Zum Inhalt springen
PowerWash Simulator

PowerWash Simulator

Mateusz

Es geschieht nicht oft, dass ein Nintendofans.de-Autor von einem Spielkonzept überrascht wird. Immerhin wähnt man sich in der Gewissheit alles schon gesehen, vor allem aber gespielt zu haben. Aber da hat man seine Rechnung ohne Square Enix gemacht. Der Publisher, den man eigentlich aus dem Bereich gigantischer jRPG Abenteuer kennt, kommt 2023 mit einer Simulation um die Ecke, die keiner auf dem Schirm hatte, aber ziemlich viele abfeiern. In Powerwash Simulator putzt man sich durch teilweise riesige Umgebungen mit dem einzigen Ziel alles blitz und blank zu kriegen. Funktioniert das Konzept oder sind die von Square Enix nicht ganz sauber hinter den Ohren? Verputzt den Test und ihr seht klar!

Powerwash Simulator

NSW

Entwickler
Square Enix
Publisher
Square Enix
Konsole
NSW
Spieler
1–6 lokal

Eine saubere Sache

Man muss es von vornherein sagen: Powerwash Simulator wird die Spielerschaft spalten. Während die einen damit überhaupt nichts anzufangen wissen, beruhigt sich bei den anderen schon beim Schauen der Trailer bereits der Puls und ein meditatives Flair macht sich breit. Sollte man zu ersterer Gruppe gehören, darf bereits hier mit dem Lesen aufgehört werden, denn man muss für dieses Spiel gemacht sein. Alle anderen bleiben dran, denn Powerwash macht einiges richtig und kann entgegen der echten Haushaltsarbeit wahnsinnig motivierend sein.

Auf den ersten Blick könnte man Powerwash Simulator mit einem blutrünstigen Ego-Shooter verwechseln, denn die FPS-Perspektive, die ausgestreckte „Waffe“ und die gesamte Fortbewegung, inklusive Hocken, Liegen, Springen passen gut ins Bild. Wer aber genauer hinschaut, wird sich über den kompletten Mangel an Gegnern wundern. Nur verdreckte Autos, Motorräder, Spielplätze, Häuserfronten, Gärten, Dampflokomotiven, Skulpturen in Wüsten oder U-Bahnhöfe, die es gilt in seinem höchsteigenem Tempo zu reinigen.

Dafür stehen dem Spieler verschiedene Aufsätze, Verlängerungen, Upgrades und Reinigungsmittel zur Verfügung, die man auf Knopfdruck ganz einfach wechseln kann, um auf diese Weise auch den hartnäckigsten Schmutz zu entfernen. Wer nämlich denkt, dass es einfach reicht herumzulaufen und alles zu benässen, der muss auf einen Pflanzengieß-Simulator warten. Bei Powerwash gilt es nämlich in jede Ecke und Ritze mit dem richtigen Werkzeug vorzugehen. Für größere Flächen bieten sich natürlich weit streuende Aufsätze an, mit denen man aber zäheren Flecken nicht beikommt. Für diese gilt es den Abstand zu verringern und harte Brausen zu benutzen, die auch hartnäckigste Krusten wegpusten können. Zwischendurch kann man sich die noch verschmutzten Stellen anzeigen lassen, um auch wirklich den allerletzten Schlamm zu entfernen. So arbeitet man sich von Fläche zu Fläche, um irgendwann aus der Trance zu erwachen und festzustellen, dass man ja die gesamte Umgebung gesäubert hat.

Befriedigendes Konzept

Spieler mit Hang zu Action und storylastigen Erzählungen werden hier jetzt zurecht die Stirn runzeln und sich fragen, ob das Spiel etwas für sie sein könnte. Die Antwort ist natürlich niemals für alle gleich, aber man sollte dem Spiel eine Chance geben, denn es versprüht eine Beruhigung der ganz besonderen Art. Zum einen sind alle Aspekte, die an echtem Haushalt nerven weitestgehend eliminiert worden: kein Abtrocknen, Nachwischen, keine Schlieren und auch kein Geschleppe mit damit verbundenem Kabelwirrwarr. Zudem sind die Flächen so verdreckt, dass es innere Genugtuung verschafft, wenn man mit dem richtigen Hochdruckreiniger rübergeht und plötzlich die strahlende Fläche sieht. Zum anderen stört das Spiel nicht unnötig mit Musik oder irgendwelchen Spannungselementen, sodass man sich wirklich fallen lassen kann. Ein gutes Feature ist auch, dass man für jede einzelne gereinigte Fläche Punkte und Geld sammelt. Ansonsten könnte man schnell frustriert sein, angesichts der großen Areale und der überschaubaren Reichweite des Reinigers. So aber arbeitet man sich stets von einem Gegenstand zum nächsten, von einer Leiter zum Grill und vom Kleinen zum Großen Ganzen. Außerdem kann man sich im Shop für Ingame-Währung neues Zubehör kaufen, was auf Dauer die Arbeit erleichtert oder aber auch rein kosmetische Veränderungen mit sich bringt. Man möchte ja vielleicht mit Stil putzen. In jedem Fall ist der Verzicht auf Mikrotransaktionen mit Echtgeld ein echter Hammer, denn das hätte das Spiel schnell ramschig wirken lassen. Auf diese Weise führt nur die echte, harte, wenn auch entspannende Arbeit letztendlich zum Erfolg.

Ein Feature, dessen Tragweite auf keinen Fall unterschätzt werden sollte, ist der Crossplay-Multiplayer. Ja, richtig gelesen, Powerwash Simulator ist online mit bis zu sechs Spielern genießbar. Unabhängig von der eigenen Plattform. Während der Storymodus nur zu zweit geht, sind die Spezialmodi und das freie Spiel für mehrere Spieler zugelassen. Gerade in den Spezialmodi finden sich sehr kreative Spiele, die bei einer Multiplayersession begeistern können. Wahre Freude kommt aber wirklich auf, wenn man mit einer vertrauten Person, über Headset verbunden, zu zweit in einem Gebiet ist und sich unterhaltend der Putzarbeit hingibt.

Es ist nicht alles Switch was glänzt

Während auf der Gameplayseite alles in trockenen Tüchern zu sein scheint, macht einem ausgerechnet unsere Lieblings-Hybridkonsole einen kleinen Strich durch die Rechnung. Die Steuerung geht mit einiger Übung ganz gut von der Hand, auch wenn gerade die Menuführung mit Mauscursor ein Graus ist. Da fällt dem geneigten Switch-Fan doch glatt das Feature mit der Bewegungssteuerung ein, dass so viele Spiele erfolgreich nutzen – Powerwash Simulator jedoch nicht. Man kann sich kaum ein Spiel vorstellen, bei dem die Wii-artige Steuerung besser gepasst hätte, aber stattdessen ist man auf die klassische FPS-Controller-Steuerung angewiesen. Da sind PC-Spieler klar im Vorteil. Leider hinkt die Switch auch bei der grafischen Performance den großen Konsolen hinterher. Spiegelungseffekte beispielsweise wirken oft physikalisch falsch. Man hat manchmal das Gefühl, eher durch die Spiegelfläche hindurchzusehen oder Objekte zu erkennen, die eigentlich viel zu weit entfernt sind, um sich darin zu spiegeln. Ganz besonders schade ist, dass die Konsole zwar tut was sie kann, um die Glanzeffekte darzustellen, aber dennoch nicht ganz überzeugen kann. Immerhin ist der Glanz der Punkt schlechthin, der am Ende für zufriedene Kunden, wie auch Spieler steht. Außerdem sind die Texturen oft (Achtung!) matschig und die Ränder des Drecks sehr pixelig. Dazu muss man sagen, dass die stärkeren Konsolen hier auch keine (nochmal Achtung!) Glanzleistung bringen, aber die Switch suppt leider am stärksten vor sich hin. Um ein Vielfaches schlimmer stellt sich dies im Handheldmodus dar. Hier fehlen die Glanzeffekte stellenweise völlig und wirken wie bei Simulationen anno 2010. Das wäre beim Bussimulator, Flugsimulator oder auch Bankensimulator alles kein Problem – in einem Spiel, in dem es aber um Sauberkeit geht, ist dies leider ein nicht zu vernachlässigendes Manko. Auch oder gerade bei einem Preis von 24,99€. Der ist natürlich im Vergleich zu AAA-Produktionen sehr fair, wird aber bei manch einem zu angestrengtem Grübeln führen, ob man fürs Putzen wirklich so viel Geld ausgeben möchte. Beim Sound fällt eine Bewertung wirklich schwer, denn eigentlich wummert nur ununterbrochen der Hochdruckreiniger, was auf Dauer ein eher nerviges Geräusch ist. Die meisten werden sich dazu Musik, ein Hörspiel oder einen Podcast anmachen. In der Kombination funktioniert es ganz hevorragend.

DLCs als Rettung

Man möchte eine Review nur ungern mit so kritischen Worten beenden und so kommen wir zu einem Punkt, der dem geneigten Square Enix Fan kaum mehr Freude bereiten könnte: die DLCs. Es war schon aus Vorabtrailern ersichtlich, aber nun wird es Wirklichkeit. Man kann bereits jetzt das Anwesen von Lara Croft aus Tomb Raider säubern und in einigen Tagen erscheint ein Final Fantasy VII orientiertes Level. Das ist ein derart schlauer Kniff, der die Befriedigung des Putzens um ein Vielfaches erhöht, wenn man beispielsweise Laras Relikte (bekannt aus den Spiele-Klassikern) oder Clouds ikonisches Schwert reinigen darf. Zu alledem sind diese beiden DLCs völlig kostenlos, was Spieler (gerade heutzutage) freuen dürfte. Es bleibt abzuwarten, welche verrückten Welten man noch zukünftig wird putzen können. Wir werden auf jeden Fall dabei sein.

8.0Wertung

Fazit

Powerwash Simulator ist das befriedigendste und beruhigendste Simulations-Spiel überhaupt. Es macht einen riesigen Spaß, die völlig verdreckten Oberflächen in den extrem abwechslungsreichen Leveln mit den verschiedenen Aufsätzen, Putzmitteln und Reinigern zu bearbeiten. Natürlich muss man die Bereitschaft mitbringen, sich auf das ruhige Tempo einzulassen. Das Spiel macht alleine aber auch mit bis zu fünf Freunden im Crossplay richtig Laune. Leider ist die Präsentation auf der Switch nicht ganz so sauber, wie die gereinigten Flächen und trübt vor allem im Handheldmodus kräftig den Gesamteindruck. Wer die Möglichkeit hat es auf einer anderen Plattform zu spielen, sollte diese nutzen.

Design
6.5
Sound
7.0
Online Multiplayer
8.5
  • Unheimlich befriedigendes Spielprinzip
  • Beruhigend
  • Tolle Gratis-DLCs
  • Crossplay-Multiplayer
  • Glanzeffekte könnten schöner sein
  • Teils matschige Texturen
  • Handheldmodus kaum genießbar

Vielen Dank an die Firma Square Enix Europe LTD für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!