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Tales of Symphonia Remastered

Tales of Symphonia Remastered

Mateusz

Ein Remaster nach dem anderen flutet die Releaseliste unserer Lieblingshybridkonsole. Selbstverständlich schwankt dabei die Qualität der Neuauflagen erheblich und bei der Bewertung fällt es mitunter schwer zwischen der Qualität des Ausgangsmaterials und den vermeintlichen Verbesserungen zu differenzieren. So bekommen – auch bei uns – manchmal mittelmäßige Remaster hohe Wertungen, weil das Spiel an sich einfach unschlagbar war, bzw. weiterhin ist. Wo reiht sich Tales of Symphonia Remastered da wohl ein? Immerhin gilt es für viele als eines der allerbesten jRPGs jemals. Da kann doch nichts schief gehen oder etwa doch? Unser Test fühlt dem Spiel gehörig auf den Zahn.

Um was geht es?

Tales of Symphonia war zur Zeit seines Erscheinens der Inbegriff eines Hidden Gems. Zunächst nur in Japan und exklusiv für die GameCube erschienen, kamen in den folgenden Jahren auch der amerikanische und schließlich der europäische Markt in den Genuss dieses Spiels. In Japan kamen später sogar Playstation 2 Spieler an das Spiel, während der Rest der Sony-Welt auf nicht ganz so legale Übersetzungsvarianten zugreifen musste. Trotz der beschwerlichen Release-Geschichte des Games half Tales of Symphonia, als fünfter Teil, der Tails of Reihe zu großer Bekanntheit. Wobei man bis heute sagen muss, dass die Tales of Reihe die wohl unbekannteste erfolgreiche jRPG-Serie überhaupt ist. Damals überzeugte das Spiel alle Teile der Welt mit tiefer Story, grandios-sympathischen Charakteren, einem unglaublich großem Umfang und einer satt-flüssigen Präsentation in 60fps. Es folgten einige Re-Releases und ein Sequel für PS2, PS3 und Wii. Auf der dritten Playstation gab es sogar das erste Spiel und sein Sequel in einer Chronicles-Edition. Interessanter Weise waren alle Veröffentlichungen nach dem GameCube-Original nur noch in 30fps, jedoch in stets höherer Auflösung. Die Nintendo Switch Fassung brilliert zwar einerseits in 1080p HD Optik (im Docked-Modus), ruckelt und zuppelt sich ansonsten aber nur in 30fps dahin. Es „fehlt“ auch das Sequel, was es schon mal im Paket gab und auch ansonsten sucht man Neuerungen vergebens. Wer jetzt aber sagt „das ist mir doch egal!“, der bekommt ein astreines jRPG allererster Güte, von dem er sich für 60 bis 100 Stunden nicht so einfach losreißen können wird. Die teilweise synchronisierten Passagen, wie auch die seltenen, aber imposanten Anime-Zwischensequenzen, paaren sich mit einem gigantischen jRPG Soundtrack, der einen immer wieder mit der Nostalgiekeule erwischt. Hier hätte man natürlich auch aktuelle Standards mit Orchester und ähnlichem drüber bügeln können, aber Fans des Genres werden sich mit Sicherheit nicht beschweren. Dafür sind die Kompositionen einfach zu schön.

Tiefe

Tales of Symphonia Remaster macht ebenso wenig wie das Original irgendwelche Gefangenen. Das Spiel startet mit einem derart emotionalen Kickstart, dass man sich fragt, ob man irgendwelche Kapitel übersprungen haben könnte. Wer ist die Auserwählte namens Colette? Was heißt das überhaupt auserwählt zu sein und die Welt zu erneuern? Doch schnell merkt der Spieler, dass dies alles nur der Auftakt für ein riesiges Abenteuer rund um den sympathischen Lloyd, seiner Herzensdame Colette und einigen weiteren tollen Charakteren ist. Die gefährlichen Desians betreiben eine Menschenfarm, auf der sie Menschen zu Monstern mutieren lassen und scheuen nicht davor ein ganzen Dorf nieder zu brennen, nur weil man ihnen zu nah gekommen ist. Solche Schicksalsschläge entfalten schon früh einen ordentlichen emotionalen Punch, der den Spieler mit den Figuren zusammen wachsen lässt und schon bald vergehen die Spielstunden im Dutzend, ohne dass man es selbst richtig mitbekommen würde. Das liegt nicht zuletzt am anspruchsvollen und actionreichen Kampfsystem, welches damals mit untypischen Echtzeitmechaniken beeindrucken konnte, aber auch heute noch mächtig was her macht. Man bewegt sich meist auf einer zweidimensionalen Schiene, aber im dreidimensionalen Raum. Gegner und Freunde laufen also durchaus quer umher und doch spielt sich der eigene Kampf meist auf einer gerade Achse, wie auch schon im Erstling, Tales of Phantasia, ab. Dabei führt man Standardattacken aus, ebenso wie Street Fighter ähnliche Specialmoves, die man mit vorher ausgewählten Tastenkombinationen antriggert. Wer sich aber dem stupiden Buttonmashing hingibt wird sehr bald merken, dass der Schwierigkeitsgrad hoch ist und die Gegner recht unbarmherzig zuschlagen, wenn man nicht zwischen Angriffen, Blocks und Ausweichmanövern entsprechend herumbalanciert. Dabei gilt es auch den Mitstreitern passende Taktiken zuzuweisen, denn niemand möchte Feuerattacken auf ein feuerabsorbierendes Wesen geworfen oder die Mana-Punkte in Sekundeneile verbraucht sehen. Dass Bosse die Party beim ersten und zweiten Mal vernichten ist bei Tales of Symphonia im späteren Spielverlauf eher die Regel, als die Ausnahme und erfordert gute Setups, ein wenig Grinding und die Beschäftigung mit Sidequests und optionalen Bossen.

Eintönigkeit

Während die Figurenanimationen zwar definitiv veraltet, aber absolut liebevoll gestaltet sind und auch die Dörfer und Städte, zumindest mit der Nostalgiebrille, schön anzusehen sind, präsentiert sich die Overworld zwischen den Orten (wie auch schon zum Releasezeitpunkt) furchtbar karg und schwammig. Spätestens hier hätte ein wirklich ordentliches Remaster nachbessern müssen. Bei Nebel- oder Staubeffekten geht die Framerate mancherorts völlig in die Knie und lässt einen Zeitlupeneffekt entstehen, was auf der Nintendo Switch einfach deplatziert wirkt. Überhaupt fehlt es dieser „Neuauflage“ gänzlich an Quality-of-Life-Features á la Spielbeschleunigung, Kampfvereinfachung oder freiem Speichern. Gerade letzter Punkt kann Spieler heutzutage den Controller völlig entnervt in die Ecke schmettern lassen. Hat man letztmalig auf der Worldmap gespeichert und irrt danach ziellos durch ein verwirrendes Dungeon und hat dabei womöglich den nächsten Savepoint übersehen, kann einen der Bildschirmtot eiskalt erwischen und einiges an Zeit kosten. Ehrlich gesagt hat so etwas in einem Game von heute schlichtweg nichts mehr verloren und sorgt für Frust- statt Nostalgiefaktor. Hinzukommen die Gegner, die in den Kämpfen zwar fantastisch gezeichnet sind, auf der Overworld und in den Dungeons jedoch durch grobschlächtig animierte Platzhalter dargestellt werden. Das hindert einen zwar nicht daran sie zu umgehen, aber manchmal sind die hinter den Platzhaltern steckenden Monster viel zu stark für die Party und kann zu ungeahnten Schwierigkeiten führen. Auch hier hätte ein Update sehr gut getan.

Switch-Plus

Bei all den Ärgernissen des aktuellen Releases soll nicht verschwiegen werden, dass die Switch natürlich ihre klassische Stärke ausspielen kann. Mit 720p ist das Bild im Handheldmodus wirklich solide und das Spiel versprüht durch die etwas verwaschenere Optik sogar mehr Retro-Charme, als am großen Bildschirm. In diesem Modus hat das Spiel im Test am meisten Freude bereitet und wird bei langen Zug-, Auto oder sonstigen Reisen ein treuer und vielstündiger Begleiter (wenn man an eine Steckdose kommt!)

6.5Wertung

Fazit

Tales of Symphonia Remastered ist ein großartiges Spiel, aber ein lausiges Remaster. Während die Story, die Musik, die Charaktere und das anspruchsvolle Kampfsystem seinesgleichen suchen, sind die teils matschigen Konturen, die lieblos gestaltete Overworld, die ruckeligen 30fps und das antiquierte Save-System ein Graus. Wer einfach nur das Spiel von damals (wieder)erleben möchte kann zugreifen, aber für 40€ bekommt man auch die klassischen und umfangreicheren Releases von damals, bzw. neuere Ableger.

Design
6.0
Sound
8.0
Online Multiplayer
7.0
  • Eines der besten jRPGs
  • 1080p Auflösung
  • Endlich auf der Switch
  • Keine nennenswerten Updates
  • Teils matschige Texturen
  • Framerate-Drops
  • Antiquiertes Save-System

Vielen Dank an die Firma BANDAI NAMCO Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.

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