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Oddworld: Soulstorm

Oddworld: Soulstorm

Mateusz

Es gab viele Stars der Playstation One Ära, aber nicht alle hielten Einzug in deutsche Videoclips! Lara Croft, das wissen die meisten, vermöbelte Die Ärzte, aber wer erinnert sich noch an den sympathisch-tollpatschigen Abe aus dem Music Instructor Clip zu Get Freaky? Die wenigsten wahrscheinlich, aber dennoch zeigt sich was für eine Austrahlungskraft der gutherzige, immer furzende Mudokon auch heute noch hat. Mit Oddworld: New’n’Tasty präsentierten Oddworld Inhabitants ein waschechtes Remake des ersten Playstation-Titels Abe’s Odyssee. Nun folgt aber nicht die logische Konsequenz, nämlich ein Remake von Abe’s Exoddus, sondern eine eigenständige und neue Fortsetzung. Ob das für Oddworld: Soulstorm eine gute Idee war oder ob man bei altbewährtem hätte bleiben sollen, klärt der nun folgende Test.

Oddworld: Soulstorm

NSW

Entwickler
Microids
Publisher
Microids
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 16

Wie immer in der Klemme

Womit die Oddworld-Reihe auf der Playstation One wahnsinnig Punkte sammeln konnte, war die optische Aufmachung. Die Zwischensequenzen ließen Gameraugen auf Maximalgröße aufgerissen staunen und auch das Game an sich überzeugte mit düsteren, fremd und gefährlich wirkenden Animationen und Umgebungen. Abe kämpfte den klassischen David gegen Goliath Kampf, alleine und fast gänzlich unbewaffnet, gegen eine ganze Armee und ein allmächtiges Unternehmen, welches das Volk der Mudokons unterjochen, zur Arbeit zwingen und sogar trinken will. Es gilt eine Revolution anzuzetteln, wofür man aber zunächst erst einmal genug seiner Freunde retten muss. Alles in allem eine düstere Geschichte, wenn die gebeutelten Mudokons nicht ein so lustiges Völkchen wären. Auf diese Weise werden die Spiele immer wieder mit einer ordentlichen Portion Humor aufgepeppelt. Dies ist im neuesten Ableger natürlich nicht anders und so zeigt sich der Spieler schon während der Anfangs-FMV-Sequenz eher belustigt, als besorgt angesichts des Abstürzenden Fluchtflugzeugs von Abe und seinem Kumpel.

Solide Optik

Die FMV Sequenzen sind für Switch-Massstäbe enorm gut umgesetzt und machen immer Freude. Im Spiel selbst ist die Grafik zwar solide, aber man spürt allgegenwärtig, dass es sich nicht um einen klassischen Switch-Titel, als viel mehr um ein Downgrade der stärkeren Fassungen handelt. Die Umgebungen sehen super aus, ebenso die Blicke in die Weite. Die Detailgrafiken hingegen kommen oft matschig daher. Wenn etwas explodiert und zerberstet flirren die einzelnen Teile mehr, als dass sie sich flüssig bewegen und Abes Schatten springt mit ihm in die Luft, statt sich am Boden zu verändern. Die Schatten sind zusätzlich durchgängig enorm verwaschen und pixelig. Wie früher spielt sich das Gameplay zu hundert Prozent auf einer 2D-Ebene ab, während der Rest dreidimensional animiert ist. Alles in allem haut einen die Optik nicht so um, wie damals anno 1997 und das liegt in den ersten Stunden des Spiels vor allem an der trostlosen Umgebung eines Steinbruchs.

Altbacken, statt retro

Die ersten Level sind geprägt von Gestein, Geröll und entsprechenden Höhlen. Vorwiegend braun, braun und braun. Dabei gilt es Platformer-Passagen und kleinere Rätsel zu lösen. Diese hat man sehr schnell durchschaut und in Folge wendet man sie immer wieder und wieder an. In Kombination mit der zunächst recht tristen Optik entsteht schnell ein Trott, der durch die zu lang geratenen Levels weiter begünstigt wird. Dabei ist im Kern alles ganz spaßig angelegt, denn den Fieslingen Fallen zu stellen, sie mittels Telekinese zu lenken, einschlafen oder gar explodieren zu lassen ist ein wirklich nettes Feature. Es gibt dem David gegen Goliath Kampf die richtige Würze und vermag die Karten der Revolution neu zu mischen. Nur gab es das leider auch schon 1997 in exakt gleicher Form. Nach einigen vielen Stunden verschönern sich zwar die Umgebungen maßgeblich, erlernt Abe neue Features und selbst ein rudimentäres Craftingsystem wird eingeführt, aber da muss man erstmal hinkommen. Was damals 1997 leider besser gelöst war als heute war die Steuerung. Die muss bei einem solchen Spiel, wo man sich stets in einzelnen, klar abgemessenen Mudokon-Schritten bewegt fehlerfrei, gar perfekt laufen! Aber genau hier kommt es bei Soulstorm zu echten Frustmomenten, wenn beispielsweise absolut basale Features zur Geduldsprobe werden.

Löschen, löschen, löschen!

All zu oft besteht des Rätsels Lösung daraus Feuer zu löschen oder diese zu legen. Entsprechende Items findet man meist in ausreichender Menge genau neben diesen Stellen, zu rätseln gibt es also nicht all zu viel. Man wählt das entsprechende Item umständlich aus einem Kreismenü und ebenso umständlich zielt man damit. Immerhin braucht man dafür beide Sticks und die Wurftaste. Dabei passiert es andauernd, dass man die Stelle zwar ziemlich genau getroffen hat, das Feuer aber weiterhin brennt. Ein Umstand, der einen mitunter das Leben kosten kann. Minen mittels geworfener Steine zu entschärfen kann einen mitunter viel mehr Steine kosten als nötig. Der Cursor zeigt genau aufs Ziel, ist aber selber zu ungenau, sodass im Endeffekt nichts passiert.

Dies führt dazu, dass an sich völlig banale und einfache Rätsel im Bildschirmtot enden, woraufhin man zum letzten Checkpoint wandert. Diese gibt es zwar in ausreichender Zahl, aber eine Szene in Gänze wiederholen zu müssen, ohne selbst richtig Schuld zu sein, wirkt schnell ermüdend. Man sehnt sich nach einem „echten“ Schwierigkeitsgrad, bei dem einen jeder Tod dem Ziel ein wenig näher bringt, bis man das Problem endlich gemeistert hat, anstatt dauernd wegen unnötiger Missgeschicke zurück auf start zu müssen. Dies ist außerdem umso ärgerlicher, weil man mitunter recht lang warten muss, bis ein Gegner sich umdreht oder seine Bewegungsroutine beendet hat. Immer wieder steht man deshalb einfach dumm rum. Aber ist Soulstorm ein schlechtes Spiel?

Fans halten durch

Fans der Oddworld-Reihe werden jetzt vielleicht sagen: Worüber regt der sich auf? Wenn man Oddworld kauft weiß man doch was man bekommt!

Da werden die Fans eigentlich auch Recht behalten, denn obwohl Soulstorm einer der schwächeren 2D-Ableger ist, bleibt das Prinzip in sich unverwüstlich und macht Spaß, wenn man sich darauf einlassen kann. Vor allem in späteren Levels werden die Umgebungen spannender, die Rätsel kniffliger und die Gameplayskills interessanter. Die charmante Story um den Underdog Abe mit ihrem einmaligen, fast schon morbiden Humor macht einfach zu viel Spaß und hätte gerne mehr in den Vordergrund gerückt werden dürfen, auch wenn manche Dialoge hier und da ausufern. Was dem Spiel gut getan hätte, wäre eine Straffung, aber auch so kann es einem für 15 Stunden das Leben versüßen. Ein letzter Punkt ist die schicke physische Aufmachung, die mit einem interessant designten Steelcase daherkommt, in dem man zukünftig seine Cardridges aufbewahren kann. Warum die Spiele-Cardridge an sich aber nur als Platzhalter dient und man zum Spielen ganze 12GB herunterladen muss erschließt sich dem geneigten Sammler nicht so ganz.

6.0Wertung

Fazit

Oddworld: Soulstorm ist ganz spaßig, reicht aber nicht an die 90s Vorbilder heran. Dafür sind die Steuerung zu unpräzise, die Rätsel zu simpel und die Level etwas zu lang geraten. Während die FMVs sensationell aussehen, zeigt sich die Ingame-Grafik zwar solide, man merkt dem Spiel aber zu jederzeit das Downgrade von stärkeren Fassungen an. Fans werden sich gut unterhalten fühlen und mit dem sympathisch-trotteligen Helden Abe mitfiebern, während alle anderen die 50€ etwas zu happig finden werden.

Design
7.0
Sound
8.0
  • Abe ist ein toller Held
  • FMVs sehen toll aus
  • Ingame Grafik nur solide
  • Steuerung zu ungenau
  • Rätsel mitunter etwas lahm

Vielen Dank an die Firma Microids für die Bereitstellung des Testmusters.

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