
The Legend of Heroes: Trails from Zero
Die Globalisierung hat Spieler aller Länder näher rücken lassen. Release-Termine werden über Kontinente hinweg synchronisiert und es gibt kaum noch Schlupflöcher für regionale Geheimtipps. Durch E-Shops, Onlinekaufhäuser und Gebrauchtbörsen kommt der geneigte Fan so ziemlich immer sicher ans Ziel. Einzige Ausnahme: die ausufernde Welt der japanischen Rollenspiele, kurz jRPGs. Die Lokalisierung ist derart aufwendig, dass es bis heute Perlen gibt, von denen noch kein westlicher Spieler je gehört hat. Die The Legend of Heroes Serie beispielsweise hat eine unglaublich alte Tradition und ist nur mit einigen PSP-Ablegern im Rest der Welt in Erscheinung getreten. So auch The Legend of Heroes: Trails of Zero, welches nun als Remaster für die Nintendo Switch erscheint. Warum gerade der angesetzte Staub ein absolutes Proargument darstellt, klärt der nun folgende Nintendofans.de-Test!

The Legend of Heroes: Trails from Zero
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- NIS America
- Publisher
- NIS America
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 16
Lang, lang ist’s her…
Als das Franchise im Jahre 1989 geboren wurde, damals noch unter dem Titel Dragon Slayer: the Legend of Heroes, dachte wohl keiner, wo die Reise hingehen würde. Von Heimcomputern, über das Super Famicom, die Playstation bis zur Blütezeit auf der Playstation Portable gab es unheimlich viele Releases und Re-Releases und umso unglaublicher ist es auf den erste Blick, dass davon so wenige Menschen weltweit erfahren haben. Immerhin bietet die Reihe optisch und akustisch allerhöchste Genrekost. Auf den zweiten Blick präsentiert sich die Erzählweise hingegen etwas weniger typisch. Es wird sehr viel Zeit auf Gespräche und nachvollziehbare Geschichten gelegt und nicht immer geht es dabei um die Rettung des gesamten Universums, sondern um Einzelschicksale im Mikrokosmos einer kleinen Stadt beispielsweise. Hier dürfte der Kern der Zögerlichkeit bei der Exportierung der Reihe liegen – eine Lokalisierung wäre auf Grund der Textmassen sehr teuer und der Erfolg unkalkulierbar gewesen. Immerhin gelang es einigen Titeln einen deutschen PSP-Release zu erhalten, das vorliegende Trails of Zero zählte nich dazu. Es erscheint nun, gut zwölf Jahre später, erstmals in westlichen Gefilden, bzw. auf Deutsch. Die Entwickler des Remasters haben dabei einiges richtig gemacht, wie der nächste Absatz belegen wird.
Retro und erstaunlich frisch
Man startet das Spiel und die allerersten Klänge, welche das Logo von Nihon Falcom begleiten ziehen einen in den Bann. Kristallklare Klavierklänge mit einer ganz einfachen Melodie erwecken Hirnareale zum Leben, die zuletzt bei den ganz großen Klassikern der späten 90er und frühen 2000er Jahre aktiv waren. Ebenso mutet das Figurendesign erfreulich eingängig an. Die Chibi-Figuren, welche in Gesprächen durch aufwendige Mangazeichnungen ihrer selbst ergänzt werden, haben alle Sympathien auf ihrer Seite und brechen auch mit einer grundlegenden Charakteristik japanischer Rollenspiele. Die Gruppe muss sich nicht erst im Laufe des Spiels finden, sondern ist von Anfang an ein Team. Interessanterweise leidet die Spannung darunter keineswegs. Im Gegenteil ist dies der Figurenzeichnung sehr zuträglich. Die Story unterscheidet sich dann auch noch sehr von großen Vorbildern wie Final Fantasy oder Dragon Quest. Hier geht es sehr lange nicht um globale oder gar universale Konflikte, sondern man ist Teil einer kleinen Spezialeinheit der örtlichen Polizei von Crosbell. Man erledigt größere und kleinere Aufgaben und lernt die Stadt und ihre Bewohner kennen wie seine eigene Westentasche. Zwar reist man hin und wieder nach Außerhalb, aber ein großer Teil des Spiels findet in Crosbell selber statt. Hier sind verschiedene Mächte am Wirken und als Spieler gilt es die Geheimnisse, die unter der Oberfläche brodeln zu lüften. Eine herrlich willkommene Abwechslung im jRPG Business.
Die Grafik wurde im Vergleich zum Original ordentlich hochskaliert, in ihrem Kern aber belassen. So ist die PSP-Vergangenheit permanent sichtbar und nur in einigen Kleinigkeiten störend. Beispielsweise können sich die Figuren nicht wirklich bewegen. Sie schreiten zwar über den Bildschirm, sobald aber jemand aufstehen will, wird dies mit einem kurzen Blurr-Effekt kaschiert und die Figur sitzt nicht mehr. Wenn sich Autos bewegen sieht das auch sehr nostalgisch, kantig aus. Ebenso sind einige Gegenstände (Balustraden, Tischbeine, Accessoires etc.) zwar so gezeichnet als seien sie dreidimensional, sind aber in Wirklichkeit flach wie eine Flunder, was sich bei Kameradrehungen zeigt. Wie aber zuvor erwähnt fällt dies keineswegs negativ ins Gewicht. Das gesamte Design ist derart gelungen und wird durch die HD-Optik weiter aufgewertet, dass es eine wahre Freude ist. Man fragt sich zwischendurch tatsächlich, ob das Spiel vor zehn Jahren oder tatsächlich heute „auf retro gemacht“ entwickelt wurde. Die Anime-Zwischensequenzen sind eh, wie bei den meisten Genrevertretern, erste Sahne.
Klassisch mit Würze
Die Kämpfe sind eine echte Freude. Den Entwicklern ist es gelungen alt eingesessene jRPG-Hasen ebenso abzuholen, wie die innovationsfreudigen Retrorollenspieler. Zum Einen gibt es keine Zufallskämpfe, sondern man sieht seine Gegner herumlaufen und kann diese entweder frontal, von hinten oder nach einem Betäubungsschlag angreifen – jeweils mit entsprechenden Vorteilen auf Seiten der Party. Hat der Kampf begonnen wird rundenbasiert gekämpft und man hat alle Zeit der Welt sich über einzelne Züge Gedanken zu machen. Die Reihenfolge wird vom Speed-Wert der Figuren bestimmt und kann am linken Bildschirmrand verfolgt werden. So weit, so altbekannt. Durch ein ausgeklügeltes Orb-System können jedem Spieler besondere Fähigkeiten zugewiesen werden, die sein magisches Können im Kampf beeinflussen. Dadurch kann man neben den klassischen Nah- und Fernangriffen der Partymitglieder auch helfende oder angreifende Zauber wirken. Daneben hat jeder Kämpfer eigene Spezialattacken, welche CP Punkte verbrauchen. Dies bringt eine angenehme, taktische Komponente ins Spiel, denn eigentlich möchte der Spieler eben jene CP Punkte sammeln, um bei entsprechend voller CP-Leiste ein verheerendes oder auch besonders heilendes Spezialmanöver, inklusive individueller Cutscene, anzuwenden. Darüber hinaus gibt es random die Chance einen Tagteam-Angriff mit seiner ganzen Mannschaft zu starten. Man sieht also, langweilig wird es im Kampfe also nicht. Dies trifft umso mehr auf die Endgegner zu, denn diese können mitunter recht deftig ausfallen. Zumal ihr Auftauchen nicht immer ganz vorhersehbar ist. Unbedarfte Spieler werden ums jRPG-typische Grinding nicht rumkommen.
Spielerfreundlichkeit á la 2022
Zum Glück hat das Spiel viele Features, die es für alle zugänglich machen, beginnend mit der Wahl des Schwierigkeitsgrades. Hier wird jeder fündig und auch die Beschreibung der Stufen macht deutlich, worauf man sich einstellen kann. Ist ein Kampf mal doch zu schwer, bietet das Spiel eine Replayvariante mit heruntergesetztem Schwierigkeitsgrad an, ohne ihn dauerhaft zu verändern. Das ist ein sehr hilfreiches Feature bei zuvor erwähnten Bosskämpfen. Die wohl hilfreichste Zusatzfunktion ist das Vorspulen. Man kann das Tempo des Spiels um einiges beschleunigen in dem man die R2-Taste hält. Dies erspart einem bei dem vielen Gelaufe einiges an Zeit. In den Optionen kann man zudem einstellen, wie stark vorgespult werden soll, aber auch allerlei Grafik- und Soundspezialitäten, so dass wirklich jeder auf seine Kosten kommt. Zudem ist die Nintendo Switch einfach die perfekte Konsole für dieses Game, denn die Portabilität einer PSP wird bewahrt. Auch unterwegs macht Trails of Zero eine richtig gute Figur und glänzt in altem, neuen Glanz.
Text-Adventure oder RPG?
Bei all dem Lob über dieses richtig gut gelungene Remaster muss ein Kritikpunkt aber definitiv Erwähnung finden. Es weiß natürlich jeder Kenner des Genres, dass er sich auf einiges an Lesestoff einzustellen hat, wenn er sich an einen modernen Retroklassiker heranwagt. Zudem weiß er vielleicht auch, dass er keine deutsche Sprachausgabe zu erwarten hat und deshalb des Englischen mächtig sein muss. Aber selbst wenn man die asiatische Synchro super findet und auch ganz fit in der Fremdsprache ist, bietet Trails of Zero derart viele und lange Dialoge, dass es manchmal schwer fällt am Ball zu bleiben. Man muss dem Spiel zu Gute halten, dass dies enorm bei der Vertiefung in die Spielwelt und der Identifikation mit den Charakteren hilft, aber es ist – vor allem in den ersten fünf Stunden – einfach zu viel. Man findet sich immer wieder mit durchgedrückter B-Taste wieder um somit die Gespräche im Eilverfahren zum Ende zu bringen. Bei wichtigen Entscheidungen muss man glücklicherweise gesondert A drücken. Fans der Reihe werden in diesem gesamten Umstand ein Alleinstellungsmerkmal der Reihe sehen, aber Gelegenheitsspieler könnten davon abgeschreckt werden. Das wiederum wäre total schade, da das Game mächtig an Fahrt gewinnt, wenn man den zähen Anfang erst einmal überstanden hat.
Fazit
The Legend of Heroes: Trails of Zero war schon damals gut und ist im Remaster ein fantastisches jRPG. Die niedliche, aber wunderschöne Grafik, der sensationelle Sound, die tiefe Charakterzeichnung und die spannenden Kämpfe bieten alles, was der jRPG-Fan braucht. Zwar sieht man dem Spiel seine PSP-Herkunft deutlich an, durch die Politur und das solide Grundkonzept ist dies aber zu verkraften. Einzig die ellenlangen Dialogpassagen trüben vor allem den Anfang des Spiels und setzen Englisch-, bzw. Japanischkenntnisse voraus.
- Gelungenes Remaster
- Spielerfreundliche Neurungen
- Tolles Kampfsystem
- Unendlich lange Dialoge
- Spielbeginn kann zäh sein
- Teilweise nur Pseudo-3D
Vielen Dank an die Firma NIS America für die Bereitstellung des Testmusters.

