
Etrian Odyssey Origins Collection
Die Anfänge der Etrian Odyssey Reihe sind auf dem Nintendo DS beheimatet und teilweise auch auf dem 3DS geremaked worden. Durch die Neuauflage kamen Europäer erstmalig in den Genuss des zweiten Teils, während sie beim dritten Teil gänzlich in die Röhre schauen mussten. Ein Glück bescheren uns SEGA und Atlus aber die Etrian Odyssey Origins Collection für die Nintendo Switch und ermöglichen damit den langstündigen Komplettgenuss dieser Dungeon-Crawler-jRPGs und uns den Test, der Aufschluss darüber geben soll, ob sich die Investition von satten 80€ wirklich lohnt.

Etrian Odyssey Origins Collection
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- Sega
- Publisher
- Sega
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Der Inhalt
Mit dem Kauf der Collection erhält man eine Trilogie von recht klassischen Dungeon-Crawlern mit RPG Elementen im netten Anime-Look. Jedes dieser Spiele kann einen sammelwütigen Forscher und Entdecker für um die 50 Stunden an die Konsole fesseln, je nachdem wie intensiv man sich um das Komplettieren kümmert. 150 Stunden klingen somit nach einem fairen Paket, aber die muss man auch erstmal runtercrawlen, was bestimmt nicht jedem so leicht von der Hand gehen wird, angesichts des recht hohen Schwierigkeitsgrades und der Orientierungs- und Kartografierungsgabe, die einem das Spiel abverlangt. Wer die entsprechenden Fähigkeiten aber mitkriegt bekommt hier einen echt starken Genre-Vertreter und vielleicht auch zum ersten Mal die Gelegenheit sich an die klassischen Anfänge der Reihe zu wagen. Schauen wir uns die einzelnen Spiele ein mal genauer an.
Etrian Odyssey HD
Über alle drei Teile hinweg ist die Story wirklich zu vernachlässigen, denn die Spiele konzentrieren zum Glück sich sehr auf ihr Dungeon-lastiges Gameplay. Zu Beginn heißt es aber sich in der Abenteurerstadt Etria in der Gilde ein Team zusammen zu stellen. Man kann bis zu 30 Charaktere in seine Gruppe aufnehmen und hat dafür 7 Charakterklassen zur Verfügung. Vorsicht ist bei der Zusammenstellung geboten, da die einzelnen Attribute fein abgestimmt werden möchten. Nur Zweite-Reihe-Magier alleine werden im Dungeon kaum bestehen, ebenso wie eine rein offensive Kampftruppe. Jedem Kameraden aus jeder Klasse kann man 1 von 5 Designs zuordnen, sodass auch optisch ein wenig Vielfalt herrschen kann. Mit dieser Truppe arbeitet man sich durch die vielen Strata, bzw. von Stratum zu Stratum, was mit Abschnitten oder auch Labyrinthbereichen übersetzt werden kann. Dabei levelt man über einen Fähigkeitenbaum, der mannigfaltige Variationen zulässt, sodass die Tatsache, dass man drei Schwarzmagier in seiner Gilde hat überhaupt keine Langeweile, sondern ganz im Gegenteil, Abwechslung und eine breitere Aufstellung ermöglicht. Dennoch ist das wichtigste in den an jRPGs orientierten, rundenbasierten Kämpfen die Balance. Wer sich zu sehr auf seine Magier in der zweiten Reihe verlässt, wird bei einem Angriff von hinten das Nachsehen haben und wer das Tempo seiner Charaktere aus den Augen lässt wird stets als letzter angreifen. Für das richtige Balancing sorgt der Spieler also höchstpersönlich selbst.
Etrian Odyssey II HD
Der zweite Teil der Reihe erschien zunächst nicht in Europa und kann manchen Gamern durch die Lappen gegangen sein, vor allem, wenn sie keinen 3DS besitzen. Dort wurde nämlich, auch in Europa, das Remake veröffentlicht. In der Collection ist aber eine aufgebesserte Version des DS-Originals beheimatet, was eigentlich etwas schade ist, bot das Remake den zusätzlichen Storymodus. Nichtsdestotrotz erhält man mit der Geschichte rund um ein schwebendes Schloss und den geheimnisvollen Baum Yggdrasil einen erstklassigen Dungeoncrawler erster Güte. Neben einigen Gameplayänderungen, die vor allem das Rückgängigmachen von Entscheidungen bezüglich des Teams und des Skilltrees betreffen, bekommt man hier erstmalig ganze 11 Charakterklassen zur Auswahl und auch bei den Outfits hat man sich etwas Neues einfallen lassen. Im Kern bleibt die Spielerfahrung aber ähnlich gut.
Etrian Odyssey III HD
Das Schmuckstück der Kollektion ist und bleibt der dritte Ableger der Reihe. Nicht nur weil er das Gameplay um die Reise auf dem Meer erweitert, sondern vor allem, weil er bisher niemals in den hiesigen Regionen veröffentlicht worden ist. Ein wahrer Unique-Selling-Point. Dabei sei erwähnt, dass man sich jedes Spiel der Trilogie auch einzeln für schlappe 40€ zulegen kann, sollte man vielleicht nur auf Teil III aus sein. Das Spiel bietet interessante, neue Klassen, wobei es diesmal wieder nur 10 Starterklassen sind. Trotzdem ist serientypisch allerlei Variation möglich und das Erkunden der Dungeon- und Seekarten bleibt das Highlight des Spiels.
Kartografie für Anfänger
Neben den rundenbasierten und stets strategieerfordernden Kämpfen ist der Kern der gesamten Serie das Kartografieren. Im Handheldmodus geht dies am Einfachsten, in dem man mit dem Finger über den Touchscreen fährt und die Wege, Mauern, Schätze und Gegner einzeichnet. Im Dockedmodus geht dies auch über die Joycons, wenn auch nicht ganz so intuitiv. Wir erinnern uns: die Spiele sind einem Nintendo DS beheimatet, der zwei Screens und ein Touchpad mit entsprechendem Stift besaß. Dies kann die Switch nur probieren zu imitieren und sie macht ihren Job ganz gut, auch wenn das DS Spielerlebnis nicht ganz erreicht wird. Man könnte beispielsweise im Vollbildmodus spielen, wo die Karte nur klein in der Ecke und der Rest groß auf dem TV zu sehen ist, aber die meiste Zeit wird man den geteilten Modus präferieren, wo die Hälfte des Screens vom Spielbildschirm und die andere von der Karte gefüllt wird. Die Map ist einfach zu wichtig und zu omnipräsent, als dass man die ganze Zeit hin und her schalten möchte. Dies geht allerdings per Knopfdruck, was die Zugänglichkeit erleichtert. Ebenso wie die Automapping-Funktion. Ein Quality-of-Life-Feature, welches man beim Spielen sehr gerne in Anspruch nimmt. Es kostet sonst einfach zu viel Zeit, sich die Mühe zu machen auf der Karte von Hand einzuzeichnen, wo eine Wand, wo ein Durchgang oder gar geschlossene Tore auf einen warten. Das Feature geht aber leider nicht weit genug. Viele Dinge, wie zum Beispiel kostbare Schätze, muss man weiterhin händisch einzeichnen. Für Hardcore-Fans gibt es aber auch die Funktion, die Karte komplett von der Pike auf selber zeichnen zu müssen. Das war beim Test nicht gerade ein Zuckerschlecken, aber zum Glück gibt es ja für jeden Spieler die passende Einstellung. So wurde ein leichter, wie auch höherer Schwierigkeitsgrad hinzugefügt, was aber in keinem der Fälle zu einem Spaziergang führen wird. Das Spiel bleibt stets anspruchsvoll. Trotz der vielen Haupt- und Nebenquests hat man das Gefühl, immer zu wenig Cash zu besitzen und so heißt man das gute, alte Grinden wohl oder übel willkommen.
Optisch schlicht, Akustisch toll
Der Nintendo DS war noch nie ein echtes Grafikmonster und so sind es selbst die aufpolierten HD-Versionen auch nicht. Klar, die Charakterzeichnungen, Menus und alles drumherum kommen knackig scharf und machen sich gut am großen Bildschirm, aber dennoch sieht man vor allem den Dungeons ihre vielen Jahre an. Enthusiasten werden aber genau diesen Retro-Charme lieben und somit bleibt es, wie so oft, jedem selbst überlassen wie er das Spiel auf sich wirken lässt.
Worüber man sich hingegen kaum streiten kann, ist der geniale Soundtrack. Der war nämlich schon damals super und ist in der Neuauflage schlichtweg top. Die Titel wurden neu arrangiert und klingen jetzt um ein Vielfaches besser, was bei dem eh schon sensationellen Ausgangsmaterial etwas heißen möchte. Eine Sprachausgabe, egal in welcher Sprache, hätte man schon gern gehört, aber man gibt sich ja schon mit den immerhin deutschen Bildschirmtexten zufrieden. Insgesamt macht das Spiel im Handheldmodus mehr Spaß, da der Touchscreen sinnvoll genutzt wird und die Farben dennoch schön knallig kommen.
Preispolitik
Kaum zu glauben, dass wir uns vor kurzem noch über die Preispolitik bei den Final Fantasy HD Pixel Remaster aufgeregt haben. Mit 80€ Bundle-Preis und 40€ für ein einzelnes Spiel ist der Preis bei Etrian Odyssey schon wahrlich gepfeffert. Selbst wenn sich die neue HD Optik toll macht und das Automapping das Leben erleichtert, sind die Preise doch etwas hoch gegriffen, in Anbetracht der etwas betagten Games. Selbstverständlich kommt man noch günstiger weg, als bei den teilweise als Sammlerstück gehandelten Originalen, aber bei uns im Westen erhält man zu dem Preis nur einen Download. Obwohl es sich hier um außerordentlich gute Spiele handelt, werden beim aktuellen Stand höchstwahrscheinlich nur Serienenthusiasten zugreifen.
Fazit
Die Etrian Odyssey Origins Edition ist ein intensive Dungeoncrawler-Kollektion. Die Spiele verzichten weitestgehend auf eine tiefschürfende Story und stellen ihr rundenbasiertes und stets eine Strategie erforderndes Kampfsystem, sowie die händische Kartografiefunktion in den Vordergrund. Die neue HD-Optik, sowie einige Quality-Of-Life-Features bringen ein dringend benötigtes Update in die teils recht veralteten, aber immer noch sehr guten Spiele, rechtfertigen jedoch kaum den horrenden Preis. Fans dieses Nischen-Genres können die Investition sicher riskieren, während Anfänger und Gelegenheitsspieler ihr Geld woanders zu investieren wissen.
- Alle drei Spiele in HD
- Insgesamt über 150 Stunden Spielspaß
- Toller Soundtrack
- Hoher Einzel- und Bundlepreis
- Schwierigkeitsgrad nicht ganz ohne
- Retrolook gefällt nicht allen
Vielen Dank an die Firma SEGA für die Bereitstellung des Testmusters.


