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It Takes Two

It Takes Two

Mateusz

It Takes Two

NSW

Konsole
NSW
Spieler
2 lokal
Freigabe
USK ab 12

Wir durften It Takes Two bereits auf der PS5 testen und vergaben in unserer Off-Topic-Review satte 9 Punkte. Aber wie schlägt sich der Multiplayer-Kracher auf der schwächeren Nintendo Switch? Und wie funktioniert das Game im Handheld-Modus? Fragen über Fragen, welche die Portierung unweigerlich aufwirft und die wir ebenso unweigerlich in Augenschein nehmen werden – in unserem Test auf Nintendofans.de!

Wie das Leben so spielt

Erster satter Pluspunkt: Man startet das Spiel und freut sich über die exzellente deutsche Synchronisation. Hochkarätige Stimmen, die sonst Hollywood-Stars eindeutschen, machen die Geschichte noch eindringlicher und fesselnder. Das hört man gerne, auch wenn gleichzeitig der größte Minuspunkt ins Auge sticht. Denn wo die Ohren umschmeichelt werden, zeigt sich die Optik matschig, flirrend und verbugged – zumindest in den Cutscenes. Das kann unsere Lieblingshybridkonsole eigentlich besser. Im eigentlichen Spiel sieht es zwar um einiges besser aus, aber es ist und bleibt etwas unscharf und rauschig, vor allem bei den Licht und Schatteneffekten. Schnell werden dem Spieler aber zwei Dinge klar: das Game hat zwei zentrale Stärken und diese bilden das kongeniale Koop-Gameplay und die unheimlich melancholische, sentimentale und berührende Geschichte.

Ein Ehepaar – Cody & May - streitet sich lautstark vor dem Haus und ist zumindest in einem Punkt einer Meinung: sie wollen die Scheidung. Was sie natürlich vor lauter Tobsucht nicht mitbekommen, ist das Leid ihrer Tochter Rosie. Diese sitzt in ihrem Zimmer am Fenster und beobachtet, vermutlich zum zigsten Male, dieses Trauerspiel. Längst hat sie sich kleine Puppen gebastelt, die jeweils eine bessere und harmonischere Version ihrer Eltern verkörpern.

Nach dem frischesten Streit und der Verkündung der Scheidung ist sie jedoch so aufgelöst, dass sie sich unter ihr Bett verkriecht und das Buch der Liebe hervorholt. Wie sollte es anders sein: Das Buch hilft ihr und wird zum spanisch-temperamentvollen Helden und Paartherapeuten Dr. Hakim, der sprechen und tanzen kann. Er verwandelt die Eltern, die eben noch gestritten haben, in die Puppen des Mädchens und nun geht der Spaß erst so richtig los.

Nach erster Verwunderung über ihr neues Aussehen begreifen beide schnell, dass sie aus dieser Nummer nicht rauskommen, ehe sie nicht lernen zusammenzuarbeiten und ihre Differenzen gemeinsam zu lösen. Und wie ginge das besser als beim gemeinsamen Meistern von Herausforderungen.

Das eigene Zuhause als Herausforderung

Ab hier dürfen die beiden Spieler ihr Augenmerk auf das stets intelligente und vielseitige Gameplay richten. Auf Miniaturpuppen-Größe geschrumpft lernen die Eltern ihr Haus und Grundstück ganz neu kennen. Zu Beginn müssen Sicherungen eingesetzt werden, damit der Strom fließen und verschiedene Abschnitte passiert werden können. Um dann beispielsweise einen Schalter umzulegen, müssen beide gemeinsam ihr Gewicht per Knopfdruck verlagern. An anderer Stelle sind die Rohre eines Staubsaugers, der sich später noch als gemeiner Boss herausstellt, durch einen der beiden auszurichten, während sich der jeweils andere einsaugen lässt, um so zuvor unerreichbare Orte zu erschließen und z.B. Knöpfe zu betätigen.

Über den Spielverlauf hinweg erfahrt ihr einiges über das Paar und ihre Eigenarten. Nicht selten werfen sie sich bissige Kommentare zu, wenn sie Probleme lösen müssen. Doch mit der Zeit verstehen sie es auch immer besser, sich gemeinsam zu freuen, einander zu loben und wertzuschätzen.

Das passiert auf ganz unterschiedlichen Arealen. Im Keller, im Wohnzimmer, auf dem Dachboden, im Garten, sogar in einem Baum oder im Kinderzimmer von Rosie geht es zur Sache. Das sorgt nicht nur für extremen Abwechslungsreichtum, was die Levelgestaltung angeht, sondern bringt auch besonders viel Kreativität mit sich. So haben die Entwickler mehr als 20 Minispiele über das gesamte, etwa 12 Stunden lange Abenteuer verteilt. Wer schon immer mal Hau den Maulwurf spielen wollte oder wie in der Kindheit Kroko Doc die Zähne ziehen, ohne geschnappt zu werden, der kann sich hier austoben. Viele weitere Spiele warten, in denen sich via dynamischem Splitscreen Cody und May messen können. Auf diese Weise gibt es nicht nur die dringend nötige Zusammenarbeit innerhalb der Levels, sondern auch ein paar gesalzene Duelle mittendrin.

Je weiter ihr im Spiel voranschreitet, desto mehr kuriose Gestalten und Bosse begegnen euch. Natürlich lernt ihr auch an Fähigkeiten dazu. May erhält einen Hammer und Cody kann Nägel schießen, an denen sich May mit dem Hammer wiederum entlangschwingen kann. Transportfrösche, wilde Bienen und andere Wesen sind außerdem Teil eurer spannenden, stets humorvollen und ausgesprochen abwechslungsreichen Reise.

Wenn es zwei braucht

It Takes Two ist ein Koop-Only Spiel. Nochmal: Man kann dieses Spiel, anders als auf der PS5, in keiner Weise alleine spielen. Das muss man vor dem Kauf wissen. Allerdings gibt es dermaßen viele ähnlicher Single-Player-Games, dass dieses „Manko“ nicht großartig ins Gewicht fallen sollte, zumal an jeder Stelle darauf aufmerksam gemacht wird. Sehr schön ist die Tatsache, dass nur einer von beiden das Spiel kaufen braucht. Dank Freunde-Pass kann sich die zweite Person online dazugesellen und schon kann es losgehen. Naja, nicht ganz. Ohne einen Account bei Electronic Arts, den man sich extra anlegen muss, wird es nichts. Die Implementierung eines Onlinemodus durch einen anderen Anbieter als Nintendo bringt die üblichen Unannehmlichkeiten mit sich, ist aber zu verschmerzen. Am meisten Spaß macht das Spiel ohnehin nebeneinandersitzend auf der Couch. Was den Entwicklern sensationell gelungen ist, ist dass es sich stets wie „zusammenarbeiten“ anfühlt. Man kann dem anderen Spieler keinen Vorwurf machen, wenn was nicht klappt, denn in der Story geht es ja genau darum: Empathie, Nachsicht und Freundlichkeit. Wer seine Partnerin beispielsweise anmault, weil diese die Sprungpassage zum dritten mal nicht schafft, ist irgendwie kein bisschen besser als Cody oder May. In kaum einem Spiel ist die Harmonie zwischen Duell und Zusammenarbeit so schön ausgearbeitet, wie in diesem Titel.

Ein Lehrbuch-Beispiel

Neben der gesamten Raffinesse des Gameplays und des liebevollen Pixar-Looks sind auch die Vertonung der Charaktere sowie der Soundtrack eine echte Bereicherung. Stimmungsbezogen, situationsabhängig und vielseitig kommen die Stimmen und Klänge daher und überraschen so manches Mal und schlagen damit eine hervorragende Brücke zur ebenso überraschenden Kreativität des Spiels. Denn wenn ihr dachtet, ihr hättet schon genug Verrücktes gesehen oder laut genug über eine Szene gelacht, dann kommt bis zum Ende des Spiels bestimmt noch mindestens eine dazu. In Konsequenz kann It Takes Two nur als Vorzeigemodell für gute Koop-Spiele mit Story und Abwechslungsreichtum gelten.

Welche Konsole soll es sein?

Wir fassen mal zusammen: Das Game an sich ist über jede Kritik erhaben und die Switch Version bringt zusätzlich eine grandiose deutsche Vertonung mit sich. Allerdings muss man grafisch einige, teils heftige Abstriche machen. Die Cutscenes sehen wirklich übel aus, mit kompletten Vordergrungtexturen, die sich permanent verändern und aktualisieren. Das Spiel mit der Switch auch unterwegs spielen zu können kann ein Vorteil sein, allerdings nur wenn man weitere Grafik- und Framerateeinbußen in Kauf nehmen möchte. Besonders knifflig wird es, wenn man lokal auf der Switch im Handheld-Modus spielen will, denn lokal wird immer über Splitscreen gespielt. Sitzt man direkt an der Konsole (max. 20cm) geht das Spielen noch ganz gut von der Hand, wenn man sich aber weiter entfernt kann man es eigentlich schon vergessen. Dafür sind die teils dunklen, düsteren und eben auch an besseren Rechnern entworfenen Texturen einfach nicht gemacht.

8.5Wertung

Fazit

Selten wurden in Spielen zwei zusammenarbeitende Personen so sehr gebraucht, um am Ende den Erfolg gemeinsam genießen zu können. It Takes Two erzählt nicht nur eine tolle Geschichte von Herausforderungen und Konflikten in Beziehungen, sondern lehrt auch von der Kraft des Teamworks und des starken Willens. Nebenbei räumt der Titel das Feld für kooperative Games gehörig auf und zeigt mit einer immensen Menge an kreativer Genialität, spielerischer Präzision und akustischer Raffinesse, wie gut Understatement und Erfolg zusammenspielen können. Die Switchversion bringt eine perfekte deutsche Synchro, aber auch teils heftige Grafikeinbußen und Framerateissues mit sich. Wer keine andere Konsole besitzt und immer eine*n Mitspieler*in parat hat, sollte zugreifen, auch wenn die PS5-Fassung definitiv die bessere ist.

Design
7.0
Sound
10.0
Online Multiplayer
10.0
  • Geniales Kreativkonzept
  • Deutsche Star-Synchro
  • Koop-Spielspaß & Minispiele noch und nöcher
  • Schwache grafische Performance
  • Irgendwann endet das Spiel
  • Koop-Zwang

Vielen Dank an die Firma Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.

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