht an seine Grenzen bringen dürfte. Serien-Fans betonen ja immer wieder wie komplex, wie authentisch und wie tief diese Dialoge gehen. Wie gut man die Persönlichkeiten der Figuren kennenlernen darf in den vielen storyrelevanten, sowie Sidequest-Dialogen. All das ist nur möglich bei guten, bis sehr guten Sprachkenntnissen. In Zeiten von unglaublich mächtigen KIs sollte die Übersetzung ins Deutsche doch kein all zu großes Bollwerk mehr sein. Insgesamt sind alle Spiele der Reihe und Trail of Reverie insbesondere nur den Spielern empfohlen, die gerne und viel Lesen und sich damit extrem auf die Story eines wirklich langen und intensiven Spiels einlassen können.
Fazit
The Legend of Heroes: Trails of Reverie ist ein gelungener Abschluss einer langen Storyline. Neueinsteiger werden ihre Schwierigkeiten haben, denn die über mehrere Spiele erzählte Story, die vielen Charaktere und die tollen Kämpfe setzen einiges an Vorwissen voraus. Wer sich darauf einlässt bekommt ein echtes jRPG-Schwergewicht, dass mit einer extrem tiefgründigen, komplexen und auf drei Storylines aufgeteilten Geschichte aufwartet. Einzig die gehobenen Englischkenntnisse, welche das Spiel erwartet und die technische Präsentation schmälern das Gesamtvergnügen und erschweren das Reinkommen gewaltig. Das Spiel entschädigt zwar doppelt und dreifach, aber so sollte heutzutage kein Spiel, vor allem zum Vollpreis von knapp 60€, mehr aussehen.
- Komplexe Story
- Coole Kampfanimationen
- Über 100 Stunden Spielzeit
- Hoffnungslos veraltete Grafik
- (zu) komplex für Neueinsteiger
- Gehobene Englischkenntnisse erforderlich
Vielen Dank an die Firma NIS America für die Bereitstellung des Testmusters.

