
Kao the Kangaroo
Kao the Kangaroo ist kein Unbekannter, wenn es um die reichhaltige Historie der Action Adventure, Jump'n'Runs & Platformer geht. Was zwei gute Dekaden ausgemacht haben und ob die Nintendo Switch Version diejenige ist, die das beste aus eurem Kanguru holt, lest ihr ab sofort in unserem Test zu Kao the Kangaroo (Nintendo Switch)

Kao the Kangaroo
GBA
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Entwickler
- Tate Multimedia
- Publisher
- Tate Multimedia
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Die Remake- und Fortsetzungsflut ebbt nicht ab. Immer mehr Titel aus der Jugend von heute bereits erwachsenen Gamern bekommen neues Leben eingehaucht und in vielen Fällen erweist sich dies als wahre Goldgrube. In einigen davon sind Kritiker und Spieler auch qualitativ überzeugt. Kao The Kangaroo bekommt nach 20 Jahren (!) eine Neuauflage spendiert und darf dieses Mal nicht SEGAs Dreamcast, sondern die Nintendo Switch beackern. Ob es sich dabei um ein sinnvolles Unterfangen handelt oder ob das Känguru mal lieber in Mamas Bauchtasche geblieben wäre, klärt der nun folgende Test!
Retro-Fan-Service
Vorweg ein kleiner Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist ein riesiger Fan von 3D-Platformern und zwar schon seit es diese gibt. Die Erfolgsformel für einen erfolgreichen Genrebeitrag á la Crash Bandicoot, Gecko 3D oder Spyro The Dragon ist komplizierter als es gemeinhin den Anschein erweckt. Zum einen braucht es ein niedliches, aber freches Maskottchen, das Herzen und Lachmuskeln gleichermaßen in Wallung bringt. Zum anderen müssen Level und Welten so designt sein, dass sie in Erinnerung bleiben und außerdem zum Suchen hunderter Collectibles einladen, aber dennoch Orientierung bieten. Hinzu kommt der Schwierigkeitsgrad, der ein eher jüngeres Publikum, ebenso wie anspruchsvolle Gamer zufriedenstellen soll. Meist ist deshalb das reine Durchspielen nicht das Problem (außer bei Crash Bandicoot 1!), sondern eher die Komplettierung. Zu guter Letzt braucht ein Platformer Bossgegner, die genauso gut designt sein müssen, wie die Hauptfigur und einen zudem etwas ins Schwitzen bringen. Gar nicht mal so einfach, das alles unter einen Hut zu bringen!
Das Erbe welches Kao hier antritt ist also kein kleines und gleichzeitig startet das niedliche Känguru mit einem riesigen Sack an Vorschusssympathien, denn auf den ersten Blick scheinen all die zuvor genannten Punkte erfüllt worden zu sein. Aber hat man es hier tatsächlich mit einem neuen Crash oder gar Mario zu tun? Wir starten mit dem Design!
Wie ein Samstagvormittags-Cartoon
Was sofort ins Auge sticht, sobald man auch nur den Trailer zu Kao The Kangaroo sieht, sind die wunderbar gezeichneten Charaktere. Kao selbst könnte locker der Star einer erfolgreichen 90er Jahre Kinderserie sein, so viel Charme und Spitzbübigkeit wie er versprüht. Allerdings sind die Zeichnungen und Animationen eben auch sehr klassisch und brav gehalten, was vor allem auf ein jüngeres Publikum zielen dürfte. Im Laufe der Geschichte nimmt die mysteriöse Kraft der „Ewigkeit“ immer mehr Raum ein. Kao möchte dem Verschwinden seines Vaters auf die Spur gehen und hier entwickelt das Spiel tatsächlich eine Emotionalität, welche man dem Game so gar nicht zugetraut hätte. Die Gespräche zwischen Kaos Mutter, seinem Trainer und anderen NPCs sind ausgefeilter, als man es aus den großen Vorbildern kennt, wo es immer nur darum geht so schnell wie möglich zur nächsten Mission zu kommen.
Um seine Mission zu beginnen nutzt Kao die Boxhandschuhe, welche sein Vater zurückgelassen hat. Die Handschuhe selbst sind von der Energie der Ewigkeit beseelt und können dadurch mit Kao kommunizieren, ebenso wie sein Shaolin-Mönch-artiger Koala-Trainer. So lernt man im Laufe der ersten Level, dass die Boxhandschuhe nicht nur zum Austeilen von Schlägen sinnvoll sind, sondern auch bestimmte elementare Energien aufnehmen können. Riesige, den Weg blockierende Spinnennetze können beispielsweise mit einem feurigen Punch aus dem Weg geräumt werden.
Die ersten Welten können designtechnisch auch überzeugen. Man startet in einer karibisch orientierten Strand-Welt mit entsprechenden Hütten – Kaos Heimatort. Von hier aus kann man zunächst nur ein Level erreichen, aber durch das Einsammeln entsprechender Steine, kann man weitere Tore öffnen, bis man schließlich in die nächste Welt, den Dschungel gelangt. Das alles ist sehr bunt und knallig gezeichnet, was den Cartoon Celshading-Look weiter verstärkt. In den einzelnen Welten trifft man auf abgefahrene Tier-Kumpanen, die hin und wieder bestimmte Quests für Kao bereithalten. Im Endeffekt geht es aber immer wieder darum einzelne Tore zu öffnen und die dahinter liegenden Level zu bestreiten.
Zwischen Fluch und Segen
A propos Level: diese bieten solide Genrekost und wecken immer wieder Erinnerungen an die gute alte Zeit. Allerdings ist der Grat zwischen Nostalgie und dem Plagiat oft nur sehr schmal. Die Energie wird beispielsweise Zelda-typisch in Herzen angezeigt. Um die Anzahl der Herzen zu erhöhen muss man Herz-Container-Viertel sammeln – hat man vier davon gibt es ein extra Herz (wer hätte das gedacht!?). Neben der sammelbaren Münzenwährung, gilt es auch bandicootsche Diamanten einzusammeln und die 100% erreicht man auch nur, wenn in jedem Level die drei Buchstaben K, A und O eingesammelt werden, was verdächtig an einen gewissen Herrn Kong erinnert. Auch das lineare Schlauchlevel-Design ist für Genre-Veteranen ein alter Hut. Man laufe dorthin, suche unterwegs alles nach geheimen Wegen ab und springe von einer Plattform zur nächsten. Selbst das Klettern an über einem liegenden Netzen errinert derart an die Kletterpartien bei Crash Bandicoot, dass es eine Freude oder ein Kopfschütteln ist.
Ab und zu kommt der altbekannte Bumerang zum Einsatz. Dieser ist nun auch mit der Kraft der Ewigkeit gesegnet. Eigentlich soll er zur Lösung etwas komplexerer Rätsel beitragen, was aber nur mäßig gelingt. Beispielsweise scheint der Weg des Öfteren in einer Sackgasse zu enden, benutzt man aber den magischen Bumerang, kann man einen Großen Stein herabfallen lassen, der als nächste Plattform dienen kann. Da einem das Spiel beim Umsehen aber sofort anzeigt welche Gegenstände treffbar sind und welche nicht, wird das nur für ein jüngeres Publikum als Knobelaufgabe durchgehen. Generell ist, bis auf die zu seltenen Bossfights, der Schwierigkeitsgrad eher im Spyro-, als im Crash Bandicoot Bereich.
Die Kämpfe gegen die schön gezeichneten Gegner bestreitet man durch heftiges, befriedigendes Buttonmashing, bis über dem Gegnerkopf ein X erscheint. Drückt man die Taste, kommt ein Zeitlupen-Finishingmove, der die ersten zehn Male supercool kommt, dann aber eher durch seine verzögernde Wirkung negativ auffällt. Im Gegensatz dazu stehen die Bossfights, die durchaus kreative und fingerfertige Lösungen erfordern.
Ein Retroaspekt auf den man heutzutage gerne verzichten könnte, ist eine störrische Kamera und ein ungenaues Sprungverhalten. Beides führt dazu, dass man nie so ganz genau abschätzen kann, ob man jetzt den einfachen oder den Doppelsprung braucht. In Folge landet man häufiger im Wasser oder in der Lava als einem lieb sein sollte, was umso ärgerlicher ist, wenn der letzte Checkpoint etwas weiter weg ist. Man respawnt nämlich nicht (wie heute üblich) an der Stelle des missglückten Sprungs, sondern immer beim zurückliegenden Checkpoint.
Fast alle bisher genannten Kritikpunkte fallen wahrscheinlich nur Genreveteranen auf und können von Neueinsteigern getrost ignoriert werden. Leider wird aber auch diesen auffallen, dass die einzelnen Level zwar super spielbar, aber nicht besonders kreativ in Szene gesetzt sind. Alle Level der Karibikinsel, Lava-, Eis- und Dschungelwelt etc. sehen ziemlich einheitlich und unspektakulär aus. Sie dienen dem bloßen Vorankommen und bieten selbst in den etwas aufwendiger gestalteten Räumen nur bereits Dagewesenes. Das steht leider im Kontrast zu den wirklich schön animierten Figuren und Oberwelten.
Ein technisches Fiasko
Während das Spiel bis jetzt solide, wenn auch wenig originell im Nintendofans-Test abschneidet, reißt der technische Aspekt die Wertung runter wie ein gut gezielter Knockout-Schlag. Während das Design und die Zeichnungen mit ihrer bunten Optik und den tollen Figuren (vor allem bei kleineren Mitspielern) für große Augen Sorgen, ist die Framerate ein Problem. Kao versinkt immer mal wieder, ohne erkennbaren Grund, in der Unschärfe. Manchmal sieht die Umgebung perfekt aus, Kao aber suppt vor sich hin und in anderen Fällen ist es genau anders herum. Beim Bewegen ploppen immer wieder Texturen urplötzlich auf oder stellen erst nach einigen Frames ihre Schärfe richtig ein. Generell ertappt man sich immer wieder bei der Frage, ob das Spiel nicht auch auf einer Playstation 3 oder gar 2 hätte realisiert werden können.
Während das alles auf einem vernünftigen Fernseher zwar auffällt, aber nicht weiter beim Spielen stören muss, ist die Umsetzung des Handheldmodus eine einzige Katastrophe. Das Spiel an sich ist ja eigentlich kein Grafikwunder und dennoch geht die Framerate andauernd in die Knie. Selbst Xenoblade Chronicles 2 macht im Handheldmodus eine viel bessere Figur, obwohl dort massive Einbrüche in der Darstellung zu verzeichnen sind. Man bekommt schnell das Gefühl eine Brille zu benötigen und anfällige Spieler dadurch auch Kopfschmerzen.
Da können die nette musikalische Untermalung und die Soundeffekte kaum noch etwas rausholen, zumal es sich um gewohnte Genrekost handelt. Bei knapp 30€ Investmentgrundlage muss man sich als Entwickler schon mehr Mühe geben. Möglich, dass auf den größeren Konsolen ein anderes Bild entsteht, aber die Switch-Version ist von technischer Seite eine Enttäuschung.
Fazit
Kao The Kangaroo macht beim Design alles richtig. Ein niedlich-frecher Känguru-Held mit Boxhandschuhen in einer qiuetschbunten 3D-Platformer-Welt voll von liebenswerten Nebenfiguren und gemein-exzentrischen Bösewichtern. Leider ist im Gameplay zu viel von den großen Vorbildern abgekupfert und das Leveldesign entspricht qualitativ selten den toll in Szene gesetzten Oberwelten. Auf der technischen Seite trübt die schlechte Framerateperformance den Gesamteindruck. Der Handheldmodus wurde von den Entwicklern derart stiefmütterlich behandelt, dass man aus reinem Selbstschutz von ihm absehen sollten. Genre-Neueinsteiger dürfen einen Blick riskieren, da der niedrige Schwierigkeitsgrad zum sich Ausprobieren einlädt, während Veteranen sich über das viele verschenkte Potenzial ärgern werden.
- Toll gezeichnete Figuren
- Emotionale Geschichte
- Schöne Oberwelten
- Häufige Framerateeinbrüche
- Grauenhafter Handheldmodus
- Monotone Level
- Manchmal nervt die Kamera
Vielen Dank an die Firma Tate Multimedia für die Bereitstellung des Testmusters.


