
Bus Simulator City Ride
Als Kind wollten viele mal Busfahrer oder Busfahrerin werden. Diese riesigen Ungetüme strahlen auf viele, nicht nur kleine Menschen, eine ungeheure Faszination aus und haben daher viele Fans, die sich daher auch mit Modellen, Strecken und Fahrweise hervorragend auskennen. Für solche Menschen sind die jährlich erscheinenden Bussimulatoren eine willkommene Möglichkeit selbst mal hinterm Lenkrad Platz zu nehmen. Ob der Bus Simulator City Ride auch Casual-Gamer – Achtung Wortwitz – abholen kann, klärt der nun folgende Test.

Bus Simulator City Ride
NSW
- Genre
- Simulation
- Entwickler
- astragon
- Publisher
- astragon
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
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Die Welt eines Spieletesters ist sehr abwechslungsreich. Jede Form von Videospiel-Action ist ihm wohlbekannt und die Entwickler scheinen sich diesbezüglich auch immer wieder übertrumpfen zu wollen. Da sind diese kleinen, unscheinbaren Chill-Spiele eine herrliche Abwechslung. Bus Simulator City Ride ist Entspannung pur und das von Anfang an. Keine langen Tutorials, keine aufwendige Customization, einfach rein in den Bus und los. Im Gegensatz zu ähnlichen Simulatoren geht die Steuerung hier sehr leicht von der Hand. Zwar haben vor allem die ersten Busse eine gewisse Behäbigkeit, aber dennoch hat man den Bogen sehr schnell raus und meistert die ersten Strecken unfallfrei. Wer aber sinnlos rast, wird bald mit Punkteabzügen rechnen müssen, denn Blinker möchten richtig gesetzt, Ampeln und Radarfallen beachtet und der Bus unbeschadet ans Ziel gebracht werden. An jeder Haltestelle müssen die Türen geöffnet, die Passagiere reingelassen und die Türen wieder geschlossen werden, bevor man weiter fahren darf. Dabei muss auch stets der zeitliche Fahrplan im Auge behalten werden. Allein deshalb sollte man sich beim Fahrkartenverkauf nicht all zu viel Zeit lassen, wobei darauf geachtet werden sollte auch den richtigen Fahrschein auszuwählen. Das alles kann am Anfang ein wenig überfordern, befriedigt aber auch auf seltsam piefige Art und Weise den Teil des Ichs, der vielleicht schon immer mal Busfahrer*in werden wollte. Die Macher haben sich auch scheinbar Mühe gegeben die spielerfreundliche Bedienung in den Mittelpunkt zu stellen. Das meiste klärt man über die Schultertasten (Gas, Bremse, Blinker), den Analogstick links (Steurung) und den Analogstick rechts (Sonderbefehle). Der Umgang mit Letzterem kann ein wenig knifflig werden, denn während man fährt und die Straßenverkehrsordnung im Blick behalten möchte, ist es gar nicht so einfach das zusätzliche Ringmenü zu bedienen. Dies ist aber notwendig, um die Scheiben zu putzen, blockierte Türen zu befreien oder die Bushaltestelle zuparkende Autos weg zu hupen. Nach einigen Stunden mit dem Spiel – sie werden verfliegen wie Minuten – entwickelt man eine besondere Empathie für Busfahrer*innen und wird sich bei der nächsten Fahrt mit den Öffis vornehmen ein wenig verständnisvoller zu sein.
Berufsmäßige Monotonie
Wie bereits beschrieben geht der Einstieg schnell von der Hand und man kann im Handumdrehen neue Busse kaufen, neue Strecken freischalten und besagte Busse auf besagten Strecken als Linienbusse einsetzen, während man selbst einzelne Fahrten absolviert. Um das Ganze etwas spannender zu gestalten gibt es so genannte Tagesaufgaben, die einem Geld und Erfahrungspunkte bescheren – beides nötig, um noch mehr Busse und noch mehr Strecken, bzw. Bezirke freizuschalten. Etwas unfair ist die Tatsache, dass man nicht immer beeinflussen kann wie hoch die Sternewertung ausfällt. Diese hängt nämlich sehr stark mit der Häufigkeit der besonderen Events statt, worauf man selbst aber keinen Einfluss hat. So wird man einige male ein und dieselbe Strecke fahren müssen, um höhere Bewertungen einzuheimsen und um schlichtweg mehr Geld und Erfahrung zu machen. Das mag Casual-Gamer abschrecken, gehört aber zu einer solchen Simulation dazu. Echte Busfahrer*innen fahren halt jeden Tag die selben Strecken hin und her. Dagegen ist Bus Simulator City Ride Abwechslung pur, denn es macht ja auch Spaß die Strecken zu perfektionieren. Witzig sind die ab und zu eingestreuten Dialoge, die meist zur aktuellen Situation passen („Eine Fahrkarte bitte!“), hin und wieder jedoch einen aus GTA bekannten Humor zeigen. Beispielsweise erzählt eine ältere Dame ihr sei die Band All Directions empfohlen worden und sie wolle sich diese jetzt mal genehmigen. Das ist jetzt nicht weltklasse, aber für einen Bus Simulator erstaunlich kreativ und vor allem professionell vertont. Soundtechnisch darf man keine Wunder erwarten, aber die Busse klingen wie sie sollen und unterscheiden sich im Klang deutlich. Wem das alles zu wenig ist und wer permanent neuen Content freischalten und von Level zu Level jumpen will, ist hier vielleicht an der falschen Adresse.
A propos Content
Das Spiel hat Busfans einiges zu bieten. 10 große Lizenzen konnten ergattert werden, sodass man es mit ziemlich vielen, größeren und noch größeren authentischen Bussen zu tun bekommt. Diese sind optisch sehr detailreich in Szene gesetzt und unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Fassungsvermögen, Beschleunigung und Wendigkeit – kurz gesagt: Jeder Fan findet einen Bus, der zu ihm passt. Zudem gibt es sehr viele Strecken, wie auch Stadtteile freizuspielen. Insgesamt erinnert die ganze Gegend an norddeutsche Städte, wobei es sich nicht um reale Strecken, wie in anderen Simulatoren gesehen, handelt. Das Feeling stimmt dennoch und man erlebt Fahrten durch kleinere Städte, ländliche Gegenden, sowie über Autobahnen und kann frei entscheiden ob man die Cockpit- oder Außenperspektive bevorzugt. Erste ist natürlich stilecht, wobei zweitere bedienungsfreundlicher ist, wenn es darum geht, genau einzuparken.
Leider haben die Macher auf die Implementierung von Wetterereignissen verzichtet, sodass man sich mit Dingen wie Regen, Schnee oder gar Blitzeis nicht rumzuplagen braucht. Einzig die Tageszeit ist durch den Spieler beeinflussbar, was allerdings fast nur kosmetische Unterschiede mit sich bringt.
Besonders tut sich der Handheldmodus hervor. Nicht nur, weil man dadurch beim Busfahren busfahren kann, sondern auch wegen der guten Implementierung des Touchscreens. An der Optik verändert sich nicht all zu viel, aber man kann einige der Sonderbefehle per Druck auf den Bildschirm auslösen. Das macht es irgendwie noch haptischer.
Die Schattenseiten
Während man bis hierhin verwundert darüber sein könnte, wie viel Spaß einem dieses unscheinbare Spiel mit einem solch nerdigen Oberthema macht, setzen einem die Mankos und Bugs doch immer wieder zu. Zum Einen stürzt das Spiel häufiger ab und zwar häufiger als viele andere Spiele. Es geht kein Fortschritt verloren, das ist schon mal was, aber 2022 muss so etwas eigentlich gar nicht mehr sein. Andauernd werden einem Fortschritte angezeigt, die keine sind. Beispielsweise wird beim neuen Start des Spiels auf bereits Erspieltes verwiesen oder man hat Strecken freigespielt, die in einem nicht freigespielten Bezirk liegen. Außerdem gibt es Bugs, die der Immersion und der Entspannung entgegenstehen. Wenn beispielsweise alle umstehenden Autos im Hundertsteltakt dauerhaft ihre Farben wechseln, als hätte man einen Disco-Cheat eingegeben, widerspricht dies dem ansonsten so hoch gehaltenen Realismus. Die manchmal aufploppenden Details in der Umgebung nehmen immerhin keinen Einfluss auf den Spielverlauf, stören aber dennoch. Insgesamt ist die Grafik nicht auf aktuellem Stand. Das Einsteigen der Passagiere sieht super seltsam aus, die Umgebung ist etwas karg geraten und die Oberflächen wirken etwas arg glänzend. Muss man alles nicht überbewerten, denn so kennt man es auch ein Stück weit aus Simulatoren, aber insgesamt hätte man es mit ein wenig mehr Mühe um einiges besser machen können.
Fazit
Der Bus Simulator City Drive macht viel mehr Spaß, als die meisten vielleicht denken würden. Authentische Fahrzeuge auf nicht ganz so authentischen Strecken in einem fiktiven norddeutschen Havensburg. Das Spiel ist die pure Entspannung, aber Achtung: Als Busfahrer:in muss man auf einiges achten! Blinken, einparken, Gäste einsteigen lassen, Tickets verkaufen, auf Blitzer achten. Das macht alles sehr viel Spaß, auch wenn man immer wieder und wieder die selben Strecken fahren muss, um im Spiel weiter zu kommen. Weniger schön sind die ganze Reihe an Bugs, die veraltete Optik sowie der Umstand, dass man seinen High-Score häufig nicht wirklich selbst beeinflussen kann. Für echte Busfans gibt es eine Kaufempfehlung, während alle anderen sich genau überlegen sollten, ob sie mit den Stärken des Games genug anfangen können.
- Entspannung pur
- Realismus ohne Übertreibung
- Viel Content für Busfans
- Viele Wiederholungen
- Bugs am laufenden Band
- Optik altbacken
Vielen Dank an die Firma astragon für die Bereitstellung des Testmusters.


