
Lego Star Wars: The Skywalker Saga
Was haben Lego und Fußball gemeinsam. Nichts möchte man meinen. Im Videospielgeschäft sieht das aber ein bisschen anders aus. Denn mit einer stoischen Gelassenheit bringt die dänische Klemmbausteinfirma ein Lizenzgame nach dem anderen heraus, ändert dabei immer nur geringfügig etwas am Spielkonzept und dennoch ist jedes Spiel für sich betrachtet ein Gutes. Dies erinnert doch an die etwas angestaubte Fifa Reihe. Nur haben wir es dieses Mal tatsächlich mit dem besten Teil der Reihe zu tun. Warum es dennoch einiges zu meckern gibt und warum gerade die größten Legofans in die Röhre schauen, klärt der nun folgende Test zu Lego Star Wars: Die Skywalker Saga für die Nintendo Switch.

LEGO Star Wars: The Skywalker Saga
NSW
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- WB Games
- Publisher
- WB Games
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 2 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Star Wars total!
Was für ein Intro! Rey spricht aus dem Off zum Spieler, langsam zeigt sich die felsige Kulisse von Luke Skywalkers letztem Zufluchtsort und wir sind mitten in ihrer ikonischen Trainingszene aus der neuen Trilogie. Wer da keine Gänsehaut bekommt, kann das Spiel sofort wieder einpacken, denn er scheint mit der Magie und Mysthik von Star Wars einfach nichts anfangen zu können. Alle anderen starren gebannt auf den Bildschirm und seltsamer Weise ändert es nichts an der Epik, dass diese Szene von Lego Figuren nachgestellt wird. Selbst der Legospiel-typische Klamauk kann die Stimmung nicht trüben, denn man merkt in jeder Sekunde des Spiels den Respekt vor dem Original, die Schwere und Leichtigkeit der Macht, die Tiefe der Charaktere. Die Tatsache, dass die Legofiguren Abnutzungserscheinungen haben, wie die echten Figuren im Kinder- oder Hobbyzimmer, passt derart gut zu dem abgewrackten Sci-Fi-Look der Star wars Filme, dass es eine wahre Freude ist.
Man findet sich kurz darauf in der „Filmauswahl“ wieder. Man kann zu Beginn jeweils aus einem der ersten Trilogie-Filme wählen – sprich: Die Dunkle Bedrohung (Episode I), Eine neue Hoffnung (Episode IV) und Das Erwachen der Macht (Episode VII). Nur wer in einer der Trilogien weiter spielt, erreicht damit auch die anderen Filme. Das Gute: Man kann jederzeit fröhlich hin- und herwechseln und bekommt das volle Star Wars Programm in einem einzigen Game. Fliegerlevel? Check! Erkundung der Planeten? Check! Podracer? Check! Bossfights mit Siths? Check! Han Solo schießt zuerst? Naja, nicht ganz, aber immerhin ist es lustig gelöst! Großartigerweise hat man nicht einfach die alten Lego Star Wars Games zusammen neu sortiert, sondern alles von Grund auf neu designt! Es kommt aus einem Guss und man merkt den Aufwand in jeder Sekunde. Das Spiel atmet den Spirit der Filme und ist vor allem im Zweispielermodus ein schönes Potpourri der besten Szenen der Saga zum Nachspielen und Nachbauen. An dieser Stelle könnte man also mit ruhigem Gewissen die selten erreichte 10 vergeben. Warum es aber wirklich verdiente und wahrlich schmerzliche Abzüge gibt, erklären die nun folgenden Passagen.
Zerlegen. Bauen. Benutzen. Repeat!
Das Spielprinzip ist kaum verändert zu vorangegangenen Legospielen und wer die alten super fand, wird nicht enttäuscht. Kritiker wird das Spiel aber dadurch eben auch nicht überzeugen. Man läuft mit vielen, aus dem Franchise bekannten Figuren durch eine teilweise gerenderte, teilweise aus Legosteinen bestehende Welt und kann mit sehr vielen Objekten interagieren, kleinere, sehr simple Rätsel lösen und vor allem durch das wiederholte Spielen von Leveln allerlei Geheimnisse und Charaktere freischalten. Letztere unterteilen sich in verschiedene Klassen, wie Jedi, Welrtraumschmuggler, Tüftler, Droiden und viele mehr. Selbstverständlich können einige Rätsel nur mit den entsprechenden Klassen gelöst werden, was das freie Spiel so interessant macht. Nach dem erfolgreichen Levelabschluss, kann man selbiges nochmal, aber mit allen bereits freigespielten Figuren angehen, was zu noch nicht erreichten Geheimnissen führen kann.
Durchaus angenehm und eine echte Neuerung sind die Weiten, welche sich in den Levels auftun. Es gibt nämlich in fast jedem Abschnitt Bereiche, die man nicht besuchen muss, aber gerne kann. Es gibt massenhaft Objekte, die es zu zerstückeln und eventuell in veränderter Form wieder aufzubauen gilt. Sogar Weltraumschlachten und Rennen wurden ins Gameplay integriert, was dem Star Wars Feeling und der damit verbundenen Immersion ins Spielgeschehen die Krone aufsetzt. Außerdem gibt es eine Art Entwicklungsbaum, den man mit zunehmend größerer Sammlung spezieller Bausteine freischalten kann. Durch die diversen Verbesserungen einzelner Aspekte verschiedener Klassen erhält das Spiel eine sehr sanfte, taktische Note. Dazu gibt es nicht nur die beliebten Figuren freizuschalten, sondern auch Raumschiffe und Fahrzeuge, die für Fans mindestens genauso wichtig sind. Allerdings hat man nie so richtig das Gefühl Zeit für diese Erkundungen zu haben.
Die Filme im Schnelldurchlauf
So sehr die Star Wars Stimmung in jedem Detail zu finden ist, so sehr hat man sich mit neun (9!!!) Filmen in einem (1!!!) Spiel doch ein wenig übernommen. Die grundlegende Frage beim inhaltlichen Konzept ist auch ganz selbstverständlich eine unlösbare. Die Zielgruppe sind Kinder, die einfach nur launig zocken wollen und gleichzeitig erwachsene, hochgradig anspruchsvolle Franchisefans. Die einen wollen ein zackiges Gameplay ohne lange Hänger, die anderen würden auch ohne weiteres für mehr als 100 Stunden in diese gigantische Story eintauchen und erst wieder rauskommen, wenn Palpatine final und endgültig das Zeitige segnet. Wie bringt man das unter einen Hut? Der Mittelweg wurde zwar gefunden, ist aber ein bitter schmeckender Kompromiss. Storytechnisch werden die Höhepunkte eines jeden Films durchgespielt und mit kleinen, aber unfassbar lustigen Legoänderungen versehen. Dabei kann man pro Film zwischen 1 und 6 Stunden brauchen. Wie kommt es zu dieser großen Diskrepanz? Wie ein jedes Legospiel möchte euch Lego Star Wars dazu ermuntern die halb-offenen Welten zu erkunden, alles zu zerschlagen, auf den Kopf zu stellen und in einem zweiten, freien Durchlauf auch mit anderen Charakteren die verborgenen Geheimnisse zu entdecken. Wer aber stets der rasanten Story und den helfenden Wegmarkierungen folgt, wird sich schnell in einer Hetzjagd zwischen den Galaxien wiederfinden. Andauernd heißt es in ein Raumschiff zu steigen, den Planeten zu wechseln, dort kurz mit jemandem zu sprechen, wieder zurückzureisen, eine Sitzung abzuhalten, wieder woanders hin zu reisen und dort jemanden zu besiegen. Zwar kann man an jeder dieser Stationen viel mehr Zeit verbringen und sich der Erkundung hingeben, aber es wird einem nicht besonders angeboten oder gar story-relevant integriert. Vor allem jüngere Spieler, die noch sehr stark auf Hilfe und Führung durchs Spiel angewiesen sind, könnten also schnell überfordert oder auch am Ende des Spiels sein, ohne den besonderen Reiz der Legospiele erschnuppert zu haben. Es scheint also der beste Weg zu sein mit Nerd-Mama oder -Papa zusammen auf der Couch zu sitzen und sich gegenseitig die Ideen zuzuwerfen und der Story auch mal eine Pause zu geben. An dieser Stelle müssen besagte Elternteile, die gehofft haben, mit diesem Spiel die Star Wars Saga ihren Jünglingen näher zu bringen, enttäuscht werden. Durch die rasante und zerstückelte Erzählweise fühlt sich die Geschichte zu keinem Zeitpunkt stringent erzählt an. Kaum hat man sich eingespielt, schon stirbt einer der Jedi und Episode I ist auch schon fast durch, bevor man so richtig verstanden haben kann, was es denn mit diesem jungen Skywalker und der Prophezeihung überhaupt auf sich hat.
Die arme Switch
Die Nintendo Switch ist eine tolle Konsole, alle sind sich einig. Geniale Spiele mit tollen Konzepten und das auch noch zum Mitnehmen. Ist es aber die perfekte Konsole? So gerne man mit „ja“ antworten würde, so sehr drängt sich einem die geringere Leistung des Hybridlieblings im Vergleich zur Konkurrenz auf. Gewisse Titel wird man auf der Switch nie erblicken, weil sie es schlicht und einfach nicht schafft. Große Studios wollen aber alle Kunden abgreifen, die Sony-Jünger, die Microsoft-Enthusiasten, wie auch die Nintendofans, denn es soll keiner leer ausgehen müssen, vor allem nicht die Financiers. Vielleicht ein harsches Urteil, angesichts eines so gelungenen Titels wie dem Vorliegenden, aber der Teufel steckt im Detail. Während die Ladezeiten gerade noch so verschmerzbar sind, immerhin gibt es sie nur zum Anfang eines jeden Levels, fallen einem die Framerateeinbußen ab Sekunde eins auf. In Zwischensequenzen kann es schon mal ruckeln und die Ingame-Texturen wechseln im Sekundentakt zwischen gestochen scharf und verwaschen hin und her. Die plötzlich auftauchenden Schatten und Objekte hat das Spiel mit anderen Riesenportierungen gemein. Das Spiel holt alles aus der Konsole heraus, überfordert sie aber auch an mancher Stelle, sodass es manchmal ein wenig anstrengend fürs Auge wird. Auf der anderen Seite (der Macht), bekommt man großartige Star Wars Welten, die teilweise eins zu eins den Filmen entnommen zu sein scheinen. Man glaubt tatsächlich, in den staubigen Gassen Mos Eisleys unterwegs zu sein und auch die düstere Stimmung der Anfangssequenz von Episode VII kommt gut rüber. Der wohlwollende und seine leistungsärmere Switch gewohnte Spieler drückt gerne das ein oder andere Auge zu anhand solcher Immersionswunder. Der letzte Zweifler wird mit Sequenzen wie den Podrennen überzeugt – wunderbar rasant und sehr aufwendig in Szene gesetzt.
Die dunkle und helle Seite der Macht
Während die technischen Unzulänglichkeiten am großen Fernseher zwar auffällig, aber verschmerzbar sind, bricht die Framerate im portablen Modus gänzlich ein. Dafür ist unser Outdoorbegleiter schlicht und einfach nicht gemacht. Zum zwischendurch mal Weiterspielen und Legosteinesammeln kann es okay sein portabel zu spielen, wer aber vor hat das ganze Spiel so zu genießen, auf der Switch Lite beispielsweise, sollte sich den Kauf sehr gut überlegen.
Es gibt aber eine technische Seite des Spiels, die sich erwartungsgemäß gewaschen hat. Da kann auch die Switch glänzen, wie die ganz Großen. Die Rede ist selbstverständlich vom Sound. Die Fanfaren wehen einem nur so um die Ohren, die Synchronisation ist genial und stellenweise sogar original-besetzt. Hier entfaltet sich das Star Wars Gefühl vollends und Fans werden ein ums andere mal mit Tränchen im Auge dasitzen und in die zwei Sonnen Tattoines blinzeln. Auch die Soundeffekte aus dem Hause Lucasarts sind selbstversändlich authentisch und vom allerfeinsten. Ob es sich um das Sausen eines Tie-Fighters oder das berühmte „Wrooom“ des Lichtschwerts handelt ist dabei egal, es ist zu 100% das was der Fan braucht, aber auch erwartet.
Im Zweispielermodus bleibt die Technik gleich stark (bzw. schwach), was erfreulich ist, sind die Lego-Games doch schon immer echte Spaßgaranten für einen gemeinsamen Abend auf der Couch. Leider verschlimmern sich hier die Probleme mit der Kamera, die im Einspielermodus, wegen der weiteren Sicht, noch verschmerzbar sind, um ein Vielfaches. Oft sieht man sein eigenes Fadenkreuz nicht mehr, weiß nicht auf wen oder was man gerade einprügelt und es entsteht ein unnötiges Chaos. Das soll aber nicht verschleiern, dass das Spiel zu zweit nochmal wesentlich mehr Spaß bringt, als alleine.
Der letzte Kritikpunkt technischer Natur soll sich dem Optionsmenü widmen. Das Menü ist gelinde gesagt unübersichtlich und überladen. Erwachsene können dies verschmerzen, aber wie sich Kinder darin zurechtfinden, bleibt schleierhaft. Selbst bei einer – verdienten – 12er Freigabe und damit einer etwas älteren Spielergruppe, könnten die vielen verschieden Optionen, Reiter und Karten einen überfordern. Zum Glück ist es (außer für die Upgrades) nicht allzu häufig notwendig selbige zu nutzen.
Fazit
Lego Star Wars: Die Skywalker Saga ist (neben den Marvel-Ablegern) definitiv der beste Eintrag in der Geschichte der Klemmbaustein-Lizenzspiele. Leider leistet sich das Spiel und vor allem die Switch Version einige, völlig unnötige Patzer und leidet zusätzlich an seiner gehetzten Erzählweise. Wer die Möglichkeit hat das Spiel auf einer stärkeren Konsole zu spielen, sollte auf diese zurückgreifen, da die vorliegende Fassung mit Sicherheit nicht die Beste ist. Alles in allem, vor allem für Fans, bleibt ein Spiel mit echtem Star Wars Feeling, allen beliebten (und verhassten!) Charakteren und der Möglichkeit zu schier unendlichen Erkundungen.
- Alle neun Filme in einem Spiel!
- Sehr viel Erkundungsmöglichkeiten
- Hoher Wiederspielwert
- Genialer Star Wars Sound
- Schwache Performance auf der Switch
- Schlechte Tutorials und Menüführung
- Sehr gehetzte und Bruchstückhafte Erzählweise
Vielen Dank an die Firma WB Games für die Bereitstellung des Testmusters.


